/n HARVARD UNIVERSITY LIBRARY OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY ^6±ca^Ur r ^^JU-Jl.lc i^^^_ JUL 2 6 1929 Jahrbuch der Hamburgiscilen Wissenscliaftlichen Anstalten. IIL Jahrsaiiö:. Ö""Ö' Hamburg 1886. Gedruckt bei Th. G. Meissner, E. H. Senats Buclidrncker. Stadtbibliothek Bericht des Directors Professor Dr. Eyssenhardt Im BeauiteiipersoDal trat nur in sofern eine Veränderung ein, als der bisher als Hülfsarheiter beschäftigte Bobert VoJhncr am 1 8 April zum Schreiber und Boten gewählt wurde. Der Bücherbestand wurde nach Ausweis des Accessionskataloges um 1833 Nummern vermehrt. Es ist hierbei zu bemerken, dass die uns im Tauschverkehr zugehenden Schriften von Universitäten u. s, w. kategorienweise nur als je eine Nummer aufgeführt werden, sowie dass die Zeitschriften, deren einzelne Hefte bei ihrem Erscheinen besonders gebucht werden, in dieser Zahl nicht einbegriffen sind. Im vorigen Jahr Avurden 248 periodische Schriften gehalten. Durch Kauf waren erworben etwa 1301 Bände. Geschenke haben wir zu verdanken — in chronologischer Ordnung â–  — E. H. Senate, Herrn Geh. Justizrath Dr. Geffckcn, dem Vcreiu für Hamburgische Geschichte, Herrn Professor Dr. Buhendey sen., Herrn Pastor Dr. Möndcdmy , der Bürgermeister KcU in ffhnscn' sehen Stiftung, Herrn Professor Dr. Auf/ust Mommsen in Altona, Herrn Kammer- junker von Baggesen in Strassburg i./E., Herrn Ed. Zinkeisen ^ Herrn Präsidenten Dr. Sieveking, Frau Dr. Mordtmann in Friedrichsruh, Herrn Stadtmissiouar Polte, Frau Goverts und Herrn Freiherrn von Weäenhoh. Ausserdem fielen uns aus den Nachlässen der Herren Bobert Sehneider und Pastor Köder einige Bücher zu. So dankbar wir für diese gütigen Zuwendungen auch sind, so wenig können wir doch den Wunsch nach einer Wiederkehr der Zustände des vorigen Jahrhunderts unterdrücken: damals wurden unserem Institute mehrere grosse und überaus werthvolle Privat- Bibliotheken nach dem Tode der Besitzer einverleibt, und auch von Lebenden fortwährend ebenso zahlreiche als schätzbare Geschenke gemacht. ]V Stadtbililiotliek. Das Bibliothekslocal erfuhr durch Erweiteruug des Lesezimmers eine äusserst dankenswerthe Verbesserung. Durch Theihiug des westhch daran stosscndeu Zimmers gewann dasselbe einen um ein Drittheil seiner iiühcren Ausdehnung vergrösserten Raum. Trotzdem genügt weder dieses Zimmer noch die Arbeitsräume irgend wie den zu stellenden Arisprüchen, wobei freilich auch nicht verschwiegen werden darf, dass die eigentlichen Bibliotheksräume in sehr bald absehbarer Zeit vollständig überfüllt sein werden. Eine andere Verbesserung verdanken wir ebenlalls der Bau- Deputation, welche einen grossen, praktisch eingerichteten Schrank zur Aufbewahrung der periodisch erscheinenden Schriften herstellen Hess. Auf diese Weise hoffen wir den berechtigten Wünschen derjenigen zahlreichen Benutzer der Bibliothek gerecht werden zu können, welche die Zeitschriften bei ihrem Erscheinen einsehen und benutzen Avollen. Das Lesezimmer wurde von ;)lo4 Personen besucht, welche 11846 Bände benutzten. Ausgeliehen Avurden 8308 Bände an 653 Personen (187 5: 3674 und 1880: 5033 Bände), darunter 55 Hand- schriften, von diesen gingen 34 nach auswärts, und zwar nach Berlin 13, nach Nürnberg 5, nach Schlettstadt 3, nach Rostock, Strassburg, Stuttgart und Wolfenbüttcl je 2, und nach Arnstadt, Breslau, Freiburg in Sachsen, Göttingen und Schleswig je eine; ausser- dem wurden nach 38 auswärtigen Orten 280 Bände versandt. Ist schon hieraus eine erhebliche Zunahme der Benutzung der Bibliothek zu ersehen, so ergiebt sich daraus, dass das Journal des Bericht- Jahres 2013 Nummern (von denen etwa Va Doppelnummern) aufweist, eine fortwährende Vermehrung der laufenden Geschäfte. Neben den laufenden Katalogisirungsarbeiten muss es die Hauptaufgabe der Verwaltung sein, die Ordnung der Aufstellung durchzuführen. Die Bibliothek ist so geordnet, dass die Bücher nach Band und Seite des Avissenschaftlichen Fach-Kataloges aufgestellt sind. Die \'oraussetzurg der Brauchl)arkeit dieses Systems ist natürlich, dass bei jedem im alphabetischen Kataloge stehenden Buchtitel der Standort des Buches angegeben ist, und dass die Bücherborde die Signaturen der unter ihnen stehenden Bände enthalten. Was den ersten Punkt anlangt, so ist etwa der dritte Theil des Bücher- bestandes nicht in den alphabetischen Katalog übertragen. Im ver- flossenen Jahre ist es gelungen, diese Avichtige und unerlässliche Arbeit für die Abtheilungen PL (praktische Theologie), die ersten sieben Bände von PM (Homiletik) , zwei Drittheile von Q II (Semitische Stadtbil)liot,liek. V Völker), OA IX (Reformations - Autotypen) und die neun Bände von NDIV (Musik) zu vollenden. Der zweite Punkt ist für etwa zwei Drittheile der Bibliothek erledigt worden. In etwa einem Drittheile des Bücherbestandes steht keine Signatur (so z. B. in fast sämmtlichen Hamburgensien) ; auch diese Arbeit ist für etwa 'A der noch nicht signirten Bücher beendet worden. Von den „Mittheilungen aus der Stadtbibliothek" erschien zu Ostern 1885 Heft II, enthaltend: von dem Berichterstatter einen bisher unbekannten Brief des Arias Montano an Philipp II von Spa- nien, eine satirische Schrift über Campanella, und eine dem Grafen von Olivares durch den Grossinquisitor von Spanien gewährte Er- laubniss, verbotene Bücher zu lesen; und von Herrn von Dommer: Lutherdrucke I, 1516 — 1519. In das Budget für 1885 war von der vorgesetzten Behörde der Betrag von J( 1200 zum Drucke der Katalogübersicht eingestellt worden, da die in den „Ansichten und Baurissen" gegebene überhaupt nicht detaillirt und, und weil viele Katalogbände theils umgearbeitet, theils in mehrere Bände zerlegt sind, längst veraltert ist. Dieser unumgänglich nothwendige Druck ist im Berichtjahre vollendet worden. Die Bibliotheks-Commission beschäftigte sich hauptsächlich mit den Vorarbeiten zu einer üebersicht des der Bibliothek fehlenden Bücherbestandes. Die einzelnen Mitglieder der Commission sind der Frage jeder auf seinem Gebiete näher getreten. Seitens der Bibliotheks- verwaltung sind zu diesem Zwecke umfangreiche Listen aus dem Gebiete der Diplomatik und Bibliothekswissenschaft, classischen Griechischen und Lateinischen Schriftsteller, alter Geschichte, Geographie und Archaeologie , sowie der Gesellschafts- und Akademieschriften auf- genommen worden. Es steht zu hoffen, dass diese zeitraubenden, ausserordentlichen Arbeiten die erwünschte Grundlage zu einer den berechtigten Anforderungen der Gegenwart entsprechenden Ergänzung unseres Bücherbestandes gewähren werden, die unser bestes Ver- mächtuiss für die Zukunft zu werden verheisst. YJ Botanischer Garten. Botanischer Garten. Bericht des Professors Dr. H. G. Reiclienbacli. Das Gebiet des Botanischen Gartens ist um den Kasenahhang gegen die Kleine Drehbahn vergrössert worden nach Umfriedigung mit ciuem schmiedeeisernen Gitter, Bereits sind Wege angelegt, die indessen wegen der sehr steilen Senkung leider nur recht schmal ausführbar wnren. Zu der Bepflanzung wird eine Gruppe des japane- sischen farnblättrigen Nadelholzes, Gingko biloba gehören nnd zwar wo irgend möglicli in beiden Geschlechtern. Da der berühmte r)aum, dessen Bezeichnung auf der Etikette mit „Couifere" schon manches Besuchers Zweifel oder Entrüstung erregte, unser Clinia recht glücklich erträgt, können vielleicht spätere Generationen die Erscheinung reifer Samen erlcl)on. Es wird sehr wabrscheinlich, dass die „Gingko" China entstammt, da sie in Japan nur um Tempel gepflanzt vorkommt. Nachdem nunmehr die sogenannte „Wildniss" vollständig in Cultur genommen ist und den erwarteten Ertrag nns bietet, konnte endlich der Anfang gemacht werden mit der Umpflanzung des älteren Systems auf der Dammthorseite. Leider ist die Zeitspanne, während der solche Arbeiten möglich sind, nur eine sehr kurze. Manche Jahre macht ein pbitzlich einbrechendes kurzes Frühjahr sie bei der Masse der ül)rigen Aufgaben undurchführbar. Es gelang bis zum Froste im Herbst etwa zwei Fünftel der Aufgabe zu erledigen. Die Monocoiylen und ein beträchtlicher Theil der Gamopetalen recken ihre Wurzeln in neu bearbeitetem vielfach ergänztem Boden. Natürlich wird der Blüthenertrag im ersten Jahre ein recht massiger sein. Eben deshalb war die Massregel immer beanstandet worden, so lange kein zweites Areal zur Verfügung stand. Die l''amilie der Umbelliferen niuimt ül)rigens das Verpflanzen so übel, dass es kaum räthlich sein wird, sie neu aufzustellen. Die grosse Trockenheit hat uns ungewöhnliche Verlegenheit bereitet. Besonders haben die frisch gepflanzten Holzgewächse ihr neues Dasein recht elend gefristet. Zum Glücke ist nunmehr eine gleiche Sorge für die Zukunft nicht zu erwarten, da die Wasserleitung auf dem neu bearbeiteten Westilügel mit Jahresschluss ziemlich vollendet war. Auch heuer lenkte sich die Ilauptaufmerksainkeit der Ver- waltung auf dem Gebiete der AnschalTung, auf die Vermehrung der Botauischei- Garten. VII Holzgewächse. Ein Ankauf bei der berühmten Firma Simon Louis frercs, Plantieres ])ei Metz, brachte uns GS Arten in hinter kräftigen, gesunden, gutgezogenen Exenipharen. — Besonders interessant sind drei Bäume der der Mahagony, Swietenia Mahagony, nahestehenden Cedrela sinensis, welche bei uns winterhart zu sein scheint, unter einer Sammlung von 157 Arten aus der vielleicht reichsten existirenden Gehölzsammlung des Dr. Dicck auf Zöscheu bei Merseburg. — Von der Firma P. SmifJt (Rilppell cC' Klinl), die uns Hamburgern so gut bekannt, erlangten wir 550 Hornbäume (Hainbuchen, Weissbuclien, Carpinus Betulus). Dieselben sollen Hecken bilden , um praktische Nothwendigkeiten, die kein Garten entbehren kann: Erdhaufen, Dünger, Steinbrocken u. s. w. dem Laienauge 7a\ verbergen, welche der Garten- verständige mit besonderem Vergnügen mustert. Welche Summe künftigen Genusses verspricht ein Haufen guter Erde und wie schwer war oft seine Erlangung I In der Erneuerung der Buxeinfassung des alten Systems sind wir stark vorgeschritten unter Anwendung einer sclnnalidättrigen Sorte, welche unsere gefährlichen Winter viel besser erträgt, als der ge- wöhnliche sog. französische Zwergbux. Sämereien landwirthschaftlicher Art erhielten wir von der alten Hamburger Firma EiTist & von Sprcchelscn (Booih Nachf ). Ziersämereien, die Avir nicht entbehren können , sendeten die Erfurter Firmen der Herren Benary & Cropp. Pflanzen lieferten die Herren Hacuje und Schmidt in Erfurt in grosser Menge. Ausserdem die Herren F. A. Haacje jun. Erfurt, Liesslic Handmrg, Million Lübeck, Rosenhanf z & Sohn Haarlem, F. F. Stange Hamburg, Strauss Ehrenfeld. Im Tausch empfingen wir sehr grosse Seltenheiten vom Botanischen Garten auf der Apothekerinsel St. Petersburg. Ganz besonders merkwürdig ist die bisher gut gedeihende Synthyris reni- formis, die Vertreterin der merkwürdigen Gattung Wulfenia in Nord- Amerika. Wulfenia findet sich in Kärnthen, im Orient, auf dem Himalaya. Weiter erhielten wir von Herrn Madarus in Grabow und Herrn Bete in Bredeney bei Essen mehre Seltenheiten. Letzterer ist der Gärtner des Herrn Krupp. Samen erhielten wir aus Australien von Herrn Baron von Müllen- in Melbourne, aus Ostindien von Herrn Dr. Bvandis in Bonn und von Herrn R. Sloman in Hamburg. Eine Anzahl brasilianischer Orchideen spendete Herr E. Riniann. yj|{ Sternwarte. Unter den Gaben des Dircctors sei besonders das vielgepriesene nene Cypripedium Leeanum erwähnt, welches derselbe als persönliches Geschenk von dem Präsidenten der Londoner Royal Horticultural Society, Sir Trevor Laivrcnce, Bt., M. P. erhalten hatte. Unsere Ausstellungen fanden in der l)isherigen Weise Statt. Sie wurden fleissig besucht und besonders unsere schönen AlpeupHanzen und die Orchideen schienen reges Interesse zu erregen. Solche kleine Ausstellungen auf wenige Stunden schaden den Pflanzen bei nöthiger Vorsicht nicht, Avährend die oft wochenlange Parade auf grossen Ausstellungen in fast immer für die Gewächse nnwirthlichen Localen durchaus unheilvoll ist und nur dem Ilandelsgärtner nützt, der bei einem Bestände von hunderten von Exemplaren gern eins opfert, um die Aufmerksamkeit der Besucher anzuziehen. I'Tir Unterrichtszwecke lieferten Avir 101,008 Exemplare. Die Vorträge über Botanik für Lehrer behandelten im Sommer und Winter alle Disciplinen der Wissenschaft. Sternwarte. Bericht des Direktors Dr. George Eümker. Die Witterung des verflossenen Jahres war der beobachtenden Thätigkeit unserer Sternwarte wenig günstig, und es konnten nur an 119 Nächten, au diesen aber im allgemeinen längere Zeit hindurch, Beobachtungen angestellt werden. Die den Beobachtungen günstigen Nächte vertheilten sich auf die einzelnen Monate wie folgt: \n\ Januar hatten wir 12 theilweise heitere Nächte, im Februar 10, März 10, April 13, Mai 11, Juni 10, Juli 10, August 6, September 9, October 10, November 10, Dezember 8. An den Äleridianinstrumenten Avurden wie l)isher, neben den für die Zeitbestimmung erforderlichen Beobachtungen, vorzugsweise die Bestimmungen von Fixstern- und Planeten-Positionen fortgesetzt, und am Ae(juatoreal insbesondere die im vorigen Jahre neu entdeckten Kometen und kleinen Asteroiden beol)achtet. Ein grosser Theil dieser Bestimmungen ist bereits in den „Astronomischen Nachrichten" ver- öffentlicht worden. Im Jahre 1885 sind 9 neue Asteroiden hinzugekommen, welche von den Herren LnHur in Düsseldorf, PuJisa in Wien, BoreU// in Marseille, Fcfers in Chnton U. S., Poysov in IMadras und Perroiin in Sternwarte. IX Nizza entdeckt wurden. Die Zahl der uns bekannten kleinen Planeten der Gruppe zwischen Mars und Jupiter ist dadurch auf 253 gestiegen. Unser Kometenverzeichniss wurde durch .5 neue Kometen vermehrt. Von diesen konnte der erste, von Herrn Barnard zu Nashville U. S. am 7. Juli entdeckte Komet in Folge der Ungunst der Witterung hier nicht beobachtet werden. Der zweite von Herrn Broolis zu Phelps, New-York, am 31. August entdeckte schwache Komet, wurde hier bis Ende September verfolgt. Die beiden folgenden, von den Herren Fahrt/ in Paris Dezember 1 und Barnard in Nashville Dezember 3 entdeckten, ziemlich hellen Kometen sind gegenwärtig (Ende März 188G) noch am südwestlichen Himmel zu sehen, und hier, so oft die Witterung es gestattete, bisher beobachtet worden. Der fünfte, sehr schwache von Herrn Brools zu Phelps am 27. Dezember entdeckte Komet wurde hier bis Anfang Februar 1886 beobachtet. Diese fünf Kometen scheinen sich den Untersuchungen zufolge in parabolischen Bahnen zu bewegen. Ferner ist noch die nach den Vorausberechnungeu im August v. J. erfolgte Wiederkehr des periodischen Kometen von TutÜe anzuführen. In der letzten Hälfte des Augustmonats wurden die Astronomen durch das plötzliche Auftauchen eines neuen Sterns im Kern des grossen Nebelflecks im Sternbilde der Androraeda überrascht. Der Stern, welcher anfänglich im Glänze eines Sternes 6. Grösse mit entschieden röthlicher Färbung erschien, nahm bereits im Laufe der folgenden Wochen schnell an Lichtstärke ab und zeigte im Januar 188G nur noch die Helligkeit eines Sterns 11. Grösse. Es steht anzunehmen, dass der Stern in physischem Zusammenhange mit dem, den spektral- analytischen Untersuchungen zufolge, einen grossen Sternhaufen bildenden Andromedanebel steht, und dass sein plötzliches Aufleuchten wahr- scheinlich auf einen Zusammenstoss einzelner Theile dieses dicht- gedrängten Sternkomplexes zurückzuführen ist. Der neue Stern wurde hier in den Monaten September und Oktober wiederholt beobachtet, und seine Stellung zu verschiedenen anderen leuchtenden Kondensations- punkteu der Kernmasse durch Messungen wie auch durch Zeichnungen bestimmt. Schliesslich muss hier noch der nach der Vorausberechnung in den Abendstunden des 27. November erfolgten Wiederkehr des Andromediden-Sternschnuppenschwarms gedacht Averden. Bekanntlich bewegen sich die zu diesem Schwärm gehörenden Meteoriten genau in der Bahn des sich seit dem Jahre 1846 in der Auflösung befindeuden periodischen Kometen von BieJa, so dass mit grosser Wahrschein- lichkeit anzunehmen steht, dass sich dieser Stern schnuppenschwarm 5^ Steril wiiit(>. aus den Triimniermassoii des BieJaschen Kometen gebildet hat. Leider k(.iiiite das Phänomen hier in Folge der an diesem Tage lierrscheudeu nngünsligen Witterung erst, naclidem es den Ilöhe])unkt seines Glanzes überschritten hatte, beobachtet werden. Doch wurden auf der Sternwarte in der Zeit von S Uhr 5;') Min. bis !) Uhr 30 Min. Al)ends nicht weniger als 1450 Sternschnuppen, meistens durch Wolkenlücken, gezählt, und es konnte ferner der Ausstrahlungspunkt, d. h. derjenige Punkt am Himmel, von dem aus die Meteore sich in ihrer Bahn um diese Zeit auf die Erde zu bewegten, mit grosser Schärfe fest- gestellt werden. Die Thätigkeit des der Leitung der Sternwarte unterstellten Chronometer-Prüfungs-Listituts der deutschen Seewarte Avar auch im vorigen Jahre eine recht befriedigende. Neben ihren gewöhnlichen Arbeiten und der alljährlich auf derselben auf Anordnung der Kaiser- lichen Admiralität stattfindenden allgemeinen Chronometer-Konkurrenz- Prüfung, wurde die Hülfe des Listituts insbesondere noch von wissen- schaftlichen Anstalten, darunter der Krmigl. Academie der Wissenschaften inP>erlin, sowie von verschiedenen geographischen Forschungsexpeditionen behufs Prüfung ihrer Präcisionsuhren in Anspruch genommen. Ueber die Desultatc der letzten im vVpril v. J. bcondigicn S. allgemeinen Konkurrenz-Prüfung ist im Jahrgang XIH der „Anualen der Hydrographie und maritimen Meteorologie" ein eingehender P)e- richt veröffentlicht worden. Als auf ein sehr erfreuliches Zeichen der steigenden Betheiligung in den betreffenden Fachkreisen darf hier noch darauf hingewiesen Averden, dass , wenngleich die Prüfung von Präcisionstaschenuhren bisher nur ausnahmsweise und auf besonderen Wunsch der Fabrikanteu erfolgt ist, die Gesuche um die Prüfung solcher Uhren sich in der letzten Zeit derartig vermehrt haben, dass die Direktion der Seewarte, mit Genehmigung des Herrn Chefs der Kaiserlichen Admiralität, beschlossen hat, am Institute noch eine besondere Abtheilung für die Untersuchung von Präcisionstaschenuhren einzurichten. Der auf dem Thurm des Quaispeichers aufgestellte Zeitball hat im vorigen Jahre leider weniger befriedigend funktionirt als in den beiden vorhergehenden Jahren, und es mussten 21 Fälle verzeichnet werden, wo der Ball entweder überhaupt nicht oder nicht im richtigen Momente Hei. Von diesen Fällen sind einzelne wohl auf j)lötzlich entstandene Leitungs- störungen , andere auf einen Wechsel im Personal der den P>all am Aulstellungsorte bedienenden Beamten, die Mehrzahl aber auf eine im Steinwarte. XI Sommer v. J. erfolgte Reparatur am Apparate zurückzuführen, nach deren Ausführung der Ball sich nicht immer, nachdem er aufgezogen, im Augenblicke des electrischen Signals von seiner Aufhängungsscheere lösen Avollte. Jedenfalls sind alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden, um eine Wiederkehr derartiger höchst störender Fehlsignale für dieses Jahr auf ein Minimum zu beschränken. Die der Aufsicht der Sternwarte unterstellten Zeitballstationen in Cuxhaven und Bremer- haven haben wiederum sehr befriedigend gewirkt, und es sind in Cux- haven nur 4, in Bremerhaven nur 5 Fehlsignale zu verzeichnen gewesen. Die an der Börse und am Eingange zur Sternwarte angebrachten beiden sympathetischen Uhren sind das Jahr hindurch in vollständiger Uebereinstimmung mit der ihren Gang controllirenden Normaluhr in der Sternwarte gewesen. Der Instrumeutenbestand der Sternwarte ist im Wesentlichen unverändert geblieben und nur durch einige unbedeutende Ankäufe ergänzt worden, dagegen wurde die Bibliothek wieder durch ein- gegangene Geschenke und Ankäufe um ein Erhebliches vermehrt. Schliesslich können wir nicht umhin, unsere bereits im vorjährigen Jahresberichte ausgesprochenen Klagen über die Unzulänglichkeit der gegenwärtig im Gebäude der Sternwarte vorhandenen Arbeits- und Aufstellungsräume zu wiederholen, und darauf hinzuweisen, dass die- selben nunmehr so überfüllt sind, dass sie jede weitere Vermehrung des Instrumenten- und Bibliothekmaterials ausschliessen. Soll daher das Institut in seiner bisher so erfreulichen Entwicklung nicht auf das EmpfindHchste gehemmt werden, so ist eine möglichst schleunige Vergrösserung der Bureau- und Aufstellungsräume unerlässlicli. Im Oktober des Jahres verliess der langjährige Observator der Sternwarte, Herr Dr. Carl Sclirader, unter Bewilligung eines dreijährigen Urlaubs, seine Stellung, um einem sehr ehrenvollen Rufe als Leiter einer nach den deutschen Besitzungen auf Neu -Guinea und dem Bismarkarchipel ausgesandten wissenschaftlichen Forschungsexpedition Folge zu leisten. Zu seinem interimistischen Vertreter wurde Herr Dr. Wilhelm Luther, bisher Assistent an der Königl. Universitäts- Sternwarte zu Bonn, ernannt. XII Muscimi fiii- Knust iiiid Gewerbe. Bericht über das Hamburgisclie Museum für Kunst und Gewerbe, erstattet vom Director Dr. Jiistus Briuckmann. Die Verwaltung. Veränderungen in der Zusammensetzung der technischen Com- raission für das Museum für Kunst und Ge\verl)e sind im Jahre 1885 nicht eingetreten. Dieselbe bestand während desselben aus den Herren Bürgermeister 0. H. Kirchcnpcmer Dr., als Vorsitzender, Tischler- meister O. jR. Richter, Landgerichts-Director Heinrich Föhring Dr., Bildhauer E. G. Yime, Kaufmann Robert Mestcrn, Schlossermeister H. J. Eduard Schmidt, Kaufmann Carl G. Popert, Architect Eduard Halliei- und Gewerbeschul-Director E. J. A. Stuhhnann Dr. Auch im Bestände der Angestellten des Museums sind Aende- rungen nicht eingetreten. Die von Senat und Bürgerschaft iür die Anstalt bewilligten Geldmittel beliefen sich im Jahre 1885 auf 4 19 500 für Gehalte (wovon ^ 3000 für Hülfsaufsicht und Hülfsarbeit und Jf 1500 als erstes Quartal einer im October durch übereinstimmenden Beschluss von Senat und Bürgerschaft dem Director bewilligten persönlichen Gehaltszulage von Jf (iOOO), auf Jf 15 000 für die Vermehrung der Sammlungen, Jf 8000 für die Bibliothek und Jf 7800 für die allge- meinen Verwaltungskosten. Letztere vertheilen sich folgendermaassen: Restaurirung und Aufstellung J^f 2288,43 Reisen, Fracht und Verpackung „ 1534,22 Drucksachen, Buchl)inderarbeitund Schreibmaterial „ 1249,05 Tagesblätter und Inserate ,, 131,85 Porto und kleine Bureauauslagen „ 200,69 Reinhaltung „ 14': 7,40 Verschiedene nothwendige und kleine Ausgaben. . „ 915,95 y/ 7797.59 Eigene Kinnahmen hatte die Anstalt, abgesehen von Zu- wendungen zur ^'el•nlehrung der Sammlungen, nur aus dem Erlös der Berichte des Museums, für welche im Jahre 1885 .^42 an die Hauptstaatskasse abgeliefert wurden. Museum für Kunst und Gewerbe. XIII Die Vermelu'ung der Sammlungen. Ausser den im regelmässigen Budget der Anstalt für die Ver- mehrung der Sammlungen angewiesenen Jf Ib 000 sind im Jahre 1885 keine Staatsmittel für Ankäufe in Anspruch genommen. Aus dem im vorjährigen Berichte erwähnten grossmtithigen Vermächtniss von Fräulein Anna Emilie Christiane Werdiaii konnten der keramischen Abtheilnng mehrere Stücke von hervorragender Schönheit zugeführt und ein namhafter Betrag auf den Erwerb eines weiteren Bruchtheiles jener Sammlnng japanischer Schwerdtornamente verwendet werden, von welcher ein Drittheil schon im Vorjahre durch Beiträge von Freunden der Anstalt gesichert worden war. Zunächst wurde aus den Mitteln dieses Legates die in den letzten Jahren sehr zurückgebliebene Porzellan-Sammlung bedacht. Unter den Ankäufen ist hervorzuheben als Erzeugniss der Blüthezcit der Meissener Porzellan-Plastik die hier abgebildete Statuette der Blumenverkäuferin : eine auf einem Felsen sitzende junge Frau, in der Tracht ihrer Zeit, auf dem Schoosse einen Korb haltend, in dessen durch- löcherte Deckplatte Veilchen und andere kleine Blumen gesteckt werden können. Anmuthvolle Haltung, sorgfältig durch- geführte Modelliruug und eine be- scheidene, die Feinheit und Weisse des edlen Stoffes mehr hebende als verhüllende farbige Bemalung sind \'or- züge, welche diese Statuette zu einem Meisterwerke der Klein-Plastik machen und es erklären, warum gerade dieses Modell vielfach nachgeahmt und von Fälschern ausgenutzt worden ist. Mit dem zweiten Stück, der weissen Gruppe eines Liebespaares mit einem Vogel- käfig, gelangte die bis dahin in der Sammlung fehlende Porzellan - Fabrik von Wegelj, welche in den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts zu Berlin bestand, dann in den Besitz Gotzkowsky's überging und im Jahre 17G3 zur königlichen Manufactur erhoben wurde, zu bezeichnender Vertretung. Drittens wurde ein reizen- des, in Eisenroth und Gold decorirtes Frühstücks-Service der ersten Vermächtniss des Fräulein A.E.C.Werchau. XIV Museum fiü- Kunst und Gewerbe. Periode der königlich -preussisclieu Porzellan - Manufactur erworben. Dasselbe ist ein vortrel'iliclies Beispiel der dieser Anstalt eigenthüin- lichen, von ihr in vielfachen Farbenveränderungen ausgeiührten Deco- ration des sog. Keliefzierrathes. Für die einfarbig in Eiseuroth gemalten Bildchen — Liebesscenen in Jiaudschaften im Geschniacke Watteaus — sind weisse Kartuschen ausgespart, von denen sich erhabene eisenrothe Stäbe, mit goldenem Rankenwerk durchwachsen, spalierartig zu den Einfassungen erstrecken, welche mit goldenen Schuppen auf eiseuroth getöntem Grunde benuilt und in den Formen eines zierlichen Rococo l>lastiscli belebt sind. Auch die Abtheilung der Fayence konnte Dank dem Werchau'- schen Legat um ein hervorragendes Stück vermehrt werden: eine Anbietplatte zum Herumreichen von Beeren, Früchten oder Confect. In der Mitte der mit bunten Blumen in feinster Ausführung bemalten Platte erhebt sich ein junges Mädchen mit blumengefüllter Schürze, auf dem Kopfe ein Körbchen haltend; rund um ihren Sockel stehen Schälchen, Avelche gefüllt dargeboten und, nach einander abgenommen, die schönen Malereien der Platte hervortreten lassen. Wahrscheinlich ist diese Fayence, wie ein gleichzeitig erworbener Fruchtkorb, Mar- seiller Arbeit von etwa 1770. Sie gehörte zu demselben Service, von welchem die Sammlung als Geschenk der Zuhörerinnen der Vorträge des Directors schon seit einigen Jahren 18 schöne Nachtischteller besitzt, deren rothe Lilienmarke auf die berühmte Marseiller Fabrik Savy's deutet. Letztwiüige Ein von Frau Marie Wilm geb. Malmberg aus dem Nachlasse ziuveiiduDK des (]gg Herrn Otto Mahnherg auf Wunsch des Verstorbenen der Anstalt Otto Maimberg. überwiesener Betrag von J^ 5U0 wurde theils zum Ankauf eines silbernen, mit einem gravirten Gehänge hübsch verzierten Bechers vom Jahre 1624, aus dem Besitz der früheren Schuhmacherzunft zu Bergedorf, theils zum Ankauf einer Reihe kleiner japanischer Metall- und Schnitzarbeiten von hoher Vollendung verausgabt. Die Mehrzahl derselben sind knopftormige Netzkes, wie sie den Japanern dienen, den Tabaksbeutel und das Pfeifentäschchen oder das Medicinbüchschen im Gürtel hängend zu tragen. Sie bestehen aus einem runden, hohl- gedrechselten Stücke Elfenbein, in welches eine runde Metallplatte eingelassen ist. Aus Gold, Silber und farbigen ]\Ietallgemischen sind auf diesen Platten feine Reliefs zusammengestellt. Die eine zeigt gefüllte Blüthen des Kirschbaumes, der LieblingspHanze der Japaner; eine andere ein Spinngewebe über einer jener bemoosten Steinlaternen, welche in den Tempelhainen und zur Erweckung ernster Stimmung auch in den Hausgärten aufgestellt werden; die dritte einen Feld- Museum für Kunst und Gewerbe. XV Sperling inmitten reifer Hirseähren ; die vierte eine dem Volksaberglauben entlehnte Darstellung eines schildkrötenartigen Ungethüms, das einen blinden Musikanten in einen Sumpf leitet; die fünfte eine im Schnee watschelnde Gans; die sechste eine Krähe und einen Silberreiher. Andere Metallplatten dienten als Schliessplatten für Tabaktascheu, darunter eine, mit dem Durchgang eines Pferdes durch eine Fürth, sich durch staunenswerthe Feinheit in der Verbindung tiefer Gravirung mit eingesetztem Relief auszeichnet. Weiter einige aus Holz geschnitzte Netzkes, darunter eines, welches einen Regenwurm darstellt, der sich auf einer zerfetzten Strohsandale windet — ein für den japanischen Geschmack sehr bezeichnendes Motiv — erinnern doch derartige verbrauchte und von den Wanderern am Wegrande fortgeworfene Beschuhungen ebenso au die Vergänglichkeit der irdischen Diuge, wie die zerrissenen, von Schnecken bekrochenen Regenschirme oder die von Mäusen benagten Fächer. Einer letztwilligen Verfügung des am :5l. December des Jahres L,«tztwiUige Verfügung des 1884 verstorbenen Herrn Johann Andreas Faul Mcckelhury verdankt die Herrn Johann Anstalt einige werthvolle Alterthümer aus dem Nachlass dieses Herrn. Andreas Paui 1-11 1 1 Ti/r 1 • Mcckelburg. Dieselben wurden dem Museum allerdings nicht unmittelbar überwiesen, aber der Verfügung des Verstorbenen gemäss von den Testaments- vollstreckern unter so günstigen Bedingungen zu Kauf angestellt, dass die Anstalt auch für dieses Angebot dem Verstorbenen zu warmem Dank verpflichtet ist. Das Hauptstück dieser Erwerbungen, alter Familienbesitz des Herrn Mcckelburg, ist eine Rococo-Commode, welche mit ihren feingeschweiften Umrissen, ihren gebogeneu, mit „bois violet" fouruirten Flächen, ihrem ciselirten Bronzebeschlag und ihrer Platte aus gelbrothem Puddingstein , ein feines Beispiel dieser bisher im Museum nicht vertreteneu typischen Möbelform des 18. Jahrhunderts darbietet. Erhöht wird der Werth dieser Commode noch dadurch, dass auf dem Hirnholz unter der Platte der Name ihres Verfertigers, G. Landrin, eingestempelt ist und sich, durch den Marmor geschützt, ein auf die hölzerne Deckplatte geklebtes gedrucktes Blatt aus dem Jahre 1735, eine Reclame eines grossen Pariser Decorateurs erhalten hat, deren Anpreisungen für die kunstgewerblichen Verhältnisse jener Zeit bedeutungsvolle sind. Demselben Nachlass verdankt die Sanjmluug ferner ein mit Einzelfiguren in der Zeittracht fein bemaltes Meissener Caffee- und Thee-Service mit der Schwerdter-Marke mit dem Punkte, sowie eine als Ergänzung dazu dienende Reihe von Tassen mit musi- cirenden Einzeliiguren, deren abweichende Tracht ebenso wie ihre Schwerdter-Marke mit dem Stern die jüngere Zeit ihrer Entstehung bezeichnet; endlich eine gute Biscuit-Büste von Bonaparte als erster }^YJ Museum für Kunst und Gewerbe. Consul aus der Fabrik von NiderviUo und einige andere Porzellane von minderem Wertli. Schenkung des Dem Kaiserlich Deutschen Consul zu Hiogo in Japan, Herrn Honn Consul ^(,,.,„^^j,^ tSlamüm verdankt die Anstalt eine Reihe seltener, von ilini stannius. in Seiner früheren Stellung als Deutscher Consul zu Bangkok m biam gesammelter Porzellane, Kummen und Schalen jener in den deutschen Samndungen seltenen Art, Avelche als siamesische Porzellane bezeichnet zu werden pflegen, aber, -wie auch des Schenkers an Ort und Stelle eingezogene Erkundigungen bestätigen , vor Zeiten in China nach siamesischen Zeichnungen für den siamesischen Markt gearbeitet Avorden sind. Die Mehrzahl derselben, tiefe Kummen mit napfförmigen Deckeln, dienten zur Aufnahme gekochten Pveises und anderer Speisen und zwar die älteren, durch die buddhistischen Figuren ausgezeichneten nur der Priesterschaft. Die Bemalung mit dickau fliegenden, den schmutzig weissen Porzellan -Scherben völlig mit buntem Ornament verhüllenden Emailfarben und die eigenthümlichen gelb und Aveissen buddhistischen llalbtiguren in eisenrothen Feldern, wechselnd mit vogelköptigen Gestalten oder Vierfüssern mit Menschenleibern auf schwarzgrün emaillirtem , von weissrothen Flammen durchzüngeltem Grunde, dazu eine gewisse Derbheit in der Mache geben diesen Porzellanen etwas so auffällig Eigenartiges, dass wir leicht begreifen, wie sie bis in die neueste Zeit als selbständige Erzeugnisse Slams angesehen werden konnten. Auch diejenigen dieser Gefässe, in deren Emaillirung ein lebhaftes Grün mit Eisenroth, Weiss und Gelb die Hauptfarben sind, machen einen von dem chinesischen Porzellan ab- w-eichenden Eindruck. Heute wissen wir, dass wir in ihnen allen Belege für die Findigkeit zu bewundern haben, mit welcher die alten Porzellankünstler Chinas sich dem Geschmacke ihrer siamesischen Kunden ebenso sehr anzupassen wussteu, wie dem Geschmacke der Perser und der Türken, und in Verfolg dieser Beobachtungen würde man heute im Stande sein, eine grössere Sammlung altchinesischen Porzellans durchweg nach den ausländischen Märkten zu gruppiren, für deren Bedarf und Geschmack die Chinesen sorgten, bevor die abendländische Nachahmung ihrer Porzellaiu> in echter Kaolin-Masse, in Fayence oder anderen Thonmischungen ihren Absatz einschränkte. Das Alter der älteren unserer siamesischen Porzellane reicht, wie wir aus gewissen, ihnen mit datirten chinesischen Stücken gemeinsamen technischen Merkmalen, u. A. den Anklängen an das Porzellan der sog. rothen Familie, entnehmen dürfen, etwa in die erste Hallte des 18. Jahrhunderts zurück; seit etwa 50 Jahren sollen derartige Stücke nicht mehr aus Chiiui in Slam eingeführt sein. AYas in neuester Zeit Museum für Kunst und Gewerbe. XVII dort für den siamesischen Markt gearbeitet wird, ist völlig anderer Art, weicht aber, wie ein von Herrn Consnl Stannius gleichfalls ge- schenkter Satz von Kummen mit Napfdeckeln zeigt, immer noch sehr auffällig von den in China für das eigene Land oder für Europa decorirten Porzellanen ab. Diese Kummen sind mit ihrem an die Muster indischer Gew^ebe erinnernden, regelmässig vertheilten Ptlanzen- werk, mit gelben Zweigen, grünen Blättern und blauen Blumen auf mattgoldenem Grunde von reizender farbiger Wirkung. Wie des Weiteren die Sammlungen vermehrt wurden, zeigt die vertheiiung iiei- nachstehende Uebersicht der Ankäufe aus dem Budget des Jahres 1885. -A^ntaufisimtiei Auch in diesem Jahre wurde ausweise derselben ein hoher Betrag, v^ 832S dem Ankauf von Erzeugnissen der metallotechnischen Gewerbe zugewendet, für welche damit im Ganzen — jedoch abgesehen von der durch Doubletteu- Verkäufe bezahlten Sammlung des Banernschmuckes und von den aus der Neddermann'schen Erbschaft bezahlten Sanct Servatius-Platten — eine Summe von J4 ^\ 907,53, annähernd 23 vom Hundert des Gesammt-Aufwandes für die Sammlungen verausgabt ist. Der nächsthohe Betrag, J^ 2591,40 ist der keramischen Ab- theilung, vorzugsweise den Fayencen zu Gute gekommen. Der An- schaffungswerth der gesammlen keramischen Sanunlung einschliesslich der Oefen, jedoch noch ungerechnet der aus der Neddermann'schen l']rbschaft angekauften Majoliken, erhebt sich damit auf J^ 70 033, 08, annäherud 26 vom Hundert des Gesammt-Aufw^andes. An dritter Stelle, dem Aufwände nach, stehen für das Jahr 1885 die textilen Arbeiten, für welche dieses Jahr auch insofern bedeutsam war, als in ihm endlich wenigstens unsere reiche Sammlung von Stickereien zur Schau gestellt Averden konnte. Mit den Ankäufen um J6 1208,10 ist der Aufwand für diese Abtheilung auf nicht völlig 8 vom Hundert des Gesammt-Aufwandes gestiegen â–  — ein verhältniss- mässiges Zurückbleiben, welches mit der noch völlig ungenügenden Entwickelung unserer Sammlung alter Gewebe im Zusammenhang steht. Die Abtheiluug der Möbel und Holzschnitzereien, welche in der Uebersicht des Gesammtaufwandes mit J^ 54 746,25 oder annähernd 20 vom Hundert den dritten Platz behauptet, nimmt bei den Ankäufen des Jahres 1885 mit nur J( 564 eine ihrer Bedeutung nicht entsprechende untergeordnete Stelle ein, was sich wesentlich dadurch erklärt, dass die häutiger vorkommenden Schrank- und Truhentypen unserer Gegend jetzt in genügender Mannichfaltigkeit vertreten sind, zum Ankauf von Stücken ersten Ranges aber, wie sie zur Vervollständigung gerade dieser Abtheilung in höchstem Grade erwünscht wären, eine irgendwie annehmbare Gelegenheit nicht zu erspähen war. b A^\ jjj Museum für Kunst und Gewerbe. Uebersicht der Ankäufe für das Hambiu^gische Museum für Kunst und Gewerbe aus dem Budget des Jahres 1885. 1. Nach technischen Gruppen. stück. Preis Jl, Stück. Preis Jt, 1. Gewebe 1» 713,10 Stickereien 20 38.5 Spitzen 1 50 Posamentier- Arbeiten 2 40 Geflechte 1 20 Tcxtil-Arbeiteu im Ganzen 43 1 208,10 2. Bucheinbände und Leder II 2(i5 3. Fayencen 27 1 5H0 Porzellane 15 294 Steinzeug etc 15 737,40 Keramische Ai'beiten im Ganzen 57 2 591,40 4. Gläser 2 200 Glasmalereien 1 300 Glas im Ganzen 3 500 5. Möbel 6 455 Holzschnitzereien 8 109 Ilolzarbeiten im Ganzen 14 564 6. Lackarbeiten 12 H20,50 7. Schmiedeeisen 9 1 210 8. Bronze, Kupfer, Zinn etc , 8 475 9. Edelmetallarbeiten 6 435 10. Emailarbeitcn 2 825 11. Japanische Sehwerdtornamente u. dol 148 5 108 12. Kleines Geräth aus verschiedenen Stoffen 5 175 13. Korbfleciitjubciten 17 311 14. Ai-cliitectonische Ornamente 3 90 15. Arbeiten der polygraphischen Künste 6 122 16. Verschiedene Techniken 12 500 im Ganzen .356 15 000 IL Nach geschichtlichen Gruppen. ^^^ ^.^^,^ ,^ Europa : 1 . Prähistorisches — — 2. Aegypten 1 250,40 3. Classisclies Alterthum ... — — 4. Mittelalter 10 401 5. XVI. Jahrhundert 23 2 295,50 6. XVII. Jahrhundert 25 977 7. XVIII. Jahihundcrt .59 2 022,60 8. XIX. Jahrhundert 4 338 Orieüt : 9. Persien und Indien 15 1 109 10. China 10 360 11. Japan 207 7 201,50 12. Anderer Herkunft . . 2 45 im Ganzen . . . . .3.56 15 000 Museum für Kunst und Gewerbe. XIX Uebersicht der Ankäufe für das Hamburgisclie Miiseuin für Kunst und Gewerbe in den Jahren 1869—1885 einschliesslich. J. Nach teclmisclien Gruppen. stück. Preis Ji, 1. Gewebe, Stickereien, Spitzen, Posamentierarbeiten 542 20 636,75 2. Bucheinbände und Leder 101 7 655,15 3. Keramische Arbeiten und Oefen 1550 70 033,08 4. Glas und Glasmalereien 218 8 012,69 5. Möbel und Holzschnitzereien 309 54 746,23 6. Lackarbeiten 74 6 274,50 7. Schmiedeeisen 262 17 081,48 8. Bronze, Kupfer, Zinn etc 299 23 805,34 9. Edelmetallarbeiten 149 19 479,88 10. Emailarbeiten 51 16 040,57 11. Japanische Schwerdtornamente u. der<;l 318 9 089,38 12. Kleines Geräth aus verschiedenen Stoffen 18 652,60 13. Korbflechtarbeiten 19 418,99 14. Architectonische Ornamente 63 3 736 15. Arbeiten der polygraphischen Künste 9 594 16. Verschiedene Techniken und Galvanos 448 9 990,18 im Ganzen 4430 268 246.82 II. Nach goscliichtlicheii Gruppen. stück. Preis Jl, Europa : 1. Prähistorisches 6 375 2. Aeg7pten 1 250,40 3. Classisches Alterthum 355 8 282,80 4. Mittelalter 101 17 639,83 5. XVI. Jahrhundert 632 77 632 6. XVII. Jahrhundert 626 42 320,38 7. XVm. Jahrhundert 1208 57 790,97 8. XIX. Jahrhundert 219 14 571,41 9. Galvanos 7 715,50 Orient: 10. Persien und Indien 404 13 723,92 11. China und Japan 823 34 422,71 12. Anderer Herkunft 48 521,90 im (4anzen 4430 268 246,82 b* 'S^^ Miispiini für Kuu'^t und Gewei'be. Zu der zweiten üehersiclit nach geseliichtlicli-geograpliisclien Gruppen ist /u bemerken, dass in derselben zum ersten Mal das alte Aegypten und zwar mit einer schünen, auch durch die Verzierung mit Lotosmoliven lehireichen Flasche aus matt grün glasirteui Thon erscheint. Dass im Jahre 1^85 nicht ein einziges Erzeugniss des klassischen Alterthums eingereiht ^verden konnte, ist bedauerlich, erklärt sich aber sehr einfach daraus, dass der deutsche Anti(|uitätenmaikt, auf den unsere Anstalt zunächst angewiesen ist, griechischen und römischen Alterthümern durchaus keine Theilnahme zuwendet, solche also nur durch auswärtige Verbindungen, welche uns noch fehlen, bei Versteigerungen in Kom, Paris oder London oder auf Keiseu in süd- lichen Gegenden, zu denen sich keine Gelegenheit bot, nüt Vortheil erstanden werden können. Der breite Kaum, den auch in der zweiten Uebersicht Japan behauptet — mit beinahe der Hälfte aller Aukäufe im Jahre 1885 — wird durch einen Blick auf die Gesammt-Uebersicht erklärt, in der Japan und China zusammen nur mit noch nicht lo vom Hundert des Gesammt-Aufwandes, also noch keineswegs mit einem ihrer hohen decorativen und tochnisclien Bedeutung ang(Mnessenen Aufwände nach- gewiesen sind. Im Einzelnen ist zu den Gruppen der Uebersicliten noch Folgendes zu bemerken. Die Möbel, welche der Sammlung zugeführt Avurden, gehören Bancrnmöboi der bisher wenig beachteten Gattung der Bauernmöbel im engeren iiiT uaiiiixirger g-j^j-jg ^^^^ Wortcs au. Bekanntlich waren die Bauerhäuser der Um- liegend. gegeud Hamburgs eine der ergiebigsten Fundgruben für Möl)el aller Art. Dort hatten sich die eisenbeschlagenen vielthürigen Schränke vom Ende des Mittelalters, die geschnitzten Truhen, die vierthürigeu Schränke, die Credenzschränke des IG. Jahrhunderts, die mit Ebenholz- Füllungen und Zierrathen ausgestatteten schönen Möbel der nieder- ländischen Renaissance des 1 7. Jahrhunderts, die riesigen, mit über- quellendem Schnitzwerk beladenen zweithürigen Kleiderschränke des 18. Jahrhunderts noch häutig genug erhalten, um das Museum mit einer Auswahl des Besten albnählich füllen zu können. Ausser diesen, meistens den Einfluss des städtischen Geschmackes und die Hand kunstgeübter Meister verrathenden McÜjeln finden sich aber vielfach solche, welche nachweislich in den Werkstätten bäuerischer Hand- werker entstanden sind und eine von dem gleichzeitigen allgemeinen Kunstgeschniaek abweichende Eigenart vertreten, ähulich wie dieses bei dein l'"ili;rraiisHiniU('k' und den Stirkereicn b"ol);ichtet werden kann. Museum für Kunst und Gewerbe. XXI Solche „Bauernmöbel" im eigentlichen Sinne zu erwerben ist das Museum in letzter Zeit erfolgreich bemüht gewesen und deren sieben- zehn, meistens Stühle, sind jetzt im Zimmer der alten hamburgischen Oefen zur Schau gestellt, mit denen sie freilich nur gemeinsam haben, dass sie dem täglichen Leben in denselben Bauernstuben dienten, in welche die Ueberbleibsel unserer herrlichen alten Fayence-Oefen ge- rettet wurden, als städtische Neumodigkeit sie aus den Prunkstuben der reichen Bürger vertrieb. Zwei der Bauernstühle und zwei sog. „Ofenhecke" stammen aus der Wilstermarsch, zwei Stühle aus dem Altenlande, acht Stühle, zwei Wiegen und ein Ausziehtisch aus den Vicrläuder Wiege aus dem Jahre 1780. Vierlanden. Den Stühlen allen gemeinsam ist eine treffliche Bauart: Versteifung des Gestelles durch vielfache Spreizen, Va^-meidung jeder Schwächung der senkrechten Hölzer dort, wo sie mit den Querhölzern verzapft sind, dagegen Abfasung oder Abdrehung derselben zwischen diesen Stellen, bequeme Weite des Armlehnen, welche durch gefälHge Schweifung zum Sitzen einzuladen scheinen, häußge Verwendung kleiner zierlich gedrechselten Zwischenglieder. Allen Stühlen ist auch ein gesticktes oder gobelinsartig gewebtes, lose auf dem Sitz liegendes A^A^JI Museum für Kunst uml Gewerbe. Kissen hiuzuziidenken. Im Uebrigcn aber folgt jede Gegend dem besonderen Gesclimuck ihrer Bewohner und auf den ersten Blick lässt sich die Herkunft der Stühle sicher bestimmen. Die rothbraun an- gestricheneu Stülilc der Wilstermarsch mit schilfgeflochteuen Sitzen haben in den Ausschnitten und Einkerl)ungen der Pfosten und des Kückcnbrettes Formen des Rollwerkes der deutschen Spätrenaissance bewahrt, die steiferen Stühle des Alteulandes mit Brett-Sit/en fallen durch ihre Bemalung auf. Das Gestell ist dunkelblau, das flache Schnitzwerk der Lehnen aber mit bunten Farben bemalt, welche die den Älannes-Stulil vom Jahre 1811 auszeichnenden zwei Pferde und die gekrönten Tauben des kleineren Frauen-Stuhles vom Jahre 17!)3 hervorheben. Die acht übrigen Stühle, sämmtlich aus den Vierlanden, umfassen ihren nie fehlenden Jahrzahlen nacli die Zeit von 1T2Ü bis ISlo. Die älteren dieser mit gespaltenen Weideuruthen bctlochtenen Stühle haben llach geschnitzte Lehuenbretter; auf dem ältesten, der einem Peter Bücke gehörte, ist ein Doppeladler zu sehen; auf dem Stuhle eines Harm Wulff vom Jahre 175.5 Zimmermannswerkzeug iu wappenmässiger Anordnung; auf einem Tiecke Ricken gehörigen Stuhle vom Jahre 1770 ein Rundfeld ndt dem Opfer Abrahams, wobei, so hübsch auch alles Uebrige an diesem und ähnlichen Stühlen, die Unzulänglichkeit der Figuren das Schnitzwerk als bäurische Arbeit kenntlich macht. An einem vierten Stuhl der Becke Timmans vom Jahre 1785 ist das Lehnenbrett mit eingelegten Vögeln, Blumen und Schnörkeln des Rococo-Stiles in zweifarbigem Holze verziert. Diese eingelegte Arbeit ist den Vierläuder Möbeln eigenthümlich; sie ist, wie sich an datirten älteren Stücken nachweisen lässt, nicht erst von dem in eingelegter Arbeit schwelgenden grossstädtischen Geschmack der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts abzuleiten, sondern un- mittelbar von den Intarsien, welche zu Ende des l(i. Jahrhunderts hie und da auf den glatten Gliedern der geschnitzten Möbel unserer Gegend auftreten, u. A. an dem reichen Gredenzschrank, welcher aus der Wilstermarsch iu das Museum gelangt ist. Bis auf heutigen Tag bat sich diese Lust au eingelegter llolzarbeit in den \'ierlauden erhalten. Ein Paar Lehnstühle aus dem Jahre 1843, die jüngsten der Reihe, bezeichnen wohl den Höhepunkt, welchen diese Arbeit in technischer Hinsicht in dieser Gegend erreicht hat. Beide Stühle, der grössere Mannesstuhl für C. H. Harden, der kleinere Frauenstuhl für seine Braut Margarethe Arens, erhalten noch erhöhten Werth dadurch, da^s dieser selbe Harden die eingelegte Arbeit an ihnen und gewiss auch an vielen gleichzeitigen Vierländer Möbel angefertigt hat und einer seiner in Neuengamme ansässigen Söhne, F. H. Harden Museum für Kunst und Gewerbe. XXIII nocli heute in dem überlieferten Verfahren wohlbewandert ist. Diese Brautstiihle seiner Eltern kennzeichnen sich durch sauberste Säge- arbeit, sehr hübsch geschwungene Schriftzüge und eine eigene Art von Eleganz in der ganzen Erscheinung als Meisterstücke ihrer Art. Unseren nach neuen Motiven suchenden Stuhlmachern kann nur empfohlen werden, auch einmal die guten Formen dieser heimischen Bauernstühle zu berücksichtigen. Auch die Vierländer Wiegen, von denen eine hier abgebildet ist, sind gute Beispiele des in den Stühlen herrschenden gesunden Geschmackes und gleich ihnen mit Holz - Intarsien verziert. Ein Zimmergetäfel derselben Art, welches schon längere Zeit im Besitz des Museums, kann unter den gegenwärtigen Raumverhältnissen leider ebenso wenig aufgestellt Averden, wie ein vollständiges geschnitztes Getäfel vom Jahre 1747 aus einem Bauernhause der Wilstermarsch. Für den bei der Gründung der Anstalt ins Auge gefassten Plan der Herrichtung einer Iveilie vollständiger und einheitlicher Zimmerein- richtungen bäuerlicher und bürgerlicher Art fehlt es uns eben nicht an Stoif, nur an den nöthigen Räumen. Von den übrigen Möbelankäufen ist nur ein kleiner Schrank Schrank nüt .., 11 1 111 • • n 1 câ– ^T Rantzau'scliom ZU erwähnen, welcher ebenso sehr durch seine emiachen geialligen Wappen Formen, wie durch eine luschrift an seinem Kranzgesims und ein schön geschnitztes Doppelwappen auf der oberen der beiden Thüren auffällt. Die Inschrift lautet: „Dorte van Aleveit hoerdt dit scap tho idt lieft ehr voreret ere grotemoder u Dorte Rantzow." Danach ist dieser etwa um IGOO gearbeitete Schrank ein Geschenk, welches zwei ältere Frauen einem jungen Mädchen aus Alefelt'schem Geschlechte verehrt haben. Wahrscheinlich war dieses junge Mädchen die am 4. August des Jahres 1586 zu Hilligenstede geborene Dorothea von Alefeit, deren Grossmutter und Mutter väterlicherseits aus Rantzau'- schem Stamme waren, letztere eine Tochter Heinrichs, des Statthalters der Herzogthümer unter drei Königen. Die als Mitschenkerin genannte Dorte Rantzow wird durch ihre wiederholte Nennung unter dem Frauen- Wappen mit dem rechtsstehenden gekrönten Bärenkopf als eine ge- borene Buchwald, sowie durch das Mannes-Wappen mit der Unter- schrift Otte Rantzau als Dorothea, die Frau Otto Rantzaus auf Schwinkel, erkannt. Merkwürdigerweise besitzt das Museum in jener Truhe, deren Füllungen rechts den (in Roth und Silber) gespaltenen Schild der Rantzau, links den im Zinnenschnitt (Silber über Roth) quergetheilten Schild der Reventlow zeigen, auch die Brauttruhe der Eltern desselben Otto Rantzau, einer Margarethe Reventlow und jenes Heinrich Rantzau, dessen Mutter wegen der Standhaftigkeit, mit der KorliHecht- arbeiten WJ\' jMust'um fiii- Kunst und (ic\V('rl)f. sie Feuerqualen ertrug, ohne dem Feinde den Schlupfwinkel ihrer Kinder zu vorrathen, den Beinamen „die Heldeumutter" führt. Japanische Zu den wichtigsten Erwerbungen dieses Jahres gehören die bisher iu nur weuigen Beispielen vertreten gewesenen alten Korb- flechtarbeiten japanischer Herkunft, welche um so wichtiger, als ältere Korbflechtarbeiten europäischen Ursprunges fast nnfindbar sind. In Japan, wo getiochtene Körbe mit Bambusrohreinsätzen als Zier- gefässe zur Aufnahme blühender Zweige oder, mit gelacktem Papier ausgeklebt, als Behälter der Holzkohlen zum Speisen der Kohlengluth in den tragbaren Feuerbecken, neben den glänzenden Lackmöbeln und Geräthen und den bronzenen Blumenbecken und Vasen und Räucher- gefässen ihren Platz in jedem Hausrath behaupten, haben die Korb- flechter von jeher in der Schaffung geschmackvoller und dauerhafter Körbe gewetteifert. Durch günstige Verbindungen im Auslande ist nns gelungen, eine etwa hundert Nummern zählende Sammlung solcher, zum Theil alter Körbe zu vereinigen. Besonders die Blumeukcirbe aus gespaltenem Bambus und spanischem Bohr verdienen die Beachtung unserer Korbflechter. Alle zeichnen sich durch äusserst sorgfältige Ausführung aus; Füsse, Griffe und Henkel sind ohne Anwendung von Nieten, Nägeln oder Dratli durch geschickte Flechtung dauerhaft mit dem Körper des Korbes verbunden. Letzterem sind, um das so häufige Finknicken zu verhüten, rippenartige Verstärkungen vorgelegt, welche sich bald aus den Füssen entwickeln, bald als freie Streben vom Bauch zum Mündungsrande aufwachsen und immer durch ge- schmackvolle Verflechtung befestigt sind. Von besonderer Schönheit sind die hochgeschwungenen Bogenhenkel mit ihren vielgestaltigen Ansätzen am Bauche oder an der Mündung. Alles in Allem sind diese Körbe vollendete Muster des echten, durch Stoff und Zweck gegebenen Stiles für dergleichen Arbeiten. Auch die Verwendung niannichfacher, unseren Korbflechtern fremden Stoffe von Wurzel- ausläufern unil unregelmässig gewachsenen Banken ist für uns lehr- reich. Zwei der schönsten nnserer Körbe dieser Art tragen die Be- zeichnung des berühmtesten japanischen Korbflechters unseres Jahr- hunderts, des Shokosai; den einen von ihnen, einen aus Bambus- Avurzeln malerisch frei geflochtenen flachen Fruchtkorb mit hohem Bogenhenkel verdanken wir der Güte des Herrn Consul IL Stanniiif in Hiogo. Ankauf Nacli langer Pause in der Vermehrung unserer Sammlung alter AViUkomiiu-n ^illjPi"'ii'beiten konnten derselben dieses Jahr einige Stücke von her- (ler Schir.ssfv- vorragender Bedeutung zugeführt werden. In erster Reihe stehen die gese LD. i)gj(jp„ j,, unserem vorjährigen Berichte beschriebenen silbernen Will- Museum für Kuust und Gewerbe. XXV kommen der Schlossergeselleri, welche uns damals von der Kranken- uud Sterbekasse der Schlossergesellen, eingetragene Hülfskasse Nr. 15 nur leihweise überlassen Avaren, nunmehr aber angekauft werden konnten. Das schönste der beiden Willkommen in Gestalt eines Schlüssels, ist im vorjährigen Bericht abgebildet. Von dem ebenda abgebildeten, ver- schollenen Willkommen der Brauer-Brüderschaft ist leider noch keine Kunde aufgetaucht. W^ir haben aber ferner ein silbernes Schmuckstück, silberne eine Schützen -Ehrenkette erwerben können, welche wenn auch nicht Suiiüteeukette Ol 11 -1 -VT 1 1 ^^* Moorege. aus unserer Stadt, so doch aus ihrer Nähe, aus dem Dorfe Moorege bei Breitenburg in Holstein stammt und ein typisches Beispiel dieser von Jahr zu Jahr seltener werdenden Erbstücke unserer ländlichen Schützengilden ist. Gestiftet ist sie im Jahre 1633; die an ihr hängenden sieben Zierschilder gehen von da bis zum Jahre 1775. Als eines Denkmales alter hamburgischer Goldschmiedekunst ist auch Medaille auf der grossen gegossenen und ciselirten Silbermedaille auf den Bürger- ^^i*^''''' ^^"•i'^»"- meister Barthold Moller und die Einweihung der neuen Sanct Michaels- kirche — die Vorgängerin der heute stehenden Kirche dieses Namens — am 14. März IGGl zu erwähnen. Der Samndung des Baueruschmuckes — welche wir anlässlich Sammlung der Nürnberger Edelmetall-Ausstellung, einem Wunsche des Bayrischen '^^^ Bauem- schmuckes. Gewerbe -Museums lolge gebend, diesem während einiger Monate zur Ausstellung überliessen — hat in einer silbernen, vergoldeten Braut- kroue aus Hardanger in Norwegen ein stattliches Stück hinzugefügt werden k(inuen. Auch wurde den acht Schaukästen, in welchem der Schmuck der rechts- und linkselbischen Landschaften, süddeutscher, schweizer und italienischer, schwedischer und norwegischer Schmuck nach den Oertlichkeiten gruppirt zur Schau gestellt ist, ein neunter mit asiatischem Schmuck, vorzugsweise chinesischer und japanischer Herkunft, angereiht. Sind die aus vergoldetem Drathwerk, aus Perlen, chinesische Korallen, farbigen Steinen, auch Glassflüssen und Bernsteinstückchen, ""'^ •''^^p'^"'^'''^'^ ^ , Haurnadoln. vor Allem aber in auffälliger Weise aus den prachtvoll blaugrün schillernden Federn einer Eisvogelart zusammengesetzten Haarnadeln der chinesischen Frauen Prunkstücke von glänzender decorativer Wirkung, so tritt der intime Grundzug, welcher uns die Erzeugnisse des japanischen Kunsthandwerks so überaus anziehend macht, auch in den Haarnadeln der Japanerinnen auf das anmuthendste zu Tage. Je sorgfältiger die technische Ausführung, desto bescheidener, aber auch desto geschmackvoller ist in der Regel der Vorwurf wiedergegeben. Da sind lange Nadeln, deren Kopf mit den Flügelfrüchten und spitz- lappigen Blättern des Ahorns verziert ist; andere, denen die fächer- förmigen Blätter des in den Tempelhaiuen angepflanzten Giuko-Baumes XXVI Miiscuni fiir Kiiii>;t iniil (icwcrbo. entwachsoii ; andere gleichen einer langen Kiefernaclol, an welcher eine goldene rilaninenblüthe mit einer Perle als Knospe befestigt ist; andere (>ineni Lotoszweige mit der löcherigen Frucht auf langem Stiele. Oder es gesellt sich dem durch poetische Beziehungen l)edeut- samen rilanzenmotiv ein Geräth , ein winziges Gefäss oder ein Spiel- zeug, die uns daran erinnern, dass auch der erwachsene Japaner hei allem Ernste seiner Weltanschauung an kindlichem Spiel sein Lehen lang seine Freude hat. Ueherall aber treten uns Beziehungen zur Natur des Landes, zu volksthümlichen Anschauungen und P.riiuchen entgegen. Aus den sonstigen Ankäufen ist derjenige eines glocken- förmigen silbernen Wasserl)ehälters für die Wasserpfeife — Hookah — hervorzuheben. Die in das Silber gravirten schön stili- sirten Pflanzen - Ornamente sind auf schraflirtem Grunde mit durchsichtigem blauem und grünem Email, ersteres für die Blumen und ^'ögel, letzteres für die Blätter lind Ranken ausgeschmolzen. Dieses prachtvolle Beispiel einer bisher in der Sammlung nicht vertretenen Technik stammt aus Persien, der Stil und die Farben deuten aber eher auf indischen Ursprung. Die dauernde Ausstellung neuer Arbeiten. Die (lauernde Ausstellung neuer Arbeiten ist in demselben Um- fange, wie in den Vorjahren fortgeführt worden und hat unseren Kunsthandwerkern Gelegenheit zur Ausstellung ihrer neuen Arbeiten und zur l»ekann tschaft mit den Arbeiten einer Anzahl hervorragender auswärtiger Werkstätten gegeben. llf'rvf»rzuheben ist die Ausstellung der Aufnahmen decorativer Malereien italicnisclier Ilenaissance von Paul T\llnla in Berlin. Diese schönen und lehrreichen Aufnahmen veranschaulichen in nahezu hundert, zum Theil sehr grossen P)lättern eine Peihe von Meisterwerken des ir». und IC), .lahrhundei'ts und sind dadurch von l)esonderer Bedeutung, dass sie zum Tlicil iu ( inem INIaassstabe ausgeführt sind, welcher dem Museum für Kunst und Gewerbe. XXVII Künstler gestattet hat, die Malweise des Vorbildes iu einer, bei Auf- nahmen kleineren Maassstabes nicht erreichbaren Treue wiederzugeben. Leider gestatteten die verfügbaren Mittel nicht, diese ausgezeichneten Blätter dem Museum dauernd zu erhalten. Eine neue Anregung wurde der Thätigkeit des Museums durch eine mit der kunstgewerblichen Weihnachtmesse verbundene Verloosung ausgezeichneter Erzeugnisse des hamburgischen Kunstgewerbes gegeben. Schon im Jahre 1884 hatte sich die Kunstgewerbe -Abtheilung des Gewerbe -Vereins mit der Erage beschäftigt, ob es rathsam sei, nach dem Vorgange anderer grossen Städte mit den regelmässig von der Museums-Verwaltung veranstalteten Weihnachts-Ausstellungen Ver- loosungen kunstgCAverblicher Erzeugnisse zu verbinden. Das Ergebniss der damaligen Bcrathungen ging dahin, dass eine derartige Verloosung nicht den Zweck haben solle. Bedürftige zu unterstützen oder, auf anderen Wegen nicht verkäufliche Arbeiten abzusetzen, sondern dass der Ankauf zur Verloosung als eine Auszeichuung trefflicher Leistungen, zur Auspornung strebsamer Kunsthandwerker aufzufassen sei. In diesem Sinne solle unter Beiseitesetzuug aller Nebenzwecke, insbe- sondere der Erzielung eines Ucberschusses, im Jahre 1885 ein Versuch gemacht werden, vorausgesetzt, dass die Verwaltung des Museums für Kunst und Gewerbe einverstanden sei und E. H. Senat die Erlaubniss zur Verloosung ertheile. Nachdem beide Voraussetzungen eingetreten Avaren, nahm eine aus den Herren Carl Geonj PojKvt als ^'orsitzender, Erik Fontoppidan als Schatzmeister, Maler Pmil Duijffcke, Architect Johs. Grofjan, Malermeister B. Biitamk (Vorsitzender des Gewerbevereins) und Wm. Weimar (Assistent des Museums für Kunst und Gewerbe), sowie dem Vorsitzenden der Kunstgewerbe - Abtheihmg Director Dr. Brinckmann, bezw. dem stellvertretenden Vorsitzenden desselben Bau-Inspector Th. Necker bestehende Commission die Durchführung des Unternehmens in die Hand. Zugelassen zur Ausstellung sollten im Allgemeinen nur im Gebiete der Stadt Hamburg erzeugte Gegenstände werden; Erzeugnisse Altona's, Ottensen's und Wandsbeck's nur insofern die Fabrikanten entweder ihre Firma in Hamburg declarirt oder daselbst ein ständiges Verkaufslocal eingerichtet hätten. Der Zulassung sollte eine Prüfung durch Sachverständige vorausgehen, deren Wahl die Museums -Com- mission der Kunstgewerbe -Abtheilung anheimstellte. Letztere wählte die Herren Ärtlmr Viol als Vorsitzender, Bildhauer Carl Börner, Maler Paul Duyffike, Architect Hnijo Grootlwff, Tischlermeister Clir. Mahr, Bau-Inspector Th. Necker, Tischlermeister A. Mess, Bild- XXVIII Museum für Kunst und Gewerbe. liauer Engelbert Peifcr, Möbclfal)rikant L. Piylliein, Maler Hans Sjiecldcr, Älaler H. Storm, Kaufmann H. (1. Wimlder. Als Höchstbetrag der Ankäure ward anfänglich die Summe von J^ U) (lOO angenommen, dieselbe jedoch nach rasch erfolgtem Absatz der 10 000 Loose um .^5000 erhöht. Mit den Ankäufen wuide eine besondere Commission betraut. Dieselbe bestand aus den Herren Landgerichts -Director Dr. Heinrich Föhrim/ als Vorsitzender, Rcdacteur Dr. Herrn. Hartmeyer ^ Kaufmann Washin(/to)i von der Hellen, Commerzienrath F. C. Th. Heye, Drechslcrmeister J. C. Jant;:en, Tischlermeister Ä. Niess, Kaufmann Frik Fontoppidan, Architekt Manjred Hctnper und Bau-Director C. J. C. Zimmermann, Die Kosten der \'crloosung (Zeichnung und Drucken der Loose, l'lacate und Gewinnlisten, Anschlagsäulen und Inserate, sowie notarielle Ziehung) beliefen sich auf J^ 1547,75 abgesehen von dem v^ 750 be- tragenden Stempel der Loose. Unter Hinzurechnung des J^ 185,40 be- tragenden Erlöses aus dem Verkauf der Gewinnlisten ergab sich demnach eine Kein-lunnahme von J4 12 887,05, wovon J( 12 73(1,80 zu Ankäufen innerhalb der Austeilung verwendet wurden. Der nicht verausgabte Rest von J( 150,85 wurde den Herren Director Dr. Brinekmann und Erik Fontoppidan als Reserve für künftige Verloosungen überwiesen. Da einige der früher in Kraft gew-esenen Bestimmungen für die Ausstellung neuer Arbeiten sich als nicht durchweg zweckmässig er- wiesen hatten, wurde abseifen der Museums-Commission die folgende neue Ordnung beschlossen und im Januar 1886 in Kraft gesetzt: Ordnung für die Ausstellung neuer Kunstwerke und Industrie-Erzeugnisse. Das Museum für Kunst und GeAverbe bietet Künstlern und Gewerbtreibenden Gelegenheit, besonders gelungene Arbeiten, welche in das Gebiet desselben gehören, unter Beachtung folgender Bestim- mungen öffentlich auszustellen. § \. Der Künstler oder Gewerbtreibende oder dessen Vertreter hat dem Director mündlich oder schriftlich anzuzeigen, welche Gegen- stände er auszustellen beabsichtigt, und die Maasse derselben anzugeben. § 2. Findet der Director nach Prüfung der angemeldeten Gegenstände, dass dieselben zur Ausstellung geeignet sind, so hat letztere sogleich zu erfolgen. Ist dieses wegen Mangel an Raum nicht möglich, so entscheidet die Reihenfolge der Anmeldungen. § .'{. Den zur Ausstellung eingesandten Gegenständen muss das dafür bestimmte Formular ordnungsmässig und vollständig aus- gefüllt beigefügt sein. Museum für Kunst und Gewerbe. XXIX § 4. Die Dauer der Ausstellung jedes Gegenstandes ist zwischen dem Director und dem Aussteller zu verabreden. In der Regel ist eine Frist von 4 Wochen anzunehmen. Binnen 8 Tagen nach Ahlauf dieser l)ez. der mit dem Director vereinbarten Frist hat der Aussteller die von ihm eingelieferten Gegenstände zurückzunehmen, widrigenfalls er für ihre längere Auf- bewahrung eine Vergütung von Eins vom Hundert vom angemeldeten Werthe derselben für jede volle bez. angefangene Woche zu entrichten hat. Diese Vergütung giebt ihm jedoch kein Anrecht darauf, dass die betreifenden Gegenstände länger als verabredet öffentlich ausgestellt bleiben, sie ist vor Abnahme der betreffenden Gegenstände zu entrichten und kann nur auf Beschluss der Museums-Commission erlassen werden. Gegenstände, welche binnen zwei Jalu'en nach Ablauf jener Frist nicht zurückgenommen sind, verfallen zum Besten der Samm- lungen des Museums. § 5. Für die Beförderung der auszustellenden Gegenstände an den ihnen seitens des Directors angewiesenen Platz und von da zurück an den Aussteller hat der letztere Sorge zu tragen. Auch übernimmt derselbe die durch besondere Aufstellungs- Einrichtungen und deren Beseitigung entstehenden Kosten, sowie die Herstellungs- kosten für die etwa bei dieser Gelegenheit vorgekommenen Beschädi- gungen der Museumsräume oder anderer ausgestellten Gegenstände. § 6. Für die richtige und unversehrte Einlieferung bez. Al)- holung der Ausstellungsgegenstände hat der Aussteller persönlich oder durch einen in Hamburg wohnenden Vertreter Sorge zu tragen. Letzterer ist verbunden, auf Ersuchen des Directors beim Aus- und Einpacken der l)etreffenden Stücke gegenwärtig zu sein. Ausnahmsweise kann der Director auswärtige Aussteller von dieser Verpfliclitung entbinden. Über den Befund beschädigt eingetroffener Sendungen wird ein kurzes ProtocoU aufgenommen. § 7. Den ausgestellten Gegenständen werden Name und Adresse des Ausstellers bez. Verfertigers und auf Wunsch die Notiz beigefügt, zu welchem Preise dieselben verkäuflich sind oder Be- Stellungen auf gleiche Arbeiten angenommen werden. Die nöthigen Firmenschilder hat der Aussteller selbst den eingelieferten Gegenständen beizugeben. Unterlässt er dieses, so kann der Director letztere von der Ausstellung vorläufig ausschliessen. § 8. Händlern bez. Unternehmern ist die Beschickung der Ausstellung nur gestattet, wenn sie die von ihnen ausgestellten Gegenstände mit dem Namen ihrer Verfertiger bezeichnen und auf Verlangen des Directors diese Verfertiger glaubhaft nachweisen. Aus- Must'iiin für K'iiiist luul (bewerbe. nahmen sind für Aussteller orientalischer Erzeugnisse ohne Weiteres, sonst nur ilurch Beschluss der Museums-Commission zulässig. § 9. Die Versiclierung der ausgestellten Gegenstände gegen Feuersgefahr hat der Aussteller zu l)esorgen. § H). Das Museum übernimmt die sorgfältige Beaufsichtigung der ausgestellten Gegenstände, haftet jedoch weder bei Beschädigung noch bei Entwendung für irgend welchen Ersatz. Dem Aussteller steht es frei, sofern es ihm nöthig erscheint, einen eigenen Aufseher zu bestellen, welcher aber für jeden besonderen Fall der Zulassung durch den Director bedarf. § 11. Das Abzeichnen, Copieren und Reproducieren der unter obigen Bedingungen ausgestellten Gegenstände bedarf der ausdrück- lichen Genehmigung des Ausstellers. § 12. Der Director ist befugt, ausnahmsweise die Kosten der Aufstellung und der Feuer -Versicherung auf das Museum zu über- nehmen, falls mit der Ausstellung der betreffenden (Jegenstände ein Verkauf nicht beabsichtigt wird. Für die Verpackung und Beförderung der Gegenstände aus- wärtiger Aussteller, welchen die Bestellung eines hiesigen Vertreters vom Director erlassen ist, werden seitens des Museums die haaren Auslagen berechnet und in der Regel durch Nachnahme erhoben. § 18. Den Anmeldern steht das Recht zu, gegen Entscheidungen des Directors bei der Museums-Commission Berufung einzulegen. Der Besuch und die Benutzung der Anstalt. Während des Jahres 1885 ergab sich folgender Besuch der Sammlungen: Januar 8 018 Februar 5 897 März 9 029 April 21 147 Mai 7 097 Juni 4 879 Juli flSßO August 7 774 September (> 585 Octol)er 8 1(;4 November 9 587 December 20 205 115 858 Personen, wovon 52 770 nnf die S(iniit;igo entfielen. Die hohe Besuchsziifer Ach April erklärt sich wie alljährlich durch den üblichen Andrang Schau- Museum für Kunst und Gewerbe. XXXI lustiger Avälirend der Ostertage, diejenige des Deceinber durch die Anziehungskraft der bedeutend vergrösserten Weihnachtsausstelking, welche in den drei vorhergehenden Jahren im Durchschnitt nur 10,500 Besucher angezogen hatten. Der Besuch der Lesezimmer gestaltete sich folgendermassen: Januar 22G Februar 210 März 205 April 145 Mai 171 Juni â–  147 Juli 132 August ... . 147 September 158 October 314 November 233 December 193 Total 2281 Personen. Auf 59 Abende fielen 527 Besucher von obigen 2281 Personen. Die Gipsleihanst;ilt wurde im Jahre 1885 unter denselben Bedingungen wie im Vorjahre, dem ersten ihres Bestehens, fortgeführt. Die Ausstellung von Hamburgs Siegeln und Wappen. Oeftere Nachfr;ig(!n von Zeichnern und Kunsthandwerkern über die heraldisch richtige und dem Stil der verschiedenen Jahrhunderte angemessene Darstellung des Wappens der Stadt Hamburg gaben der Direction Veranlassung, was sich aus öffentlichem und privatem Besitz von hamburgischen Siegeln und Wappen herbeischaft'en liess, zu einer Ausstellung zu vereinigen, welche im Mai eröffnet wurde und den Sommer über beisammen blieb. In erster Linie war versucht worden, die ältesten und älteren Formen des grossen oder HaujHsiegels, Insiegel oder Sigillum, der Geheimsiegel, Sekrete, soAvie der Signete in möglichster Vollständigkeit vorzuführen. Dies gelang Dank dem Entgegenkommen des hamburgischen Staatsarchivars Herrn Dr. Otlo Beneke und des lübeckischen Staats- archivars Herrn Dr. }]ehrmann, welcher von den in der „Trese" der St. Marienkirche zu Lübeck bewahrten Schätzen alle , Avegen der im hiesigen Archiv nicht vertretenen Siegel für uns wichtigen Docu- mente gütigst zur Verfügung stellte. Für die Beschaffung der Münzen XXXII Museum für Kunst und Gewerbe. und Medaillen, welche wegen ihrer Wappendavstellungen in Betracht kamen, stand uns der Inspector der Kunsthalle Herr Clirisiion Mvyer mit seiner Sachkunde und einer Auswahl kostbarer Stücke aus der seiner Verwaltung anvertrauten (ilientlichen Münzsammlung zur Seite. Die Stadtbihliothek versorgte uns aufs beste mit den ältesten, das Stadtwai)pen enthaltentlen Drucken. Aus der Sammlung Ilainburgischer Alterthümer erhielten wir, Dank den Bemühungen des Herrn C. W. Luders eine Reihe von Fahnen, Waften, (Jeräthschaften und baulichen Alterthümern, aus der Samndung des Vereins für Hamburgische Ge- schichte werthvolle Drucksachen. Herr Bürgermeister Dr. Kirchcnpaucr steuerte eine sehr zahlreiche Sammlung von Siegel marken solcher Städte bei, welche ein dem hamburgischen ähnliches Wappen führen ; Herr Senator Theodor Ixapp eine l'eihe kostbarer Stadtpläne, lliegeuder Blätter und anderer Druckwerke; Herr C. W. Luders vervollständigte die Beihen der Münzen und Medaillen und stellte seine in ihrer Art einzigen Sammlungen von Werthzeichen, Ausweiszeichen, Thorsperr- und Hundemarken und ähnlichen Hamburgensien aus. Zahlreiche andere Samnder und Besitzer einzelner interessanter Gegenstände trugen Avährend der Dauer der Ausstellung noch vielerlei herzu, so dass all- mählich eine unsere ^Erwartungen übertreffende Vollständigkeit erreicht werden konnte. Die Ausstellung hätte jedoch weder diesen Umfang erreicht, noch die beabsichtigte Aufklärung im Gefolge gehabt, wenn nicht gleichzeitig ein berufener Heraldiker, Herr Dr. Hermann Hartmeyer sich derselben angenommen und in sieben ausführlichen, in den Ham- burger Nachrichten zwischen dem H). Mai und dem 27. Juni 1885 veröffentlichten Abhandlungen mit ebensoviel geschichtlicher Sachkunde, wie heraldischem Geschnuick die Geschichte des Siegels und Wappens dargestellt und die, trotz der so verdienstlichen Schrift von Gaedechcns, so oft in der Praxis falsch beantwortete Frage luich der richtigen Form und Verzierung des hamburgischen Wappens erörtert hätte. Erst diese Abhandlungen brachten den reichen, im Museum vereinigten Anschauungsstüfl' zu allseitigem \'erständniss und werden hoffentlich dazu beitragen, dass bei Darstellung des Hamburger Wappens in Zu- kunft weniger als bisher gegen die Regeln der Heraldik und des guten Geschmackes gesündigt werde. Chemisches Staats-Laboratorium. XXXIII Bericht über das Chemische Staats-Laboratorium zu Hamburg für das Jahr 1885, erstattet vom Direktor Dr. F. Wibel. Die endgültige Orgauisatiüii des Physikalischen Staats-Labora- Allgemeine tcjriunis, welche im Laufe des vergangenen Jahres erfolgte, kann von Vcrwaituug. Seiten des Chemischen Staats -Laboratoriums nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Vierzig Jahre hindurch standen beide Institute unter gemeinschaftlicher Verwaltung eines Professors am ehemaligen Akadem. Gymnasium, und als die Neuorganisation des Chemischen Staats-Laboratoriums im Jahre 1S78 die Trennung derselben gebieterisch verlangte, konnte dem „Physikalischen Kabinet" zunächst nur eine „provisorische" Existenz verliehen werden, welcher jetzt ein glückliches Ende bereitet ist. Aber nicht nur diese geschichtlichen und gewisse räundiche Beziehungen, sondern noch weit mehr die Gemeinschaft verwandter wissenschaftlicher Interessen knüpfen die beiden Institute an einander und lassen mit der nunmehr erreichten definitiven Ge- staltung derselben eine zunehmende Förderung der beiderseitigen Thätigkeit für die Zukunft erhoffen. Es sei deshalb auch von Seiten des Chemischen Ijaboratoriums die Eröffnung der neuen Schwester- anstalt mit Freuden begrüsst und der Befriedigung Ausdruck verliehen, dass es abermals gelungen ist, der Vaterstadt aus der Hinter- lassenschaft vergangener Zeiten ein Institut zu erhalten, welches der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Verwerthung für das Gemein- wesen eine neue Heimstätte bietet. Für die Entwicklung des Chemischen Laboratoriums hat das verflossene Jahr zwei erfreuliche Thatsachen zu verzeichnen. Nach der schon im vorigen Berichte erwähnten Bewilligung einer Summe für wissenschaftliche Hülfsarl)eit und nach den damit verknüpft gewesenen vorbereitenden Einrichtungen ist mit Beginn des Jahres die Erlangung einer solchen Kraft in der Person des Herrn Dr. Biibencamp aus Hamburg möglich geworden. Es arbeiten also jetzt an der Anstalt der Director, ein Assistent und ein wissenschaftlicher Hülfsarbeiter. XXXIV Chemisches Staats -Laboratorium. Auf einen weiteren dahin gehenden und von den Oberbehörden befür- worteten Antrag bewilligten ferner Ein Hoher Senat und Bürgerschaft eine Erhöhung des Etats für sonstige Ausgaben in ISMO, wesentlich zum Zwecke der Gewinnung einer bisher fast ganz fehlenden Ilülfskraft, â– welcher die umfangreichen schriftlichen Arbeiten, die Ordnung und Fortführung des Archivs, Inventars und der Bibliothek, der betreffenden Kataloge u. s. w. übertragen werden können. Dadurch wird vom nächsten Jahre an eine Entlastung der obgenannten wissenschaftlichen Arbeiter von diesen mechanischen Thätigkeiten gesichert sein. Bauiicbo Zu grösseren baulichen Unjgestaltungen bietet sich schlechter- Aendcrungcn. ^^.^^^ j.^.^^^ Möglichkeit ujehr dar. j\lit Aufstellung eines neuen Arbeitstisches in einem Kellerraum ist der letzte verfügbare Platz ausgenutzt. Die Anlage einer neuen Wasserzuleitung für das Gebäude, die Umarbeitung des Wasserbades mit Dampftrockenschrank , die Her- stellung electrischer Klingelzüge und die Durchführung der noch von früheren Umbauten her unvollendet gebliebenen Malerarbeiten sind die einzig nennenswerthen Ausführungen in dieser Eichtung. Es ist zwar mit allen diesen, in den letzten Jahren vorgenommenen, Aenderungen die denkbar vollkommenste Ausnutzung und damit der relativ beste Zustand in dem einmal zur Verfügung stehenden Gebäude erzielt worden, allein ebenso wird sieh auch wohl jedem Besucher desselben die Ueberzeuguug aufdrängen, dass die räundichen Verhältnisse in einem mehr als grellen Missverhältiiisse stehen zu den Aufgaben, welche die Anstalt zu erfüllen hat, zu den Forderungen, welche chemische Arbeiten heutzutage in dieser Eichtung erheben, und zu der Anzahl der Personen, welche Jahraus-Jahrein in derselben thätig sind. Anschaft'ungen. Auf Anschaffungen irgend welcher neuer, wenn auch noch so Wünschenswerther Apparate musste in diesem Jahre ganz verzichtet Averdcn. Bei der gesteigerten Thätigkeit und dem wachsenden Besuche des Laboratoriums wurden alle disponiblen Geldmittel zur Bestreitung der laufenden Ausgaben für Glas- und Porcellanwaaren, Chemikalien, Gas, Bibliothek u. s. w. in Anspruch genommen. An Gescheuken sind, von Drucksachen abgesehen, zu verzeichnen: 2 Stück raftinirten Zinks von Herrn Ingenieur Haering, eigenartige Borax -Krystalle von Herrn J. Schreiter, diverse Diamant -Krystalle, Diamant- und Kugel- Bort, Granat mit eingewachsenem Diamant von Herrn Alfred Beif, Strahlkiesknollen von Herrn //. F. Wirppermann. Thätigkeit Hinsichtlich der eigentlichen Verwaltung des Instituts musste gemeinen. ^^-^ Thätigkeit auf das Nothwendigste beschränkt bleiben und wird Chemisches Staats -Laboratorium, XXXV dieselbe erst mit dem näclisteu Jahre, iu welcher eine besondere Hüllskraft hierfür geboten ist, iu der erforderlichen Weise ausgedehnt werden könuen. Die wirkliche Arbeit der Anstalt in Erlediguug der von Gerichts- und Verwaltungsbehörden, Vorständen von Sammlungen, Vereinen oder Privaten gestellten oder auf deren Anregung aus eigener Initiative er- ledigten Anforderungen und Aui^abeu ist gegen das Vorjahr erheblich gewachsen. In periodisch wiederkehrenden Untersuchungen werden jetzt von Seiten des Laboratoriums geprüft resp. kontrollirt: 1) die Gewässer des Centralfriedhofes zu Ohlsdorf; 2) die Eieselanlagen des Centralgefängnisses zu Fuhlsbüttel und des Irrenhauses in Friedrichsberg; 3) die Normalproben für die Tarifirung des Weizenmehles; 4) die bei den Zollanschlussbauten zu verwendenden Baumaterialien, (Portland-Cement u. s. w.); 5) die zu Genusszvvecken dienenden hamburgischen Fluss-, Quell- und Bodenwässer; 6) der Gesammt-Schwefel-Gehalt im hiesigen Leuchtgase. Einen allgemeinen Einblick über den Umfang der vorgenannten Thätigkeit bietet die umstehende Ueber sieht, in welcher aber selbstverständlich alle geringfügigen Erledigungen und die gesammte Verwaltungs-Correspondenz nicht verzeichnet ist. Ebenso haben darin die einer späteren besonderen Berichterstattung vor- behaltenen Arbeitsgebiete der amtlichen Petroleum-Controlle, der ControUe für Nahrungsmittel u. s. w. und der Unterrichtsthätigkeit keine Aufnahme gefunden. Es darf aber gleich hier betont werden, dass die seit Ende des Jahres in Folge dringenden Bedürfnisses ein- geführte tägliche Petroleum-Controlle wesentlich gesteigerte An- forderungen auch an die Beamten des Laboratoriums erhoben hat. Uebersicht XXXVI Chemisches Staats - Laboratorium. Uebersicht über die Seitens des Chemischen Staats -Laboratoriums in 1885 ausgeführten Untersuchungen, abgestatteten Gutachten, Berichte etc. II. III. IV. VI. VII. VIII. b. c. a. b. 0. d. a. b. c. d. e. Allgemeine Veiwallimg : Motivirtc Eingaljen, Berichte ii. s. w Untersiieliungeu und dlutaeliten für («erlelile: Mord, Körperverletzungen, Sittenverbrechen, ver- dächtige Todesursachen (Gifte, Flecken ii. s. w.). Brandstiftung, Explosionen u. s. w Medicinalpfuscherei, Nahrungsmittel, Betrug, Schrifi- vergleichung, Sachbeschädigung u. s. w Vei'liandlungeu vor den Oeriehten: Schwurgericht Landgericht Schöffengericht Sonstige (Oberlandesgericht, Handelsgericht, Seeamt) Verhandlungen vor dem 1 nlcrsucliungsgerichte und damit verbundene Besiehtigungen, Correspondenz u, s. w Untersuehungen, (intacliten und Herielite für Medieinal- burean, Polizei- und andere Behörden: Verdächtige Todesursache, fraglicheVergiftung u. s. w. Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände Fabriken und gewerbliche Anlagen Allgemeine sanitäre Untersuchungen Diverse andere Untersuchungen und Gutachten .... Besiehtigungen von Fabriken, gewerbliehen .\nlagen n. s. w Conferenzen und Commissionen mit anderen Behöi'den Untersuehungen aus eigener Initiative Zusammen . 14 4 10 6 1 4 21 24 22 13 18 28 20 84 21 3 30 211 gegen 174 Nummern in 1884. ChemisfliPS Staats -haboi-atorinm. XXXVII 1. Untersuchungen und Gutachten für Gerichte. (Uebeisicht unter II.) Journal Nr. 1, 5, 22. Fall V. Körperverletzung durch eiuen rätbselhaften Verbrechen Explosionskörper. Dieser Fall erweckt durch die äusseren ''^^^^j^^^^ Umstände, unter denen die Explosion erfolgte, wie durch das Gesetz, betr die Bedeutung Interesse, welche scheinbar unwesentliche gpi-l^n^stofferT Dinge durch die eingehendste mikroskopische und chemische Untersuchung gewannen. Der Arbeiter V. unterhält sich mit dem neben dem Ofen sitzenden A. und dem anwesenden Einlogirer Seh. in der Stube des Ersteren, während dessen Kinder auf dem daneben stehenden Sopha spielen. Plötzlich ertönt ein kräftiger Knall, dem A. und seinen Kindern werden durch umherfliegende kleine Splitter mannigfache, übrigens sehr unbedeutende Verwundungen beigebracht, dem Arbeiter V, dagegen ist das obere Glied eines Fingers fast vollständig abgerissen, hängt nur an Fleischtheilen fest, wird von einem zugezogenen Wundarzt abgeschnitten und dann (nebst ver- meintlich explosiven „Cigarren") dem Laboratorium behufs Untersuchung darüber zugestellt, ob und eventuell welche Spuren von explodirenden Stoßen an demselben wahrzunehmen sind. Nach Aussage des A., seiner Kinder und des Seh. soll bei der Explosion eine blaue Fvauchwolke und ein Geruch be- merkbar gewesen sein, der von dem Einen als Pulver, von A. aber als ein „anderer, wofür er keinen Namen habe", bezeichnet wird. Während sich die Cigarren als ganz harmlos herausstellen, wird bei der Untersuchung des Fingerstückes des V. nebst einzelnen Gespinnstfasern, Resten von Haaren und Knochensplittern, eine Reihe grösserer und kleinerer Bruchstücke eines zerbrochenen Perlmutterknopfes gefunden. Die daraufhin eingeleiteten Recherchen ergeben, dass weder in der Familie des A., noch an einem der Kleidungsstücke des Seh. und des V. sich solche Knöpfe befinden, dass aber die linke W^estentasche des Letzteren eine eigenthüm- liche Zerreissung zeigt, die sich bei näherer Untersuchung als zweifellose Wirkung eines Schusses mit Projectil in einer zum Körper des V. senkrechten Richtung nach Aussen, und zwar von der Mitte der Tasche ausgehend, erweist. An dem Zeugstoff sind ebensowenig nennenswerthe Spuren von Ver- brennung, wie überhaupt von Blut und Pulverschleim, wohl aber äusserst dünne metallisch schillernde Ueberzüge zu XXXVIII Chemibchos Staats -Lalioratorium. Journal entdecken, welche mittelst der Jod-Prol)e als Quecksilber erkannt werden. Zwischen den Fntterlagen der Tasche • finden sich endlicli zahlreiche Fragmente von kräftigen Kupfer-Hülsen, deren direkt erwiesener oberflächlicher Queck- silber-Ueberzng mit Evidenz auf eine entladene, mit Knall- quecksilber gefüllt gewesene Zündkapsel für Sprengungen oder Salonbüchsen hinweist, und zahllose kleinere oder grössere Splitter von Perlmutter ganz desselben Charakters wie in dem abgeschossenen Finger des V. Für den sachverständigen Beurtheiler musste sich nach allen diesen Feststellungen die ursprünglich ganz mystische Explosion nunmehr mit ge- nügender Beweiskraft dahin aufklären, dass in der linken Westentasche des V. eine mit Knallquecksilber gefüllte Zünd- kapsel zur Entladung gebracht worden ist, welche eine ganz aussergewöhnliche Lage einnahm und mit einem Prqjectil verschlossen war, durch welches dem \. der ausserhalb der Westentasche belindliche Finger abgerissen wurde. Als jenes Projcctil ist sehr wahrscheinlich ein Perlmutterkuopf an- zusehen und die Entladung nur durch einen an der Kapsel vorhandenen Zündstift zu erklären, welcher beim Eindrücken jene bewirkte. Dass V. selbst dieselbe herbeigeführt habe, wurde von vielen anderen Nebengründen abgesehen auch dadurch wahrscheinlich, dass sich seine Hand in der un- mittelbaren Nähe der verhängnissvollen Tasche 1)efunden hat; ob freilich absichtlich oder aber nur zufällig durch leichtfertiges Spielen mit der präparirten Patrone musste sich natürlich einem P»eweise entziehen. Die gerichtliche Verhandlung dieses merkwürdigen Falles verlief trotz des klaren Thatbestandes resultatlos, da \'. Alles in Abrede stellte und für seine eigene Verletzung keinerlei Grund an- geben konnte, aber auch nicht einen solchen zu wissen ver- langte; der Gerichtshof sprach den V. wegen mangelnden Beweises frei. Selbst- Nr. 11. Sehiff N. — (). Die Frage, ol) das auf dem Schiffe aus- entzundunK gebrochene Feuer durch Selbstentzündung gewisser Waaren einoi- _ , Sciiirtsiaiinng. der Ladung entstanden sein könne, musste auf Gruiul der Untersuchung des Falles zwar bejaht werden, allein es gel.ang nicht, die spezielle Waare zu bezeichnen und damit die Entstehung und den Verlauf des Brandes näher auf- zuklären. Chemisches Staats -Laboratorium. XXXIX Journal Nr. 12, 42. Fälle H. — K. und H. Uütersiichungen diverser Butter- Butter- probeu, von denen einige zweifellos Gemische mit fremdem ** •'^*^^^"^^- Fette waren, andere als unverdächtige bezeichnet werden mussten, sofern man nicht die üblichen Mittelwerthe, sondern die bekannt gewordenen Minimalwertlie für Butterfett resp. flüchtige Fettsäuren zu Grunde legt. Von criminalistischem Staudpunkte dürfte wol die letztere Berechnungsart als die richtigere anerkannt werden, wiewohl die erstere die üblichere ist. So lange eine gesetzliche Feststellung hierüber nicht vorliegt, werden die Gutachten der chemischen Sach- verständigen häufig genug abweichen und damit eine ein- heitliche Fvechtsprechung hindern. „ 13. Fall G. Urkundenfälschung. Dass die Veränderung der Urkuuden- Zahl 3 in eine 8 später und zwar wahrscheinlich vor nicht ^war^^waiu- langer Zeit vorgenommen wurde, konnte die Untersuchung scheiuiich vor klarstellen, nicht aber die gewünschte Fixirung vor oder ^^^ ^eu °^^ nach einem bestimmten Datum. Fs fehlte zur Lösung dieser überhaupt äusserst schwierigen Frage vor Allem das er- forderliclie \'ergleichsmaterial. „ 59. Fall K. Kurpfuscherei. Ein von dem Angeklagten ver- Kurpfuscherei triebenes, stark ätzend wirkendes Pflaster hatte schwere ^^^^^^ Pflaster Leiden des Patienten zur Folge gehabt und dadurch eine von Kalium- Anklage auf fahrlässige Körperverletzung veranlasst. Das Pflaster enthielt nach der Analyse ein in Alkohol, Aether, Petroleumäther und Benzol unlösliches Harz, ein in letzterem lösliches rein weisses Fett (Talg) und auf ein Stück = 100 (jcm, im Gewichte von 7,64 grm , an Chromoxyd == 0,76 grm und an gelbem Kaliumchromat = 0,066 grm, während andere ätzende oder giftige Substanzen fehlten. Musste in dem Chromat das eigentlich wirksame Agens erkannt Averden, so konnte man ebenso wenig bezweifeln, dass zur Bereitung des Pflasters das rothe Kaliumbichromat zur Anwendung gelangt svar, und würde sich alsdann aus den gefundenen Gesammtmengen Chrom eine Menge von 1,5 grm dieses Salzes für 100 qcm des Pflasters berechnen. Aller- dings wird schon bei der Herstellung und ebenso mit fort- schreitendem Alter desselben ein Theil dieses Chromates jene partielle Reduction zu Chromoxyd erfahren und damit der Gefährlichkeitsgrad bei der Anwendung herabgedrückt werden, allein so wenig der Umfang dieser Peduction sich im Allge- XL Chemisches Staats -Laboiatorium. Joui-nal Kriiutermalz- Nr. PiO, Gesundbeits- bier, ein Arznei- mittel.? Sitten- ^^ ( i 1 _ verbrechen. SperiiiatozoiMi. Veniieintlicbe f{ Vcrt^iftuns durch Speisen? Wahrschein- licher durch Kohlenoxyd. Morphium- 113. Vergiftung mit tödtlichem Aus- gange. inpinen /ifferumässig feststellen lässt, ehensowciiig lässt sich bestreiten, d;iss ein frisch l)ereitetes nocli erldeckliclie Mengen des stark ätzenden Salzes enthalten wird. Der Beschuldigte wurde zu 1 Monaten Gefäugniss verurtheilt. 185, 190. Fall W. K. & Co. und K & Co. Kräuterinalz- Gesundsheitshier. Die verschiedenen Frohen erwiesen sich bei der Untersuchung als Biere mit % Alkoliol, 4Vj_GV2 % Extract, 0,1 3- -0,22% Asche und 0,04—0,08 7') Phosphorsäure, wobei der liohe E.xtract-tiehalt wesentlich auf Rechnung der Kräuter etc. zu setzen ist. Als solche konnten erkannt werden: Ingwer und Pomeranzen. Die gestellte Frage, ol) dieses Fabrikat zu den „flüssigen Arznoiniischnngen für den innerlichen Gebrauch" (Tab. A der K.-V.-O. V. 4. Jan. 1875) zu zählen sei, musste nach pharmakologischen Grundsätzen und an der Hand der Specialbestimmungen jeuer Verordnung bejahend beant- wortet werden. ball (i. Sittenverbrechen. Durcb den mikroskopischen Nach- weis zahlreicher Spermatozoen vollkommenster Erhaltung konnte der objective Thatbestand sofort klargestellt werden. ()'/. Fall P. Vermeintliche Vergiftung durch Speisen. Die Anfangs in diesem Sinne eingeleitete Untersuchung führte schliesslich zu der viel wahrscheinlicheren \'ermuthung, dass eiue ^'ergif'tung der Familie durch Kohlenoxyd (Schliessen der Ofenklappe) stattgefunden habe. Fall W. — R. Morphium-Vergiftung mit tödtlichem Ausgang. Die schon so oft zu beklagende Verwechslung bei Anfertigung von Pulvern führte den Apothekergehülfen W. wegen fahr- lässiger Tödtung auf die Anklagel)ank. Die Untersuchung der Pulver ergab die thatsächliche Verwendung von 0,25 grm Morph, niur. statt der gleichen Menge Chinin, mur. In den Leichentheilen des Kindes R. konnten trotz der subtilsten Pi'üfung Andeutungen von Morphium nicht erkannt werden, wenigstens nicht mit derjenigen Sicherheit, welche nach der neueren Kenntniss Morphium-jihnlicher Leichenalkaloide (Pto- maine) verlangt werden muss. Dieses negative Resultat des Morpliium-Naclnveises, welches sich übrigens in zahlreichen forensischen Beispielen wiederholt, auch wenn eine Morphium- Zufuhr zweifellos ist, findet in vorliegendem Falle seiue begründete Erklärung in dem durch die spätere Gerichts- Chemisches Staats -Lal)oiatnrium. XLI Journal Verhandlung klargestellten Umstände, dass das Kind R. unmittelbar auf einander zwei der Pulver bekommen und in Folge der grossen Dose Morphiums (0,5 grm) sofort stark erbrochen hat. Leider war das Erbrochene nicht asservirt worden. Der Angeklagte wurde zu 4 Monaten Gefängniss verurtheilt. Nr. 114, 183. Fall L. Tod (V Selbstmord) durch Arsenik. In dem Tod Magen und Mageninhalt der Frau L. wurden an nngelöstem durol Ai^rriik weissem Arsenik (As^, Oo) mehr als 2 grm, an gelöstem 15,4 grm und in dem Darm und Darminhalt an gelöstem Arsenik 0,547 grm, zusammen also mehr als 17,947 grm weissen Arseniks gefunden, welche auch zweifellos in dieser Form der L. zugeführt worden waren. Sowohl dieser Um- stand als namentlich die ausserordentlich grosse Menge verleihen der Annahme Wahrscheinlichkeit, dass hier ein Selbstmord vorliegt, ohne freilich die Möglichkeit eines Verbrechens auszuschliesseu. „ 147. Fall H. — K. Tödtliche Carbolöl- Vergiftung. Aus dem Magen- Tod oratoriuTn. Journal .,(iiltfv<'ies'- UaltiMigiit? Kr. 1 58. Verfälscliung von HeniiPssy- Coö-nac. 182. 1 iiigrni Phosphor auf 105 grm Masso. In der Leber, Milz, Nieren fand sich keinerlei Andeutiinir. ISIitübersandte, als Ursache der Vergiftung verdächtige Pillen erwiesen sich als harmlose Präiiarate aus Eisen, Cacao und Zucker. Fall B. Wertheini. Giftfreies Rattengift. Dasselbe bestand aus einem coniplicirten (iemisch von Kohlens. und Schwefels., Kalk und Baryt, Ultramarin und einem Jileisalz mit Spuren von Arsen und Antimon. Die Menge des ßleioxyds ist = 8,81 "/o gefunden; die Spuren des Arsens und Antimons rühren von Verunreinigungen des Bleisalzes her. Mit Bezug auf den etwaigen Genuss durch Menschen oder Hausthiere muss das Präparat als „giftig" angesehen werden und unter- liegt darnach den gesetzlichen Bestimmungen über den Verkauf von Giften. Fall W. Verfälschung von Hennessy-Cognac. Dieser Fall war insofern von Interesse, als bei demselben die Vorfragen in Betracht kamen 1) ob und in wie weit sich für Cognac überhaupt sichere chemische Kriterien aufstellen lassen, um an der Hand des Nahrungsmittelgesetzes eine Verfälschung oder Nachahmung erweisen zu können; 2) ob bejahenden Falls der sogenannte „echte" Hennessy-Cognac nun auch wirklich ein echter oder etAva gar selbst ein nachgemachter sei ; und endlich li) ob der in Frage stehende W.'sche Cognac ein „echter" Hennessy-Cognac sei oder nicht. Denn wenn etwa der „echte" Hennessy-Cognac selbst ein verfälschter oder nachgemachter sein sollte, so würde der wohl berechtigte Zweifel aufgetaucht sein, ob ein unter demselben Namen ver- kauftes, abermals verfälschtes resp. nachgemachtes Fabrikat doch noch nach Maassgabe des Nahrungsmittelgesetzes zu beurtheilen wäre. Die Gesichtspunkte des Betruges oder evcnt. des Vergehens gegen das Markenschutzgesetz würden ja hiermit nichts zu thun haben. Im vorliegenden Falle nun konnte durch die Untersuchung der verschiedenen Proben, unter voller Anerkennung der Schwierigkeiten, welche eine präcise Beantwortung der Frage 1 bietet, zunächst doch die Frage 2 dahin verneinend beantwortet werden, dass sich irgend welche Anhaltspunkte für Zweifel gegen die Echtheit des Hennessy-Cognac nicht ergeben haben. Für die Erledigung der Hauptfrage 3 gestaltete sich die Beantwortung durch den Nebenumstand einfacher, dass der Beschuldigte W. selber Chemisches Staats -Laboratorium. XLIII Journal die Behauptung aufstellte , seinen Cognac lediglich durch Vermischung echter Hennessy-Cognacs der Jahre 18('>9 u. 75 bereitet zu haben. Denn nunmehr konnte durch die Analj'se der betr. Proben mit Sicherheit constatirt werden, dass bei dieser Vermischung jedenfalls ein Zusatz von ca. 15 % Wasser und von Zucker (vermuthlich als Zuckercouleur) erfolgt und demnach der W.'sche Cognac als verfälscht im Sinne jenes Gesetzes (§ 10 sub 1 u. 2) anzusehen sei. Nr. 193. Fall H. und Gen. Fahrlässige Tödtung durch Einsturz eines Haus-Neubaues. Der am 14. Oct. d. J. erfolgte, mit dem Tode mehrerer Menschen verknüpfte F'iinsturz eines grossen Neu- baues, veranlasste im Laufe der geführten Untersuchung auch die Prüfung einer Reilu; von Mörtelproben aus dem nieder- gebrochenen Mauerwerk, sowie der für dieselben benutzten Rohmaterialien. Die eingehenden Analysen und deren sach- gemässe, den practischen N'erhältnissen der Möitelbereitnng sich anpassende Berechnung führte zu dem Ergebnis«, dass der Cement gut und unverfälscht, der Sand relativ rein, aber sehr feinkörnig, ungleichmässig im Korn und stumpf, ein Zuschlag von Kalk nur ausnahmsweise geschehen war und das Mischungsverhältniss Cement : Sand sich innerhalb der (irenzen 1 : 6V2 bis 1 : 12 V2 bewegt hat, gegenüber dem üblichen 1 : 8 — 4. „ 128, 200. Fall S. Betäubung. In diesem Falle sollte die Chemie ein Meisterstück liefern. Der Hausknecht S. wollte von einem Unbekannten durch den Geuuss zweier kleiner Chokoladen- plättchen ohne irgend besonderen Geschmack und Geruch betäubt worden sein und sich in der P'olge auch mehrmals erbrochen haben. Zur Eruirung des Thatbestandes Avurde ein Theil der dem S. nach seiner Aufnahme im Krankenhause ausgepumpten Mageuflüssigkeit behufs Untersuchung eingeliefert. Es kann unter solchen Umständen wohl nicht überraschen, dass trotz sorgfältigster, langwieriger Arbeit das Meisterstück nicht gelang und nur die Bestandtheile eines verdünnten Magensaftes, aber nicht die geringsten Spuren von Schlaf- und Betäubungsmitteln gefunden wurden. „ 201. Seh. u. B. K()rperverletzung. Die zahllosen an einer Hose wahrnehmbaren Flecken erwiesen sich nach ihrem äusseren Gesammtcharacter fast alle als gleichartig, von gleichem Alter und bei derselben Gelegenheit entstanden, sind jedenfalls Be.stimmung der Miscbungs- vorliältnisse von Ccmeut- re.sp. Kalk-Mörteln an einem eingestürzten Nenbau. Angebliehe Betäubung. Flecken an einer Hose. ? Blut. ? Eiter. XLIV Chemisclips Staats -Tialioratorimn. nicht durch darauf gespritzte chemiscli wirkende Stoffe (Säuren, Alkalien, Salze etc.), sondern durch eine schleimige, seröse Flüssigkeit hervorgerufen und wahrscheinlich durch Ahwaschen der Hose an der Oherfläche verändert. Die sämnitlichen ausgefidnten chemisclien und niikrosko])ischen Prohen auf Blut verliefen negativ, womit ahcr dieser Ursprung um- soweniger ausgeschlossen war, falls sich die Vermuthuug einer Behandlung mit (alkalischen) Seifenwasser bestätigte. Ueberdies enthielten die beileckten Zeugparthieen eine stick- stt)ffreiche organische Masse mit stark hervortretendem Chlor- Gehalt, welche zwar bei den geringen vorhandenen Mengen nicht näher characterisirt werden konnte, allein auf eine seröse, an Albuminateu oder Schleimstoffen reiche, Flüssigkeit animalischen Ursprungs (Eiter u. s. w.) hinwies. Die uu- betleckte Zeugmasse enthielt dieselbe nicht. 2. Untersuchungen und Gutachten für andere Behörden und Verwaltungen. (Uebersicht unter T.) Die Requisitionen ergingen von E. II. Senat, Oberschulbehörde, Medicinalbureau, Polizeibehörde, Baupolizei, Deputation für indirecte Steuern, Bau-Deputation, Feuerlösch-Deputation, Landherreuschaft der Marschlaude, Handelskammer, Werk- und Armenhaus, Waisenhaus, Bau-Commission der Kirche zu Eimsbüttel u. s. w. Abwässer Malzfabrik. Ur.sprung ili'.s Stiuilip.s in ilcr laut von Scliiilräumen. Journal Nr. 30. Die Abläufe einer INIalzfahrik, über deren Verbleib ernste Bedenken entstanden waren, zeigten sich liei der chemischen und mikroskopischen Prüfung, Avie zu erwarten, trotz der grossen Verdünnung mit dem Spülwasser sehr unrein, und zwar an organischer Substanz überhaupt als auch speciell an Albuminaten (als Albuminoid-Ammoniak bestimmt). Der Verunreinigungsgrad wächst in sehr erheblich steigender Progression mit der Dauer der (»)uelbing. „ 40, 45/18, öO, 52/53. Untersuchungen über die Art und Menge des in die Luft gelangenden Staubes in den Päumen des liealgymnasiums des Johanneums. Die während einer längeren Zeit in verscbiedenen Uäumen (Schulclassen , Lehi-er- und Directorial-Zimmer) angestellten Prüfungen führten zu folgenden Chemisches Staats -Laboratorium. XLV allgemeinen Resultaten. Die unter thiinlichst gleichen Ver- hältnissen anf gleich grossen Flächen (Va qm) glatten Carton- papieres innerhalb 14 Tagen gesammelte Menge des Gesammt- stauhes schwankt selbstverständlich ganz ausserordentlich: zwischen 8 mgrm im Directorialzimracr und 495 mgrm in einem aussergewöhnlich stark benutzten und zweimal am Tage gereinigten Schulzimmer. Der Natur der Sache nach ist dieser Üesammtstaidj von dreierlei Ursprung und in gewissem Zusammenhango damit auch von dreierlei Art. Der durch die Benutzung und Reinigung aufgewirbelte „Classenstaub", welcher, wie schon aus obigen Zahlen ersichtlich ist, zweifellos den überwiegendsten Theil des Gesammtstaubes liefert, ist ein nahezu gleiches Gemisch von organischen und unorganischen Substanzen, und l)estehen letztere etwa zu ^5 aus Sand, Süi- caten etc., zu V;. aus kalkigen, in Säure löslichen Massen. Durch die Wärmeschwankungen oder durch die Erschütterung beim Oeffnen und Schliessen wird eine Bewegung der eisernen Gitter an den Heiz- und Ventilations- Klappen veranlasst; der hiedurch aus dem Bewurf der Wände losgelöste Staub ist wesentlich unorganischer Natur und besteht hauptsächlich aus grösseren Brocken, die iu unmittelbarer Nähe jener Oeffnungen niederfallen und nur äusserst wenig iu die eigent- liche Zimmerluft gelangen lassen. Der durch die eigent- liche Heizluft zugelÜhrte Staub enthält einmal den in der Aussenluft sowieso vorhandenen, ferner den durch die Heiz- vorrichtungen (etwaige Undichtigkeiten der Caloriferen etc.) hineingelangten und den aus den Wandungen der Heizkanäle losgerissenen, von welchen die ersteren beiden wesentlich organischen und nur der letztere unorganischen Cbarakters ist. Die Mengenbestimmung dieser dritten, durch die Heiz- und Ventilationsanlage veranlassten Staubart war von be- sonderer Bedeutung, weil grade auf diesen Ursprung die laut gewordenen Befürchtungen urasomehr hinwiesen, als jene Anlage mit Pulsion arbeitet. Sehr bald aber zeigte sich bei den Versuchen, dass diese Menge Staub sehr gering ist, so dass zu einem besonderen Nachweisverfahren geschritten werden musste. Dasselbe erwies einen Staubgebalt der an den Heizöffnungen während eines ganzen Schultages aus- tretenden Luft von 2—5 mgrm per cbm, während vergleichende Bestimmungen des Luftstaubes im Garten des Chemischen XLVI Chemisches Staats -Lal'orat(jrium. Journal Staats-LaLoratonuins unter äliiilichcn Witteruugsverliältuissen eine Staiil)nienge von 3-18 mgrm per 1 cbm ergaben. Somit erhellte /iinäelist, dass die in der eigentlichen ITeizliift ent- haltcmn Stauhniengcn sich durchaus innerhalb der (iren/en derjenigen grossstädtischer liult überhaupt halten und also in der betreffenden Ilcizanhigc an sich keine Quelle besonderer Staubentwickelung vorliegt. Die geringfügige Menge des durch die Bewegung der Gitter an den Ileizöffnungen entwickelten Staubes offenbart sich in den Gesamnitstaubmengen der von dem gewöhnlichen „Classenstaub" am wenigsten bceinflussteu Directorial- und Lehrerzimmer. Denn da diese nur 8 — 20 mgrm Gesannntstaub innerhalb 14 Tage /eigt(;n, an diesen aber jedenfalls noch derjenige Bruchtheil des in der Heizluft selbst enthaltenen Staubes participirt, welcher sieh bei ruhender Luft ablagert, und endlich auch derjenige, Avelcher aus der Benutzung und Reinigung der Zimmer entspringt, so werden jene Zahlen noch wesentlich herabgedrückt, und zwar bei den mehrbenutzten Lehrerzimmern um einen entsprechend höheren Bruchtheil. Man wird also etwa eine Menge von 5-10 mgrm als die lediglich auf jenen Ursprung hindeutende, in 14 Tagen abgelagerte betrachten können und bei ihrer sanitären Würdigung überdies noch zu berücksichtigen haben, dass die überwiegende Hauptmasse desselben unmittelbar bei den Heizöffnungeu zu Boden fallen, somit sich der eigent- lichen Zimraerluft nicht beimischen und der Einathmung ent- ziehen wird. Demgegenüber veranschaulichen nun die grossen Mengen des Gesammtstaubes in den eigentlichen Schulzimmern (76 mgrm in der Prima, 130, 260, 495 mgrm in unteren Classen) auf das überzeugendste, dass das wirklich in Betracht kommende Quantum Staub allein von der Benutzung und Reinigung der Schulziramer, der Zahl und dem Alter der Schüler u. s. w. herrührt, dass man also, will man jenes thunlichst verringern, auf Einrichtungen und Maassregeln angewiesen ist, welche eine möglichste Reinlichkeit der Schüler bezüglich ihres Schuhwerks, ihre möglichst ruhige Haltung in der Classe und eine möglichste Vermeidung von Staub- entwickelung bei der Reinigung der Zimmer erzielen, Centiai-FiiedhofXr. 41. 123, 132. Die fortgesetzten Untersuchungen der Brunnen- in Ohisdorf. ^^^^ Drainage -Wässer auf dem Central -Friedhof zu Ohlsdorf während der Winterperiode 1884/85 und des Sommers 1885 Chemisches Staats -Laboratorium. XL VII Journal zeigten, daß eine Vernnreinigung der Bodenwässer durch die fortschreitende Belegung bis jetzt in keiner Weise hervortritt. Nr. 40, 130, 140, Kil. Die chemischen Analysen von Weizenmehlen Tarifirung von bezweckten einerseits die Feststellung von Normalproben cizenmei. behufs Taritirung, andererseits den Entscheid der Frage, ob eingelührte Mehle ihrer Güte nach tarifpflichtig seien. Letztere musste bejahend beantwortet werden. „ 65, 77, llf>, 118, 135. Untersuchungen von Wässern, welche zu fiuss- Genusszwecken dienen resp. dienen sollen, z. B. Dove-Elbe ^"^"^ ^^ii^i^^"- i ' W asser. und viele Brunnen in Moorfleth, Volksschule in Winterlinde, Bohrung auf dem Terrain des neuen Krankenhauses u. s. w. „ 78, 79. Die periodisch wiederholte Prüfung der Ablaufwässer von RicscUeWer in den Rieselfeldern in Friedrichsberg (Irrenhaus) und Fuhls- ""^ ^|y(j^ ^^^ büttel (Central-Gefängniss) hat eine stetige Zunahme der Pteiu- Fuiüsbüttci. heit der Wässer und also auch der Wirksamkeit der Felder ergeben. „ 89, 108. Fall Seh. Der Seh. wollte nuch dem (Jenusse von Ungar- Erkrankung wein in acuter W^eise erkrankt sein. Dit; vollständige Analyse , .,"*^ ° "^ dem Genuas von des Weins ergab keine Anhaltspunkte dafür, dass er ein Ungarwcin. Kunstweiu oder ein aussergewcibnlich behandelter Naturwein sei. F'vbenso lieferte die specielle Prüfung anf etwaige giftige Beimischungen keinerlei Spuren von solchen, und musste der Wein nach jeder Richtung als unverdächtig erklärt werden. ,, 9'2. Fall S. Der Znckerbäcker S. hat geständigermassen „tür- „iiuki-scher' kischen" Honig aus Zucker und Decoct von levantischer , °'^^^„'^!t^ '^ levant. Seiten- Seifenwurzel bereitet, in den Handel gebracht und sich u. A. wurzei-Decoct auch damit zu rechtfertigen versucht, dass es „türkischen'' ^^ ^^^ ^^' Honig garnicht gäbe, also jeder wissen müsse, dass dies kein echter Honig sein könne. Freilich konnte hierüber nicht einmal ein Makler Auskunft geben. Die entstandene Frage, ob zugleich eine Gesundheitsschädlichkeit dieses Fabrikates anzunehmen sei, musste diesseits bejahend beant- wortet werden , weil — von anderen Gesichtspunkten ganz abgesehen - in der levantischen Seifenwurzel ungefähr die dreifache Menge von Saponin, dem zunächst in Betracht kommenden giftigen Glycosid, auftritt als in der officinelleu (Christophson), und weil wahrscheinlich noch ganz andere neben dem Saponin in der Wurzel vorhandene, aber nicht näher gekannte Bestandtheile das eigentliche toxikologisch wirksame Agens darstellen (Drageudorfi). XL VIII Chemisches Staats -Laboratorium. Journal ? Giftige Wieucr Nr. 1 00. Torte. Xciic Lam]icn. AVoltt'sclic Sicherhcits-iiml Jiurt'.sclic Gas- üllampc. Gros.se Parthie angeblich ver- dächtigen Rotli- wcius als unverdächtig erwiesen. Glockenmetall der Einisbiitteler Kirche. 101, 105, 112. Fall L. Die Familie L. schol) ihre Erkrankung auf den Genuss einer Wiener Torte. Die Untersuehung konnte weder in der Substanz der Torte, noch in den verwendeten Farl^en irgend gütige Stoft'e nachweisen; nur in der Marmelade fanden sich übrigens ganz irrelevante Spuren von Kupfer mit 0,01 "/o. 1 SO. Die mannigfaltigst durchgeführten Versuche mit den der Poli/eibehörde zur Genehmigung und eventuellen Ein- führung für Arbeiten auf Speichern, Schiffen etc. vorgelegten Wolft''scheu Sicherheits- und lluffschen Gasöllampen haben ergeben, dass dieselben keineswegs die genügende Sicherheit gegen Explosion und Feuersgefahr Ineten, um für eine der- artige Anwendung empfohlen resp. gestattet werden zu können. Ganz abgesehen von der für die Praxis immer höchst bedenklichen Benutzung leicht entzündlicher resp. explosiver Flüssigkeiten, wie Benzin, Gasolin u. s. w. bieten sie auch in ihrer Construction seilest trotz mancher sinnreicher Einrich- tungen noch keinesweges den genügenden Schutz, in einigen Punkten sogar directe Mängel und Unvollkommenheiten dar. 110. Fall H. Eine grosse Parthie Rothwein war auf auswärtige Denunciation hin als verfälscht resp. gesundheitsschädlich vorläufig beschlagnahmt und nun zur Untersuchung gebracht. Bei der eingehendsten Analyse von Proben verschiedener Oxhoftfässer ergab sich gleichmässige Beschaffenheit der Waare und das Fehleu jeglicher Anhaltspunkte für eine Mischung verschiedener Weine oder einen Verschnitt mit Sprit und Wasser oder eine sonstige zu weit getriebene Behandlung, wie endlich für die Gegenwart gesundheits- schädlicher Bestaiidtheile. Der Wein musste deshalb als ein nach allen Eichtungen nicht zu beanstandender bezeichnet werden; ob er wirklich 1883er Lugon Fronsac sei, entzieht sich überhaupt dem chemischen Nachweise. Die Untersuchung des Glockenmetalles dreier Glocken der neuen Kirche zu Eimsbüttel führte zu folgenden Mittelzahlen aus je zwei Analysen: I. II. III. Zinn 20,33 19,33 17,34 Kupfer 78,37 79,27 79,81 Eisen 0,83 1,34 2,31 Blei ...... Spur Spur Spur 99,53 99,94 99,40 Chemisches Staats -Laboratorium. XLIX Journal Andere Beimengungeu (Zink, Antimon, Schwefel etc.) Hessen sich nicht erkennen. Mit Kücksicht auf diese Thatsache und auf die factischen Verliiiltnisse beim Guss musste die Einhaltung der contractlichen Bedingungen anerkannt werden. Nr. 126. Fall H. Die Anfrage, ob mit der Ausführung einer Dynamit- Dynamit- Sprengung in einem Bohrloche von 93 m (ca. 300 Fuss) Tiefe ^i'i-*'°s'^°g i° '^ ° *-" ^ •' einem behufs Zertrümmerung eines Steines eine Gefahr für die Bohrioche. Bewohner und die Gebäude auf der Oberfläche verbunden sei, musste diesseits mit Rücksicht auf die Tiefe und auf die geologische Beschatlenheit unserer Gegend verneint werden. In Folge dessen fanden denn auch bald nachher nicht nur diese, sondern noch drei andere Sprengungen in derselben Gegend in einer Tiefe von 300 bis ca. 450 Fuss und zu gleichem Zwecke statt, ohne dass in allen Fällen irgend eine nennensAverthe Wirkung au der Oberfläche zu verspüren war. Diese Thatsache ist im Hinblick auf den im vorigen Jahresbericht unter J.-Nr. 88/94 mitgetheilten und bis zum Reichsgericht verfolgten civilrechtliclien Fall P. & Co. nicht oline Interesse, da dieses unser höchstes Gericht ent- gegen der früheren Instanz das Bestehen einer „Gefahr" anerkannt und darnach entschieden hatte. „ 139, 146, 165, 173, 181, 186, 188. Mindertestige Petroleum- Mindertestiges ladungen. Dieselben machten vielerlei besondere Prüfungen ^^^^'^J*^^^^ ^ _ ® bessert sich nothwendig und gaben u. A. auch Veranlassung, die relativ nicht durch m- interessante Frage zu untersuchen, ob sich ein mindertestiges, ^'^*^ Lagerung. d. h. bei niederen Temperaturen entflammbares Petroleum durch längere ruhige Lagerung in den Barrels bessert, d. h. in seinem Entflammungspunkt erhöht. Obschon die Möglichkeit nicht in Abrede gestellt, vielmehr Manches für dieselbe ange- führt werden könnte, hat sich ergeben, dass trotz zwei- monatlicher Lagerung im Freien, also bei denkbar stärkster Verdunstung, eine Veränderung oder gar Erhöhung des Ent- flammungspunktes nicht zu bemerken war. ,, 155. Fall B. & N. und J. v. B. Bei einer durch Havarie eines Durch gleichzeitig Kali -Salze enthaltenden Schiffes beschädigten Kah-Saize *^ ^ » beschädigte Ladung Erbsen entstand die Frage, ob dieselbe durch diese Erbsen. Kali-Salze gesundheitsschädlich geworden sei. Die eingehende Untersuchung Hess zwar eine deutliche Imprägnation mit Kali-Salzen, aber nur in relativ geringem Umfange erkennen, so dass bei den neuerdings wieder erhobenen Zweifeln über d Chemisches Staats - Laboratorium. Jourual Angeblich vergilt eter Kiillfc. Gesundheits- gcfähi'lichcr Wollstoü'. Nr. 156. 1'.) die Scliäilliclikcit der Kali-Salze überhaupt jene Frage verneint werden musste. Dahingegen war der Zersetzuugsgrad der Erbsen hinreichend, um sie als ungeniessbar zu erklären. Fall G. Fin eingelieferter Kaffee, welcher ernste Erkrankung hervorgerufen haben sollte und deshalb für vergiftet gehalten Avurde, ergab bei der ausführlichen Prüfung auf unorganische und organische Bcstandtheile nur die dem Kaffee und der Milch zukommenden Stoffe, aber keinerlei Andeutungen auf giftige Beimengungen. Fall Seh. Bei der Verarbeitung eines rothen Wollstoffes sollen Arbeiterinnen erkrankt sein. Abgesehen von den toxi- kologisch irrelevanten, von Beizen etc. herrührenden kleinen Mengen Zinns und Aluminium -Silicates, konnte die sichere Abwesenheit aller giftigen Metallsalze constatirt Averden. Die Farbe selbst bot ebenso wenig Anhaltspunkte für den ausgesprochenen Verdacht; sie war ein Azofarbstoff, in wahrscheinlicher Vermeuguug mit verwandten anderen. Amtliche Petroleum- Kontrolle. Die amtliche Petroleuni-Kontrolle. Dieselbe wurde im verflosseneu Jahre zunächst nach den früher geschilderten Gesichtspunkten durchgeführt. Im Laufe desselben machte sich jedoch das dringende Bedürfnis« geltend, die bisher wöchentliche zu einer täglichen Prüfung umzugestalten, um dadurch ebenso sehr den Verkehr vor dem mindertestigen Petroleum zu schützen wie andererseits den Handel vor unnöthigen Spesen behufs Wiederherbei- schaffung der ungesetzlichen Waare sicher zu stellen. Auf eine dahin- gehende Eiugabe der Deputation für Handel und Schiffahrt und nach Genehmigung der diesseits vorgeschlagenen Ausführungsbestiramungen durch die betr. Behörden hat dann am 17. November die tägliche Kontrolle begonnen. Seitdem arbeitet dieselbe zu allgemeiner Zu- friedenheit und mit dem erhofften günstigen Erfolg. Da mit dieser Einrichtung eine definitive Gestaltung der Kon- trolle erreicht scheint, die sich wohl ihrem Umfange nach, aber nicht ihrer Art nach zukünftig noch verändern wird, so dürfte es von Interesse sein, die Ergebnisse der Testungen in den letzten Jahren in einigen vergleichenden Zahlen zu veranschaulichen. 1. Es wurden im Laboratorium getestet: 1883 . . 1884 486 „ „ 970 326 Proben in 657 Bestimmungen 1885 861 nirr Chemisches Staats -Laboratorium. LJ 2. Mindeitestige Ladungen wurden gefunden : 1883 11 mal = 3,4 % 1884 5 „ = 1,0 „ 1885 9 „ = 1,0 „ 3. Russisches Petroleum gelangte zur Testung: 1883 2 mal = 0,6 % 1884 9 „ = 1,8 „ 1885 10 „ = 1,2 „ 4. Bei den Testungen zeigte sich eine Differenz der Einzel- beobachtungen : von V2« C 1883 bei 59 Proben = 18,0 % 1884 „ 80 „ = 16,5 „ 1885 „ 116 „ = 13,5 „ von l^C. und mehr... 1883 „ 5 „ =1.5 ,, 1884 „ 1 „ = 0,2 „ 1885 „ „ = 0,0 „ Die Kontrolle der Nahi'ungs- und Genussmittel sowie der Gebraiichsgegenstände nach dem Gesetze vom. 14. Mai 1879 hat im verflossenen Jahre noch mehr als früher auf die direct zu gerichtlicher Untersuchung gelaugenden Fälle beschränkt werden müssen, da die für die systematische Ausführung ausgebildeten Polizei-Offizianten fast ganz durch andere dienstliche Pflichten in Anspruch genommen waren. 3. Die Unterrichtsthätigkeit. An Vorträgen wurden gehalten: im Sommersemester: 1) Allgemeine Experimental-Chemie II. Theil. Organische Chemie 5 Std. wöchentl. 2) Chemie der Schwermetalle 2 Std. wöchentl. im Winterseraester: Allgemeine Experimental-Chemie I. Theil. Un- organische Chemie 6 Std. wöchentl. Ausserdem fanden die praktischen Uebungen im Laboratorium (12 — 40 Std. wöchentl.) statt, im Sommer von 8 — 12 und 1 — 5 Uhr, im Winter von 9 — 12 und 1 — 4 Uhr. Die Zahl der Theilnehmer au den Vorträgen und Uebungen betrug: 1. Januar-Ostern Sommer . in 1885 überhaupt bis ult. Dec. 18 20 12 33 von welchen 13 19 12 28 im Laboratorium arbeiteten. d* LJI Chemisches Staats -Laboratorium. Ihrem Berufe nach waren dieselben: Chemiker (Anfänger und Geübtere) . . .17 Lehrer 4 Aerzte 1 Pharmaceuten 1 Kaufleute resp. Fabrikanten . . 7 Polizei-Oflicianten 3 Die Gesammtzahl Derer, welche in den (1 Jahreu seit Beginn der regelmässigen Unterrichtsthätigkeit eine Anleitung, Ausbildung und Förderung ihrer chemischen Studien durch unsere Anstalt gefunden haben, beträgt jetzt 97. An Honorar etc. wurde bis ult. Dec. 1885 vereinnahmt ./^ 1 ;)7,s,7;3 gegen J^l^)\7,\() in issi. Befreit von der Honorarzahlung nach Maassgabe § 14 der Statuten waren tJ Praktikanten resp. Zuhörer. 4. Die Verbreitung chemischer Kenntnisse in weiteren Kreisen hat wegen Ueberhäufung mit anderen Arbeiten lediglich durch die amtlichen Sprechstunden, 11 — 12 und 4 — 5 Uhr, gefördert werden können, und boten dieselben allerdings Gelegenheit, zahlreichen Be- suchern Auskunft in chemischen Dingen zu ertheilen. 5. Die Ausführung wissenschaftlicher Untersuchungen. (Uebersicht unter VIII.) Der überwiegende Theil auch dieser Arbeiten ist auf die Anregung einzelne)- Verwaltungen (Sammlung vorgeschichtlicher Alter- thümer, Physikalisches Staats-Laboratorium, Deutsch-Israelitische Ge- meinde u. s.w.) wie einzelner Private zurückzuführen; entscheidend war dabei entweder das allgemeine Interesse des Gegenstandes oder der Wunsch, den Betreffenden die erstrebte Entscheidung ihrer Fragen am hiesigen Orte zu ermöglichen oder endlich die Rücksicht auf specifisch hamburgische Verhältnisse. Erwähnenswerth dürften folgende sein: Journal Nr. 20, 44, 81, 83, 86, 206. Verschiedene Untersuchungen über prähistorische Fundobjecte. „ 26. Analyse eines zum Verkitten electrischer Glühlampen die- nenden Platins. „ 28, 58. Ausgedehnte Untersuchungen über die Heiz- und Venti- latious-Anlage wie über dieClassenluft in einer Schule. Konnten Chemisches Staats -Lahoraforium. LIII Jou rnal an der Heizanlage nur geringfügige Mängel festgestellt werden, so ergal) sich andererseits durch die meist ausserordentlich grosse Steigerung des Kohlensäure -Gehaltes der Classenluft eine durchgehends nicht genügende Leistung der Ventilation. Nr. 33, 37, 193. Monatliche Bestimmungen des Gesammt-Sehwefel- Gehaltes im Hamburger Leuchtgase. „ 80. Untersuchungen über die Technik altmexicanischer Töpfer- waaren und die zu ihrer Bemalung verwendeten Farben. „ 97. Analysen verschiedener Knochenreste aus altmexicanischen Grabhügeln. Da hier in selten auftretender Mannich faltigkeit einfach verweste, durch Leichenbrand calcinirte und mit dem verschiedenstem Effect durch Lösung oder Zufuhr von Bestaud- theilen miueralisirte Knochenreste vorlagen, so leitete die Untersuchung zur Beantwortung der umfassenderen Frage, durch welche äussere und chemische Charaktere derartig abweichende Knochenfunde bestimmt zu werden vermögen. „ 105a, 194. Analysen diverser Wässer aus Pump- und Bohrbrunnen. „ 119. Analysen verschiedener „Feuerlöschmittel." Füllmasse der Harden-Star-Handgranaten. Bade's Pyrocid. „ 120. Analyse des Desinfectiousmittels Antiputriu. „ 176. Probehaltigkeit des Perubalsams. Zwei der ersten Drogen- han dluugen hieselbst hatten über die Prol)ehaltigkeit einer grossen Parthie Perubalsam nach Maassgabe der Pharm, germ. Ed. n hiesige Gutachten eingeholt und dabei hinsichtlich der besonders wichtigen Benzin-Salpetersäure-Probe diametral entgegenstehende Aussprüche erhalten. Zum Oberentscheid in dieser Frage veranlasst, konnte nachgewiesen werden, dass die in der Pharmacopoe geschilderte Prüfuugsweise vollständig und in allen Punkten zutrifft, sobald man sich strenge an die Einzelvorschriften hält, und namentlich als Benzin das von der Pharmacopoe selbst in seinen Eigenschaften genau charakterisirte Petroleumbenzin anwendet. Die abweichenden und unsicheren Urtheile der früheren Begutachter waren zweifellos auf die ungenügende Beachtung dieser Momente 7Airückzuführen. „ 204. Vergleichende Prüfungen der unter der Bezeichnung Petroleum- beuzin (Pharm, germ. Ed. H, p. 40) im Handel vorkommenden Waaren. Im Zusammenhang mit der vorerwähnten Unter- suchung stellte es sich heraus, dass weder die aus hiesigen Apotheken und Drogenhaudluugen, noch die von auswärt^^ LIV Naturhistorisclios Miisoum. Journal bezogenen Benzine echte, den Vorschriften der Pharniacopoc genau entsprechende Petrolenmhenzine waren, dass die liiesigcn ganz besonders stark abwichen und dass erst durch erneute Fractionirung aus einigen der Pro])en das zuverlässige Präparat gewonnen werden konnte. Nr. 202. Verglcicliende lUitter - Prüfungen nach der Methode von Köttstorfer. „ 203, Fortsetzung der Untersuchungen über die Extraction von Mineralsalzen aus Pflanzentheilen durch verdünnte Säuren. „ 205. Fortsetzung der Untersuchungen über die neu vorgeschlagenen Methoden der Cemeut-Prüfung auf dessen Reinheit. „ 207. Arbeiten über die vortheilhafteste Darstellung reinen Wasser- stoffsuperoxyds. Die obenerwähnten Analysen prähistorischer Fundgegenstände haben zum Theil in der Abhandlung von Dr. E. liaidcnberu. Ein Urnenfriedhof in Altenwalde, Jahrbuch d. TTand). Wissenschaftl. An- stalten, II. Jahrg. (ISSf)) p. löTff., Erwähnung gefunden. Die Arbeiten „Zur chemisch -technischen Kenntniss der südmexikanischeu Thou- gefässe u. s. w. mit specieller Berücksichtigung der an ihnen auf- tretenden Farben" und „Die chemische Untersuchung menschlicher Knochenreste aus Grab- und Erdfunden in archäologischem Interesse, angewendet auf die Knochenreste aus einem Grabhügel bei Ranchito in Totonacapau (Staat Veracruz)" sind in dem Werke von Herm. Strebel, Alt -Mexiko. Hamb. u. Leipz. L. Voss. 1S85. 4" in einem besonderen Anhange veröffentlicht worden. Bericht ü1)er das Naturhistorische Museum zu Hamburg für das Jahr 1885 erstattet vom Direktor Professor Dr. Pagensteclier. Museums- '"' Jahre 1885 hat wie im vorausgegangenen Jahre die Museums- kommissKin. Koiuinissioii iiiilcr dem Vorsitze des Herrn Bürgermeister Dr. Kirclien- pauer l)estand('ii aus (h'u Herren Di'. JoIdi Israel, Dr. J. Th. Beim, Direkter Dr. //. Bohia, Dr. J. (/. Fmher, Ilauptl.luci- A. Fnrfz uiul drill hier Dericht erstattenden Direktor. Naturhistorisclies Museum. LY Von den Mitgiiedern der Kommission hat Herr Bürgermeister iienen, weiche Dr. Khclumpaiier die Revision der Bryozoen- und Hydroiden-Sammluni»- ,.. ^''^'^^'''i's ^ ... *"'^' "**' Museum des weiland Herrn Bürgermeister Dr. Binder in Angriff genommen, gearbeitet welche bis dahin im botanischen Museum bewahi-t war, jetzt aber zur i'aben. Aufstellung im naturhistorischen Museum vorbereitet werden soll. Herr Dr. J. O. Fisclicr hat wiederum gänzlich die Reptilien, Amphibien und Fische behandelt. Herr Georg QercJie sen.. Herr Dr. Timm und HeiT Dr. v. Brunn liaben an verschiedenen Theilen der entomologischen Sammlung ge- arbeitet. Herr Professor Dr. v. Martens in Berlin bestimmte einen grossen Theil der Mollusken und Herr Dr. Kiirt Lamperf in Stuttgart die Holothurien der Süd-Georgia-Ausbeute. Wie in den Jahren 1883 und 1884 l)ekleidete Ueir Dr. 0. Mi'iyge wissen.sciiaft- die Stelle eines Custos für Mineralogie und es wurde wie seit 1871) . iiciie '^ Augpstellto. Herr Dr. G. Pfejfh' als wissenschaftlicher Hülfsarbeiter für Zoologie beschäftigt. Zu unserem grossen Danke sind im Budget für 1880 die Mittel für wissenschaftliche Hülfsarlieit verdoppelt worden, so dass eine weitere Kraft, deren Feld zunächst hauptsäcblich in der Ento- mologie liegen soll, wird berufen werden können. Der erste Präparator, Herr F. BiUlmann, ist im verflossenen Technisches Jahre durch Krankheit vielfach an Erfüllung seines Dienstes behindert Personal. gewesen und seit längerer Zeit bettlägerig. Es hat deshalb beim Jahresschlüsse seine Pensionirung auf den 1 . April 1886 beantragt werden müssen. Dem geschickten, eifrigen und pflichttreuen Beamten ist bei diesem beklagenswerthen Anlasse Anerkennung und Dank auszu- sprechen. Seine Arbeiten und die Schenkungen , welche er dem Museum vorzüglich mit entomologischen Präparaten gemacht hat, werden in den Sammlungen seinen Namen dauernd in Erinnerung halten. Uebrigens waren im Dienste Herr J. Itzerodt, zweiter Präpa- rator, Herr W. Giimmelt, jetzt etatmässiger Zeichner und Schreiber, Herr Dömling und Frau E. Weber für die Aufsicht. Von den Präparator- eleven M. Elise und H. Förimeyer hat das Institut bereits dankens- werthe Dienste gehabt. Naclulem in der engeren Konkurrenz für den Museumsbau am Museumsbau. 21. Februar der Plan der Herren Semper & Krutisch ausgewählt worden war, ist dieser Plan im Laufe des Jahres im Einzelnen fest- gestellt worden. Der Kostenanschlag, zu Avelchem ein Generalunter- nehmer den Bau zu übernehmen bereit war, liess von den verfügbaren Mitteln ein so (xeringes liir Unvorhergesehenes, Bauaufsicht u. dgi. über, dass die Museumsbaukommission von dem Versuche, durch LYJ Xaturliistorisches Mustnnn. öffentliclio Anss{'lir('i1)iiiifi; l)illij2;ero Gehoto /u ciliaUcii, nicht ahsdicu konnte. Von den Herren Architekten sind die Snlnnissionshedingun'j.en ausgearbeitet worden und es ist die vVusschrcihiiPu,' in kürzester Zeit zu erwarten.') An St(dh' des mit seiner Wahl zum Senator aus der Bau- kommission ausgeschiedenen Herrn Dr. Hucltmann ist der erste Vice- präsident (\vy IJüroerscliaft Herr Siegvi. Hinricltsen getreten. Provisorische '/a\v provisorischen Unterbringung grösserer Museumsgegenstände Riuiuilichkeiton. . . ,. , ,, t i r/ i • i /< j - i t ist aul dem («rnndc des /ooiogiscnen Liartens, anstossend an die MerckhalJc, ein Scluippen gebaut niid im Septendjer bezogen, in (h'ni- selben zum 8cliutze gegen Feuchtigkeit auch Heizung eingerichtet worden. Die Heizung im Museum selbst wieder herzustellen, stösst auf nicht zu ül)erwindende Schwierigkeiten. Mobiliar. Zwei Systeme von je drei Glasschränken für Wirbellose, ein Pultschrank für Insekten und ein solcher für Conchj'lien, lieide nach neuem Modell, sind bewilligt worden, aber noch nicht geliefert.^) Für die Aufstellung geologischer Stücke ist die Anschaffung eines Systems von zwei Doppelschränken für 188(i zugesagt wordeu. Handbibliothek. Für die Handbibliothek standen Jl 1(150 als reselmässioer r^^ Posten zur Verfügung. Von den gekauften Druckschriften mögen hervorgehoben werden : Journal des Museum Godeffroy, Auuuario del Museo Zoologico di Napoli, Catalogues of Lizards I, Batrachia salientia and gradientia. (Brit. Mus.), Day British Fishes, Hewitson Exotic butterflies, Butler Lepidoptera exotica, Walker List of hoinopter. Insects in the Brit. Mus., Mc. Iiitosh British Annelida, Bulletins de la Soc. miner. de France 1 — 7, Des Cloiseaux Manuel de Mineralogie, Grotli Physikalische Krystallographie, BrJiggcr Die silurisclien Etagen 2 und 3 l)ei Christiania. Es ist, nach(kMn das schon 188.3 geschelien war, den veränderten Umständen entsprechend, von solchen allgemein naturwissenschaftlichen, zoologisclu-n und mineralogischen Werken, deren Anschaffung zur 'l TMr Aiissclii'L'iliiiiig ist. aiii 15. .Inuiuii' 188() ertolgt. *') l>ir Licl'crini"' li;it l'jiilr .lamuii' lS8(J heuniincii. Naturhistorisches Museum. LVII Ausfüllung der Lücken der Stadtbililiothek dringend erwünscht wäre, wiederum eine Liste aufgestellt worden. Die Bewilligung einer Rate der zu dieser Anschaffung erforderlichen Mittel hat die Bibliotheks- kommission bei den Behörden befürwortet. Unterdessen ist das Museum der Königl. Bibliothek zu Göttingen zu gTossem Danke verpflichtet für deren Liberalität in Darleihung von Büchern. Li Tauschverkehr für wissenschaftliche Publikationen sind mit dem Museum namentlich getreten: Asiatic Society of Bengal, Ge- sellschaft naturforschender Freunde in Berlin , Sociedad cientifica Argentina in Buenos Ayres, Academia nacional de ciencias in Cordol)a, Naturforschende Gesellschaft in Danzig, Isis in Dresden, Listitut national (ienevois, John Hopkins University, Kongel. Danske Videnskab. Selskab in Kopenhagen, Royal Society of New South Wales, Canadian Listitute in Toronto, K. Akademie der Wissenschaften und Zoolog. Botan. Gesellschaft in Wien. Es ist für den Gebrauch am Listitute ein Zettelkatalo"' anoeleot O c? c? worden, welcher die zur Benutzung liei den ^Liseumsarbeiten zur Verfügung stehenden Werke, nämlich die Bücher des Museums, die einschlägigen der Stadtbibliothek, die der zoologischen Gesellschaft, die des Direktors und der anderen am Listitute arbeitenden Herren vereinigt. Dieser Katalog ist fertig für Protozoen, Schwämme, Cölenteraten, Echinodermen, Helminthen, Anneliden, Crustaceen, Entomologie im Allgemeinen und gemischt, Orthopteren. Er ist begonnen für MoUuskoide, Mollusken, Vögel, Säugethiere. Von Listrumenten wurden insbesondere einige fiü' mineralogische Instrumente Zwecke angeschafft: eine Vorrichtung zum Plan -Parallelschleifen, """^ _ . . ' Geräthe. Turmalinzange und Quarzkeil, Beleuchtungsvorrichtungeu ; von Werk- zeugen für die Werkstätte eine Glasschneidemaschine, eine Schrauben- schneidkluppe , ferner einige Netze, welche, nach Benutzung in Helgoland, dem Herrn Alb)'. O'Sicakl in Tamatave zu Sammelzwecken zur Verfügung gestellt wurden. Unsere Einrichtungen für den ^NLiseumsbesuch und für Ent- Benutzung de leihung sind unverändert geblieben. Verschiedene wissenschaftliche Museums. Anfragen fanden am Museum Beantwortung. Zu der geographischen Ausstellung, welche vom 9. — 14. April im Wilhelmsgymnasium stattfand, trug das Museum mit folgenden Collectivsammlungen bei: 1. Schmetterlinge von Gabun, meist ge- sammelt von Herrn H. Soyaux, 1 2 Kasten, mit zahlreichen Geschlechts- dimorphismen. 2. Zoologische und petrographische Ausbeute des Herrn Dr. G. A. Fisclicr aus dem Massailande. 3. Säugethiere von LYIJI Naturhistorisclies Museum. Madagaskar. 4. Thierwelt von Süd-Georgien. 5. Zusammenstellung arktischer und antarktischer Meereskonchylien. H. Fliegen der Nieder- eibgegend, zusammengestellt von Herrn G. Oerche sen. aus eigenen Vorräthen und denen des Museums, diesem gewidmet. Daran schlössen sich werthvoUe und aussergewohnlich interressante Sammlungen: Kleinschmetterlinge unserer Gegend von Herrn A. Sauher, Schmetterlinge des indoaustralen Gebiets, mit Mimicry, Saisondimorphismus, Vicariirung, von Herrn G. Semper, Schmetterlinge vom Amur von den Herren W. Dkclimann und F. Dörries, eingewanderte und akklimatisirte Insekten von Herrn Dr. Augustin ^ Miesmuscheln und Austern aller Meere von Herrn Professor Möhins, so dass diese Ausstellung zoologischer Objekte in dem überhaui)t sehr gelungenen Ganzen eine ausgezeichnete Stelle einnahm. Der zoologischen Gesellschaft wurden für die von ihr im Sommer veranstaltete Dickhäuterausstellung alle diejenigen zoolo- gischen und palaeontologischen Gegenstünde aus dem Museum geliehen, welche gewünscht wurden. An das Schulmuseum und die Volksschulen wurden geschenk- weise abgegeben 1G5 Mineralien und ein Hokkohuhn, Pauxi galeata Lath., an Herrn Dr. Lampert einige Exemplare der von ibm be- arbeiteten Holothurien von Süd-Georgien, an das botanische Museum ein Brett von Wellingtonia, eine Dop]ielphotographie dieses Riesen- baumes, drei Baumfarrenstämme, an das Museum für Hamburgische Alterthümer ein Porträt des weiland Senator Coldorf. Die im Jahre 1880 an die Herren weiland Geheimrath V. Bischoff und Professor Eiiclinfjer in München ausgeliehenen Gehirne anthropomorpher Affen sind zurück gekommen. Geschenke. Für zahlreiche dem Museum gewordene Geschenke ist in den Tagesblättern der Dank ausgesprochen worden. Hier sollen nur folgende als grössere 'und meist als Sammlungen bildende hervor- gehol)en werden : Von der Zoolocjischen GeseUschuft 24 Säugethiere, Barten zweier Walarten, 83 Vögel, 1 7 Reptile, 8 Fische, einige niedere Thiere, zwei Wandtafeln und, als Curiosität, ein von Ratten durchnagtes bleiernes Wasserrohr. Von Herrn Vice-Consul G. Fischer in Tientshi über HM) In- sekten, sowie zwei grosse Rauchtopase von Shansi. \o\\\\vvv\\ (jfoni Gercice seil. HIOJ l-'liegen der näclisten Nieder- eibgegend. Natiu'historisches Museum. LIX Von IleiTii J. W. Henn'f/ ein grosses Fischnetz. Von Herrn Capitain Hupf er zwei Sammlungen westafrikanischer Thiere, vorzüglich Reptilien, Fische, Insekten. Von Herrn Jul. Jacobs in Alexandrowsk ein versteinerter Coni- ferenstamm aus der Tartar-Bai. Von Herrn Bürgermeister Dr. Kirchenimner eine auf Funchal von Herrn Professor Langerhans gemachte Sammlung von Bryzoen. Von Herrn A. Mcssow 41 Schmetterlinge aus Peru. Von Herrn cand. Müliaelsen eine Sammlung von Seethieren der Kieler Bucht. Von Herrn Senator O'Siccdd J( 100 zu einer Ausrüstung. Von Herrn Alhr. O'Sivald in Tamatave Säugethiere, Reptilien, Schnecken, Insekten, Spinnen, Tausendfüße, Fiisenkies in Kalkstein, auch die leider nicht gut behandelte und nicht weiter zu ge])rauchende Haut eines ungeheuer grosseii Trygon. Von Herrn Haiifi Peicrsen eine Sammlung von Thieren aus Kamerun. Von Herrn Jnl. N. IxotJcnhioy in Prescott, Arizona, Reptilien, Insekten, Spimien, vorzüglich das als einzig giftige Eidechse aus- gezeichnete Heloderma horri(him Wiegmann. Von Herrn Generalkonsul Schi'itt eine umfangreiche Sammlung von Reptilien, Amphibien, Insekten und Spinnentliieren aus Süd- brasilien, auch Fische und Krebse aus dem Sargasso-Meere und eine Sägefischsäge. Von Herrn H. Soycmx zwei Sammlungen afrikanischer Säuge- thiere, Reptilien, Amphibien und Insekten, besonders auf Ssibange - Farm gesammelter Käfer und Schmetterlinge. Von Herrn Statliam einige Helgoländische Vögel, besonders die drei \^arietäten von Cyanecula. Von den Herren Apotheker F. IJlcx und Dr. H. IJler eine Fledermaus, Reptilien, Fische, wirbellose Thiere, besonders sehr schön konservirte Insekten von verschiedenen, meist afrikanischen Plätzen. Von Frau C. Woeimann durch ihren Sohn in West-Afrika ge- sammelte Thiere, ein junger Gorilla, Eidechsen, Schlangen, Fische, Insekten, Arachniden. Von den durch Kauf erworbenen Gegenständen sind die wich- Erwerbungen, tigsten die von der Zoologisclien GeseUschaJt in 1884 ausgestellt ge- wesenen Skelete des Blauwals Balaenoptera Sibbaldii Gray (fast Tf)' lang), des Finnwals Balaenoptera musculus Comp, und des Buckel- LX Xaturhistorisc'lies Museum. wals Mop;apt('ra l)oops Fabricius. Für diese Anschaffunf»- hatten die hohen Ik'hcirdeii in lil)eralster Weise J^ 4000 bewilligt. Die Schädel sind neben nnsereni alten Schädel von Mysticetus in dem ol)en erwähnten neuen Schuppen aufgestellt, die ül)rigen Theile in ver- schiedenen Häunicn des zoologischen Gartens aufbewahrt. Der Centralsaal des neuen Museums wird das Alles bequem aufnehmen. Von Herrn Capitain Ringe wurde eine ältere Sammlung von trockenen Concliylien und Echinodermen, vorzüglich von den Küsten Chinas uml Cochinchinas, und eine in 1885 vorzüglich von den Philip- pinen, Neu-Süd-Wales und Tahiti mitgebrachte, meist von Seethieren in Spiritus, erworben. Frau Dr. Crüger überliess dem Museum oii., Crescentia Cujete L., Grevillea Hilli Auct., Swietenia Mahagoni L. Ausser diesen soeben genannten Collectioncu, welche zunächst wenigstens die Begründung der Abtheihing für Waarenkunde ermög- lichten, ist vor AUem einer bedeutenden Donation des Herrn V. Aik/. Cmdes iM'wähnung zu tluin, der die gangbarsten i)lla.nzlichen Iloh- waaren ('liinas in ausserordentlich reichhaltigen Exemplaren dem botanischen Museum zum Geschenk machte. Abtheihing Von der allgemeinen Abtheilung für Waarenkunde musste, zum für Hiiizor "»n einem SklavcnseJiifCe nach dem tro])isehen Amei'ika gebracht woi'den. \''m noch nicht genauer ermittelter Bedeutung sind die aus Little Pope — leider aber nur in zu gei'ingen Mengen — eingesendeten und daselbst ..Sassai'H-cir' genannten Samen einer nach dem vorliegenden Material nicht näher zu bestimmenden Annonacee aus der M o n o dora- Gruppe, welchen wahrscheinlich dieselbe Verwendung zukommt, wie den Samen der ans Liberia vielfach importirten Monodora Myristica Duv. Von den Eingel)orenen als ..Hessicail-Cll" genainit und unter die-em Namen eingesendet sind fruchttragende ganze Exemplare von Cassia occidentalis L. (mit Wurzeln), bei denen die Anfrage auftallenderweise sich auf die Vei'wendung der Wurzel bezog, da der wässi'ige Extract derselben bei schmerzhaften Magenaffectionen eine sehr beruhigende Wii'kung ausidjen soll. Die Samen dieser fast in ganz Afrika sehr verbreiteten Pflanze dienen sonst den Eingeborenen als Surrogat von Kaffee und sind daher — nebst den Samen anderer C'assiaarten — auch unter dem Namen Nt'^«"!'- oder HIoi^dad-KaflV'f bekannt. Eine ebenfalls in gi-()sseren Mengen eingegangene, von den Eingeborenen ..Adchiiur' genannte Pflanze ist Anacardium occidentale L., dessen lärnenartig angeschwollenen Fruchtstiele in den hi Rede stehenden Gegenden bei Darmentzündungen als Ileilmitfel zur Verwendung gelangen, während sie in andei'en (ro|)isehen Ländern des Wohlgeschmackes wegen genossen werden, freilieh nur, nachdem man von ihnen die nierenförmigen P'rüchte sorgfältig entfernt hat. Die letzteren enthalten ein ausserordentlich ätzendes Oel und gelangen seit vielen Jalnvn unter dem Namen ,,Elephantenläuse" in den europäischen Handel; fridiei- wurden sie auch in den Apotheken als „semen Anacardii occidentalis" geführt. Die ebenfalls eingesendeten Früchte von Irwingia Barteri Hook, liefern das bekannte Dikabrot, resp. Dikafett, werden alier irrthümlicher- weise zuweilen für die Steinkerne einer Mangifera -Frucht, Mangifera gabonensis gehalten, obgleich bereits eine ganz oberflächliche Beobachtung zeigen würde, dass ilnieu die den Mangifera-Arten eigenllimnliclie nierenartige Form des Endosperms vüllig abgeht. '~') All frage uach der botanischen Abstamniiing nnd teclmisclien Venverthung vun Friicliton (Oellriiehten) behufs der zolhinitlichen Behandhmg des qu. Handelsartikels. Botanisches Museum. LXXXI A u s k u n f t : Die (ju. ( )l)jecte sind Endospermtheile von Y a t e r i a i n d i c a L.. nachgewiesen durch die niikroskiipisclie Untersuchung der Fett-Krystalle, welche nach der geeigneten Behandhnig mit Olivenöl optisch erkennbar werden. 3) Aufrage wegen eines hambusähnliclien Stainnies behufs der zollamtliclieu Behaudluug, uamentlicli, oh die auf dem Stamme deutlich siclitl)aren Zeichen wold als Anfange von Bearheitungen anzusehen sind. Auskunft: Die qu. Zeichen sind entstanden durch Schnüre, welche Ijestimmt waren, den ])ühlen und relativ schwaclien Stanmi der zur Bambus- gruppe gehörigen Pflanze zusammenzuhalten. 4) Anfrage, oh die vorgelegten Blätter in der That ächte (!ocablätter siud. Auskunft: Die (pi. Cocablätter stammen allerdings von Erythro- xylon Coca Lam., wie die anatomisclie Structur auf das unzweifelhafteste ergiebt, aber die Blätter siml durch Fäulnisspilzc in ziendich erheblichem Maasse angegriffen worden und haben daher merkliche Cocain- Verluste erlitten. 5) Anfrage wegen der ^Yissenschaftllchen Umgrenzung der im Zoll hegünstigten ll(dzarten: In dem Zolltarifgesetz vom Mai 1885 ist bei Gelegenheit der Erhöhung des Zolles für Nutzholz hestimmt worden, dass Nutzholz von Biiclisbanm. Odern, Cociis, Ebenholz, MaliJJ^oni, ferner ^•eschiiitliies Holz von Cedcrn nur einem Viertel des allgemeinen Zollsatzes unterliegen (statt 40 Pf. pr. 100 kg. nur 10, beziehungsweise statt 1 Mark nur 25 Pf.) und dass Brnyere- (Erica-) Holz in ^•eschiiitteiKMi Stücken zollfrei bleiben solle. Es ist nunmehr vom Bundesrathe für das Waareuverzeichniss zum Zolltarif Bestimmung darüber zu treffen, welche Holzarten zu den vorstehend genannten, im Zolle begünstigten zu rechnen sind und es werden die dem heutigen Staudpunkte der Wissenschaft entsprechenden Mittheilungen über den Umfang und die botanische Abstammung der iu Bede stehenden Holzarten erbeten. Auskunft: I. Buehsbaxini- oder Buehsholz. Dasselbe ist ausgezeichnet durch seine bedeutende Härte, seine ausserordentliche Feinheit der Structur und die damit zusammenhängende gleichmässige und vollkommene Spaltbarkeit. Es liefert daher ein vorzügliches Material fiu- Holzschnitte, für Holzblase- instrumente uiul findet in der Drechslerei eine vielfache Anwendung. Die wichtigsten Huchshölzei" sind: 1) Tiirkisclies oder orientiilisolies Buclisludz, von Buxus semper- viren s L. alistammend und in grossen Stämmen in den Handel gelangend; nach der Herkunft werden oft noch unterschieden: Tiirkisclics, persisches, Hiinalüya- oder ostindiselies Biulislndz. 2) Westijulisflu's Buehsliolz, von Aspidosperma Varga sii A.DC, einer in Venezuela u. s. w. häuiigen Apocyiree abstammend, ist in Folge seiner übereinstimmenden Holzstructur in gleicher Weise wie das türkische f LXXXTI Botanisches ]Muspi]m. Buehsliolz zu verwenden uml liildet einen vollstiimligen Ersatz für (lassell)i'. Es wird dalier in grossen Mengen naeli Europa eingef'iilii't. 3) Das chiiiesisclie BiK'lisliolz t><\>'y i\fv Cliiiiii-Huclis stammt von Murraya oxotioa L., einer im indisolien iMdUsuniueliiet vei'ln-eiteten Aurantia('e(\ deren IIolz als Surrogat für türkisches IJuclibhnlz vei-wendet wird, uhgleicli CS dnicli die dunklere Earbe sich von diesem sehi- leicht imterscheiih't. In der neueren Zeit wiid es seiner Härte wegen, welclie die des ächten Buchsholzes noch übersteigen soll, vielfacli vei-wendet, zumal es eine gewisse Elasticität Ijesitzt, welche den i'ihrigen Buchshölzern abgeht. Das in England als Surrogat für türkisches Buchsliolz verwendete ,,aiistrilliscll(' Buchsliolz'' stammt von mehreren P i 1 1 osp or um -Arten Südaustraliens und besitzt in der That ähnliche Eigenschaften wie das türkische Buchsliolz, obgleich die Holzstructur, namentlich die ^lark- strahlen und die Poren (Gefässe) schon bei der Betrachtung mit der Lupe stärker hervorti'eten. 11. Ced.ernh.olz. Eine bestimmte Characteristik des Begriffes „Cedernholz" resp. „geschnittenes Holz von Cedern" zu entwerfen ist nicht möglich, da unter dieser Bezeichiuing zweierlei vidlig verschiedene Holzarten verstanden werden, welche einerseits von Coniferen (Xadelhölzern), andererseits von Ccdrela- Arten (tropischen Laubhölzern) abstannnen. Eine allen sogenannten Cedernhölzern gemeinsame Eigenthümlichkcit ist vielleicht allein der aromatische Geruch, welchen z. B. das zu Cigarren- Kisten und das zu Bleistift-Einfassungen verwendete Cedernholz liesitzt. Die botanische Abstammung der unter dem Xamen „Cedernluilz" in den europäischen Handel eingeführten Holzarten ist folgende: 1) Das vii'giiiist'lie oder falsche oder rothe Cedernholz (Cedre ä, crayon, Pencil cedar) stammt von Ju n i pe r us -Arten Nordamerikas, Junii)erus virginiana L. und Junijierus ßermudiana L.. letzteres besonders als Floriila-Cederiiliolz bekannt. Es ist sehr weich und leicht S]ialtl)ar und wird besonders zu Bleistift-Einfassungen vei'wendet. daher auch unter dem Namen ,,Bl«'lstirniolz" bekannt. 2) Das westindische oder spanische oder mexikanisclie Ccdernliolz. auch <'edraholz genannt (Cedra, Cedrawood) stammt von Cedrela-Arten, mächtigen Bäumen Mittel- Amerikas , Westindiens und des niirdlielieii Südamei'ikas, nämlich von Cedrela odorata L. und Cedrela guaja- nensis Aul)l. und gehört ebenfalls zu den wiciitigsten Cedernhölzern des europäischen Handels, namentlich in seiner Verwendung zu Cigarrenkisten. 3) Das IMiili|)|)lni'n-('edci'nholz, weiehes in allen characteiistischen Eigenschaften mit dem unter Nr. 2 l)ezeichneten idiereinstininit und seit Kurzem in Bremen importirt wird, stammt nach der im Laboratorium des botanischen Museums ausgeführten Untersuchung e1)enfalls von einer Cedrela- Art. 4) Das weisse oder canadische Cedernholz stammt von Thuja occidentalis und Cupressus thyo'ides und wird niehi' als Bunholz verwendet, da es 8 — 10 Meter lange r>ieleu liefert. Auch die Libanon- Ceder, Cedrus libanotica L., liefert ein weisses Cedernholz, welches indessen nur sehr selten in den Hamlel gelangt, oligleicli es durch seine helle Farl)e vor allen Cuniferenhdka'rn ausgezeichnet ist, aber es ist Botanisches Museum. LXXXIII schlecht spaltbar und sehr harzreich, so dass es für Bearbeitungen mehr- fache Schwierigkeiten bietet. Ausser diesen kennt man noch ein ,, schwarzes Cedernholz", welches von einer brasilianischen Nee tan dra- Art (Lauracee) abstammt und einen angenehmen, an Vanille erinnei'nden Geruch besitzt. Aeusserlich ist das Holz kenntlich durch 2 — 4 mm breite Jahresringe, welche an der Aussenseite schwärzlich, sonst braun gefärbt sind. III. Cocustiolz.') Dassellje stammt von Inga vera Willd., einer in dem wärmeren Amerika häufigen Leguminose, deren Holzwerth erst in den letzten Jahren erkannt worden ist. Das von einem deutlich abgegrenzten hellgelben Splint umgebene olivengi'üne Kernholz ist ausserordentlich hart und besitzt ein spec. Gewicht von 1,4 — 1,6, sinkt also in Wasser unter. Besonders verwendl^ar ist es zu Drechslerarbeiten, nicht blos seiner vorzüglichen Drehbarkeit wegen, sondern auch wegen des Umstandes, dass bereits die rohen Drehfliächen wie polirt erscheinen. Im Handel nennt man das Cocusholz auch Cllba- oder Jailiaica- («raiiadille, oder man unterscheidet es nach der Herkunft als we'stiiulisches, Cllba- oder Jaiiiaica und inexicaiiisches Cociisliolz. Alle diese Hölzer stammen von Inga vera Willd., das mexicanische möglicherweise von einer anderen, noch nicht näher ermittelten Inga- Species. Auch in Ostindien soll ein Cocusholz entdeckt worden sein, welches von Lepi do stach ys Roxburghii Wallr. abstammt; indessen ist es bis zur Zeit nicht möglich gewesen, dasselbe behufs der Untersuchung zu erhalten oder etwas Genaueres darüber in der Littcratur zu ermitteln. IV. Ebenholz. Mit dem Namen „Ebenholz" bezeichnet man das Kernholz zahlreicher Holzarten, welche durch ihr hohes specifisches Gewicht (sie sinken im Wasser unter), ihre Härte und vor Allem durch ihre Dichtigkeit derart ausgezeichnet sind, dass die bei den übrigen Holzarten mehr oder weniger deutliche Holzstructur, besonders Spiegel und Jahresringe, kaum zu erkennen ist. Hierdurcli unterscheidet sich z. B. das ächte schwarze Ebenholz auch leicht von den einheimischen, schwarz oder dunkel gebeizten Holzarten, unter denen z. B. das Eichenholz bekanntlich bereits nach längerem Liegen im Wasser eine schwarze Farbe annimmt, welche von der des schwarzen Ebenholzes kaum verschieden ist. Das in dieser Weise behandelte schwarze Eichenholz lässt sich aber, sowie auch die anderen schwarz gebeizten einheimischen Holzarleu (z. B. Birnbaum, Ahorn u. s. w.) leicht mit dem Messer schneiden, während dies bei dem ächten Ebenholz nur sehr schwer gelingt. Die Farbe ist also nicht das alleinige Erkennungs- Mittel des ächten Ebenholzes, und das um so weniger, als zuweilen an verschiedenen Stellen eines und desselben Stammes auch Verschiedenheiten in der Farbe des Kernholzes gefunden werden. Der oben angegebene hohe Grad von Härte, Dichtigkeit und specifischem Gewicht bezeichnet vielmehr die wichtigsten Eigenschaften eines ächten Ebenholzes, dessen Farbe übrigens auch grün, braun, gelb oder sogar röthlich sein kann. ') Das „Cocusholz" wird fälsclilicli auch ,,Oocüsholz'' genannt, worauf wohl die irrige Ansicht zurückzuführen ist, dass das Cocusholz von der Cocospalnie oder einer derselben verwandten ralmen-Species abstamme. LXXXIV Butaiiisclu's Museum. Im Handel bezeichnet man das scliwaiv.e EIm hIkiIz in der Kegel nach der Herkunft, z. B. als: Boinliuv-. Ceylon-. Miiiiilil-, Siaiii-, (Hdciiliibai*-, (iii]»oon-. Mada^^iiscar-. Zanzibar-Ebcnliolz n. s. w. Von diesen unterscheidet sich sclir h'iclit das ,.('oi-()niaiHl('llu)lz'' oder „Imiite, streifipfe Kheidiol/." (Elieuc coromandle, Af'ric. female Plliony), bei welchem der Fai'bstoff nicht durchweg glcichmässig vertheilt ist, so dass braune und scliwarze Schichten entstehen, welche indessen meist concentrisch verlaufen. Im llainh'l ücht es häufig unter dem Namen ..CaHiag'oii" (wahrscheinlich gehurt hierher auch das Macassarliolz), während das sogenannte ..weisse Ebeillldl/,". welches namentlicli von Isle de France und lleunion in den Handel gebracht wird, vielfach als Coromandel Ijezeiehnet ist. Der Name ..AVeisscs Ebenholz'" ist auf die weissen Flecke zurückzuführen . wehdie auf (\r\i Sehnittilächen sichtliar werden und dadurch t'nlslandcii sind, dass das schwarze Kernholz, welches an und für sich scharf vom helleren, fast weissen Splint aljgehoben ist, vielfache Verzweigungen in den Splint hineinsendet. Unter ..grünem E)»enliol//' versteht man zweierlei sehr versehiedene llolzarleu, die eine derselben stammt von l)ios))yros Lotus L. oder ])ios])yros chloroxylon Ruxb., namentlich von dem letzteren und kommt ganz allgemein als ,. grünes Ebenholz" (Ebene vert, Green El)uny) in den Handel; es ist ein gutes Nutz- und Bauholz. Noch wichtiger jedoch ist die zweite Holzart des grünen J'Jienholzes, welches auch „braunes" oder sogar ..gelbes Ebenholz" genannt wird. Es stammt von der auf den Antillen häufigen Bignonia leucoxylon L. und komnit auch als ..(ireenlieart ') von (iujana" oder l5astar(l-(>nJakliolz in den Handel; es besitzt wie die übrigen Eljenlnilzcr ein sehr beträclithrhcs Gewicht und wird vcm Würmern nicht angegriffen. Auch das ,, Rebhuhn-" oder .,Patri(lgeholz" von Mexico oder Puerto Cabello (Ebene mexique, Patridgewood) wird mit Recht zu den Ebenhidzern gerechnet; es stammt von Piratinera guyanensis Anl>l., einer Moraeee e in der Politur und der "Verwendungsfähigkeit für Möbel, namentlich zu Möbelfournieren dem Holze von Swietenia Mahagoni mehr oder Botanisches Museum. LXXXVII weniger gleichkommt. iVIan unterscheidet im Handel im Wesentlichen folgende Mahagoni-Arten : 1) Das echte Maha;i;'«iii, von Swietenia- Ai-ten, namentlich Swie- t e n i a Mahagoni L. und S w i e t e n i a m u 1 1 i j u g a Schiede abstammend, wird im Handel seiner Herkunit nach bezeichnet als: Cnba-, Jainaica-, Haiti-, Yucataii-, Tabasoo-, Laguiia-, St. Ddiuin«:;«-. Poite-PIata-, Port-Ends- und Hoiuluras-Maiiagoni. Das sog. Pyrainidculiolz hat seinen Namen von der eigenthümlichen Figur des Masers erhalten und findet sich daher bei allen den eben genannten Holzarten. 2) Das sog. Madeira- oder africaiiisclie Mahagoni, auch Cailcedra- liolz genannt, stammt von der im tropischen "Westafrica heimischen Swietenia (Khaya) senegalensis Juss. und ist durch die röthere Farlie von dem amerikanischen leicht zu unterscheiden, so wie auch durch die deutlicher hervortretenden Jahresringe. Es wird in ähnlicher Weise wie das amerikanische Mahagoni verwendet, besonders beliebt ist es aber zur Verfertigung von Holzkästen für wissenschaftliche Instrumente. Auch Cedrela Toona Roxb., ein 50—70 Meter hoher Baum Ostindiens, soll eine Art Mahagoni liefern, indessen ist eine genauere Ermittelung hierüber nocli nicht m<')glich gewesen. Ausserdem gelangen zuweilen noch in den Handel : Cap-Mahagoni, von Pteroxylon utile F.ckl. und Zeih., einer süd- afiicanischen Sapindacee al)staiiimend, und Coloiiial- oder Bastard -Maha- goni , von Kuca Ivp t US- Arten Austrahens stainmrnd. Besondci's das letztere wird seiner ausserordentlichen Dauerhaftigkeit wegen in der neueren Zeit mehifach importirt. Es verdient eine grössere Beaclitung, als ihm bisher zu Tlieil geworden ist. Das sog. weisse Mahagoni, von Anacardium occidentale L. abstammend, ist jedoeh wolü kaum noch als Mahagoni-Holz zu liezeichnen. Tl. Bruyere- oder Erica-Holz ist das Wurzelholz von p]rica ail)nrea L; es ist berühmt wegen seiner Verwendl)arkeit für kleine (Matrosen-) TaV)aks- pfeifen. Die Stammpflanze ist im gesammten Mittelmeer weit verbreitet, namentlich in Spanien. Süd-Frankreich, Italien und Griechenland. 6) Anfrage nach der botanischen Abstammung einer zu der GattuDg Vahea gehörenden Kautscluikpflanze, von welcher blühende Zweige und Früchte (letztere in Alkohol) eingesendet waren. Auskunft: Diese für die Kautschukgewinnung ganz ausserordentlich ausgiebige Apocynee stammt von einer bisher unl)ekannten Species der Gattung Vahea, welche von dem Berichterstatter als Vahea Traunii nov. spec. bezeichnet wurde, aber nicht zu verwechseln ist mit Vahea senegalensis DC, var. Traunii Sad., welche ebenfalls in Senegambien einheimisch ist. 7) Anfrage nach der botanischen Abstammung der für Drechslerarl)eiten importirten sog. Fidji- oder Tahitiniisse und nach der geographischen Verbreitung der Stammpflanze, namentlich mit der Angabe, ob die tpi. Nüsse auch von anderen Orten noch bezogen werden könnten. (Ueber denselben Gegenstand gelangten innerhalb LXXX\'II1 Botanisches Museum. ciuer Woclic drei dasselbo Ix'zweckeudo Anfragen an das l)otanische Museum.) Aiiskuiil't ; l)ie (|U. ,,Nüsse" sind das Kll(]iis]M'nn von Sagus aniicarum Wendl., einer iiaili den ueuerou Beiicliten idier das ganze polynesisclie lusel- gebiet verlireiteteii und siclleiiweise selir liiinliyen l'aliiie. S) Anfrage nach der hotanischen Abstammung einer mexi- canisclien Finiclit, welclie in ihiem Inneren Insccteneier l)elierl)ergt. Auskunft: ]''i-uciit einer niclit niilier zu ennitteludcn S|i(>eies der Gattung l'lu p liorlii a. 9) Anfrage, auf welche Weise sich das ächte Coca-BLatt von Surrogaten untersclieiden hisst. Auskunft: Die sog. „P^llipse" ist liervorgeliraelit dui'cli die Falten- lage des Blattes während des Knosjienzustandes und iiudet sieh ausser hei Erythroxy Ion Coca L. auch hei anderen E rythroxy lo n -Arten , weh-iu' kein oder nur sehr wenig Cocain entwickeln. Die sichere Erkennung des ächten ('(»<'a-Blattes ist nur auf dem Wege der mikroskopischen Untersuchung möglieJK 10) Anfrage, ol) die vorgelegte Holzart ein Quassia- Ilol/ ist. Auskunft: Ans der anatomischen Beschaffenheit des vorgelegten Ihilzes, namentlich (h'u aus drei ZelJreihen hestehenden Markstrahh'U ergiehl sich ganz unzweifelhaft, dass Simai-alia excelsa DC. die Stammiiilanze des fraglichen Holzes ist, das ITolz also das sog. li»-iiuiii ((nassia«' jaiiiiiiccnsis, 11) Anfrage nach der botanischen Ahstannnnng elastischer Zweige, welche für lenkbare Luftballons Verwendung finden und weitere Frage, ob elastische Zweige, welche für den genannten Zweck noch geeigneter wären, angegeben werden können. Auskunft: Die vorgelegten Objecte sind keine Zweige, sondern die Blatti'ippen einer nicht näher zu bestimmenden ostindischen Palme, wie namentlieh diu-ch die anatomiselie Untersuchung festgestellt wurde. \9.) Anfrage nach der bolanischen Abstammung und industriellen Verwendbarkeit mehrerer chinesischer Ivohstofie aus Neuschwang. Auskunft: Die eingesendeten Samen waren diejenigen von Cucumis CitrullusL., Ddliehos rne I a n o p li t ii a 1 m us IX'.. Diilicims (iriznides Savi, Soja hispida Mnch. (genuiua nigra und var. glauca), IMiasenlus vulgaris L.. TMiascdius Mungo L., (dieselbe Varietät, welche in Ostindien und Ceylon gebaut wird). Soi'ghum cai'frorum l'eauv. uml die enthülstt'n Samen ((ir;iu]ien) von Uordeum d i s 1 i e ii u ni b. in zwei ^'arietäten. — I)ie übrigen liohstoft'e wai'en I) Stücke eines vorzüglichen Süssliolzes: ( i I y c i r r li iz a glalii-a b. var. lypica, 2) J>ie Wurzeln von A i' a I i a (iinseng I>. iV: V.. iV\o beriiiimten (iill.s(Ml<;wiirZ('hl, 3) zwei wurmhü'mige .\i;'ai'-,\^'ai*- Sorten und 4) Auricuiaria media nov. spec, ein heilkräftiger Tilz, welcher in China wohl dieselbe Vei'wcndung findet . wie bei uns IVüher A u r i e n I a r i a s a m ii u c i n a. Die eingelieferten i'"aserstolle bcdürlen einer noch wi'ilereu rntersuchung, ehe die gewünschte Ausknnli i'rtlieiit werden kann. Botanisches Museum. LXXXIX 13) Anfrage nach der botanischen Abstammung und technischen Verwendbarkeit dreier aus Columbien eingesendeter Gräser. Auskunft: Es sind drei verschiedene Arten aus der Gattung Stupa. deren anatomische Beschaffenheit auf eine vorzügliche Verwendbarkeit für Papierfal)rikation schhessen lässt, so dass namenthch Xo. 1 und Xo. 2 dem Espartograse behufs der Papierfabrikation vorzuziehen ist. 14) Anfrage nach der botanischen Abstammung des Holzes, aus welchem die vorgelegten, so ausserordentlich festen Kämme her- gestellt worden sind. Auslvunft: Die Stammpflanze des qu. Holzes ist Murraya ex otica L. und das Holz selbst der sog. chiiiesisclie Buchs. 15) Anfrage nach der technischen Verwendbarkeit und der • botanischen Abstammung eines aus Columbien eingelieferten Faserstoffes. Auskunft: Der (ju. Faserstoff ist eine Agave-Easer, deren Ver- wendung ungefähr die gleiche ist, wie die des Sisalhanfes und zum Unter- schiede von diesem wohl zweckmässig als Cohiiiibia-Faser oder (.'oliniiltia-Hanf zu bezeichnen ist. KV) Anfrage nach der botanischen Bestimmung eines im Ohrenschmalz gefundenen Pilzes. Auskunft: Der qu. Pilz ist ein Schimmelpilz aus der Fusi spor iu m- Gruppe, wie sich durch Cultur desselben feststellen liess. Ueln-igens sind bereits mehrere z. Th. recht gefährliche pathogene Pilze aus dieser Gattung bekannt. 17) Anfrage nach dem Einflüsse eines Pilzes, der plötzlich in einer hiesigen Champignon-Züchterei aufgetreten ist. Auskunft: Der qu. Pilz ist eine bisher noch nicht l)eschriebene Varietät von Coprinus lagopus Fries, der aber dem Coprinus na reo - ticus Fr., dem einzig wirklich giftigen Coprinus sehr nahe steht und auch einen ähnlichen Geruch wie dieser besitzt, so dass vor dem qu. Pilz zu warnen ist. Aus der besagten Züchterei muss er unter allen Umständen möglichst schnell entfernt werden. Das ständige Inventar des Laboratoriums wurde vervollständigt Inventar. durch folgende Anschaffungen: 1) Ein grosses Mikroskopstativ nebst Abbe'schem Beleuchtungs- apparat, Ocularen, Systemen und einer Camera lucida (Zeichen- prisma) Jl 539,70 2) Ein kleines Mikroskop für Practicanten „ 40, — 3) Ein grosses Präparirmikroskop „ 80, — Die Verbrauchgegenstände, welche für das Laboratorium nöthig geworden waren, bestanden fast durchweg in Glassachen: Objectträgern, Deckgläs'chen, Glasschalen, Reagentienfläsch'chen, ProbirgUis'chen, Glas- stäben u. s. w. XC Botanisches Museum. voiiesiuigen. Im Laufe des Berichtsjahres wurden von dem Referenten folgende Vorlesungen gehalten: Im Somniersemester 1885: 1) Repetitorium der neueren Ijotanischen Literatur. 2) jNlikroskopisches Practicum. a. Anleitung zu mikroskopischen Arbeiten aus dem Gesanuntgebiete der wissenschaftlichen Botanik, b. Einführung in die technische Mikroskopie und vergleichende Waarenkunde. 3) Botanische Excursionen. Im Wintersemester 188 5/8 6. 1) Allgemeine und specielle Anatomie und Physiologie der Pflanzen (1. Theil). •2) Mikroskopisches Practicum (wie im Somniersemester). • â–  über zwei neue Eidechsen des Naturhistorischen Museums zu Hamburg. Von Dr. J. G, Fischer, Mit einer Tafel Abbildungen. Diploglossus (Celestus) Ohlendorffii si^ ;?J) von Hayti. Tafel, Fig. 1. Charaktere: Rückenscliuppen gestreift, ohne mittleren Kiel. Rostrale viel größer als das Kinnschild, nicht mit dem Nasale in Be- rührimg. Ein kurzes Nasofrenale ist vorhanden, zwei Frenalia in einfacher Reihe liinter einander. Unter dem Auge ein größeres Suboculare. Inter- nasale hinten eingebuchtet und breit mit dem Frontale in Berührung; letzteres mit parallelen Seitenrändern. Keine Praefontalia. Interparietale dreieckig. — Rücken hell olivengrün mit kleinen schwarzen Flecken und mit einer schwarzen Längslinie an jeder Seite: Bauch rötlich weifi. lies eil iciljti 11 g. Körperform gustreckt, oben platt, im Durchschnitt abgerundet viereckig, Kopf spitz, vorn platt, nicht abgesetzt vom Halse; seine Länge (bis zum Ende des Occijiitale) 6V2 mal in der Entfernung vom Kinn bis zum After enthalten, gleich dem Räume von 15 Rückenscliuppen. Schwanz nicht abgesetzt, gleich der Hälfte der Totalläuge, anfangs abgerundet viereckig, am (ergänzten) Ende fein zugespitzt. Beine kurz; die vorderen, etwas größer als die Entfernung von der Schnauzenspitze bis zum Ohr, reichen nicht bis zum Hinterraud des Auges; werden beide Gliedmaßen an den Leib gelegt, so bleiben die Krallen der hinteren von denen der vorderen um die Länge der Vorderbeine getrennt. Nach ihrer Größe folgen die Einger in der Reihe: 1, 5, 2, 4, 3; die Zehen: 1, ^ = 5, 3, 4. Oliröffnung mäßig, kreisrund, offen, ringsum mit Höckerschuppen besetzt. Kopfschilder. Zwei Pare Supranasalia, die des letzten doppelt so groß wie die des vorderen, die Schilder jedes Pares median breit zusammenstoßend. Intern asalc breit, am Hinterrande ein- ') So benannt zu Ehren des Herrn Heiitiich von Ohlendorß'. Präsirleuten des Verwaltungsrates der Zoologischen Gesellschaft in Hamburg. 1* 4 J. G- Fischer, Über zwei neue Eidechsen. gebuchtet zur Aiit'naliiiie des konvexen Vorderrandes des Frontale. Letzteres 1'-' mal so lang wie breit, mit parallelen Scitenräudern. Keine Pr aefontalia. Frontoparietalia uuregelmäüig viereckig, durch das mit dem Frontale breit zusammenstoßende Interparietalc von einander getrennt; jederseits von denselben zwei viereckige Schild- chen, die sich an den Hinterrand der letzten Supraorbitaha ansetzen. Parietalia mäfh'g entwickelt, ganz durch das Interparietale getrennt; hinter ihrer Naht ein kleines hinten abgerundetes Occipitalc. Eostrale breiter als hoch, gewölbt, etwas auf die Schnauzenspitze heraufgebogen. Nasale klein, länglich, mit dem Nasloch in der Mitte, auf dem 1. und 2. Labiale ruhend, vom Rostrale durch das zweite Oberlippeuschild getrennt, /wischen Nasale und Auge liegen 3 Schilder hinter einander; das erste (Nasofrenalc) klein, niedrig, auf dem 2. und 3. Labiale liegend ; das zweite (erstes Frenale) sehr hoch, nicht ([uer geteilt, auf die SchuauzenHäche heraufgebogen und hier breit mit dem Internasale in Berührung; das dritte (zweites Frenale) ist niedriger als das vorher- gehende und steht zwischen dem ersten Superciliare und dem 5. Labiale. â–  — Fünf Supraorbitalia, an die sich hinten noch ein kleineres sechstes anschlielJt, das schon fast ganz an der SeitenHäche des Koi)fes liegt; von jenen ist das zweite das größte; nur das ;2. und :>. btMiilnen das Frontale. Sechs Super ciliaria, welche von vorn nach hinten an Größe abnehmen. Von den drei Subocula, ria liegt das ci^ste (Freno-Oculare) vor dem vorderen Fudc der Augensi):ilte und ist das höchste; es liegt auf dem 5. Labiale und wird oben vuni ;i. Sii])er- ciliare durcli zwischengelagerte Köruerschupjteu getrennt ; das dritte ist das längste, fünfeckig, liegt gerade mitten unter dem Auge und ruht mit seinem unteren Winkel auf der Naht des ti. und 7. Labiale. Neun Ob erlip}jen Schild er, von denen das S. mehr als doppelt so lang ist, wie das vorhergeheiule, Kinnscliild viel kleiner als das Rostrale; auf dasselbe inigen jederseits 9 Unterlippenschilder, welche vom vierten an durch eine erst einfache, dann dopi)elte Ueihe läng- licher Schildchen begleitet sind. Ein einfaches großes Schild liegt hinter dem Mentale; auf dasselbe folgen 5 Pare durch zwischengelagerte Schuppen von einander, und durch jene Reihe länglicher Schildchen von den Infralabialia getrennter Submeutalia. KörperscIiupiMMi klein, die des Rückens mit vielen parallelen, wenig erhabenen Leistchen, aber ohne mittleren Kiel; man zählt rings um den Körper 12 Läugsreihen, längs der abgerundeten Rüekenkante von der Achsel- bis zur Weichen-Gegend li;') Querreihen. Zwischen Kinnschild uiul After liegen lO'i Schupj)en; die der unmittelbar vor der Afterspalte gelegenen 3 (,)uerreihen sind merklich größer als die J. Ct. Fischer, Über zwei ueue Eidechsen. 5 vorhergehenden; die unteren Schwanzschuppen zeichnen sich nicht durch hesondere Grölse aus. Farl)e. Oben hell olivengrün, unten rötlich weiih. Auf dem Anfange des Kückens erstrecken sich zwei unterbrochene Längsreihen schwarzer Flecke bis hinter die Schultergegend; von hier an ist eine größere Zahl kleiner Flecke unregelmäßig zerstreut, die sich nur hin und wieder zu schräge nach hinten gehenden Querlinien ordnen. Schläfengegend schwarz mit schmalen weißen Längslihien; von ihr aus geht bis zur Schultergegend eine breite schwarze Seitenbinde, die sich von hier an zu einer schmalen an der abgerundeten Rückenkante verlaufenden schwarzen Längslinie verschmälert. Von dieser aus gehen nach unten viele kleine sclnvarze Flecke, die an der K(irperseite zu schmalen, vertikal stehenden, Querbinden geordnet und von einzelnen weißen Flecken begleitet sind. Die Zwischenräume zwischen diesen Querbinden sind von einem schwarzen und weißen Netzwerk ausgefüllt. Bauch riitlich weiß. Kehle bläulich weiß mit zerstreuten dunklen Fleckchen, die sich bis zur Gegend der Brust zu einzelnen, unter- brochenen, schmalen Längslinien ordnen. LippenschibUn" und Sub- mentalia weiß, jedes derselben mit einem schwarzen Fleck. Bei der Vergleichung mit anderen Arten kommen vorzugsweise diejenigen in Betracht, die keine Praefrontalia, sondern zwischen Frontale und Supranasalia nur ein einzelnes großes SchiUl, das Inter- nasale besitzen (Subgeu. Celestiis), und unter den dieser (Ji'uppe an- gehörigen Arten wiederum nur diejenigen, deren Rückeuscliupj)en nur gestreift, nicht mit einem mittleren Kiel versehen sind. Unter den letzteren weicht unsere Art ab 1. von D. Sieindaehiieri Cope durch das viel kleinere Kinnschild, das von dem Rostrale getrennte Nasale, durch kleinere Schujjpen (42 Längsreihen gegen ?>!) und die Färbung. 2. von D. SagTae Cocf. durch das viel schmalere Frontale, den Besitz eines großen Subocularschildes, die größere Ohröftnung, kleinere Schuppen (42 R. gegen 31) etc. P). von D. Pleii 7). (0 B. durch den Besitz von zwei Fronto- parietalia, das vom Nasale getrennte Rostrale, das schmalere Frontale. 4. von D. bilobatiis O'SJupi. (von Costa-Rica) durch das nicht mit dem Rostrale in Berührung stehende Nasale, die in einer Reihe hinter einander liegenden Frenalsclülder (nicht zw^ei über einander stehende Nasofrenalia) eine geringere Zahl von Oberlippenschildern (8 gegen 10) und die Farbe. 6 J. G. Fischer, Über zwei neue Eidechsen. Ein Exemplar, das lebend in einer Schiffsladnng von Ilayti nach Hamburg gekommen und an den hiesigen Zoologischen Garten übergeben war. Von letzterem erhielt das Hamburgische Natur- historische Museum das Tier gleich nach dessen Tode zum Geschenk. Nr. 855 der Eidechsensammlung. Euprepes cupreus sjj. n. von der Insel St. Thome. Tafel, Fig. 2. Charaktere: Schlank, Schwanz lang: Vorderrand der Ohr- öffnnng gezähnelt; Rückenschuppen mit drei Kielen, in 30 Längsreihen. Supranasalia schmal, nicht zusammenstoßend; Praefrontalia in einem Punkte, Frontoparietalia breit mit einander in Berührung. Das fünfte Oberlippenschild Ist das größte und tritt an die Orbita. — Einfarbig kupferbraun, unten heller. Beschreibung. Form. Körper schlank, dünn. Beine ziemlich lang; die vorderen reichen bis zur Frenalgegend, die hinteren fast bis zur Achsel. Schwanz doppelt so lang wie Kopf und Rumpf zusammen. Unteres Augenlid mit großer Scheibe; Ohr kreisförmig, am Vorder- rande mit vier bis fünf kleinen Zähnen. Kopfsehilder. Rostrale gewölbt, auf die Schnauze herauf- gebogen, mit dem breiten rhombischen Internasale zusammenstoßend und die schmalen Supranasalia von einander trennend. Praefrontalia breiter als lang, in einem Punkte mit einander in Berührung. 1^'ontale doppelt so breit Avie lang, nach hinten stark verschmälert; die vorderen Kanten bilden einen rechten, die hinteren einen spitzen Winkel mit abgerundetem Scheitel. Frontoparietalia breit mit einander in Berührung, länger als breit. Interparietale mäßig entwickelt, etwa halb so lang wie das Frontale und von der Form dieses letzteren. Parietalia groß, von zwei schmalen Occipitalia gefolgt. — Vier Supraorbitalia, das erste klein, das zweite besonders groß. Sechs Superciliarschildchen, von denen das zweite das größte ist. Zwei Frenalia hinter einander, das zweite beträchtlich größer als das erste. — Jederseits sieben Supralabialia; das fünfte, größer als die zwei vorhergehenden zusammen, tritt als Suborbitale an die Orbita, sein vertikal stehender Vorderraud ist seinem llinterrande parallel. Von den sieben Infralabialia hat das erste, sehr kleine, eine fast dreieckige Gestalt. Auf das große Mentale folgen ein einfaches, J. G. Fischer, über zwei neue Eidechsen. 7 eben so großes, und dann zwei Pare Submentalia, von denen die des zweiten Pares durch eine zwischengelagerte Schuppe getrennt sind. Körperschiippeii in der Mitte des Rumpfes in 30 Läugsreihen. Nur die Schuppen der 10 ventralen Eeihen sind ohne alle Kiele. Die ersten Nackenschuppen sind mit 4 bis 5, alle übrigen Schuppen des Rückens und der dorsalen Schwanzfläche mit drei scharfen Kielen versehen. Die Schuppen der Seiten sind kleiner als die des Bauches, aber größer als die des Mittelrückens. Am Vorderrande des Afters liegt eine Reihe von vier etwas größeren Schuppen. Die Unterseite, vom letzten Drittel auch die Oberseite des Schwanzes mit einer Reihe großer sechseckiger Schuppen. Farbe. Die ganze Oberseite ist einfarbig kupferbraun, an den Seiten wenig dunkler. Die gauze Unterseite ist schmutzig gelb und nicht abgesetzt von der Farbe der Oberseite. Kopf ohne Abzeichen. Eine sehr verwaschene dunklere Binde zieht -sich vom Auge zum Ohr und läßt sich an der Körperseite in der Form eiuzelner zerstreuter dunkler Punkte und Fleckchen bis zur Weichengegend verfolgen. Maße: Kopf und Rumpf 0.^ mm; Schwanz U27 mm; Totallänge 190 mm; Kopflänge (bis ans Ende der Occipitalia) 13mm; Kopfbreite 8 mm; Vorderbein 20 mm; Hinterbein 28 mm. Durch die Zahl und Form der Schuppen, den gezähnten Vorder- rand des Ohres und das doppelte Frontoparietale mit Eup. varius Pets. (E. Oli Vieri Smith) verwandt. Von demselben verschieden durch die schlankere Form, die nicht zusammenstoßenden Suprauasalia, das vom Frontale getrennte Internasale, durch die Form des fünften Labiale und durch die Farbe. Ein Stück (No. 234) des Naturhistorischen Museums in Ham- burg, von Herrn Weiß auf der Insel St. Thome (Westafrika) gesammelt. Erklärung der Abbildungen. Fio-. 1. Diploglossus Ohleiidorffii FtHcJi. Seite 17. a, b, c Ansichteu des Kopfes (natiirl. (xröße). Fig. 2. ^]npI•epe^^ oupreiis Fisch, (uatürl. Größe). Seite 20. n, li, o Ansichten des Kopfes, IV2 mal vergrößert. .T.Cr.Pisohor, NViu» Eitlcdiseii des Hambuwjcr XaUu'liisU»ii.si'heii Museiuns. Zum Hci-iclit über (las Xaliiilüslomohe Museuni iüi' 1885. â– x. 9 T. I I o T. X o o Jalu'bucli tlw Hamturij. wisswisch. Anstalten lU, 1880 Die Holotliurieii von Süd -Georgien, nach der Ausbeute der deutschen Polarstation in 1882 und 1883. Von Dr. Kart Lampert, Assistent aiii K,i?l. Naliiralipiioaliiiicl zu Stiitti;ait. Mit einer Tafel Abbildungen. l/urcli die mich zu oTossem Dfiiik verpflichtende Freundlich- keit des Directors dos iiaturhistorischen Museums zu Hamhurg, Herrn Prof. l)v. Par/ensteclier, war ich in Stand <>esetzt, die gegenwärtig im Besitz dieses Museums liefindliclien, von der deutschen Expedition auf Süd-Georgien gesammelten llolothurien einer Untersnchnng zu unter- ziehen. Die Ausheute war keine l)etr;iclitliclu'; der ganze Fund ver- teilt sicli auf 5 Speci(»s, von denen 2 neu sind; d;igegen scheinen die einzelnen Arten in bedeutender Individuenzahl vorzukommen. Von diesen 5 Arten entfallen 4 auf die Familie der Dendrochirotae ; eine gehört zu dem Apoda Apneumona; alle sind nach unseren bisherigen Kenntnissen auf das antarktische riel)iet lieschränkt, welches nördlich vom 40*^ S. Br. begrenzt wird. Durch anderweitige Forschungen sind als Bewohner des antarktischen (lebietes nocli bekannt ?, Aspidochirotae, Dendrochirotae, 27 Elasipoda und 1 Caudina; diese Formen scheinen in Süd-Georgien sell)st zu fehlen oder mindestens selten zu sein, woliei allerdiugs zu bemerken ist, dass die 27 Elasipoden der antarktischen See ausschliesslich Tiefseeformen sind, alle auf Süd-Georgien gefun- denen Holothurien dagegen in der Ebbelinie aufgelesen wurden. Im Folgenden shid die zwei neuen Arten beschrieben, sowie die drei schon liekannten eingehender besprochen. Cucumaria crocea Lesson. ('udimaria gen. IJlainville, Actinologio, Paris 1834, p. 195. Lampert eiiiona., Seewalzen, Kreidel, Wiesbaden 1885, p. 17, p. 114; crocea Sliec. Lesmi, Centmie zoologiqne, Paris 1830, p. 153—154. Taf. LH, Fig. 1. Ryn.: Peiitacta crocca. Jaeger: De llolothuriis, Zürich 1833, p. 12. Peiltactella laevigata VenUl: Bulletin of the U. St. National Museum N. 3, Washington 1876, p. 68—69. - Studer: Über Echinodenncn aus dem antarktischen Meer und zwei neue Seeigel von den Papua-Inseln, gesammelt auf der Reise S. M. S. „Gazelle" um die Erde in: Monatsbericht d. k. pr. Akad. d. Wissensch. 12 Lamport, Ilulotlmrien von Süd-Georgien. zu Berlin 1877, p. 453—454 (Sitzung vom 27. Juli 187(i). — Wi/riUe Thommi: Notioe of somo peculiaritios in tlie mode of propagation of certain Eoliinoderms of tlio Soutlieni Sea, in: Journ. Linn. Soc. London, Zoology Vol. XIII, 1878, p. 55 — (il Fig. 1 (Holzschnitt). — Smith, Edynr : p]chinoderms of Kerguolen Island in: riiil. Trans. Roy. Soe. London, Vol. 1(J8 (Extra Vol.) 1879. p. 271. — Sladcr: Die Fauna von Kerguelenslaiul in: Aieli. f. Naturgesrh. 45. Jahrg. l. Bd. 1879, p. 123. iMg. I, A, 1—10. Eine «onanp UiitersucluiiiQ; zaiilreicher mir A'oiiieoeiidpr Cucii- marien lässt mir keinen Zweifel, dass icli in ihnen Pentactella laevigata Vemll vor mir lia1)e, mit deren exacter Beschreibuno; sie l»is auf einen später zu erörternden Punkt völlig übereinstimmen; ferner aber scheint mir diese Art identisch mit der schon von Lessoii in lUld und Wort erwähnten Cuc. crocea, die von der Maoelhaensstrasse stammt. Sfuder hebt auf (Jrund ei<>ener Untersuchimnen die nahe Verwandtschaft l)ei(lcr Formen hervor und giebt als einzioen Unterschied die Verschieden- licit der Farbe an. Ich nehme also die anatomischen Verhältnisse bei beiden Arten als «leich an; was al)er den Farbenunterschied an- belanot (worin er ihn gefunden, sagt Stnder leider nicht), so vermag ich, al)gesehen von dem überhaupt sehr zweifelhaften Werth dessell)en als Art-Merknuil, im vorliegenden Fall speciell denselben keineswegs als hinreichend zur Trennung beider Arten anzuerkennen. Lesson glebt von seiner Form die Tentakel als weiss an, der Körper selbst ist ..d'un jaune orange fort vif, se decolorant parfois et passant ä la couleur jaune ])ale;" die Vemll'ücho Art ist (in Alcohol) .,dull yellowisli brown. teiitacles yellowish white". Solche Farbennuancen können niclit zur Aufstellung von Arten l)enutzt werden. Die mir zur Ver- fügung gestandenen Exemplare sind, soweit sie ganz ausgestreckt sind, weisslich, etwas opak und fast durchscheinend; contrahirt sind sie mehr oder weniger stark gelb bis gelbbraun; ein Exemplar ist dunkel- braun: da aber sich auch hellere Stellen an ihm lin(h'ii und diellaut, wo sie nicht contrahiert ist, fast hell erscheint, so mag diese Färbung von äusseren FiiiHiissen bei i\oY Conservieruug herrühren. Im licben waren sie nach (k'r der Ftiquette lieigefügten Bezeichnung orange. Auch die geographische Verbreitung (Kerguelen und Magelhaens- strasse) tritt der Annahme, dass beide Arten identisch seien, nicht hindernd in (h'u Weg. Mein Untersuchungsmaterial setzte sich zusammen aus 32 vom Hamburger Museum mir überwiesenen und mehreren von Herrn Dr. Will mii* freundlich überlasseuen Stücken. Erstere trauen die Xummern 7028 (5 St.), 7631 (G St.), 7033 (2 St.j, 7035 (8 St.), 7037 (7 St.) 7040 (1 St.), 7645 (3 St.) und für sie alle gilt die Bezeichnung „orange, Ebbe." Lampert, Holothurien von Süd-Geoi"gieii. lo Entgegen den Angaben VerrüVs und Studer^s konnte ich ])ei allen von mir untersucliten Exemplaren einen Kalkring constatieren ; das Genus Pentactella, das auf die Abwesenheit des Kalkrings gegründet ist, ist somit zu streichen; der Kalkring ist sehr klein, lieg"t mehr oder weniger tief in bindegewebige Masse eingehüllt und ist nur durch eine mühsame Präparation freizulegen ; die Eadialia sind genau 1 mm hoch und an ihrer Basis fast 1 mm breit, die \\\m lose mit ihnen in Ver1)induiig stehenden Interradialia sind trapezoidische Stückchen von ca. Vi mm Breite und noch geringerer Höhe. In allen ül)rigen Verhältnissen ist die Beschreibung YcrrüVs für die von mir untersuchten Exemplare gültig. In Fig. 1 — 3 sind einige Kalkkörper abgel)ildet, sowohl eine vollständige Form, als auch zAvei Bildungsstufen derselben, wie sie sich auch bei ausgewachsenen Tieren hie und da zerstreut zwischen den ausgel)ildeten Formen finden. Die Masse der Kalkkörper fand ich bei den einzelnen Tieren etwas verschieden ; bald liegen sie ziemlich weit von einander. l)ald berühren sie sich fast, nie aber sind sie in solcher Anzahl vorhanden, dass sie üln'reinander liegen und mehrere Schichten bilden. In der Muskulatur und den Wandungen der G'eschlechtsscbläucbe linden sich keine Kalkablagerung(Mi. Die Poli'schen Blasen, welche YcrriU auf o angiebt, schwanken in der Zahl; meistens fand ich sie zu vier, 'Z rechts und 2 links, vertreten; einmal fand ich 5, einmal .'! und einmal sogar bloss ;2. Sie sind von verschiedener Länge, bis 1,J ein. und oft vor ihrem Ende kugelig erweitert; der eine, gewundene Steinkanal ist im (hn-salen Mesenterium festgelegt. Von den beiden Lungenbäumen ist auch der linke nicht vom Gefässnetz umsponnen. Eine besondere Erwähnung und genauere Betrachtung ver- dienen die Geschlechtsverhältnisse unserer Holothurie. Wie Yerrill richtig angiebt, sind die Geschlechtsschläuche, welche etwas vor der Mitte in 2 Büscheln am dorsalen Mesenterium hängen, niemals geteilt ; als grösste Länge fand ich 3 cm. An jedem Büschel finden sich übrigens die Geschlechtsschläuche in 2 oder 3 verschiedenen Grössenverhältnissen, ohne dass zwischen diesen ein Übergang vor- handen wäre ; so zählte ich bei einem Büschel 4 Schläuche von 1,G cm Länge, 8 von 3 mm Länge, und \'2 waren bloss IV2 mm lang. Durch Wijv. Thomson wurden wir mit der interessanten That- sache bekannt gemacht, dass C'uc. crocea zu den sehr Avenigen lel)endig gebärenden Holothurien gehört, indem dieser Forscher zalilreiche Exemplare fand, welche an den Füsschen der dorsalen Amlndacren junge Tiere bis zu der Grösse von 4ü mm mit herumtrugen. ]4 Lampert. Holotliurion von Süd-Gonroien. rn'taiKU'u sich leider unter uieiiieiii rutersiicliungsmaterial keine soldic Formen, so konnte doch auch ich an einigen derselben die Tatsache des Lchendiggehärens constatieren, allerdings in einer von der Ansieht des berühmten englisclien Forschers etwas abweichenden Weise. Thomson liatte die a ])riori sehr naheliegende Idee ausgesprochen, dass nach einer rasch ablaufenden Entwicklung die Embryonen durch den im dorsalen iMesenterium verlaufenden und am Rande der IMund- sclieibe ohne Taiiille ausmündenden (ienitalgang nach aussen treten und sicli von da zu den Füsschen der dorsalen Ambulacrcn begeben würden. Dies ist nicht der Fall, dcini bei 5 Exemplaren land ich etwas hinter der Mitte zwei sackförmige, geschlossene Beutel, w(>lclu> Endjryonen enthielten. Höchst auffallender Weise gelang es mir durchaus nicht, eine Verbindung zwischen den völlig geschlossenen r»euteln und (U'u (ieschlechtsscliläuchen naclizuweisen; nach den mir vorliegenden Stücken kann icli eine (Jel)urt l)los durch Kuptur (Ut I;eibeswandung für möglich halten; wie aber die Kml)ryonen von (h'ii Geschlechtsschläuchen in die Beutel hineingelangen, vermag ich nicht anzugel)en.') Bei einem weitereu Exemplar war durch eine Buptur ein Theil der Eingeweide und die 2 (iesclilcchlsbeutel nach aussen getreten. Die .\nsatzstelh' der niclil mit einander in Connnunication stehenden, al)er dicht neben einander liegenden Beutel an der Körjjer- Avandung ist bei 4 Exemjdaren rechts und links vom mittleren ven- tralen Längsmuskel, l)ei einem Exemjjlare /wischen zwei ventralen Längsnniskeln. ein \'erhalteii. welches mit der Anheftung der .hingen an die dorsalen .Vmbulacralfüsschen nu'rkwürdig contrastiert. Bei '2 Exemplaren war jeder Beutel noch einmal in eine kleinere und eine grössere Abteilung geschieden, welche mit einamler in Verlnndung standen. Die Haut des Beutels, welcher die End)ryonen einschliesst, enthält die gleichen Kalkkörper, wie die Köri)erwandung, als deren Einstülpung der Beutel daher erscheint, während (ienitalschläuche, Längsmuskulatur, natürlich auch die Lungen, der Kalkkörper ülterhaupt entbehren, liei vier Exemplaren waren die in den Beutein einge- schlossenen Embryonen IV2 — 2 mm gross und es fanden sich >) Anmerkung. Ich eniincrü liier daiaii. dixss Ludiri(j bei der l'iileiMirliun;^- der loliendifi- f>ebärenden Cliirodota rotifera roiirt., deren Jung-e sieh aber zerstreu! in der I-eibeslnddc fanden, ebenfalls die (iesebleehtssebläuelie viillig intakt fand und das Austreten der Jungen in ilie Leibesliohle unaufgeklärt lassen nmsste. Ltidiritj, Über eine lebendig gebärende Synajitidi'. Areliivcs de Biologie, publiees par v. Beneden et van Banibeke, \>'\. II. ISSl. p. 4\ — 54, Taf. 111, Fig. 1-15. Lanipert, Holothurien von Süd-Georgien. 15 in einem Beutel, den ieli öffnete (die andern LKeben bis auf Weiteres uneröftnet), deren 43 Stück: ein Tier besass 4 — 4'/2 mm lauge Em- bryonen und es waren deren in einem Beutel 12. Ich will an dieser Stelle nur noch die Beschreibung der Embryonen dieser Grösse geben, wie ich die Verhältnisse an einem in toto aufgehellten Exemplare fand, mir nähere Details über die in den Beuteln gefundenen Em- bryonen und die noch in den Geschlechtsschläuchen verschiedener Grösse befindlichen Eier vorbehaltend. In allen Ambulacren konnte ich Füsschen nachweisen, aber bloss 9 — 10 in jedem und im Zickzack stehend; die vollzählig vorhandenen Tentakel sind fast noch ungeteilt; Retractoren sind gleich dem sehr zierlichen Kalkring schon ausgebildet; von Poli'schen Blasen konnte ich eine mit Sicherheit aufündcn. Kalk- körper sind zahlreich vorhanden, aber kein einziger fand sich völlig ausgebildet, alle erst in verschiedenen Entwicklungsstufen, wie sie in Fig. 4 — 10 dargestellt sind und Avie sie sich hier und da auch noch l)ci erwachsenen Tieren unter den entwickelten Formen finden. Auifallend sind mir die (irössenangaben Thomson' s, der die Länge der erAvachsenen Tiere 8 — 10 cm fand und die an ihnen sitzenden Jungen bis 4 cm, während die mir vorliegenden, Embryonen besitzenden Muttertiere selbst bloss 4 cm gross sind. In der Literatur ü1)er lebendig gebärende Ecliinodermen linden wir eine mit den oIxmi 1)eschriebenen Beuteln mori)liologisch identische Bildung nur noch in den von Sh(dcr^) und von Lndniij'^) als ..Brut- taschen" und ..Bursae" l)ezeichneten Gebilden der Oi)hiuriden. Nach Nachweis ähnlicher Bruttascheu bei einer Ilolothurie unterscheidet dieser Charakter nicht länger die Opliiuriden scharf von den übrigen lebenden Echinodermen. .\n dieser Stelle sei nur noch daran erinnert, daß auch die Bruttaschen der Ophiuriden Einstülpungen der Körper- haut sind. Bisherige Fundorte der Cucumaria crocea sind: Bai von Soledad: Falklands-Inseln (Lesson), Kerguelen (Kidder, VI Faden; „Gazelle", Sfuder), Stanley Harbour: Falklands-Inseln (..Challenger" 5— 10 Faden). Cucumaria pithacnion') n. sp. Cucuuiarui gen.: Blaiuville, Actinulogie, Paris 1834, p. 195. Lampert emend., Seewalzen, Kreidcl, Wiesbaden 1885, p. 17, p. 114. 1) Studer, Antarktische Echinodermen iu: Monatsbcr. d. V. Akad. d. Wissensch., BerHn 1877, p. 462. 2) Ludwig, Beiträge zur Auutuniie der Ophiuren in: Zeitschrift f. wissenschaftk ZooL, Bd. 31, 1878, p. 374—390, Taf. XXYI und XXVII. '^} To 7:t>9dy.viov das Tönnchcn. 1 f) Ijampei't, Ilolothurien von Süd-Georgien. Fig. 11, 12. in Tentakel, die beiden ventralen kleiner ; in jedem Ambulacrum eine dopi)e]zeilijie Füssehenreihe ; die Interambulacren nackt. Die Kalkk(irper sind si)ärlich verteilte, hie und da knotige Platten. Kalk- ring zierlich, aus lU gleich gebildeten (tliedern bestehend. 1 Poli'sclie Blasse , 1 festgelegter Steinkanal. Geschlechtsschläuche ungeteilt, (ielblich. Die Art ähnelt sehr der von Liuifpie staniniendcn Cucuniaria Godeffroyi iSeni])., ohne jedoch mit ihr identiscli zu sein. In jedem ,\nd)ulacrum betinden sich nur 2 Zeilen Füssclien, statt der B — 4 bei ('. (iodeffroyi. Die nur sparsam vorhandenen Kalkkörper sind am Hände nicht so scharf gezackt und gleiclien in ihrer plumpen Gestalt sehr denen von Semperia Georgiana n. sp. In den Seiten der Füssclien tinden sich zalilreiclie durchbrochene Platten, ähnlich (h'uen der Körper- haut, aber etwas zierlicher und ohne 'l'ul)erkel. Die ganz gleich gebildeten (üieder des Kalkrings sind 1 mm hoch, vorn leicht eingeschnitten, hinten tief ausgerandet und ohne (i abelschwänze, die eine Poli'sclie Blase ist 5 nun lang, der sehr kleine Steinkanal festgelegt. Die Geschlechtsorgane bestehen aus zwei Büscheln von je 5 höchstens 4 mm langen ungeteilten Schläuchen. Die Retractoren sind sehr zart und inserieren sicli in der Mitte des Körpers. Beide vorliegenden Exemplare sind tomicnförmig, haben eine gelbgraue Farlje und ei in- Länge von 1,5 cm, das eine mit ausgestreckter, das andere mit eingezogener Kopfpartie; sie sind bezeichnet mit „7041, Ebbe, orange" und „7648, Ebbe, grauweiss." Semperia Georgiana n. sp. Sfiniicria gen.: LaiiilitTt, Seewalzen, Kreidet, Wiesbaden 1885, p. 17, p. 114. Fig. B, 13—15. U) Tentakel, 2 kleiner; Füsschen auf dem Trivium in Reihen gestellt, auf dem Bivium zerstreut; die Kalkkörper sind durchbrochene knotige Platten, in geringer Zahl vorhanden; die Glieder des Kalk- rhigs besitzen keine Gabelschwänze und sind gleich hoch; Gesclüechts- schläuche ungeteilt. Diese neue Art liegt nur in mehreren Exemplaren in der Grösse von 0,(5 — 7 cm vor. Die 10 Tentakel stehen in einem Kreis und shid die '.l ventralen bedeutend kleiner. Die Füsschen sind in den '.\ And>u]acren des Bauches scharf in zweizeilige Reihen gestellt und fehlen hier \(')llig auf den Interandndacren ; je nach d''r (Jrösse des Tieres linden sich bis 40 Füsschen in der Zeile. Bei den beiden Lampert, Holotliurien von Süd-Georgien. 17 grössteii Exemplaren war noch eine nicht vollständige, unregelmässige dritte Zeile in der Reilie vorhanden, und hie und da ein Füsschen etwas auf die Interamhulacren abgerückt, ohne jedoch liierdurch das Gesamtbild der scharfen Reihenstellung zu stören. Im Gegensatz zum Trivium findet sich auf dem Rücken keine Spur von Reihen- stellung, sondern die spärlich vorhandenen Füsschen sind hier, ganz â– wie bei der Gattung Thyone, gieichmässig über Anibulacren und Interamhulacren vertheilt. Die Kalkkörper stellen unregelmässig durch- brochene Platten dar, oft stabförniig mit 2 grossen Löchern; in Fig 13 — 15 sind einige Formen wiedergegeben; dieselben können auf grosse Hautstrecken hin völlig fehlen; bei einigen Exemplaren scheinen sie auf die Haut des Rückens beschränkt zu sein, bei anderen finden sie sich in etwas grösserer Zahl am Hinterende. In den Füsschen finden sich ausser einer oft unvollständig ausgebildeten Endscheibe keine Kalkkörper, in den Tentakeln liegen die gleichen Formen, Avie in der Körperhaut, dagegen fehlt jede Kalkablagerung in der Muskuhitur und in den Geschlechtsschläuchen. Der Kalkring besteht aus 10 zierlichen, gleich hohen Stücken, die hinten leicht ausgeschweift sind, keijie Gabelschwänze besitzen, und einander, abgesehen davon, dass die Radialia etwas breiter und vorn ein- geschnitten sind, völlig gleichen. Bei einem Exemplare von 4,2 cm betrug die Höhe der Glieder 2,5 mm: die Breite beträgt an der Basis 2 mm, die des aufsteigenden interradialen Fortsatzes etwas über ^h nnn. Am Ringkanal fand ich bei allen untersuchten Exemplaren eine Poli'sche Blase, welche bei dem erwähnten Exemplar eine Länge von 1 cm hatte, dorsal findet sich ein kurzer, festgelegter Steinkanal mit kugiiger, freier Madreporeni)latte. Die Generationsorgane bestehen aus 2 dicken Büscheln von je ca. 3(> unverzweigten Schläuchen, die eine Länge von 7,5 cm l)esitzen können. Bei den männlichen Exemplaren fand sich im mittleren dorsalen Interambulacrum,' ein wenig innerhall) des Tentakelkreises gegen die Mundöftnung hin eine Genitalpapille von 1 mm Höhe. Die beiden Lungenbäume sind lang, ihre VerzAveigungen ziemlich kurz und plump. Die Retractoren inserieren sich Vs vom Vorderende und die Längsmuskeln verlaufen nach deren Abgang in gleicher Stärke bis nach vorn. Die neue Art zeigt in manchem Anklänge an schon beschrieljene Formen; so stimmt sie in der spärlichen Verteilung der Kalkkörper und deren Form mit Cucumaria tenuis Ludw. von Celebes überein, sich jedoch von ihr sofort durch die Anordnung der Füsschen unter- scheidend. Am auftallendsten gleicht sie der Semperia parva Ludwig von Chili, von welcher sie nur der iMangel der bei parva IQ Lampert, Holotliurien von Süd-Georgien. in (Irr oherfläcliliclioii Tlautscliicht liegenden, kleinen, -^förmigen Körper trennt. Das Untersuchungsmaterial war auf folgende Nuniniern ver- teilt: ,.7G28" (5 St.), „7031" (4 St.), „7G33« (8 St.), „7()35" (2 St.), „7G37'' (3 St.); für diese alle gilt die Bemerkung „orange, Kljl)e." „704 3 (5 St.) aus dem Tlionschieferdetritus mit Aseidien ausgelesen." „7049 (1 St.) ganz jung, gelblich." Thyone muricata Stwkr (Trachytliyone gen. Stiidor). Tliyonc pcn.: Okcii: Lcliilnuli d. Xatnrgescli. '1'. III. Zoolofjic IBlö, 1. Alillil^'. ]). 351. Semper emend. Reisen im Archi])cl der riiilijjpinon, IL, 1. llulntliuricn, Kreklel, Wiesbaden, 18b8, p. 39. — Traclivfliyoiic ücn. u. iiiiiricatii spcc. Studer, Über Echinodcrnieii aus dem antarklisdien Meer und zwei neue Seeigel von den Papua-lnscln, gesammelt auf der Ixeise S. ]M. S. „Gazelle" um die P]rde in: Monatsberielite der k. p. Akad. d. Wisscnseli. zu Berlin 1877, p. 452. (Sitzung vom 27. Juli 187(5.) Ludivifj, Einige seltenere Eidiinodermen des Mittelmeers in: Mittheiluugen der Zoolog. Station Neapel, II. I>d. 1. llft., ]>. (i(i. Anmerkung. Fig. 1H. Nur mit Zweifel beziehe ich hierher eine mir in einem Exem])lar von lV;jcm vorliegende dendrochirote Holothurie; die Besclireiljung, Avelche Studer 1. c. von seiner Art giebt, ist nicht genügend znr sicheren Wiedererkennung der Form; auf die Zahl nud Masse der Kalkkörper hin die Art als neues (Jenas von Thyone abtreiiiicii zu AVoUen, ist schon von Ludivi(j als anberechtigt zurückgewiesen worden. Auch ])ei meinem Exemplar, das auch gicicli dem von Sfudcr unter- suchten Aiterzähne besitzt, sind die Kalkkörper ganz dicht gelagert; in Fig. 16 ist einer derselben zur Al)l)ildnng gelangt. Der bei dem einzigen Exemplar eingezogene Sclilundkopf ist auffallend gross (1.1 cm lang); die Eadialia des Kalkrings enden zweisjjitzig, die Interradialia einspitzig; alle Glieder sind sehr zart und kaum 1 mm hoch. Dir Eetractoren inserieren sich 1 cm vom Vorderende. Ventral liiuU't sich eine 3 nnn grosse Poli"sche Blase, dorsal ein freier, sehr kleiner Steinkanal. Durch die Afteröftnung waren Darm und Generations- organe nach aussen getreten, welch letztere feine, melirfach dicho- tomisch geteilte Schläuche darstellen. Farbe (in Spiritus) gen)licli. Das Exemplar war bezeichnet „765J, gelbweiss". Chirodota purpurea Ta'ssou. CllinHlota gen. Esclisclioltz. Zoologischer Atlas, Berlin 1829. 2. Heft, p. 13; Grube emend., :Midler's Archiv, 1850, p. 112: |iin'|iiin'a s|M'r. Lcmjn, Centurie zoologique, Paris 1830, p. 155 — 15(3, Taf. LH. Fig. 2. Lampert, TIolothnnGn von Süd-Georgien. 19 Jäger, De Holothiiriis, Zürich 1833, p. 16. — Grübe, Über die Holutlmrien- gattungen Chirodota und Syiiapta in: MüUer's Archiv für Anatomie 1850, p. 113. Sift-iiiodotii l)iii'|»ui'ea, Studer, Üher Echinodcrmen aus dem antarktischen Meer und zwei neue Seeigel von den Papua-Inseln, gesammelt auf der Reise S. M. S. „Gazelle" um die Erde in: Monatsberichte d. k. pr. Akad. d. Wissensch. zu Berlin, 1877, p. 454 (Sitzung vom 27. Juli 1876). — Sfuder, Über neue See- thiere aus dem antarktischen Meere in: ]VIittheil. d. naturforsch. Gesellsch. in Bern, 1876, p. 79 (Sitzung vom 6. Nov. 1876). — Studer, die Fauna von Kerguclens- land in: Arch. f. Naturgcsch., 45. Jahrg., 1. Bd., 1879, j). 123. — Ludwig, Über einige seltenere Echinodermcn d. Mittelmeers in: ]Mitthcil. d. zool. Station zu Neapel, II. Bd., 1. Heft, 1880, p. 66, Anmerk. — r. MarenzeUer, Neue Ilolothurien von Japan und China in: Verhandlungen d. k. k. zool. -bot. Gesellsch. in Wien, Bd. 31, 1881, p. 123 — 124 (in der Beschreibung seiner Chir. japonica). — Bell, Jeffretj, Account of the Echiuodermata collected during the Survey of H. M. S. Alert" in the straits of Magellan and on the Coast of Patagonia in: Procecd. Zool. Soc. London, 1881, p. 101. Fig. 17-20. Studer luit auf diese Art Avegeii ihrer eigentüniliclieii Kalk- körper das geiius Sigmodota gegründet mit der Diagnose: .,Tentacula duodeciui, digitilbrmia ; cutis mollis, levis; corpuscula rara sigmoidea." Da sich bei Chirodota coutorta Kädchen und S-förmige Körper finden, protestiert JakIwIij gegen die Aufstellung des Gen. Sigmodota und auch v. Marenzdler bezweifelt dessen Berechtigung, obgleich seine Chirodota japonica, die dritte l'orm mit S-förmigen Körpern, keine Eädchen besitzt. Auf die Lesson â– 6(i\\q Art ein neues Genus zu grihiden, ist sicher nicht am Platz, da sie, wie jede aiulere Chirodota auch, Rädchen besitzt, welche Studer übersehen zu haben scheint. Ich giatibe nämlich, dieselbe .\rt, wie Studer^ vor mir zu liaben, da kaum anzunehmen ist, dass sich an gleichem Fundort zwei im Besitz der merkwürdigen S-förmigen Körper und auch sonst übereinstimmende Arten finden, von denen eine Rädchen besitzt, während diese der andern fehlen. Die Rädchen liegen in Papillen zusammen und diese sind in einer Reihe längs der Ambulacren angeordnet. Wenn die Haut nicht contraliiert ist, sind sie mit dem l)lossen Auge als weisse Punkte sichtbar. Sie linden sich in der Zahl 16 — 23; in den Ambu- lacren des Triviums konnte ich deren stets mehr zählen, als in den dorsalen Ambulacren. Als gegenseitigen Abstand der Rädchenpapillen fand ich 2 mm. Die Zahl der in ihnen gehäuften Rädchen schwankt; als Minimum fand ich 8, meistens 30 — 35. Der Durchmesser der Rädchen ist 0,05 — 0,09 mm. Um die Grössenverhältnisse beider Kalk- körperarten zu veranschauliche]], sind Rädche]i und S-förmige Körper mit gleicher Vergrösserimg gezeichnet. Letztere liegen nicht, wie bei japonica v. Marenz., in kreisförmigen Gruppen, sondern einzeln hi unregelmässigen bis zu 0,4 mm. gehenden Abständen und in verschie- 2* 20 Lampert, Holothiu-ieu von Sücl-Geovgien. denen Eiclitunjien ziomlicli sparsam. In einem nicht contrahierten Hautstückclu'ii, dessen Fläelieninlialt fast 2 mm l^etrng, fanden sich 46 Stück. h>ie entsprechen der von Luduig für die Kalkkörper seiner contorta gegebenen Al)l)Lldnne6;50?i'sche Form vorliegt, ist l)ei der Angal)e Lcsson'b', dass 10 Tentakel in zwei Kreisen stehend vorhanden seien, und dem sonstigen ^langel aller anatomischen Details schwer zu entscheiden, immerhin aber sehr wahrscheinlich; am nächsten steht sie der Ludicig'schen Chir. contorta und ist vielleicht mit ihr identisch, da sie sich bloss durch die geringere Zahl der Tentakeläste (1 1 statt 13), die ungeteilten Genitalschläuche und die Farbe unterscheidet; mit Chir. jajjonica v. Marenz. ist sie nicht identisch. Die mir vorliegenden Exemplare verteilen sich nach dou iliuen beigegebenen Nummern folgendermassen: .,7(j3'J", 2 Ex. o cm und 2,5 cm lang, 0,3 cm dick; bei beiden sind die Tentakel völlig aus- gestreckt; die Farbe in Spiritus ist grau. .,7042", 1 Ex. 1,7 cm lang, Tentakel halb ausgestreckt ; Spiritusfarbe gelbrot. Beide Nummern waren mit der Bemerkung „Holothurien, orange, Eblje'^ versehen. .,7052, Ebbe, bordeauxrot" 1 Ex. 2 cm, Tentakel eingezogen, der vordere Teil des Köipers ist contrahiert, der hintere nicht, so dass hier die Haut völlig durchsichtig ist; dieser Teil ist dicht mit ca. Va mm im Durchmesser haltenden Eiern vollgepfropft, die durch die Haut liindurchscheinen. ..7056, Tangwurzeln, blutigrot mit weissen Ten- takeln", 4 Ex. Bei allen waren die Tentakel halli eingezogen und die Tentakelscheibe maass 0,5 cm im Durchmesser. Ein Ex. war bloss Lampert, Holotliurien von Süd-Georgien. 21 ein Bruchstück von 0,7 cm, eines maass 2,4 cm bei einer Stärke von 0,4 cm; bei den andern beiden wurde der Körper gleich hinter dem Schhmdkopf ganz dünn (kaum 2 mm, wahrscheinlich waren die Tiere einmal eingetrocknet) und die Länge betrug 4,8 und 5,4 cm. Tentakel und Körper waren im Spiritus braunrot. „7655. Von verschiedener Auslieute abgelesen", B Ex. Bei allen die Tentakel halb ausgestreckt, ein Bruchstück von ?> mm , 2 ganze Ex. von 1 und 1,5 cm Länge. Spiritusfarbe weinrot. „7657. Körper braunviolett, Tentakel orange- rot", 1 Ex. „7658. Dasselbe mit Eiern", 1 Ex. Beide Exemplare sind kleine Bruchstücke, an welchen auch die reichlicli mit Eiern gefüllten Genitalschläuche teilweise erhalten sind. Zu dieser von Süd-Georgien stammenden Auslieute kommen noch 3 Exemplare von 2 cm, 2,4 cm und 2,5 cm Länge und 0,2 cm Dicke, welche Capt. Riru/e bei Cap Blanco (Ost-Patagonien) in einer Tiefe von 80 Faden sammelte; die Spiritusfarbe der betr. Exemplare ist braunrot. Bisherige I'imdorte sind: Bai von Soledad; Ealklandsinseln (Lesson)j Kerguelen („Gazelle", Studer; Schlammzone, 5 Faden), Magelhaenstrasse („Gazelle", Siuder)^ Elisabeth - Lisel („Alert" 6 Faden). Erklärung der Abbildungen. Fig. I und A sind von Hi-n Lithograpli ELcnlmsou, die übrigen vom Verf. gezeichnet; alle Abbildungen dei- Kalldvürper sind mit Seiberth, 0])j. III, und Oberhäusev's Zeichenprisma angefertigt (ca. l^<0 f. V^evgr.). Fig. I. CuiMiinaria crocea Lcss. '/i. K Kalkriug, P Poli'sohe Blasen, x Stein- kanal, G Genitalsclilamlii-. g deren Ausfährnngsgang, B Bi'uttasclien, (leren eine geöffnet ist. Die Lnngenbäuine siml. inn die Zi'iclniung nicht zu sehr zu complizieren, vi'eggelassen. Fig. A. Zwei Glieder des Kalkrings von Cucnmaria croeea Lesfi. Bedeutend vergrössert. Fig. 1 — 10. Kalkkürper vdu C u cuniai'i a ci'Dcea Less. Fig. l ausgebildeter Kalkköi'per; Fig. 'Z, 3 Entwieklungslormen dei- Kalkkörper aus der Haut eines erwachsenen Tieres; l<'ig. 4-10 das Gleiche aus der Haut eines 4 mm langen Fnilirvo. Fig. 11 u. 12. KalkkiM'per von ('ncuinaiia jii t ha i' n i mi n. )ip. „ B. Kalkring von Senijicria Georgiaua //. sp. '/i. l;{ — 15. Kalkkörper derselben. „ 10. Kalkkörper vim Tliy on e mu ricata Sfiul. „ 17 — 20. Kalkkörper von Chirodota jjurpurea Less. Fig. 17, 18 S-föi-mige Körper, Fig. 19 Rädchen, Fig. 20 Stäbchen aus den Tentakel- wandungen. Lainpci't, Die Hololluii'U'ii von Süd-Cicortfiou. Zum Dc'i'iclil über das XalmiiisUirisdic Must'imi zu Hnmbiii't) fiir 1885. B- - (i A V- I! mx 2 t 8 K: 3 ' o ,** 10 11 12 öe ~ ( 13 15 19 16 s ff ^ r 17 18 r73) ,â–  / 20 1 :L .lalii'hiR'li der Hamlninf. wissensch. Anstaltoii. III. I8S6. Mollusken, Krebse und Echinodermen von Ciiml)erlaii(l-Siiii(l nach der Ausbeute der deutschen Nordexpedition 1882 und 1883. Von Dr. Georg Pfeffer. Mit einer Tafel. Die Deutsche Polarkommission hat dem Naturhistorischen Einleitung. Museum die zoologische Ausbeute zugewendet, welche die im Auftrage der Deutschen Reichsrcgicrurg zur Mitwirkung an der systematischen internationalen Polar-Forschung nach dem Kiugua-Fjord (Cumberland- Sund, Baffins Land, 60" 35' 40" N. B., 07" 19' 15" W. L. Greenwich) gesandte Expedition , insbesondere der Arzt derselben , Herr Dr. ScMiej^hake, gesammelt hnt. Die im vorliegenden Aufsatz liehandeltcn Abteilungen zeichnen sich nicht durch groüe Artenzahl ans; ihr hc- sonderer Wert liegt darin, daf.i eine Anzahl sehr seltener, meist ver- kannter Arten, besonders aus der schwierigen Gattung Buccinum, auf Grund guten und reichen Mateiiales nunmehr festgestellt werden konnte. Mollusca. Buccinum grönlandicum CliemniU. Die einzige mir zugängliche Stelle in der Litteratur, wo sich Buccinum zugleich eine gute Beschreibung und Al)l)ildung eines typischen B. grön- gvöniandicum landicnm findet, ist Sars, Fauna lit. Norveg. p. 259, Taf, 25, Fig. 1 ; Ferner findet man, freilich unter dem Namen B. tenebrosum Haue, (das ist jedoch eine falsche Bezeichnung) eine ganz charakteristische Beschreibung und Abl)ildung bei Küster, Mmiini- Chemnitz, 2. Aufl. p. 09, Taf. 1?), Fig. 12, nur müfjten die Farben-Nuancen etwas mehr abgetönt sein. Das alte Cliemnifs sehe Bild Taf. 152, Fig. 1442, welches in der 2. Auflage Taf. o, Fig. 3, 4 wiedergegeben ist, findet man öfters zitiert, aber ganz ohne Grund. Diese Figur stellt überhaupt kein Buccinum vor. Kohelt in seiner Monographie der Gattung Buccinum {Martini-Chemnitz^ 2. Aufl.) übergeht B. grönlandicum völlig, was ganz außerordentlich zu bedauern ist, da er selbst p. 20 bei Gelegenheit des B. finmarchianum Verkr. hervorhebt, daß die Variabilität des B. grönlandicum eine sehr große ist. Nehme ich nun die /S'ars'sche und Kiister'sche Ablnldung als maaßgebend an , so liegen hier im 20 Georg Pfeffer, Mollusca. TTnmbiirgisclieu Miiseiiin seit alter Zeit eine größere Anzahl typischer Stücke nel)st mancherlei abweichenden Formen, alle von Grönland und Spitzhergen stammend. Mit diesen Stücken ist das erwachsene Exemplar der Cnmherland-Aushcute durchaus identisch; es ist weniger kantig als die Mehrzahl der sonst vorliegenden Stücke, doch auch unter diesen X finden sich solche mit gerundeten Windungen und mäßig gewellter Naht. Auch die jungen Schalen entsprechen dieser Form. Vergleicht man mit den Stücken von Cumherland die Beschreibungen von fin- marchianum Verkr. (KoheU 1. c. p. 24; G. 0. Sars 1. c. p. 2(!2), so bleibt eigentlich als unterscheidendes Merkmal nur die bei B. finmarchianum glatte, bei B. grönlandicum mit Cilien-Reihen besetzte Cuticula. Dies ist jedoch, wenn man nicht frische und junge Spiritus-Exemplare zur Verfügung hat, ein niclit ganz leicht festzustellendes Merkmal. Das vorliegende große Stück von Cumberland-Sund zeigt an den spärlich vorhandenen Fetzen der Schalenhaut für ein nicht ganz geübtes Auge keine Spur von C'ilien. Ich glaube deshalb, daß auch B. finmarchianum Verkr. als Form dem großen Complexe des B. grciulandicum anzu- schließen ist. wie es Jeffreys (Ann. N. I (5), VI, p. 424) bereits gethan hat. Die Färbung der vorliegenden erwachsenen Schale ist nicht sehr schön, zeigt aber alle Merknuile der bei den jungen Stücken außer- ordentlich hübschen Zeichnung, die ich hier bcschreilie, weil die bisher vorliegenden Schilderungen der Färbung nicht ganz treffend scheinen. Die Grundfarbe ist ein helles Grauviolctt. Die Naht zeigt abwechselnd braune; und violettweiße l'Iecke; von diesen Flecken ausgehend ziehen etwas unregelmäßig gewellte, abwechselnd bräunliche und helle Längs- Streifen über die Schale, die überall da, wo sie auf die Spiralreifen treffen, ganz plötzlich eine intensivere Färbung (das Braun dunkler, das Weiß reiner) annehmen, so daß dadurch eine hübsche braun- weiße Gliederung der Reifen erzeugt wird. Die Cuticula der jungen Stücke zeigt die auf Längsleisten stehenden aufrechten Ilaarzipfel in regelmäßiger Anordnung. Buccinum tenebrosum Huiwod: (Fig. 2.) Ann. Nat. Hist. T. 18 (1840) p. 327. Buocinum Diese Art scheint seit Hancoch nie wieder richtig aufgefaßt zu tonebro.sum ^^\^^ j^^i^, Becvc giebt (No. 20) eine von einem Hanco(Â¥ qc\\q\\ Original der C?rwim//'schen Sammlung genommene Abbildung, welche ganz charakteristisch ist. Jiihfn in der 2. Auflage des Martini-Clicmmtz Georg Pfeffer, Mollusca. 27 bildet die Art (Taf. XIII Fig. 1, 2) ab und beschreibt sie p. G9; aber weder Abbildung noch Beschreibung haben auch nur das geringste von den ganz eigentümlichen Charakteren des B. tenebrosum, wie sie Hancock deutlich genug hervorhebt. Das Kiisfe)'sc\\c B. tenebrosum ist eben ein echtes B. grönlandicum. Kobelt in seiner Monographie der Gattung Buccinum führt nur ein B. tenebrosum Middendorf (non Hancock) auf, bemerkt aber bei dieser Gelegenheit: „Die Originale beweisen , daß Middendorf zwar auch eine Varietät von grönlandicum vor sich hatte, aber nicht die xon Hancock als tenebrosum beschriebene". Da nun in der Kohelt' sehen Monographie B. grönlandicum nicht abge- handelt ist, so ist anzunehmen, daß Kohelt mit der von Küster ge- gebenen Abbildung und Beschreibung des B. tenebrosum Hanc. einver- standen ist. Dann hat er freilich annähernd Becht, wenn er mit Küster das von letzterem abgebildete Stück für eine Varietät von grönlan- dicum ansieht; ich selbst muß, wie ich ol)en bei der Behandlung des B. grönlandicum dargethan habe, weiter gehen und sehe das Küster achc: B. tenebrosum für ein ganz echtes B. grönlandicum an. Jefji'rvijs, der am Anfange seiner Arbeit: „On tlie Northern Species of Buccinum" (Ann. Nat. Ilist. (5) VI p. 423 — 425) hervorhebt, daß ihm die Hancock' sehen und Itceie' sehen Typen vorgelegen haben, giebt B. tenebrosum Hancock einfach als Synonym zu B. grönlandicum, ohne ihm auch nur den Rang einer Varietät zu gewähren. Darin hat nun freilich Jejfreys Ilnrecht. Die Hancoek' 9,ehe Art hat eine größere Anzahl positiver, stets vereint mit einander auftretender Merkmale, die mit individueller Variation nichts zu thun haben, denn erstens liegen mir eine größere Anzahl übereinstimmender Exemplare von der Ausbeute vor, zweitens ist sich B. tenebrosum seit 1841, wo die Hancock'sehen Exemplare gesammelt wurden, so völlig gleich gebheben, daß die HancocT^sche Diagnose aufs genaueste zu den mir vorliegenden Stücken paßt. Zum mindesten ist also B. tenebrosum eine ganz constaute Form in dem großen Formen-Complexe des B. grönlandicum, dessen Kenntnis freilich nicht eine derartige ist, daß man mit irgend welchem zu verteidigenden Rechte von Varietäten oder Arten reden könnte. Es handelt sich hier überhaupt nur darum, die Form wieder zu finden, die Hancock unter seinem B. tenebrosum verstanden hat. Die im folgenden gegebene nochmalige Beschreibung soll dazu dienen, die in Hancock's Beschreibung vorhandenen Lücken auszufüllen. Die Gestalt ist der von B. grönlandicum im allgemeinen gleich; gemeiniglich ist jedoch die Spira, überhaupt die ganze Schale ge- drungener, die Mündung höher, die letzte Windung bauchiger und der Sinus stärker als bei jener. Auch die Skulptur hat den Typus von Og Georg Pfeffer, Mollusca. B. grönlaudicum; es finden sich entfernt stehende Spiralreifen, welche auf den oberen Windungen mit einem geritzten Mittelstrich versehen sind. Der Raum zwischen dem Keifen ist von ganz feinen, dicht nehen einander verlaufenden, erhabenen Spiral-Linien ausgefüllt. Die Längs-Skulptur ist ein dichtes und regelmäßiges System feiner Läugs- linien, die parallel der Mündung verlaufen; ab und zu finden sich schwächer oder stärker ausgeprägte Varix-artige Längswülste. Auch findet man, in verschieden starkem Grade ausgeprägt, das System der Jiängs-Wellenfalten. Diese verlaufen etwas anders als bei B. un- datum; sie wenden sich nämlich nach ihrem oberen Ursprung an der Naht gar nicht oder nur auf der letzten Windung ganz schwach nach hinten und verlaufen etwa in derselben Schrägheit wie der untere Teil der Falten bei B. undatum. Bei der letzteren Art wenden sich die Falten bekanntlich zuerst nach hinten und gehen dann (auf dem vorletzten Umgang etwa in der Mitte dersell)en) im Bogen umwendend nach vorn. Wenn die Wellenfalten von B. tenebrosum stark ausge- prägt sind, so stoßen sie kräftig auf die Naht, so daß fast eine sutura coronata gebildet Avird ; ferner sind dann auch die an der Naht verlaufenden Spiral -Reifen außerordentlicli kräftig ausgeprägt. Sind die Wellenfalten dagegen schwächer, so ist die Naht nur schwach unduliert und eine stärkere Erhabenheit der Wellenfalten liegt da, wo sie auch bei B. llancocki liegt, nämlich auf dem Schnittpunkte mit dem auf den Sinus der Mündung stoßenden Reifen. Es finden sich auf den beiden untersten Umgängen je 9 — 10 Wellenfalten. Bei mehreren der vorliegenden Stücke sind die kantigen, von der Naht schräg nach vorn verlaufenden Faltenstreifen , die für B, Sarsii als typisch anzusehen sind, entwickelt, nie jedoch in einer sich irgendAvie kennzeichnenden Regelmäßigkeit. Die (Irundfarbe ist bei Spiritus- Exemplaren ein dunkles Violettbraun oder Braunvicdctt, welches sich beim Antrocknen der Schal« mit einem bläulichweißen Reif überzieht. Die Spiralstreifen sind schiiner und intensiver braun gefärbt (was ültrigens bei den ganz dunklen Exemplaren recht schwer zu l)emerken ist); eine (Jliederiing mit Weiß, wie sie für B. grönlandicum Regel ist, tritt nur an den untersten Reifen mit einiger Regelmäßigkeit auf; auf dem übrigen l)ereich der Schale liegen größere und kleinere, zum Teil schwach zickzackförmige, bläulichweiße Flecke zerstreut, die meist von einem sch(inen und intensiv violettbraunen TTof umgeben sind. Die bläulichweißen Flecke an der Naht sind stets vorhanden. Eine Bildung von gewellten Längsbändern ist eigentlich nirgends festzustellen. Ganz charakteristisch ist die Spindel, deren unteres inneres Ende, nämlich der Si)iiulelumschlag, stets Aveiß oder Aveißlich ist und sich Georg Pfeffer, Mollusca. 39 aufs kräftigste von der im übrigen dunklen Spindel absetzt. Die weiteren Merkmale, welche Hancock für die Spindel der vorliegenden Art giebt, bedürfen eines Commentars, weil die Beschreibung, ver- glichen mit der Abbildung, eine Täuschung fast hervorrufen muß. Am oberen Teile der Spindel findet sich nämlich eine aus dem Innern der Mündung heraus tretende sich schräg nach unten gewandt über die Spindel hinweg legende weißliche Falte; zwischen dieser Falte und dem etwas hochgerichteten Innenrande der Columelle liegt eine ausgehöhlte, ziemlich rein braun gefärbte Zone. Dies entspricht der i/a«coc/t'schen Schilderung; zieht man aber zur Veranschaulichung des Sachverhalts das Bild Fig. 1 heran, so ist man leicht geneigt, den über die Columelle verlaufenden Längsstrich als mit dieser Falte in Zusammenhang stehend zu betrachten, weil eben Hancock sagt, daß durch die augeregte eigentümliche Bildung die Columelle gewisser- maaßen zwiegespalteu ist. In der That jedoch bezeichnet jener Strich auf der Zeichnung nur die Grenze des Callus, der als intensiv violetter breiter Strich grade die Columelle entlang verläuft, nach rechts sich scharf von der braunen Einsenkung, nach links sich aufs auffallendste von der violettweißen oder bräunlichweißen Außunhälfte der Spindel al)sctzend. Die im vorigen beschriebene Spindelbildung ist nicht bei allen Stücken gleich deutlich, findet sich übrigens auch in den allge- uieinsten Zügen bei B. gröidandicum; nur tritt sie bei B. tenebrosum wegen der starken zur Heilung kommenden Farbentöne auffallend und charakteristisch auf; mau kann, selbst wenn die Furchenbildung fehlt oder fast unmerkbar ist, doch die oben geschilderten charakteristischen Färbungen wahrnehmen , nämlich von dem Innenrande der Spindel beginnend, eine ziemlich rein weiße Zone (der Innenrand der Spindel), eine bräunliche (die Furche), eine weißliche (die obere Falte) und eine intensiv violette (der Callusrand). Unter der Zahl der durch ihre dunkle Farbe sich als die Mohren der Gattung kennzeichnenden Stücke fand sich auch eines von nur mittlerer Dunkelheit, wenngleich immer noch dunkler, als irgend ein Stück von B. grönlandicum. Aber grade bei diesem Stücke sind, abgesehen von der Farbe, alle für B. tenebrosum matißgebenden Merkmale aufs schärfste ausgeprägt; mit B. hydrophanum, an dessen Färbung es stark erinnert, hat es kein morphologisches Merkmal gemein. Einige unter den erwachsenen Schalen sind ziemlich dickschalig; bei diesen ist auch die Schale ganz außerordentlich abgerieben und der Sinus der Mündung stark ausgeprägt, Merkmale, welche ebenso wie bei dieser Art auch bei B. hydrophanum stets zusammen auf- 30 Georg PfefTer, MoUiiscn. treten und auf eine stärkere Rauheit der für die betreffenden Stücke maar?gel)end gewesenen Existenzbedingungen schließen lassen. In Fig. ;2 ist das grüC5te und bauchigste, mit den stärksten Wellenfalten und ganz schwacher Reifenbildung versehene, außer- ordentlich an B. undatum erinnernde Stück abgebildet; der Mundrand, Avelcher bei diesem ganz dünnschaligen Exemplar völlig abgebrochen war, ist nach dem ähnlichsten Stücke rekonstruiert. I\Iau bemerkt auf der Columelle dieselben Zonen wie auf der Abbildung Hancock's; aucl hier ist, freihch in schwächerem Maaßc, als bei B. hydrophanum, noch eine über den eigentlichen Callus hinausgreifende , deutlich be- grenzte, schwächere Callus-Bilduug wahrzunehmen. 8 ausgewachsene und mehrere halbwüchsige Stücke. 1 Buccinum Hancocki Mön-lt. (Fio-. Ga, 6 b.) nucLiiuim Über diese Art herrscht in der Litteratur soviel Unklarheit, Hancocki. ^^_^^. .^j^ _^^^^. ^j^,^jjj^| ^-j^^,. ^^.^^^ gleich kleiucu, so doch ausreichenden Anzahl guter Stücke eine neue Beschreibung entwerfe. Die Schale ist ausnehmend schlank, die Windungen wohl ge- wölbt; die letzte Windung nicht besonders bauchig, die Mündung regelmäßig gerundet, etwa von ^('t der Schalenhöhe; Mundrand etwas verdickt, mit ganz schwacher Andeutung eines Sinus. Die Schale hat eine starke, eine feinere und eine feinste Skulptur. Die starke Spiral- Skulptur besteht aus breiten, entfernt von einander verlaufenden Reifen. Auf den oberen Windungen erkennt mau deren ;) oder 1, auf der untersten kommt noch ein unterer Reifen hinzu. Die Längs-Skulptur besteht aus nicht sehr schrägen Welleulalten, die l)ei den einzehien Exemplaren in verschiedener Deutlichkeit ausgeprägt sind, bei einem Stück völlig fehlen. Wo die Spiralreifen die Längs wellen schneiden, erheben sie sich zu einem zusammengedrückten Höcker, der auf dem 2. Reifen am stärksten ausgebildet ist, dann kommt der Stärke nach der des ersten und dann der des dritten; die übrigen Reifen kann man nicht höckerig nennen. Manchnuxl trägt nur der 2. Reifen Höcker; bei der mir vorliegenden nicht gereiften Schale finden sich in der entsprechenden Zone gleichfalls stumpfe Höcker. Oberhalb des ersten Reifens und unterhalb des erst auf der letzten Windung auf- tretenden untersten Reifens finden sich schwächere, aber deutliche, dicht gestellte Reifen. Die Zwischenräume zwischen den Hauptreifen sind in regelmäßigen Abständen (etwa von der Breite der Reifen) Spiral strichförmig geritzt. (Man könnte hier auch von ganz abge- Georg Pfeffer, Mollusca. 31 platteten Reifen reden.) Außer dieser Skulptur ist die ganze Schale von einem ganz feinen, nur unter der Lupe erkennbaren, regelmäßigen Netz von Spiral- und Längslinien umzogen. Die Spindel ist nicht gleichmäßig gebildet, zeigt aber auch keine positiven Merkmale. Der Ausschnitt des Kanales ist kaum angedeutet, so daß der untere Contour der Mündung außerordentlich regelmäßig gerundet verläuft. Die Schalenhaut ist dünn, durchaus glatt, ohne Falten und Zipfel. Die Farbe ist ein ganz helles fleischrötliches Braun mit undeutlichen viölettbraunen wolkigen Längsbändern, die an den Stellen, wo sie die Keifen schneiden, sich zuweilen etwas intensiver färben. Spindel und Call US sind weiß, letzterer zum Teil hellbräunlich durchscheinend ; Mündung Innern ganz hell violettbräunlich gewölkt. Der Deckel ähnelt dem von B. grönlandicum, ist jedoch etwas größer im Verhältnis zur Höhe der Mündung; auch sind die Enden etwas mehr gerundet und der Nucleus liegt näher der Mitte. Höhe der Schale 5o,5 55 Breite der letzten Windung . . 29,3 29,3 Durchmesser derselben 32,4 32,6 Mündungshöhe 25,2 21,2 Je/freys stellt (Ann. N. H. (5) M. p. 12 1) die vorliegende Art als \'arietät zu B. giaciale h. KobcU (Monographie der Gattung Bucciuum) erhebt auf (Jruud der von Ikuiiock und Ixecvc gegebenen Abbildungen, ferner auf Ytrlüü^cn's mündliche Mitteilungen hin, da- gegen Bedenken, und zwar nach dem nunmehr vorliegenden Material mit Recht. Zunächst ist die Reifenbildung vun B. Hancocki diejenige der Gruppe grönlandicum, hydrophanum etc., d. h. es liegen auf dem mittleren Hauptteil der Windungen weit entfernte Reifen , oberhalb und unterhalb derselben dichter laufende, etwas schwächere. Bei B. giaciale dagegen findet sich nur in der Peripherie und oberhalb derselben je ein stark erhabener Reifen ; die ganze übrige Schale ist von gleich breiten, dicht gedrängten Reifen gleichmäßig umzogen. Die Längswellenfalten verlaufen bei B. giaciale viel schräger, als bei B. Hancocki und treten in der doppelten Entfernung auf. Schließlich ist die Ähnlichkeit in der Höckerbilduug eine ganz äußerliche. Bei B. Hancocki ist der 2. (auf den Sinus der Mündung stoßende) Reifen stark skulpiert, der 3. (in der Peripherie verlaufende) schwach oder garnicht; bei B. giaciale dagegen ist umgekehrt der Peripherie-Reifen der stark skulpierte und giebt der Schale die deutliche Kante, während der auf den Sinus mündende außerordentlich oder ganz zurück tritt. Jedenfalls ist, wenn nur ein Reifen skulpiert ist, es bei B. giaciale 32 Geoi-n: rienVi', Mullusca. der Peripherie-Reifen, bei B. Iluncocki der iiuf den Sinns stoßende. Sclilieülich ist bei li glaciule die Spindel wohl mehr geschwungen und der Ausschnitt des Kanales tiefer als bei irgend einer andern Buccinum-Art, Avährend bei B. Hancocki beide Merkmale ganz außer- urdentlich schwach entwickelt sind. — 2 erwachsene, 2 halbwüchsige und 2 junge Stücke. Bttccinum hydrophanum Hancock. (Fig. 4 a, 4 1., 5.) Ann. Nat. Hist. T. 18 (184(i), p. 325. pl. V, f. 7. Bueciuum Diesc Art ist gleich wie B. tenebrosum von Hcincock's Zeit bis i.ydiophai.mn. ,^^j|- ^^^^^^^ -^^ ^^^,^. i^i^tcratur stcts verkannt worden. Selbst Beere, der von B. tenebrosum noch ein typisches Stück abbildete, bringt kein solches von B. hydrophanum, trotzdem er als Fundort angiebt: West Coast of Davis's Strait ( Warhcmi and Harrison), also die Original- Bezugsquelle der Jlancück' 'üchen l'ypen; weder Abbildung noch Be- schreibung stimmen jedoch irgendwie befriedigend zu den Hancock' achau Angaben. Das von Kiister {^farfim-Chemnifp:, die Gattungen Buccinum etc.) beschriebene und abgebildete Stück ist ein B. grönlandicum; die Beschreibung paßt bis in die kleinsten Einzelheiten auf Stücke der letzteren Art, die von Grönland stammend im hiesigen Museum liegen. Die Abbildung ist mangelhaft, das («etäfelte der Windungen vor allen Dingen fälschlich hineingebracht, insofern Küster einen derartigen Sach- verhalt in die Diagnose aufzunehmen sicher nicht unterlassen hätte. Die von Fridc (Den norske Nordhavs-Expeditiun p. ;n, Taf. IIT, f. 20, 21) beschriebenen und abgebildeten Stücke scheinen dieselbe Art zu sein wie die von liccve abgebildete, die ich nicht für das echte B. hydrophanum halten kann. G. 0. jSars bringt (Moll region. arctic. Norveg. p. 2ül, Taf. 21, Fig. 8) eine neue Beschreibung und Abbildung und bemerkt dazu folgendes, was ich in deutscher Uebersetzung wiedergebe: „Das einzige vollständige Exemplar dieser Form, aber ohne Tier, welches vollkommen der Hancock' achen Beschreibung und Abbildung entspricht, ist von meinem Vater von Finmarken heimgebracht. Die Art Avar vorher mit Sicherheit nur vom Polarmeer Nordamerika's bekannt." Ich kann nicht recht zugeben, daß Beschreibung und Abbildung von Sars zu denen von Hancock besonders gut passen, zumal, wenn man zum ^'ergleich Stücke zur Hand hat, die in der That das B. hydro- phanum Hancock vorstellen; dagegen scheint es mir, als wenn sich Georg Pfeffer, Mollusca. 33 die Auffassuug vou iSart;, ebeuso wie es vou der Friele^dwn gesagt wurde, mit der vou Eecve deckeu. Zum Zwecke der Vergleichung stelle ich im Folgeudeu eiue Anzahl von Charakteren aus deu Be- schreibungen von (r. 0. Sars und Hancock gegenüber, um daran einige kritische Bemerkungen zu knüpfen. Sars. Hancock. 1. Testa tenuissima et fragilis, Shell .... very thin seraipellucida ^. pallide fusco-rufescens of a soiled purplish or livid white 3. forma conoidea, spira sat pro- spire considerably produced, co- ducta nical 4. anfractibus 7 convexis whorls seven or eight, ventricose 5. sutura profunde iinpressa Ad 1) stehen sich die Ausdrücke „tenuissima" und „very thin" gegenüber, die sich durcliaus nicht decken, insofern „very thin" etwa durch „tenuiuscula"', „tenuissima" dagegen etwa durch „exceedingly thin" zu übersetzen sind. \'\Sars'sclien Auffassung ; auf andere gründete er die „forma elata" und eine dritte identifiziert*^ er mit B. tumidulum Sars, welches er als Form zu !•. hydrophanum zog. Nun beschreibt Sars (Moll. reg. arct. Norv.) die Farbe von B. tumi- dulum als uniformiter Havesceus vel pallide fusco-rufescens. Wenn es nun feststeht, daß B. tumidulum mit der Form, die Sars und Friele für B. hydrophanum halten, in der That zu derselben Art gehört, so bricht der Ausdruck „uuiformiter'- die letzte Brücke zu dem wirk- lichen Hancoq\\q\i, ebenso Avie die vorliegenden, litoral sind. Der soeben des Längereu ausgeführten Auffassung des B. hydro- phanum, Avie sie seit Heeve bestanden und von Sars und Fride fort- geführt ist, schließt sich Kobelt in seiner Monographie des Gen. Biiccinum im allgemeinen an, jedoch nicht ohne AbAveichungen. Die Ki'ister'^ohQ Figur und Beschreibung zweifelt Kohelt mit Recht an, leider bildet er 36 Georg Pfefl'cr, Mollusca. aber kein iincli seiner Meinung typisches Stück der Art al), sondern die var. elata Friele, wälireud er dazu die ^'ars'sclie ßesclireibung und Syuonymie der (nach seiner Meinung) typischen Form bringt. Diese nicht ganz korrecte Darstellung ridirt daher, daCj sich die Zeiten der Abfassung der Ä'o?;e?^*schen und Fride'schGU Arbeiten über die Art zum Teil durchdrangen. Eine Bemerkung findet sich noch in der /vo^^e/fschen Besprechung, die nicht ohne Erörterung bleiben darf. Es heißt: „B. hydrophanum zeichnet sich durch den vollständigen Mangel aller Spiral -Skulptur vor den Formen von B. grönlandicuni aus." Wenn nun irgend welche Stücke von B. hydrophanum maaf.igebend sind, so sind es diejenigen, â– welche Hancock bei seiner Beschreibung vorlagen und das Stück vor allem, welches zur Abbildung kam. Hancock sagt aber: „Occasionally with a few distant obsolete spiral keels or ridges" und später: ..the keels or ridges of the body-whorl are irregulär, and frecjuently intcr- ruptcd; they vary in nund^er from one to nine, and are occasionally arrauged in pairs: they are, liowever, frequently obliterated and are never conspicuous, evcn in l'ull-grown individuals." Also die Originale hatten Spiral-Skulptur; auch die Abbildung zeigt das auf's deutlichste. Kobdt hat sich bei seiner Äußerung an die Än'ssche Diagnose ge- halten; da aber alle Autoren die Art verkannt haben, so haben sich eben Fehler eingeschlichen und fort geerbt. Mun verlohnt es sich aber der Mühe zu untersuchen, wie groß der Fehler in diesem Falle ist, d. h. wie weit sich die Äußerungen der einzelnen yUitoren von denen Hancock's entfernen und in wie weit dieselben etwa einen Widerspruch in sich selber tragen. Kohelt spricht, wie oben gesagt, der Art alle Spiral-Skulptur ab; wir werden sehen, daß zu diesem apodiktischen Urteil kein Autor berechtigt. Die Abbildung von Ixecve zeigt eine ziemlich nahe stehende, über alle Windungen reichende Spiral-Skulptur. Die Abbildung der i47(??e'schen forma elata, die nach der Photograjjhie gezeichnet, also kaum anzufechten ist, zeigt auf der untersten Windung oberhalb wie unterhalb der Naht einige kanteuartige Spiralreifen und außerdem vielleicht noch eine feinere Spiral -Skulptur, die an der linken Seite der letzten Windung deutlich gezeichnet ist. Die von Kohelt gleichfalls nach dem Friel&schen Original ausgeführte Zeichnung zeigt die Spiral -Skuli)tur sogar noch deutlicher, als die Friele''sche Abbildung. Wie stellen sich nun hierzu die betreffenden Texte? lieevo erwähnt nichts von Spiral-Skulptur. Sars sagt: „lineis spiralibus haud conspicuis"' d. h. ,.Si)iralstreifen nicht recht sichtbar." Das lateinische Wort „haud" giebt dem Satz immci- eine sul)iective Färbung und mildert die Negation. Wenn da stände: „lineis spiralibus non con- Georg Pfeffer, Mollusca. 37 spiciiis", so würde das heißen: „Spirallinien nicht sichtbar" ; das wäre aber immer noch ein vorsichtiger Ausdruck des Autors, insofern er nur ausdrücken will, daß er die Spirallinien nicht sieht; wenn Sars den „vollständigen Mangel an Spiral-Skulptur" hätte ausdrücken wollen, so hätte er geschrieben: ..lineis spiralibus nullis." Es ist somit er- sichtlich, daß die Beschreibungen und Abbildungen der Autoren sich in dem beregten Punkte nicht decken, ferner, daß, nach den Abbildungen zu urteilen, sämtliche von den Autoren als B. hydrophanum an- gesprochenen Arten Spiral- Skulptur besaßen. Nachdem im Vorigen der Beweis zu liefern gesucht ist, daß die von den späteren Autoren für B. hydrophanum gehaltenen Stücke durchaus nicht dem Typris Hancod:s entsprechen, bleibt, abgesehen von der Möglichkeit, daß die Art gänzlich verkannt worden ist, noch die ül>rig, daß all jene Formen doch immerhin in einem gewissen Zusammen- hango mit dem Typus ständen, etwa als Varietäten der Art zu be- zeichnen seien. Ich selbst würde einen solchen \'erhalt nach den Krgelniissen , die mir eine sorgfältige Sichtung der Literatur ergeben hat, nicht für bestehend erachten, aber ein Autor von ganz besonderem Gewicht, Oivyn Jeffreys, entscheidet sich für einen ähnlichen Sach- verhalt, (On the Northern Species of Buccinum, Ann. N. H. (r)),VIp. 424) wobei er in einer Vorbemerkung angiebt, daß ihm die Typen von Hancoch, Sars und Friele vorlagen. Er erkennt den Typus Hancoch^s als Art an und setzt als Varietäten dazu die Formen, die Sars und Friele beschrieben haben, auch diejenige Form, die Sars für typisch hielt. Hiermit scheint ja die Frage befriedigend ^ wenn auch nicht ganz in meinem Sinne, gelöst zu sein, aber ich möchte doch auf einen Punkt aufmerksam machen, der immerhin geeignet wäre, die Berech- tigung der Jeffreys' sehen Anschauung stark zu Gunsten der meinigen zu beeinträchtigen. Jeffreys hat sich, wie oben angeführt, bei der Beurteilung von B. tenebrosuni ebenso wie von B. Hancocki unbedingt geirrt. Bceve^ dem die ersten englischen Sammlungen zur Verfügung standen , bringt — abgesehen von B. tenebrosuni — nur schlechte und untypische Stücke zur Abbildung. Unter solchen Umständen ist wol die Annahme nicht auszuschließen, daß grade die typischen Stücke nicht in eine der berühmten Sammlungen gelangt sind. Ich mache auf noch einen Punkt aufmerksam. Margarita umbilicalis Brod. et Sow. kam nach Hancocli bei Cumberland „in stattlicher Größe und großer Menge" vor. Nichtsdestoweniger bildet Soiuerhy {Beere XX, 1878) eine M. umbilicata ab, die, wie man beim Vergleich mit den in der vorliegenden Arbeit gebrachten Zeichnungen sogleich ersieht , an der Columelle total verstümmelt ist; es ist also doch nicht anzunehmen, 38 Georg Pfefter, Mollusca. dal.5 von den vielen schönen Exemplaren Ilancocii's irgend eines Soivcrhi/ zugänglich gewesen ist. Ich gebe nun die Beschreibung von Bucc. hydrophanum nach den mir vorliegenden Stücken, in welche ich eine Besprechung der kleinen Differenzen mit der Hancock'' sehen Diagnose einflechte. Testa ovato-oblonga vel ovato-elongata, solida, fusco-rufescens vcl purpureo-fusca, maculis sparsis praecipue ad suturam violaceo-albis, cingulis spiralibus irregulariter fusco et violaceo-albo articulatis ; testa exsiccata sordide purpureo et livide-albo nebulata; lineis longitudi- nalibus tenuissimis interdum fortioribus densissime obtecta; liris spira- libus in medio anfractu ultimo distantioribus, suturam et basin versus coufertioribus , interstitiis interdum spiraliter striatis; spira conoidea; aufractus 7, lente accrescentes, convexiusculi vel convexi, sutura subundulata leviter vel fortiuscule coarctati; ultimus modice obtusatus. Apertara rotundato-ovata, dimidia testae longitudine multo inferior, labro externo subirregulariter arcuato, subtus infra columellam protracto, incrassato, siuu magno perincrassato , canalis brevissimus amplus; paries columellaris subangusta; columella crassa, alta, subrecta, subverticalis, in parietem aperturalem obtuso-rotundate transiens, pallida, albida; margo inferior leviter tortus, albus. Callus crassus, columellam plane obtegens, in partem ventralem anfractus ultimi longe et late efTusus. Fig. 3 Altitudo 59,1 52,8 Diam 34 32,4 Apert. long 26,9 25,5 Lat. 16,4 16 Gehäuse länglich oder verlängert eiförmig, von einer gewissen Ähnlichkeit mit Phasianella, fest, bräunlichrot oder purpurbraun, mit kleinen, etwa halbkreisförmigen, violettweißlichen Flecken, die an der Naht in größerer Anzahl und ziendich regelmäßig stehen, aber auch sonst sparsam zerstreut sich vorfinden und teilweise noch zu schwachen und kurzen Andeutungen von Längsbändern verfließen, wie sie in der grönlandicum-Gruppe sich gewöhnlich zeigen. Nimmt man die Schale aus dem Spiritus und läßt sie antrocknen, so verändert sich die Farbe völlig, indem die von minimalen Rissen und Spalten durchsetzte äußere Lage der Schale nach der Vertauschung der Flüssigkeit durch Luft das Licht stark und diffus bricht, sodaß die Schale opak und wegen der Dünnheit der Spaltplättchen violettweißlich erscheint. Es ist das eine Eigenschaft, die, wie schon oben erwähnt, alle nordischen Biicci- niden, wenn auch in verschiedenem Maaße, haben ; keine Art zeigt es Georg Pfeffer. Mollusca. B9 jedoch so stark, wie die vorliegende. (Nächst dieser zeigt es B. tene- brosum am stärksten.) Die opake, weißliche Farbe nimmt den ganzen dorsalen und lateralen Bereich der Schale ein; auf der Bauchseite dagegen findet sich auf jedem Umgange ein großer Fleck, der seine natürliche Farbe behält. Diese Flecke entsprechen den Stellen, welche bei dem kriechenden Tiere von den weichen Teilen des Fußes und Mantels gerieben werden. Die Spiralreifen sind wohl ein wenig heller gefärbt, als die Schale im allgemeinen , und unregelmäßig rotbraun und violettweiß gegliedert. Die Windungen werden von einem System von Spiral-Strichen umzogen, welches verschieden stark und verschieden dicht ausgeprägt sein kann; auf der polierten Stelle der Bauchseite der letzten Windung ist es schwach oder bei älteren Stücken ganz verschwindend. Die Spiral-Reifen stehen, wie auch bei den verwandten Arten, in der Peripherie der Windung weiter als gegen die Naht oder die Basis zu ; es können sich aber zwischen die peripherischen Reifen noch andere sekundäre einschalten, i\\o ebenso stark werden können, wie die primären. So ist eines der erwachsenen Stücke von einem ziemlich engen System von Iioifen überall annähernd gleichmäßig um- zogen. Dasselbe Exemplar zeigt nahe der Naht die Erscheinung, daß sich einige Reifen zu je zwei grui)pieren, eine Bemerkung, die auch Hancocli bei seinen Stücken gemacht hat („they are occasionally arranged in pairs"). Das System der Längslinien ist sehr fein, scharf und dicht; ab und zu treten stärkere Streifen auf. Die Spira ist konoidisch, etwas bauchig. Umgänge 7, langsam wachsend, von ver- schieden stark auftretender Convexität, nie jedoch besonders stark convex. Je nach dem (Irade dieser Bildung schneidet die Naht ver- schieden stark ein, sie ist etwas unduliert, was von den häufigen Wachstumsabsätzen und den nur eben grade an der Naht sich kenn- zeichnenden, sonst absolut fehlenden Spuren der Wellenfalten herrührt. Der letzte Umgang erweitert sich nicht besonders. Die Mündung ist rundlich-eiförmig, viel niedriger als die halbe Schalenhöhe. Die Außen- lippe ist stark gebogen und reicht bei den erwachsenen Exemplaren nach unten über das Niveau des Columellen- Endes hinaus; sie ist verdickt, besonders stark im Sinus, der bei allen Exemplaren kräftig entwickelt ist, sich jedoch mehr nach hinten als nach außen wendet, sodaß er in der Aufsicht nicht so stark erscheint, wie es wirklieh ist. Der Kanal ist ganz kurz und endigt als ziemlich breiter Ausschnitt. Die Mündungswand ist ziemlich schmal, d. h. die Columelle steigt sehr weit gegen die obere Mündungs-Ecke zu an. Die Columelle ist stark, dick, hoch, ziemlich gradlinig, ganz wenig schräg stehend, und geht nach oben zu, indem sie sich von der senkrechten Richtung ab etwas 40 Georg Pfeffer, Mollusca. nach innen wendet, in sehr stumpfem Bogen — man könnte hei einem der Exemplare sngen: alhnählich — in die Mündnngswand ül)er. Die Oohimcllc ist bei jungen Tieren hniunlich, hei älteren hräunlichweiß, hei den ganz alten weiülich mit ganz schwach durchscheinendem Braun. Dies rührt von der relativen Dicke der opak-weiüen Callushedeckung her, die hei den älteren n)ir vorliegenden Exemplaren als ganz dicke Schalenschicht üher die Columelle hinweg liegt; ferner liegt er vor der Columelle und vor der Mündungswand als eine dicke, intensiv pnrpnrhraune, etwa halli-scheihenf'örmige Platte. Außer diesem eigent- lichen Callus findet sich noch ein zweiter, schwächer entwickelter, mit bestimmtem, aber nicht regelmäßigem Rande versehener, welcher über dem oigentliclien Callus liegt, denselben aber weit überragt und sich über einen größeren Teil der Bauchfläche der letzten Windung aus- dehnt. Der innere Rand der Spindel ist etwas gedreht und ziemlich rein weiß. S^on den zu dieser Art gegebenen Bildern stellt Fig. 4 a u. 4 b ein Exemplar dar, bei welchem die Außenlippe noch verhältnismäßig dünn und nicht ausgebreitet ist, welches dagegen Skulptur und Farbe außer- ordentlich deutlich zeigt. Fig. 5 stellt das dickste und älteste, freilich auch am meisten abgeriebene Stück dar, welches besonders geeignet ist, die Gleichartigkeit der Callus -Bildung mit dem Original -Stück Hancock's darzuthun. Wenn man die die Columelle längs-teilende Grenze des Callus bis zur oberen Mündungs-Ecke verfolgt, so erhält man die äußere Grenze des eigentlichen, dick Oblaten -artig auf- liegenden Callus; darüber hinaus findet sich eine bei beiden Klxemplaren deutliche Bildung eines zweiten Callus, und weit über dieselbe hinaus- greifend liegt, bei Fig. 4 a nur als helle, schmale Stelle, bei Fig. 5 aber als Halbmond-förmige Fläche, die deutlich umschriebene Stelle, welche von Hancorli als äußerste Grenze des Callus angegeben wird, die jedoch nur die durch die Berührung der Schale mit den Weich- teilen des Tieres polierte Stelle ist. Auch noch über diese Grenzlinie hinaus ist bei Fig. 5 eine freilich viel schwächere Politur dargestellt. Buccinnm Sarsii ^^ov. spec. (Fig. 3 a, 3 b.) Buccinnm Tcsta ovato-subturrita, tenuis, vivide versic(dor, violaceo-fusca, Sar.sii. saturatius nebulata, maculis flammisque violaceo-alhidis irregulariter notata; anfr. 7, valde convexi, sutura tenuissima subregulari fortiter coarctati, regulariter crescentes, ultimus modicus, vix ^/s testae lon- gitudinis aetpians; anfractus primus subglobosus, fuscescens vel nigri- cans, laevis; sequentes liris spiralibus subangularibus in anfrnctuum Georg Pfefter, Mollusca. 41 peripheria distaiitioribus (piam ad siitiiras cingulata, striis tenuissimis rimatis et spiralibiis et longitudiaalibus minutissime et siibregulariter decussati; plicae iindulatae niiUae, attanieu partes superiores anfrac- tuum plicis angulatis distantibiis rectilineis, antrorsum peroblique a sutura profectis iisqiie ad anfractus peripheriam continutis peciüiariter sciüptae. Apertiira rotiindata, obtuse pyriformis, ^li testae longitudinis aequans, subtiis anguste et levissime sinuato-iucisa ; labro externo tenui, Lon incrassato, non siuuato, vix arcuato, inferne ultra columella finem non protracto ; columella infra acuminata, albida, margine interno fortiter torto, vivide lactco, parte obliqua juxta marginem internum sulcato-excavata; paries aperturalis callo subtenui pallide-fusco tecta, callus secundarius paullulum supra ventralem anfractus ultimi partem profusus; apertura intus pallidc cliocolata, cingulis et nebulis longi- tunidalil)us purpureo -perlucenti])ns. Cuticula tenuissima, subincon- spicua, glaberrima, in testae basi rudiore, levissime longitudinaliter striatula. Operculum oldongo-ovntuui, infra obtusior, marginibus lateraribus sul)parallelis, (latitudine = Vf longitudinis) concentricc creberrime striatum, nucleo paullo infra modiam longitudinem sito, margini externo paullum approximato. Long. 42,2; latit. 23; diani. maj. 25,5; min. 10 mm. Schale sehr schlank, fast turmförmig, dünn, die Färbung sehr bunt, wohl die hübschete in der Gattung auftretende; im allgemeinen erscheint sie violettbräunlich, dunkler gewcilkt, mit violettweiTsen Flecken und Flammen unregelmäßig gezeichnet. Bei genauer Analyse der Färbung erscheint die Grundfarbe als ein helles frisches Braun mit dunkleren violettbraunen und holleren bräunlichen, ganz undeutlichen, welligen Längs -Streifen. Di(>ses System entspricht durchaus dem hei B. grönlandicum und Verwandten auftretenden, ist aber so unregel- mär3ig und verwaschen ausgebildet, daC; nur das geübtere Auge den Typus der Färbung erkennt. Ferner finden sicli einige ganz undeutliche braune Spiral-Streifen, entsprechend den Eeifen, die übrigens deutlicher werden, wenn man die Mündung von innen bei durchfallendem Lichte be- trachtet. Der dritte Chnrakter ist eine Fleckenbildung, deren Anordnung nicht als eine regelmäüige zu erkennen ist, deren Charakter aber, wie bei B. grönlandicum, dahin aufzufassen ist;, daC] an der Stelle, wo sich die welligen Längsbänder mit den Spiral-Streifen kreuzen, die hellen plötzlich heller, die dunklen dunkler werden. Nun sind in der That die Spiralreifen schwach gegliedert; außerdem treten aber unregel- mäßig stehende, flammen- oder pfeilspitzeuartige Flecke auf, deren Zusammenhang mit den Längsbändern im allgemeinen zu ersehen ist, 42 Georg Pfeifer, Mollusca. die jedoch mit den Spiralreifen nicht recht in Verbindung zu bringen sind. Sie sind schön vi(dettweiß auf dunklem Grunde, die dunkelste Stelle liegt vor dem Flecke und entspricht dem Charakter, daß bei den nordischen Bucciuiden überhaupt die hintere Längs -Zone der Läugsstreifen dunkler ist. Auch die schrägen an der Naht vorlaufenden Falten zeigen eine Art Gliederung. — Windungen 7, schön und stark gerundet, durch eine feine, ziemlich regelmäßige Naht tief eingeschnitten, regelmäßig wachsend. Letzter Umgang mäßig, fast von ^/3 der Schalen- höhe; der erste Umgang kuglig, bräunlich oder schwärzlich, glatt; die folgenden mit Spiralkauten versehen, die am oberen und unteren Teil jedes L^mganges dichter stehen als in der Peripherie, ferner mit einem feinen System von Längs- und Spiral- Strichen zart und regel- mäßig gefenstert. Die Längs -Wellenfalten fehlen durchaus, dagegen ist ein für die Art durchaus charakteristisches System von schrägen kantigen Falten ausgebildet, welche, an der Naht beginnend, in einem Winkel von 35 — 40'^ ziendich gradlinig nach vorn verlaufen und etwa auf der Peripherie der Windung verschwinden. Äliindung gerundet, stumpf birnförmig, von V? der Schalenlänge, unten mit einem nur schmalen und ganz seichten Ausschnitt. Außenlinie dünn, nicht ver- dickt, weder mit einem nach außen vorspringenden noch nach hinten einspringenden Sinus versehen, nicht über das Niveau des Spindel- Mndes hinaus reichend. Spindel unten ziendich spitz, weiß, ihr Innenrand kräftig gedreht, rein milchweiß, die Zone neben diesem Rande der Länge nach ausgehöblt. Mündungswand mit ziendich dünnem, hellbraunen C'allus bedeckt. Außer diesem Callus kommt, wie bei B. hydrophannm, noch ein zweiter, den ersten überlagernder und ein Stück über diesen hinaus auf die P»auchseite der letzten Windung übergreifender hinzu. Älündung innen hell chokoladenfarbig; Reifen und Längsbänder scheinen purpurn durch. Schalenhaut ganz dünn, fast unmerkbar, ganz glatt, nur an der P)asis der letzten Windung etwas rauh, mit ganz feinen Längs - Faltenstreifen versehen. Deckel länglich eiförmig, unten breiter, mit annähernd parallelen Seitenrändern, etwa ^/j so lang wie breit, concentrisch dicht gestreift, der Nucleus etwa unteriialb der Mitte, dem Außenrand näher als dem Linenrande. 7 Stücke von sehr verschiedener Größe; das abge1)ildete ist das am meisten erwachsene. Anschliessend bemerke ich noch, daß — abgesehen von einigen Exemjdaren des P). tenebrosum (s. oben) — ein riesiges, im hiesigen Museum liegendes Stück von B. grönlandicnm, von Grönland stammend, die schrägen Falten an der Naht zeigt, wenn auch nicht so regelmäßig, kräftig und ckarakteristisch. wie die neue Art. Georg Pfeffer, Mollusca. 43 Trophon clathratus Linne. Ein Stück der schlankeren Form mit schwach erweiterter letzter Windung und ziemlich allmählich in den Kanal übergehendem Mundsaum. Trophon clathratus. Margarita umbilicalis BrotUrip et Sowerhy. (Fig. la, b, c.) Gehäuse weit und offen genabelt, niedrig kreiseiförmig, mit ge- rundeten, auch nach der Naht convexen, stark abgesetzten, ziemlich schnell zunehmenden, durch eine tiefliegende Naht getrennten Windungen. Mündung sehr schräg stehend, rundlich eiförmig, Spind elwand ganz außerordentlich schräg aufsteigend, sehr wenig von der obersten Mündungs-Ecke entfernt endigend; der Zwischenraum (die Mündungs- wand) von einem dünnen, glänzenden Callus belegt. Die Eadial- Skulptur besteht aus ganz feinen Strichelchen, ab und zu mit stärkereu Wachstumslinien untermischt, welch letztere im Nabel eine starke Fältelung bewirken. Die ersten 2 V2 Windungen sind mit stark er- habenen , an Stärke etwas unregelmäßig abwechselnden, durch sehr tief ausgehöhlte Zwischenräume getrennten Spiralstreilen skulpiert. Auf der dritten Windung verflachen und verbreitern sich die Keifen, sodaß die Windung regelmäßig gerundet erscheint und nur die früheren Zwischenräume als zuerst stark, auf den späteren W^indungen schwächer eingedrückte Linien übrig bleiben. Die Spuren dieser Linien sind auch auf der oberen Hälfte der letzten Windung deutlich zu erkennen; die Unterseite ist frei davon, dagegen zeigt der Nabel einige schwache Andeutungen. Die Farbe ist blaugraulich, auf der Oberseite der letzten Windung, solange die Schalenhaut vorhanden ist, hell gelbbraun. Mündun» innen schwach bräunlich oder braunrötlich, mit weißem Perlmutter belegt. Maße: Höhe 13 15 (hohes Exemplar) Breite 22,?. 21 Großer Durchmesser 1(1,2 1(> Mündungshöhe ^,4 0,3 Mündungsbreite. . . . n,s 11 Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß die im vorigen beschriebene Art die echte M. umbilicalis darstellt. Besonders maß- gebend für mich ist, daß ein im hiesigen Museum liegendes aus der FiJh/'schen Sammlung stammendes, von Mr. O. II Soiverhy jun. als M. umbilicalis bestimmtes Stück mit denen von Cumberland-Sund identisch ist. Das zum Vergleiche angezogene Exemplar, ebenso die Margarita umbilicalis. 44 Georg Pfeffer, Crustacea. Toctura tcstiuliiialiF. Saxicava liholiiflis. Mya tnmcata var. udevallcnsis. Moiliolavia lai'visata. Cveuella falia. von Beeve (Tom. XX) und von Kiisfer {Martini- Chemnitz 2. Aufl. Taf. 37 Fig. 2) uhgeLikleten Stücke sind an der Columelle total ver- stümmelt, sodaü eine richtige Auffassung der Art nach den Ahbildiingen nicht miiglich ist; auf.ierdem sind die Skulptur-Verhältnisse stets un- genügend geschildert. — S Stück. Teclura testudinalis Müller. 1 trockene Schale. Saxicava pholadis L. Genau die Form, welche Reeve (Nr. r») von Grönland abbildet und wie sie in größerer Anzahl, ebenfalls von Grönland (leg. Achtnich) im hiesigen Museum liegt; dagegen passen die Stücke garniclit zu der Form, welche O. O. h'ars (Ivaun. lit. Norv. p. nn, Taf. 20, I'ig. 7) ab- bildet und beschreibt. — 5 Stück. Mya truncata T^. var. udevallensis Forha^. 1 Stück. Modiolaria laevigata Gray. 1 Stück. Crenella faba Fohr. 1 und '/2 trockene Schale. Crustacea. Di(^ (wcsclih'clifschai'aktere der («alluii^- Hippolyte. Gattung In dt'r Litteratur finden sich mancherlei Andeutungen über die Hippoiyto. Geschlechtsunterschiede der Hippolyte-Arten; da aber noch keine Zusammenfassung derselben versucht ist, so gebe ich im folgenden eine solche, die, wenn sie auch gewiß nicbt auf alle Arten passen, so doch eine Handhabe dazu bieten Avird, die unterscheidenden Merk- male im einzelnen Falle zu finden. Die ganze Gestalt ist beim $ plumper, beim Männchen schlanker, Es rührt das davon her, daß sowohl der Thorax wie die Postabdcnninal- ringe beim $ zu größerer Höhe entwickelt sind. Der vordere untere Wiidvcl der Thorax ist lieim c^ flacher abgerundet und weicht weiter zurück, als beim 9; weini :in dieser Stelle ein Stachel sitzt, so ist er Georg Pfeffer, Crustacca. 45 Leim c^ kleiner als beim $, oder er fehlt dem ersteren. Der Schaft der inneren Antennen, ebenso die Geifjeln derselben sind Avohl stets beim cr^ etwas länger als beim $; vor allem ist der Unterscliied in der Länge der beiden Geir3e]n beim c^ viel größer. Die Schnppen der Postabdominalsegmente der $ sind höher, die drei ersten unten und an den unteren hinteren Ecken gerundet, während sie beim c^ niedriger sind, unten etwas abgestutzt, an ihrer liintcren unteren Ecke eiue etwa rechtwinklige Rundung aufweisend. Als besonders ius Auge fallend kann die GröTjo der zweiten Schuppe beim $ betrachtet werden. Die Länge des ö., vor allem aber des 4. Postabdominal- Segmentes in der Mittellinie ist beim cf^ größer. Die Schuppen des 4. und 5. Segmentes wenden sich beim $ in viel stärkerem Winkel zu dem Hinterrande des Segmentes nach hinten. Aus der ganzen lUldung des Postabdomens geht hervor, daß beim c^ die Postabdominal- fiiße mit einem größeren Teile ihres Stammgliedes über die Schuppen der Segmente hinaus rageu. Die hintere Längsleistc am Stammglicde der Spaltfußpaare ist beim $ viel höher als beim o^ ; die Spaltäste des 1. Paares sind beim $ länger; der innere Ast ist beim $ breiter lauzcttlich als beim cT^ ; bei letzterem ist er an seinem Ende in eine schlanke, sich meist kräftig absetzende und dann langsam verjüngende Spitze ausgezogen. Die Bildung der Dornen an den hinteren ventralen Rändern der Postabdomiual- Segmente scheint zuAveilen nach den Geschlechtern zu variiren. Hippolyte aculeata Fahr. Kröyer, Slaegten Hippolvte's nordiske Arter p. 126. Der Beschreibung Kröijers ist im allgemeinen nichts hinzuzu- Hiypoiytc fügen ; hervorzuheben sind jedoch die von ihm nicht überall aus einander »"^"'"ata. gehaltenen Geschlechts-Kennzeichen. Die Bildung der vorderen unteren Ecke des Thorax entspricht der obeu gegebenen Darstellung. Der Stiel der inneren Antenne überragt die Schuppe derselben beim cr^ um etwas, während er umgekehrt beioi $ von derselben überragt wird. Die äußere, dicke Geißel der inneren Fühler reicht beim $ so weit nach vorn, Avie die Schuppe der großen Fühler; die innere dünne Geißel überragt die äußere etwa mit ihren vorderen zwei Fünfteln. Die sehr dicke und starke äußere Geißel des cP' überragt die große Fühlerschuppe um ihre ganze vordere Hälfte, die innere ist verhältnis- mäßig dick und ganz außerordentlich lang, etwa drei mal so laug als die innere Geißel. Am Postabdomen ist die Schuppe des 2. Segmentes beim o^ etwas länglich , beim $ sich der Kreisform nähernd , ebenso 46 Georg Pfeffer, Crustacea. ist der Winkel, in dem sich die Sclmppeii des 1. und 5. ISegmcutes absetzen , beim Weibchen deutlich stärker ausgeprägt, d. h. er hat weniger Grade. Die Stamniglieder der Postabdominalfüüe des $ zeigen an ihrem Hinterraude anstatt des Längs -Kieles des cf^ eine durch- scheinende, stark erhobene Crista. Die Spaltfüße des 1. Paares sind beträchtlich länger als beim 9, bei beiden ist der Aufienast der längere; der Innenast ist beim $ breit lanzettlich, beim (^ schmal lanzettlich mit lang ausgezogener Spitze. Die Dorncnbildung auf der Veutral- flächc der Postabdominalringe entspricht dem bei IL amazo (s. unten) geschilderten Typus, und zwar ist die Bildung bei o^ und $ gleich- mäßig entwickelt. Ein Größen-Unterschied der Geschlechter ist nicht festzustellen, das größte vorliegende Stück ist ein Männchen, welches von der Schabelspitze bis zum Ende der Thorax -Mittellinie oO, bis zum Ende des o. Postabdominal-Segmeuts 51,2 mm mißt. Es liegen je 4 Männchen und Weibchen vor. Hippolyte Amazo ifor. :^pec. (^Fig. 6 a, 61).) "'i'i'"iyte Pedes maxillars externi, item pedes anibulatorii primi et secundi paris riagello praediti. - Scutum dorsale cariiui antica dentata instructum. Rostrum frontale mediocre, (juartam appeudicis antennarum externarum partem distalem attingens, auticc subangustc lanceolatum, valde com- pressum, antrorsum paullulum ascendens, antice acuminatum; dentibus dorsalibus tribus, parvis, aequaliter distantibus, duobus posterioribus in carinae thoracis parte tertia anteriore sitis, uno ad originem rostri; rostro reliquo supra phine edentulo, iufra duobus tribusve dentibus minutis armato, ultimo apici rostri approximato. Margo thoracis antice sexden- tatus, dentibus juxta rostri originem carinae dentibus paullo fortioribus, corniformibus ; dente suboculari mediocri, deute ad angulum antero- inferiorem sito perparvulo. Oculi crassi, ocelli subcireulares, ab oculo zouula angustissima decolore sejuncti. Manus 1. i)aris duplici digitorum longitudine, carpus antice incisum; pedes 2. paris pedes maxillares externos manu superantes. Ultimum postabdominis scgmentum deute uno autico mediano parvulo saepius obliterato, paribus dentium lateralium 5 in parte posteriore segmenti sitis, pari postremo margini porteriori approximato; dentium paribus posterioribus ;-> , exterioribus magnis, interioribus parvis. Sipiamae postabdominis tres primae rotundatae, secunda i)ei;inii)la, »luarta et quinta postice unidentatis. Die äußeren Maxillarfüße sind ebenso wie die l)eiden ersten Thoraxfüße mit einem Flngellum versehen, ein I^Ierkmal, durch welches sich die vorliegende Art von fast allen andern nordischen unterscheidet. Georg Pfeffer, Crustacea. 47 Die Höbe des Thorax ist beim $ gleicb ^A, beim c^ etwas über Vs der Länge. Der Kiel des Rückens reicbt bei den meisten Exemplaren nur etwa so weit nach hinten, wie die dorsalen Zähne stehen; bei den $ ist er stärker ausgebildet, bei einem Stück reicht er bis an das letzte Drittel des Thorax. Dorsale Zähne finden sich meist 3, von denen 2 auf dem Kiel, einer am Grunde des Schnabels steht. Bei zwei Weibchen fehlt der letztere, bei zwei anderen ist auf dem Rostrum kurz hinter dem bereits vorhandenen noch einer hinzu ge- treten. Ventrale Zähne des Schnabels finden sich meist 3, von denen der erste kurz hinter der Schnabclspitze steht; sind nur 2 vorhanden, so fehlt der vorderste. Der Schnabel ist beim o^ länger und infolge dessen im Verhältnis niedriger als beim 9; beim ersteren reicht er nach vorn last so Aveit, wie die äußere Fühlerschuppe, bei einem Exemplar überragt er dieselbe sogar etwas; beim $ überragt das letzte Drittel der Schuppe völlig den Schnabel. Der Thorax zeigt jederseits 3 Zähne, je einen ziendich starken neben dem Ursprung des Schnabels, ferner einen schwächeren unterhalb des unteren Augen- winkels, am Ursprung der Schuppe der inneren Fühler; schlieülich einen an der vorderen unteren Ecke des Thorax, der beim $, Avenn auch klein, doch gut ausgebildet auftritt, während er beim o^ bis zum Verschwinden verkümmert. Die Schuppe der inneren Antennen ist so groß wie der Stiel der äußeren, der Stiel der inneren überragt die Schuppe derselben beim o^ um ein, beim $ um ein halbes (Jlied. Die Außengeißel der inneren Fühler reicht beim 9 nicht ganz so weit nach vorn, wie die Schuppe der äußeren Fühler, Ijeim o^ überragt sie die Schuppe um ihre eigene halbe Länge. Die innere Geißel der inneren Fühler ist beim $ dünn und kurz und überragt die Schui)pe des äußeren nur um ein weniges, ist etwa anderthalb Mal so laug wie die äußere Geißel; beim cf^ ist die innere Geißel dicker und überragt die Fühlerschuppe um deren eigene Länge, sie ist etwa zwei ein halb Mal so lang wie die innere Geißel. Die äußeren Kieferfüße sind an beiden Endgliedern behaart, die Spitze des letzten mit einigen braunen Dornen versehen. Das erste Beinpaar ist kurz und ziemlich stark, die Hand von doppelter Länge der Finger, ganz schwach behaart, der Carpus innen ganz nahe dem Vorderrande mit einem seichten Ausschnitt versehen. Das zweite Beinpaar überragt die äußeren Kiefer- fühler mit der Hand, das 3. Carpalglied ist länger als die beiden ersten, das 1. so lang wie das 4., das 2. etwas kleiner, das 7. Glied etwas größer als das 4., ersteres so lang, wie das 5. und (i. zusammen, von denen das B. das kleinere. Die Ocellen lagern sich, durch eine ganz schmale helle Zone davon getrennt, an einen hinteren Ausschnitt des Auges. 48 Georg Pfeffer, Ciustacea. Das Postabdomeu zeigt die üeschleclit^iuiterscliicde, wie sie beim Genus überliaiq)! auftreten; die Stamniglieder der Po-stabduuiinaHüßc ragen beim $ nur zuui Teil, beim o^ luit ibrer ganzen Länge über den unteren Scliuppenrand bervor. Die drei ersten Scbappcn des 2 sind am Unterrand gerundet, ])eiiu o^ ziendicb grade abgesetzt; die zweite Scbujipe des 9 ist besonders groß; die 4. und 5. Scbu})pe bat je einen hinteren Enddorn, der am 4. Segment ziendicb klein, am 5. stark entwickelt ist. Die Grundglieder der Scbwimmfüße des (^ baben binten einen starken scharfen Längskiel, die hintere untere Ecke ist in ein starkes winkliges Ende spitz ausgezogen. Leim $ bat sich dieser Kiel zu einer dünnen, durchscheinenden Platte erhoben, sodaß die Breite des Gliedes, von vorne nach binten gemessen, gegenüber der des o^ verdoppelt erscheint; dem entsprechend ist das llinterende in eine große (IrGieckig-ldattförmige Spitze ausgezogen. Der äußere Spaltast des ersten Postabdominalpaares ist beim $ ganz schmal, der innere breit lanzettlicb, am Ende gerundet, von halber Breite seiner Länge, viel länger als der Außenast; beim q^ ist das erste Paar überhaupt länger als beim 9, der Außenast in gleicher Eorm aus- gebildet, wie beim $, nur ein wenig breiter; der hmenast dagegen ist ein gut Stück länger als der äußere, lanzettlicb, hinten und innen in eine lange, schlanke Spitze ausgezogen. Das $ hat auf der \'entral- seite der Segmente nur am vorletzten Ring, zwischen dem Ursprünge der Schwanzfüße, einen kleinen nach hinten gerichteten Dorn; das cf^ dagegen hat an den ventralen Hinterrändern der Segmente Dornen eutw'ickelt und zwar: 2 bochgerichtete am 1. King, jeder ein kleines Stück von der Mittellinie entfernt, 2 etwas näher stehende am 2. Pving, je ein medianes auf dem 3. und 4. Der mediane Dorn des 5. ist groß, hornartig nach hinten gekrümmt; der Dorn des vorletzten Seg- mentes gleicht dem des $. Auf der Dorsalfiäche des Schwauzsegmentes steht kurz hinter der Insertion ein kleiner, öfters fehlender medianer Stachel, ferner an der hintern Hälfte des Seitenrandes 5 Paare, das letzte ganz nah am Hinterrande, welcher o 'Stachelpaare trägt, deren äußeres stark ist, während die inneren scbwiich entwickelt sind. Maaße: ? cf Länge bis zum Ende des 3. Postabdominalringes 41,3 31.7 Thoraxlänge von der Schnabelspitze bis zum Ende der Medianlinie 24,0 IS,') Es liegen 10 Exemplare vor, 3 $ und 7 q^ ; die Weibchen sind durchgehends viel größer als die Männchen, ein Verhältnis, welche-; den von mir -i-ewäblteu Artnamen rechtfertigen mag. Georg Pfeffer, Echinoderma. Gammarus cf. fluviatilis Roesel. 49 Einige ganz zersetzte Stücke, deren Artziigeliörigkeit nicht Gamninrns bestimmt festgestellt werden konnte. Caprella linearis M. Ediv. 1 Stück. Caprella linearis. Echinoderma. Strongylocentrotus Dröbachiensis Maller. 5 Stück. Asterias polaris Müllar und Trosdid. Die Merkmale des einzigen vorliegenden Exeniplares passen durchaus zu A. polaris, dagegen verwi'ist das Längenverhältnis der Radien (R = 4 — 5 r) auf A. borealis Perrier. Auch die Exemplare, die Liitken vorgelegen haben, (Grönlands Echinodennata, Kopenhagen 1857) scheinen langarmig gewesen zu sein, insofern er sagt: A. polaris „har 6 lige störe Arme". Asterias Grönland ica Steenstrup. Lütken, Overs. Chönl. Echinod. p. 29. Die Original-Beschreibung mal ^.*.^^^*||,^|f^ so lauer nls der Stiel. Stiel holzenförmig, 4'/2 mal so lang als l)reit. beim Übergang in den Kiel und am Ende seines oberen Drittels etwas eingezogen, am Ende spitz abgerundet. Feder l's mal so lang als breit. Blätter '**/it;; die unteren ^h rudimentär, die folgenden locker angeordnet und sich schwach deckend, die oberen dichter stehend und dachziegelig gedeckt; ohne ausgezogene Spitze, dünn, durch- scheinend, von breit fächerförmiger Gestalt. Ilauptstralen stark, an den unteren und mittleren Blättern in der Zahl von 7, an den oberen meist zu vorhanden, den Blattrand um Vi — ''s ihrer Länge über- ragend. Der Blattrand zeigt zwischen den Ilauptstralen keine tiefereu Einschnitte, so daß die Polypen nicht als randständig, sondern als in 2 — 3 Reihen stehend bezeichnet werden müssen. Jeder Polyp trägt einen wohl ausgebildeten Stachel. Die Stacheln der randständigen Polypen überragen den oberen Blattrand. Zooidplatte den basalen Teil des Blattes einnehmend, derart, daß ihre Höhe, von der An- heftung des Blattes an gerechnet, etwa immer V^ des betreffenden Hauptstrais (beim obersten Blatt jedoch über die Hälfte) beträgt. Die Zooidplatte setzt sich ein wenig auf den Kiel, nicht jedoch auf die Ventral" Seite des Blattes fort. Die Bildung der oberen Zooide ist die folgende : Von der äufjersten Spitze des Kieles beginnend findet sich zunächst eine aus einzelnen Individuen bestehende Reihe. Dieser Zooidstreifen ist kurz und reicht bis an den ventralen Anheftungs- punkt des vorletzten Blattpaares. Die 3 obersten Zooide sind groß (größer als die Polypen) und stehen weit von einander entfernt; die folgenden werden kleiner und drängen sich unregelmäßig gegen ein- ander. Ferner findet sich, seitlich von der Endspitze des Polypars, am unteren Teile des Randstrales und dem benachbarten Teile der ventralen Blattbasis des obersten Paares eine kleine Zooidplatte. Pagenstecheri. 54 Geor^ Pfefft^r, Nciip Pennatuliden. Polypar farldos, mit ji^rau- violett gestiiehelter Zone nahe uiul parallel dem Blattrand. I Exemplar, von der Zoologischen Station in Neaptd unter dem Namen Pennatula spinosa I). Ch. erhalten. Iltihe des Polypars 94 mm, Stiel IJS,'» mm, Breite dessell)en 8,5 mm. Erster Stral des (von unten gerechnet) vierten gut ausge- bildeten Pdattes 21 mm, Blatthr>he 17 mm. Die vorliegende Art läiU sich nicht leicht in die 7w>7//V/.(r'sche ') analytische Tahelle einreihen wegen der /u keiner Ahteilung passenden Bildung des oheren Zooidstreifens. Von den Arten, denen sie am nächsten zu stellen wäre, nämlich Hartingi KTill. und griseum Bohadsch unterscheidet sie sich in allen Punkten leicht. Pteroides 2. Pteroidcs P agon s te cliori fipcc. nov. Feder nur wenig länger als der Stiel; letzterer stahförmig, fast zehn mal so lang wie breit, im unteren Viertel und beim Übergänge in den Kiel etwas augeschwollen, am Ende ziemlich spitz zugerundet. Länge der Feder das 2 — ofache ihrer Breite. Blätter 34 — 42, die untersten allmählich rudimentär werdend, am oberen und unteren Teil der Feder dichter stehend als in der Mitte, sich deckend ; ohne besonders ausgezogene seitliche Spitze, dünn, durchscheinend, von breit-fäclierförmiger Gestalt. Hauptstralen ziendich stark, auf den mittleren Blättern 9 — 10, ]>ei dem stärksten Exemplar bis 12; bei den kleineren Stücken ragen sie weiter ('/.. — '/4 ihrer Länge) über den Blattrand hinaus und sind spitzer als die breiter dreieckigen der größeren Stücke, welche ihren Blattrand um Vc — Vi ihrer Länge überragen. Die ganze dorsale und ventrale Blatttläche ist von feinen, seidenartig glänzenden, nur durch die Lupe wahruehndjaren Kalkstachelchen bedeckt. Der Blattrand selbst ist zwischeji den Hauptstralen nicht weiter eingeschnitten und durch die Spitzen der über ihn hinausragenden Nebenstacheln fein gesägt. Die Poly])en stehen auf der dorsalen Blattfläche in je einem Häufchen zwischen den Hauptstralen , die äußersten immer noch ziemlich weit vom Blattrande ; zuweilen kann man eine dreireihige Anordnung bemerken; die Polypen der ventralen Fläche zeigen dieselbe Anordnung, finden sich aber in weit geringerer Zahl; sie zeigen nirgends einen über den Polypenbecher hinausragenden Stachcd. Die Zooidplatte ist basal; ihre Höhe beträgt (auf den mittleren Blättern am 3. Hauptstral vom Rande gemessen) etwa 'Ai der Strallänge; an •) KöU'tiker. A., Aiintomi'ich-systemafiHclK' BcsHirniliniig der Alf.voiinrieii. Erste Alitfiluiig: Die reiiiiatulideu. Abli. Soiickciil». Natiirf. Ges. Bd. 7 uod 8 (18G9 — 1872). Georg Pfefl'er, Neue Peanatuliden. 55 den oberen Blättern nimmt die Platte die unteren zwei Fünftel oder die untere Hälfte des Blattes ein; sie setzt sich nirgends auf den Kiol oder die Ventralfläclie des Blattes fest, vielmehr ist die Kante des Blattes schon stets ohne Zooide. Der mediane Zooidstreifen ist einreihig, beginnt etwa 2V2 mm von der Spitze des Polypars entfernt, und reicht als eine strichfnrmige Furche über die oberen zwei Drittel des Kieles; die zu oberst stehenden etwa 4 Zooide sind grfiCjer und stehen enger. Polypar im allgemeinen farblos, bei einem Stück der Kiel violett; die Zone neben dem Blattrande grau-violett, unregelmäßig heller und duidcler abwechselnd ; ebenso, wenn auch etwas blasser, auf der Ventralfläche. Bei dem Stück mit gefärlitem Kiel siuil auch die rippenartige Blattkanten violett gefärbt. Länge des Polypars — 147 150 113 „ „ Stieles — 68 GS 51 der Feder 73 -5 9 82 r.2 Breite „ „ 32 25 20 22 n Stücke. Sulu-See, leg. Cpt. Tihir/r. Die Art ist am nächsten mit P. Schlegelii Köll. verwandt, unterscheidet sich von rleniselben jedoch in den meisten Einzelheiten, 3. Lioptilum Verrillii uor. fijm'. Stiel länger als die LioptUum Feder, unten spitz, im oberen Drittel stark angeschwollen und beim IJbergang in den Kiel sich kräftig einschnürend, so daf? das obere Drittel länglich zwiebelhirmig erscheint. Feder mit 24 Blätterpaaren. Die 5 untersten Blättchen sind klein und schlagen sich ganz auf die Ventralseite herum, während die Masse der ülirigen Blätter sich nur sichelftirmig krümmt und den ganzen ventralen Zooidstreifen durchaus frei läßt. Die beiden untersten Blättchen trngen noch keine Kelch- stacheln; die darauf folgenden Blättchen haben die Kelchstacheln auch nur in der distalen Blatthälfte gut ausgebildet, während sie in der proximalen fehlen oder rudimentär sind. Die Bänder der Blätter sind nicht wahrnehmbar gewellt. Die ventrale Zooid-Zone liegt vom Anfang bis Ende des Kieles völlig frei ; sie erreicht in ihrer Mitte die Breite von \U ihrer Länge. Die einzelnen Zooidhaufen sind viel breiter als hoch und größer, als bei der typischen Art. Die am oberen Ende des Kieles stehenden Zooide sind größer als die übrigen und gelb und rot, wie die Polypen, gefärbt. Laterale Zooide fanden sich jederseits 2 als einzelne, schwarze Wärzchen ausgeprägt und zwar, symmetrisch gelagert zwischen dem 7. und 8. (8. und 9.) Blatt von oben und zwischen dem 8. und 9. Blatt von unten. Die großen VorriUii. calit'ornica. 56 Georg Pfeffer, Neue Pcnnatuliden. Kalkkörper sind stahförmig, in der Mitto etwas breiter und kurz vor den etwas keulenförmigen Kuden schwacli verschmälert; über die ganze Länge hin zieht eine nacli unten sich verschmälernde tiefe Rinne. Auch die kleinen Kalkköi'per zeigen diese Einnen-r>ildung, sodaß sie ein dattelkernartiges Aussehen erhalten. Der Stiel ist unten farblos, oben violett marmoriert, Farbe der Zooidhaufen des Kieles grauviolctt mit weißen Zooiden ; der durch- scheinende Grund des Kieles graublau. Die Dlättchen sind am (irunde farblos, nach dem llande zu schön violett pur])nrn. Die Farl)e der Außenseite der Polypenkelche und der Stacheln ist gelb und violett verschieden gemischt, die der niedrigen Seite des Kelches schön und intensiv Chromgelb. Ein Stück von Mazatlan, gesammelt von Cpt. Bingo. Länge des Polypars 9G mm; des Stieles 52: 1 f) , der Feder 44:80. Große Kalkkörper O,.^!! — 0,5ßn mm , kleine Kalkkörper 0,05 — 0,072 mm. virguiaria 4. Virgularia californiea iiov. spec. Stock lang und schmal. Feder (bis zum Ende der Furche gemessen, in welche sich der Abschnitt der rudimentären Blättchen nach unten fortsetzt) Vli mal so lang als der Stiel, im unteren Teile fast so breit, wie der niittlere Teil des Stieles, nach oben schmaler werdend. Unteres Ende des Stieles zu einer Blase entwickelt, die so lang wie der ülnüge Teil des Stieles und etwa '"s so lang als breit ist. Blättchen etwa in der Dichtigkeit wie bei V. juncea stehend (Til nnn vom Anfang der Blättchenreihen gerechnet, kommen 18 auf 10 mm, 02 mm hoch kommen S'/j auf 10 mm). Die Blätter sind quere, niedrige Leisten, die ventralwärts den Kiel frei lassen, dorsal einen gegen die Mitte der Federlänge schließlich stricliftirmig werdenden schmalen Kaum frei lassen. Weiter nach oben schieben sieh die Blätter dorsal mit ihren Enden ül)er einander, und zwar das linke über das rechte. Die Polypen sind nur an ihrem obersten Teile frei^ die Kelche ver- wachsen, jedoch durch tiefe, scharfe Furchen getrennt; sie stehen zu 17 — 18 auf den Blättchen, an Grciße vom ventralen zum dors.alen Polypen al)nehmend. Laterale Zooide stehen zwischen den Blättern in einfacher Peihe, den Polypen an Zahl entsprechend. Farbe weiß. Ein Pjxemjdar von Diego, Unter-Californien, gesammelt von Cpt. Bhifje. Länge des Polypars 2.T1 mm. Blase 25 mm lang, 11 mm dick; der übrige Stiel 25 mm lang, unten 5 mm, oben o^/a mm dick. Feder 181 mm lang. Höhe der Blättcheu ventral 1 Vs — 1 ' j mm, dorsal kaum '/t mm. Georg Pfeffer, Neue Pennatuliden, 57 5. Virgiilaria microphylla spec. nov. Stock sehr lang und vh-guiaria schmal; Feder fast 4 mal so lang als der Stiel; Blätter ziemlich eng ""<=i'°P^'yiia^- stehend, auf dem mittleren Teile der Feder etwa 10 Stück auf 10 mm. Die Blättchen sind noch schwächer entwickelt als hei V. juncea, kaum leistenförmig zu nennen; Polypenkelche 31 — 34 in der Reihe, einreihig, sehr klein, im allgemeinen von rechts nach links sich gleichhleihcud, ventral weder höher noch größer werdend. Leisten gekerht; die Kerhen gehen über die Zooiden hinaus; in jedem Abschnitt ein Zooid. Auf der unteren Hälfte der Feder wird die polypentragende Zone der Blättchen nur durch die mit ganz schwachen Andeutungen einer Kerbung versehene Leiste dargestellt, ohne daß man im Stande wäre, die Polypen recht deutlich wahrzunehmen oder zu zählen. Üeberhaupt macht fast die ganze untere Hälfte der Federblättchen einen rudimen- tären Eindruck. Auch nach oben werden die Blätter rudimentär; das obere Ende der Axe ist abgestutzt wie bei V. juncea. Kiel lireit entwickelt mit mittlerer Furche, auf der Dorsalseite zu mehr als ^4 der Länge frei liegend, Aveiter nach ol)en greifen die Blättchen etwas zwischen einander, sodaß dieser Teil des Kieles eine wellen- förmig hin und her geschwungene Furche darstellt. Laterale Zooide in einer regelmäßigen Beiiie, ungemein deutlich, jedem Polypen ein Zooid entsprechend. Stiel überall dicker als die Feder, in seinem mittleren Teile etwa IV:^ mal so dick. Die untersten ''^/n des Stieles werden von der Blase eingenommen, die schlank kegelförmig ist, unten spitz abschließt und sich oben ganz plötzlich vom Stiele absetzt; hier befindet sich ihre größt(! Breite, die Vt ihrer Länge beträgt. Länge des Polypars 3G7, der Feder 285, der Blase 32, des übrigen Stieles 50; Breite der Blase 8 ','2; Höhe der Blättchen ventral kaum 1mm. dorsal noch weniger. 1 Stück. Sulu-See, leg. Cpt. Ringe zusammen mit mehreren Stücken von V. juncea und V. crispa. ß. Virgularia crispa noi\ Rpec. Stock lang und schmal, Feder 4 mal so lang wie der Stiel, in ihrem mittleren Teile etwa so breit wie der Stiel, im unteren etwas schmaler, am oberen Teil von etwas größerem Durchmesser; am obersten Ende wird die Feder wieder etwas schmaler und schließt mit der abgestutzten Axe. Lauteres Ende des Stieles zur Blase entwickelt, Avelche 2'/3 mal in dem oberen Teile des Stieles enthalten ist; ebenso oft ist deren Breite in ihrer eigenen Länge enthalten; die Blase ist deutlich und sauber längstgestreift, länglich eiförmig, mit der größten Breite in der Mitte, ganz scharf vom Stiel abgesetzt. Blättchen dicht gestellt, rechtwinklig vom Stiel Virgularia crispa. 58 Goorw PfpfTiT. Nf'uo roniintulidmi. .ahstehond, sodaß eine ziegelige Dockung nur am ol^eion Teil der Feder und bei starker Wasseraiifnahmc der Blättohen zu bemerken ist; am Ende des untersten Drittels der Feder kommen 10, am Anfang des obersten 7V-2 Blättclien auf 10 mm. Die Blätter sind in nielir als der unteren Hälfte ganz niedrige Leisten, die nur ganz scliwaeh am Ilande gekerbt sind; dagegen sind diese Kerblinien naeb unten deutlieb fortgesetzt, und in jedem der so ge])ildeten Abscbnitte stellt ein Zooid, sodaO eine sebr dentlicli. gerade Eeibe von Zooiden unterbalb jedes Pdattes gebildet wird. Nacb unten Averdcn die Blätter kürzer und geben so jederseits in den sebmal dreieekigen Streifen rudimentärer Blätter über, der sieb scblieülicb in eine stricbf(irmige Furcbe fortsetzt. Nneb oben werden die Blätter ebenfalls kürzer, bleiben aber immer nocb bocb leistenftirmig, wäbrend ibre Polypcnzone freilieb stark ver- kümmert, und stellen sieb meist lockerer. Kiel auf der Dorsalseite überall breit entwickelt, etwas oberhalb der Federmitte am schmälsten, nacb oben und unten sieb erweiternd, in seiner ganzen Länge mit einer stricbförmigen Furcbe verseben. Ventral ist er im unteren Teile der Feder zuerst als scbmale Fläcbe, nacb ol)en als stricbförmige Furcbe Avabrzunebnien; in den oberen zwei Fünfteln der Feder schieben sich die Blättchen mit ihren ventralen Enden lion brevisinra Mrts. (Taf. 1, Fig. 1 a, 1).) — Sitzungsber. Ges. Naturf. Fr. Ijerlin 1885, p. ill. — Testa piriformis, varicibiis crebris plauis et iu anfractu ultimo liris sjDiralibus sat distautibus fenestrata, e violesceiiti alba; spira ])erbrcvis, coiiica; anfractus 4V2 couvexi, priiiius laevis, globulosus, oblique impositus; apertura subovata, ampla, 'Vi — Vs loiigitudinis occuijans, margine externo ovato, juxta suturam pauluhun excavato, margine columellari complanato, violascente, fauce luteofusca, caiiali brevi, aperto, subrecto. a) Loug. 29; diani. inaj. 21, min. lö; apert. long. 22, lat. 10mm. b) 35 V 15 25,5 V c) 15 12 19,5 Eduard v. Martens und Geoig Pfeffer. Mollusken von Süd-Georgien. C\9 Schale hirnförniig, mit kurzem, konischem Gewinde und weiter Öffnung, welche Vj — V^ der Schalenlänge einnimmt. Erste Windung ganz glatt und glänzend, kugelig, schief aufsitzend. Die drei folgenden mit zahlreichen hreiten, glatten, weißen Varicen, die Zwischenräume wenig oder gar nicht hreiter als dieselhcn und glatt. Auf der letzten Windung werden die Varicen flacher und unregelmäßig, nur nahe der Naht faltenartig erhohen, gegen 30 an der Zahl, in der Regel durch merklich hreitere Zwischenräume getrennt und in diesen Zwischenräumen treten S— 10 ziemlich grohe Spiralleisten auf, wodurch viereckige vertiefte Räume wie Fenster ührig bleiben. Nischen und Spiralleisten weiß, die Zwischenräume zwischen denselben an gut erhaltenen Stücken mehr oder weniger blaß violett. jMiindung annähernd oval, Außenrand mehr oder weniger stark gel)ogen , ziemlich dick, weiß ; C'olumellar- rand mehr grade und auffallend abgoflaclit, mit scharfer Grenze nach außen, blaß rötlich oder blaß violett; Inneres der Mündung lel)haft gelbbraun oder rotbraun, eine ziemlich deuthch abgegrenzte Zone an der Mündung selber weiß; ein Streifen der braunen Färbung erstreckt sich auch auf den Columellarrand. Canal am Columellarrand deutlicher als am Außenrand von der übrigen Mündung al)gesetzt, ziemlich grade und offen ; vom Eck des Columellarrandes an gerechnet nimmt er ungefähr ','3 der Länge der ganzen Mündung ein, von der Einbiegung des Außenrandes an nur '/<•,, Der Anfang des Canales zeigt sich an der Innenfläche des Außenrandes immer durch eine daselbst befindliche kleine Einbuchtung des Randes des braungefärbten Mündungs-Inneren. Diese Schnecke erinnert durch das kurze Gewinde und den abgeflachten Columellarrand zunächst an einige Purp ura- Arten, z. B. Purpura lapillus und noch mehr P. lima und P. Freycineti Desh. (namentlich die bei Middendorf sibir. Reise Taf. 12, Fig. 12 ab- gebildete Varietät) von Nordwest- Amerika, giebt sich aber schon durch die starken und zahlreichen Varicen der oberen Windungen und dann durch den P)au des Deckels als Trophon kund. T. albolabris E. A. Smith von den Kerguelen kommt ihm näher als die mir bekannten Arten aus der Magelhaens-Straße, hat aber ein vcrhältnis- â–  mäßig längeres Gewinde und eine schärfere und dichtere Skulptur auf der letzten Windung. In der Form der ersten Windung und in der Färbung des Inneren der Mündung stimmen beide gut überein. Auch bei anderen typischen Trophon, wie T. Geversianus Pall., laciniatus Martyn, clathratus L. und ambiguus Phil, finde ich die Embryonal-Windung glatt und etwas schief aufgesetzt, doch im Ganzen schlanker als bei unserer Art. ciii^;ulil'ei'iis. 70 Ivlaard v. IMartons und Georji Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgion. Die in /ienilicher Anzahl und in vorscliiedenen Wachstums- Stadieu vorliegende Art wurde lebendig am Strande bei Ebbe gesammelt; tot gefundene Stücke stammen sowol vom Strande wie aus dem Schlick (9 Fd.). Trophon TropliOH ('in<;'iili tVi'us P//r. (Taf. 1, Fig. 2 a, 1).) — Testa ovato- fusiformis, varicibus creberrimis subevanidis, liris spiralibus confertis, sul)alternantibus cingulata, e griseo alba; spira conica; anfractus 4V2 convexi sutura incisa discreti; apertura rotundato-ovata, ^1?, longi- tudinis occupans, margine externo regulariter arcuato, margine colu- mellari medio unijjlicato, inferne fortiter excavato et torto, subappresso, violaceo-brunneo, fauce brunneo-fusca, canali brevissimo, aperto, subrocto. Long. 24,5. Diam. maj. IG. Diam. min. 10,8. Apert. long. 17. Apert. lat. 7,7 mm. Schale bauchig spindelförmig, von der Gestalt des Trophon Philippianus Dkr., mit ziemlich hoch conischem Gewinde und eiförmiger j\Iiindung, welche 7i der Schalenlänge einnimmt. Die oberen "Win- dungen sind so stark angefressen, daß von der Skulptur nichts wahr- zunehmen ist. Die letzte Windung zeigt sehr dicht stehende, faden- förmige Varicen, die aber ganz schwach, an manchen Stellen kaum merkbar ausgeprägt sind ; gegen die Mündung zu stehen acht sehr kräftig ausgeprägte, ziemlich dicke, kurz emporstehende Varicen, Avelche sich, Avenn sie ül)er die Spiralleisten laufen, immer etwas erhiihen, sodaß der letzt-gebildete Schalenteil ein krauses Aussehen erhält; im ganzen finden sich auf der letzten Windung etwas mehr als 40 Varicen. Die letzte Windung wird von starken Spiralleisten umzogen, die da, wo sie sich mit den Varicen schneiden, etwas erhöht sind. In der Mitte der Windung stehen die Leisten dichter, was wohl damit zu- sammen hängt, daß sich hier einige eingeschoben haben; auch in den Zwischenräumen zwischen anderen Leisten findet man zarte Spuren von eingeschobenen Spiralstreifen. Durch das Zusammenwirken der Längs- und Spiral-Skulptur wird, ebenso wie bei der vorigen Art, die Schalen-01)erfiäche gefenstert. Während aber bei T. brevi spira die longitudinalen Balken die stärkeren sind, sind es bei der vorliegenden Art die spiralen. Die Schale ist weißlich, mit einem schwach gelblich- grauen Ton; wo die Oberfiäche abgerieben ist, kommt die bräunliche Farbe der tieferen Schalenschichten zu Tage. Die Mündung ist annähernd oval, der Außenrand sehr stark gebogen, dick und fest. Die Columellc zeigt eine ähnliche Bildung Avie bei T. brevi spira, d. h. sie würde platt und schwach ausgehöhlt erscheinen, wenn nicht hier die dazukommende starke, schiefe Columellarfalte den Eindruck Eduard v. Mai-tens und Geoi-of Pfeffer, Mollusken vou Süd-fieorgien. 71 völlig veränderte. Der obere Teil zeigt eine quere, schräg nach unten laufende Aushiihlung, darunter findet sich eine starke, sehr schräg verlaufende, ungefärbte, an die von Buccinura erinnernde Spindel- falte; unterhalb derselben ist die Columelle sehr stark in der Richtung der Spindelfaltc ausgehöhlt. Der unterste Teil der Columelle wird durch einen nicht ganz fest angedrückten Spiudelumschlag gebildet. Der oberste Teil des Außenrandes zeigt durchaus keine Ein])uchtung, wie sie an der andern Art, wenn auch ungleich deutlich, so doch stets zu sehen ist. Inneres der Mündung lebhaft braun mit violettem Hauch, kurz vor dem Mundrande pL'itzlich aufhörend, sodaü ein ganz scharf begrenzter, rein Aveißer Rand übrig bleibt. Gleichfalls violettbraun ist die Columelle , mit Ausnahme des Außenrandes und der Spindel- falte, welche weiß sind. Canal vom Außenrande nicht merklich ab- gesetzt, daher sein Anfang hier nicht fest zu stellen; am Innenrand beträgt er längst nicht Vs der Mündungslänge. Die Art ist am meisten verwandt mit T. riiilippianus Dkr., dieser ist jedoch bauchiger und hat einen deutlich abgeschnürten, ziemlich langen Kanal; ferner hat die Longitudinal- Skulptur einen ganz verschiedenen Charakter, indem die Varicen weit von einander entfernt stehen (IG — 18 auf jedem der beiden letzten Umgänge) und zAvischen diesen sich eine Anzahl (3 — 5) schwächerer, etwas )- förmig gebogener Längsfalten findet. Gattung Cominella Oray. Coniiiiella (riilniiidota) doiisisciilida Mrh. (Taf. 1, Fig. 3 a— f.) — Sitzungsber. Ges. Naturf. Fr. Berlin 188;"), p. Ol. — Testa ovata, sat tenuis, rugulis spiralibus confertis subundulatis aeriualibus sculpta, castanea vel pallidiuscule griseo-flava, periostraco crassiusculo, reti- culatim subvilloso, ciuereo tecta; anfractus 5, convexi, sutura profunda subcanaliculata discreti, ultimus plus minus ve inflatus, rotundatus, latere ventrali plus minusve attritus; apertura ^ s longitudinis occupans, ovato-piriformis, margine externo simplice, obtuso, margine columellari latiusculo, sat arcuato, laevi, nitido. Operculum parvura, ovatum, subtus et infra truncatum, subspirale, nucleo apicali. a) Long. 34,5; diam. maj. 24, min. 18; apert. long. 23, diam. 13 mm. b) „ 31 20 15 22 12 Schale eiförmig, mehr oder weniger breit, mäßig dünn, mit sehr zahlreichen, feinen, gleichmäßigen, etwas wellenfcJrmigen Spiralrunzeln, kastanienbraun oder hell graiigell) , mit einer dichten , aschgrauen Schalenhaut mehr oder minder vollständig; bedeckt, welche mit stärkeren Gattiing Cominella. Couiinella (("hlanidotal densisculpta. 72 Ednard v. Martcns uiul Georg Pfpffoi-, Rlolliiskcii von Süd-Georgien. Längsleisten verseilen ist, zwischen denen schwächere, Spiral ver- lanfende netzartige Verhindnngen herstellen ; Härchen der Schaleuhaut außerordentlicli zahlreich, kurz, gerade aufstehend. 5 gewüll)te Win- dungen, durch eine tiefe, fast rinnenartige Naht geschieden; die letzte mehr oder niiiuler aufgehlasen, ahgerundet, an der Bauchseite in verschiedenem Grade ahgeriehen. Die Mündung verhältui^niäfng weit, 'V? der ganzen Schalenlänge einnelimend, Ei-Birn- förmig; Auüen- rand einfach, stumpf, mehr oder weniger gehogen, bei ganz erwachsenen Stücken innen gelblich gefärbt; Columellarrand ziemlich breit, in etwas verschiedenem (Jrade eingebogen, glatt, glänzend weiß. Der Deckel (Fig. 3 d) ist klein; von etwa Vs der Mündungshöhe; sein UmriTi, soweit er vom Außen- und Oberrand gebildet wird, umschreibt ein Oval; der etwas convexe Unterrand schneidet das Oval unten etwa rechtwinklig ab, während der Innenrand im stumpfen Winkel sich vom Oberrand al)setzt und ebenso auf den Ihiterrand stößt, an sich etwas concav verlaufend. Der Deckel beschreibt 'A Windung. Der Nncleus ist apical und liegt an der Inuenecke des Unterrandes. Die ^'^rhältnisse der äußeren (Jestalt wechseln namentlich in Beziehung auf die verhältnismäßige Breite des letzten Umganges recht merklich, die beiden extremen Formen liegen den obigen Maaßan- gaben zu Grunde. Die wenigen guten, in verschiedenen Wachstums-Stadieu vor- liegenden Stücke wurden bei 7 — Fd. gesammelt; tot gefundene Schalen stammen aus dem Schlick (9 Fd.). Diese Art eriunert auf den ersten Eindruck durchaus an Volntharpa und dürfte als der antarktische Vertreter derselben zu betrachten sein; doch ist der (-olumellarrand merklich breiter und dabei stärker gtdiogen, nicht so grade und linear wie bei Volutharpa, und stimmt dadurch mehr zu Chlanidota (vgl. Concli. Mitteilungen, Bd. I, pag. 43, 44) überein, worauf auch die Bildung des Deckels hinweist. Von der Art liegen einige zum Ausschlüpfen fertige Embryonen (Fig. .3e) vor, die farblos sind und etwas über zwei Wlndiingen haben. Der Nncleus zeigt lauter punktartige, platte Höekerchen, in deren An- ordnung eino longitudinnle und spirale Bichtung schwach erkennbar ist. Die obersten anderthalb Windungen sind liei Loupenvergrößerung glatt; unter dem Mikroskop bemerkt man dagegen, daß (Vio ganze Schale von dicht neben einander verlaufenden Reifen skulpiert ist; außerdem findet sich eine regelmäßige Auslnldung von eingedrückten Eängsstrichen, welche die Spirallinien in kleine, liegende Rechtecke tfilii. Die fnlgonde hallte Windung besitzt umlaufende, etwas entfernt Eduard v. Mavtens und Gcoi-g Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgieu. 73 stehende Spirallinien, zwiseheu denen die Schale, besonders auf der oberen Hälfte der Windung, bandartig etwas abgeplattet ist, so daß die Schale schwach kantig erscheint. Über dem zu allerletzt ge- bildeten Teil der Schale liegt schon die Cuticula als weißes Häutchen, welches nicht die feine Spiralskulptur der obersten Windung, dagegen etwas weitläufigere Reifenbildung aufweist, die jedoch nicht der oben besprochenen, viel weitläufigeren Kantenbildung gleich zu stellen ist. Die feinen, dichten, über die Schalenhaut gehenden Längsleisten ent- sprechen durchaus denen auf dem oberen Teil der Embryonal- Schale. (Pf.) Die Eier (Fig. 3f) sitzen zwischen oder an Tangwurzeln auf einer gemeinsamen Basalhaut, als fast oder zum Teil sich berührende kurze Cylinder von o'/-2 mm Basis und 2 — 2'/2 mm Höhe. Um den oberen Eand des Cylinders läuft innen eine schmale, ringförmige Leiste; dem Rande selber ist eine Art Krempe oder Mnnschette aufgesetzt, welche etwa IV2 mm breit ist und sich schräg nach außen und oben richtet. Auf der inneren Randleiste der Eikapsel liegt der kreisförmige Deckel auf, dessen Rand deutlich das negative Bild der Leiste zeigt. Der Eindruck einer Eikapsel im ganzen ist der eines auf seinem Boden stehenden Cylinderluites. (Pf.) Ooiuiuella luodesiii ]\frti^. (Taf. 1, Fig. 4 a — e.) — Sitzungsber. conüneiia Ges. Naturf. Er. Berlin ISS.r"), p 9] _ Xosta elongato-ovata, porcis "i^^'^'^-^t"- spiralibus obtusis distantibus sculpta, tenuis, alba, periostraco tenui pallide viridulo-flavescente verticaliter striatulo ; anfractus '>, superne subplanati, dein angulati; apertura ovata, dimidiam longitudinem paulo superaus, intus alba, superne acuminata, margine externo obtuso, paululum expanso, margine coluniellari leviter torlo, complanato, aliquantum attrito. Operculum obovatum nucleo apicali, conceutrice dense et subtiliter striatum, Icvissime coruuto-spiratum. Long. IP)-, diam. 7; apert, long. 8^ lat. 4 mm. Schale länglich-eiförmig, mit mehreren stumpf erhabenen Spiral- leisten, auf der vorletzten Windung durchschnittlich 5, auf der letzten 12 — 15, einzelne Exemplare auch mit schwach ausgeprägten Ecken auf denselben, dünn, weiß, mit dünner, blaß grünlich-gelber Schalen- haut, welche eine unregelmäßige, bald feine, bald grobe, bald eng, bald weit stehende, bald niedrig-strichförmige, bald Saum-artig erhabene Bildung von häufig rissig auftretenden Tiängsleisten aufweist. Umgänge 5, die beiden ersten gedrückt kugelig; die folgenden zunächst der Naht schief abgeflacht bis zur ersten Spiralleiste, welche eine Schulterkante bildet; die letzte Windung unten nur mäßig verschmälert. Mündung über die Hälfte der Totallängc einnehmend, eiförmig, oben mit einer 74 Eduard v. â– Mortons und Georg Pfeffpr, Mollusken von Süd-Gcorgion. etwas al)gosetzton Spitze, innen weiü, Auüenrand nur mäßig gebogen, stumpf, ein wenig nach auüen sich weiulend, Cohimellarrand unten mäOig gedreht, oben fast gerade, weiß, abgedaclit und nacli außen ein Stück weit abgeschlilTen. Der Deckel ist eiförmig, das Überende stnm])fer als das Unterende. vVn letzterem liegt der Nucleus. Die Skulptur ist concentrisch zum Nucleus, die einzelnen Zonen stoßen l)reitrandig auf der Seitenwand dos Deckels; verbindet man die Mitten derselben, so erhält man eine Spirallinie von etwa '/s— •'/12 Umgang. 9 Stücke, am Strande bei Ebbe gesammelt. Unter der freilich beschränkten Anzahl der im allgemeinen übereinstimmenden typischen Stücke heben sich zwei Formen durch spezifische, positive Charaktere a1): Kovma .loiigMin. a) Forma elongata Plfr. (Taf. 1, Fig. 4 c.) — Die ganze I"'igur ist schlanker, die Columello ist nach unten stark verlängert und es bildet sich anstatt des Ausgusses eine Art von Kanal, indem der Außenrand der Mündung nicht, wie bei den typischen Stücken, in starkem Bogen geschwungen, in den Rand der Ausguß-Öffnung über- geht, sondern indem er sich dem unteren Teil der Columello parallel richtet und in starkem AVinkel auf die Ausguß-Üflnung stößt. Long. 13; lat. 7; diam. maj. 7,2; apert. long. 8,1; lat. .T,i'> mm. F.jima uiKiafa. b) Forma undata Pjfr. (Taf. 1, Fig. 4 d.j — Diese Form ist gedrungen, von typischer Gestalt; über die 2 Vi untersten Windungen laufen, von der Schulterkante beginnend, starke, breite, an die der Gattung Duccinum erinnernde Wellenfalten, die auf den ol)eren Windungen über die ganze Höhe der Windung reichen und dicht aneinander stoßen; auf der untersten Windung reichen sie nur ülter die oberen "^k des Umganges und stehen ein wenig entfernter; nahe der Mündung verschwinden sie. Auf den beiden letzten Windungen zählt man je 11 — 12 Wellenfalten. Long. 12; lat. 6,8; diam. maj. 7,8; apert. long. 7,5; lat. 8,0 mm. «'i«ii"g Gattung Mangelia Bü^o. Mangolia. Mangc'iia 3laii^-elia aiitarctica Pffy. (Taf. 1, Fig. 5 a, b.) — Mangelia nigropunctata Mrts. 1. c, p. Ol. — Testa oblonge -fusiformis, tenuis, spiratim cingulata, cingulis fortibus, superis humilioribus, interstitiis in superiorc anfractuum parte cingulis latioribus vel subaoijuis, in parte basali multo angustioribus; rufo-fusca, fascia humerali latiuseula albida picta; anfr. 0, primus globoso-depressus, paulum obli<|Uus, laevis. albus, sequentes modice convexi, ad suturam decliviter applanati, excepto ultimo ccstulis subverlicalibus sculi)ti et lineis verticalibus autarctir;a. Eduard v. Marlens und Georg Pfeffor. Mollusken von Süd-Georgien. 75 levissimis rudibus sul)in'egiilnribiis densissimc striolati; ultinius paiillnm descendens ; apertiira dimidiam testae longitudiuein occupaus, elliptica, margine exteruo tenui, supenie leviter et su1)anipliter sinuato, margine columellari et pariete aperturali callo levi albo tectis; canalis bre- vissimus, apertus, rectus. Long. 10; diam. 4; apert. long. incl. canaliS; lat. 2 mm. Schale länglich-spindelförmig, dünn, von starken Spiralleisten umzogen, die auf dem obersten Teile des Umganges niedriger sind und deren Zwischenräume auf der oberen Hälfte der untersten Windung den Leisten selbst an Breite gleichkommen oder dieselben übertreffen, während sie auf der unteren Hälfte sich allmählich bis zai einein strichfürmigen Pdtz verschmälern. Die Farbe ist ein frisches Rotbraun; ein helles Schulterband, welches über zwei Leisten und drei Zwischen- räume reicht, hat bei abgeriebenen Schalen vielleicht eine rein weiße Farbe, bei den vorliegenden Stücken bedeckt eine ganz feine gelbliche Cuticula die ganze Schale und färbt das Band strohfahl. \'on den G Windungen ist die erste kuglig-niedergedrückt, etwas schief, glatt und weiC?, die folgenden mäßig convex; die Naht verläuft auf den oberen Umgängen etwa um eine Spiralleistc und einen Zwischenraum tiefer als das helle Band; die letzte Windung steigt etwas herab, sodaß drei Leisten und zwei Zwischenräume von brauner Farbe oberhalb der Naht liegen. Die Windungen sind gegen die Naht zu sehr steil ansteigend al)geplattet; sie tragen mit Ausnahme der letzten annähernd vertikale Rippen und sind außerdem von einem System sehr feiner, dichter, nicht ganz scharfer und annähernd regelmäßiger Striche bedeckt. Die Mündung ist etwa gleich der halben Schalenhöhe, mit dünnem, geschwungeneu, oben seicht und ziemlich breit ausgebuchteten Rande. Columelle und Mündungsrand sind von einem dünnen weißen Callus bedeckt. Kanal sehr kurz, offen, gerade. Frinnert in Habitus und Färbung an gewisse kleine, früher zu Fusus und Buccinum gerechneten Formen. — Zwei Stücke. Der obere Teil der Schale ist von einem unregelmäßig blasigen, dünnen, kalkigen Überzuge bedeckt, der durchaus das Ansehen eines Schneckeneier-Geleges hat. Die einzelnen Blasen sind oval, schwach nach oben gewölbt, 0,0 mm lang, 0,4 mm breit, hell glasartig, selten glatt, meist von einem System querer, entfernt von einander ver- laufender Striche überzogen. Außer diesem blasigen Überzüge liegen, unregelmäßig über die ganze Schalenoberfläche zerstreut, entweder einzeln oder zu mehreren neben einander und dann an den Rändern verschmolzen, kleine, glänzendschwarze, etwas körnig - runzlige , mäßig erhabene, nicht ganz 0,1 mm lange Körperchen. Diese sind 76 Ediiai'd V. Martons und G(>org Pfcffor, Mollusken von Süd-Georgien. oval, um einen Kmle stumpf al)sch]ießen(l, am andern stärker aus- gezogen und in einer wiederum etwas verbreiterten Spitze endigend. Hier findet sich aucli eine grubenartige, schwache Einkerbung. Die Körperclien sind (lünnhäutig, spriidc und splittern leicht al), wenn ni;in daran schabt. Alle Blasen des Überzuges, welche ich öffnete, waren leer; sie entsprechen nicht etwa je einem darunter liegenden schwarzen Körperchon, sondern die letzteren sind in ganz aufser- ordentlich geringerer Anzahl vorhanden als die Blasen; auf$erdem liegen schwarze Ktirperchen auch auf dem letzten Teile der jüngsten Windung, der sonst durchaus des blasigen Überzuges entbehrt. Somit ist hieraus schon nnzunohmon. daf.5 beide Bildungen ihrem Ursprünge nach nicht zusammen hängen; anPjerdem habe ich die Körperchen ohne die I>lasen auch bei anderen Arten gefunden. Der blasige Über- zug stammt keinesfalls von der Mangelia her, denn nach keiner Richtung hin geniigen die Blasen auch nur annähernd, um die Em- bryonal-Schale der Schnecke aufzunehmen. Nach diesem Sachverhalte konnte der von JSlnrteiifi 1. c. gegebene Name „nigropunctata" nicht bestehen bleiben. (Pf.) Familie Familie Litorinidae. Litoi iiiidae. Unter der Süd -Georgien -Ausbeute findet sich eine größere Anzahl von Schnecken . die sich nach ihrer ZungenbewalTnung als Litoriniden erweisen, die aber durch mannichfache sehr wesentliche Merkmale sich kräftig von den typischen (lattungen der Eamilie unter- scheiden. In erster Linie kommen dabei die Columellar - Verhältnisse in Betracht. Will man dieselben bei einer echten Litorina verstehen, so bediene man sich dazn des Mittels einer Lacuna. Man sieht an dieser die Basis der Windungen stark kantig ent^Yickelt, sodaß, wenn ein Nabel — wie hier — entwickelt wird, derselbe von einer Kante umgeben ist; da nun die Piasis der Windungen l>ei Lacuna sehr lang ausgel)iklet ist, so ist die Öffnung des Nabels ein längerer Spalt mit seitlichem Eingange. Eerner hat die Mündung einen inneren Mund- rand, der, Columellen-artig vom unteren Mundrande aufsteigend, l)is an die Mündungswand reicht. Die Kante des Nabels st(ißt grade da auf den Mundsaum, wo der Columellen -artige Lmenrand dersell)en sich senkrecht erhe])t. — Betrachtet man auf diese Merkmale hin eine echte Litorine, so erblickt man als einzigen Unterschied nur das Eelden des Nabels; es ist nämlich die Cohimelle der Litorinen, wie eine aufmerksame Betrachtung fast aller Stücke lehrt, ein ganz zu- sammengesetztes Gebilde; ihr äußerer (linker) Rand, zugleich die am weitesten vorstehende Kante des inneren (linken) Peristoms , gehört Eduard v. Martens und GeoT'g Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 77 garnicht eigeutlicli zum Peristom, sonderu ist die basale Kaute der letzten Wiuduug, gauz der bei Lucuua ausgebildeten entsprecbeud. Der Innenrand der Litoriuen-Columelle, der viel weiter zurück liegt als der äußere, entspriclit dem Columellarrand der Mündung bei Lacuna; die Längsgrube, welche sich auf der unteren Hälfte der Columclle bei Litoriua findet, ist das Aequivalent des Nabels bei Lacuna. Sehr viel anschaulicher wird die Beziehung beider Befunde zu einander, wenn man sich erinnert, daß die den Nabel umziehende Kante der letzten Windung unten von perlmuttriger Schalensubstauz belegt, also mit als Teil des Inuenrandes der Mündung behandelt ist. Ganz anders liegen diese Verhältnisse bei den Litoriniden von Süd- Georgien. Auch hier kann man, teils noch au Erwachsenen, teils nur bei den Jungen, den Nabel beobachten oder aber die Stelle feststellen, wo er verschwunden ist, also zu suchen ist. Diese liegt aber weit höher als bei den echten Litorinen und Lacunen; auch beteiligt er sich nie au der Bildung einer als Ganzes auftretenden Columelle; er liegt eben nie innerhalb der Columelle stmdern neben ihr; außerdem ist die den Nabel umgebende Schalenpartie ebenso gebildet, wie die übrige Schale und zeigt überall die Schalenhaut, nirgends aber Perl- muttersubstanz. — Des weitereu drängen die sehr schwachen Ver- kalkungsverhältnisse und die höchst charakteristische Schalenhaut- bildung der Süd- Georgien -Litoriniden auf eine geuerische Trennung von den typischen Gattungen der Art. Gattung Pellilitorina Fffr gen. nov. Gattung Pellüitorina. Gehäuse dünnschalig, bräunlich. Nabel nur in der Jugend vor- handen, außerhalb des oberen Teiles der Columelle liegend; diese unten platt, schwächer oder stärker mit ihrem Inneurande nach innen gedreht, oben verbreitert, über die Gegend, wo der Nabel verschwunden ist, zurück geschlagen. Mündungswaud ziemlich breit. Callus schwach, sodaß der Mundsaum deutlich getrennt ist. Die Skulptur besteht aus Längs- und Spiral-Eindrücken, die, den Haaren der Schalenhaut ent- sprechend, punktförmige Vertiefungen zeigen. Die Schalenhaut ist auf dem Embryonalschälchen nicht vorhanden, auf den späteren Windungen aber, oder nach einem Zwischenstadium von einigen Windungen, als eine dicke fellartige Haut entwickelt, die auf Längsleisten Borsten trägt, welche zugleich in Spiralreihen angeordnet sind. Pellilitorina setosa E. A. Smith. (Taf. 1, Eig. 7 a, b.) — Litoriua rtinütorina setosa E. A. Smith, Ann. N. H. (4) XVI (1875) p. 09. — Phil. Trans. '"*""*â–  Vol. 1G8, p. 172, pl. 9, f. G. — Marlcnd L c. p. 92. — Die vorliegende 78 Eduard v. Mardiis uud Georg Pfeffer, Mulhiskcu von Süd-Georgien. Form schließt sich im Allgemeinen an die SmifJi'Hclui L. sctosa an, weicht jedoch in mannichfjilliger Weise von derselben ab; als besonders aulTällig mag bezeichnet -werden, daß das rote Spiralband bei der Süd- Georgien-Form stets fehlt. Ich gebe für diese daher nach den in genügender Zahl vorliegenden Stücken nochmals eine Diagnose. Es mag noch hcrvorgehob(Mi werden, daß die in der Original- Diagnose gegebenen Maaßc nicht zur Abbildung ])assen, vor allem daß die An- gabe des Diameters ganz fehlerhaft ist. Testa imperforata, ovato-oblonga, tenuis, llavide cornea; cuti- cnla crassa, olivaceo-brunnea, setis brevibus, rectis, numerosissimis in series longitudinales et spirales dispositis, plicis confertissimis insitis; anfractus H'A — öVs, convcxi, superne tabulati, sutura paululum impressa secreti; duo superi embryonales globosi, haevcs, sequentes impressionibus striaeformibus levissimis punctigeris deciissati, ultimi sculptura et spirali et verticali pacne omnino destituti, incrementi tantum lineis modice conspicuis; apertura circularis, ali(|uantuluni dimidiam testae longi- tudineni superans ; columella recta vel subrecta, superne leviter eti'usa, inferne paululum patula; paries columellaris levi callo oblitus; nmrgo externus simpIex, semicircularis. Fauces margaritaceae , roseo-albae, columella obscure limbata. Long, (abgebrochen) 14,1 ; diam. 12,Ü; apert. long. 8,1 ; lat. G mm. 14,3 11,5 7,8 5,6 „ (abgebrochen) 18,8 11 7,0 5 Schale undurchbohrt, mehr oder weniger verlängert-eiförmig, hell aber kräftig horufarbig, oft mit etwas rötlichem Ton dazwischen. Die Schalenhaut macht bei schwacher Vergrößerung den Eindruck eines außerordentlich feinen Chagrins; sie ist als dichtes Fell entwickelt^ oliveubraun, ndt außerordentlich zahlreichen, kurzen, aufrecht stehenden Borsten besetzt, die auf nicdrig-leistenförmigen, longitudinalen Falten stehen und demnach in longitudinale, außerdem aber auch in spirale Reihen geordnet sind. Windungen ö'A — b\'s, convex, oben etwas abge- llacht. Naht ein wonig eingedrückt. Die Skulptur der Schale besteht, den Falten der Schalenhaut entsprechend, aus Längseindrücken, welche, entsprechend den auf den Falten der Schal cnhaut stehenden Borsten, kleine Grübchen tragen. Da nun die Borsten der Schalenhaut zugleich in regelmäßig spiraler Anordnung stehen , so zeigt auch die Schale eine Art Spiralskulptur. Außerdem finden sich, bei einigen Schalen kaum ausgeprägt, bei anderen sehr deutlich, wirkliche Spirallinien, die, teils etwas erhöht, teils eingedrückt, in breiten Abständen die ganze Schale umziehen und nur an der Naht etwas enger stehen. Die Embryonal-Schale besteht aus :l Windungen, ist kugelig und ganz Eduard v. Maiteus und Georg Pfeffer, Mollusken vou Süd-Georgien. 79 glatt. Die Scbaleiihaut, weiche sogleicli nacli Abschluß der Embryonal- Schale beginnt, zeigt an den ältesten "Windungen schon denselben Charakter, wie an den jüngsten. Mündung kreisähnlieh, etwas länger als die halbe Schalenlänge. Columelle platt, bei einem Pkeniplar grade, bei den andern etwas nach rechts oder nach links weisend; wo sie sich an die Mündungswand setzt, breitet sie sich etwas aus, am untern Ende bildet sie mit dem Basalrand eine ganz sclnvache Lippe. Über der Mündungswand liegt ein ganz schwacher, perlmuttriger Callus, der einen leichten, nach außen offenen Bogen bildet. Der scharfe Außenrand der Mündung bildet einen Halbkreis. Die Mündung ist innen von einer perlmutterweißen oder rötlichweißen Lage bedeckt, die an der Naht ziemlich dick ist. Die Columelle ist weißlich, nach außen mit einem bräunlich- oder rötlich-weißen Eand versehen. Ein Stück, welches sich durch seine Größe vor den andern auszeichnet, hat die Skulptur deutlicher, als irgend ein anderes; ebenso ist die Abtlachung des oberen Teils der Windungen stärker» während die Windungen im allgemeinen viel weniger convex sind, als bei den andern Stücken. Die wenigen vorliegenden Stücke wurden, eines lebendig, die andern tot am Strande bei Ebbe gesammelt. Pellililorina i^iiMWn Mi ts. (Taf. 1, Fig. (i a -c.) — Sitzungsber. Peumtorina Ges. Naturf. Fr. 1885, p. 02. — Testa subglobosa, sat tenuis, perio- straco villoso induta, indistincte spiratim cingulata, griseofusca; an- fractus 4, convexi, ad suturam subhorizontaliter applauati, sutura profunda; apertura subcircnlaris, margine columellari subperpendiculari, sat angusto, distincte complanato, violascente-albo vel tlaviscente. Long 18,2 18,4 Diam. maj 17,8 17,5 Apert. diam 10 9,4 long 13,7 13 Schale annähernd kuglig, ziemlich dünn, rötlichbraun, meist mit viel Grau gemischt; mit haariger Schalenhaut und undeutlicher als Kanten oder schwache Reifen erscheinender Spiral-Skulptur. Die Schalenhaut ist nach demselben Typus gebaut wie die von Pellilitoriua setosa. Während jene aber bei schwacher Vergrößerung den Eindruck eines feinen Chagrins macht, erscheint die von L. pellita schon für das bloße Auge als ein dichtes, rauhes, borstiges Fell; sie ist dunkler, ihre Längs-Falten sind stärker und stehen entfernter von einander; die Borsten stehen ebenfalls entfernter und mit bloßem Auge bequem als solche zu erkennen; die spirale Anordnung der Borsten ist nur peUita. 80 Fjiluard V. Marleiis und Georg Pfeffei-, Mulluskcn von Süd-Georgien. ab und zu liuienweise walirzunehmeD, entsprechend den Leiden Systemen der zuerst auf der Schale auftretenden Spirallinien. Ganz aufjer- ordentlich ahweicheiicl von dem entsprechenden Befund hei P. setosa ist die Bekleidung der obersten Windungen. Bei P. setosa beginnt das Fell sogleich nach Abschluü der P^mbryonal- Windungen, bei P. pelHta findet sich dagegen noch ein Zwischenstadium; diese Ver- schiedenheit der Schalenhaut-Bildung geht Hand in Hand mit der Spiralskulptur der Schale. An den ältesten Windungen hnden sich nändich im allgemeinen 'J deutlich eingeritzte, mit stärkeren Stich- punkten versehene Linien, von denen 4 oberhall), 5 untei'halb der Naht liegen; diese sind bis zum Abschluß der Schale zu verfolgen. Am Ende der zweiten Windung fangen nun schon neu auftretende Spiralstreifon an, sich zwischen die bereits vorhandenen einschieben. Sie sind schwächer ausgebildet und selbst am letztgebildeten Teile der Schale kann man beide Systeme von Linien auseinander kennen, nur muß man beachten, daß auf den jüngeren AVindungen die ein- gedrückten Linien sich verbreitert und verllacht haben, dagegen die oberhalb jeder Linie liegende Schalenpartie sich erhöht hat, so daß aus dem System der eingeritzten Linien ein etwas nach oben ver- schobenes System von Reifen geworden ist. Der jüngere Teil der Schale besitzt eine dünne glatte Schalenhaut ohne irgend uelche Längsfalten; die Borsten stehen in Spiralen lieihen, entsprechend den 9 Spirallinien mit den Stichpunkten derselben; die Borstenenden sind entweder bogenförmig oder geradezu hakenförmig zurück gebogen. Schon ehe die Linien zweiter Ordnung auf der Schale einsetzen, wird die Schalenhaut dicker, und es schieben sich viele Spiralreihen von Borsten ein. Diese s}»irale Anordnung ist jedoch schon eine kurze Strecke später nicht mehr zu erkennen, vielmehr stehen die Borsten in Längs- reiheu, später auf sich immer stärker entwickelnden Längsleisten. Der erstgebildete Teil der Schalenhaut ist, selbst bei gut erhaltenen Spiritus-Exemplaren, stets verschwunden. -- Windungen der Schale sind 4 vorhanden, konvex, an der tiefen Naht horizontal abgeplattet. Columellarrand ziemlich senkrecht, als eine ziendich schmale Fläche entwickelt, die linke Seite nur schwach nach innen gedreht, weißlieh, hell bräunlich oder hell braunviolett. Er reicht bei jungen Schalen ganz außerordentlich viel weiter über die jMündungswand als bei alten. Die Abweichung der vorliegenden Art von L. setosa ist eine außerordentlich starke. Die kuglige Gestalt, die dunkle Farbe, die schwach gedrehte Colnmelle, vor allem aber die ganz verschiedene Skuljjtur und Bildung der Schalenhaut unterscheidet die vorliegende Art streng von der vorhergehenden. Eduard v. Maitens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Sl Eine Anzahl von Exemplaren, darunter Junge in allen Stadien (die jüngsten etwas über 2 Windungen groß), am Strand bei Ebbe gesammelt. Gattung Laevilitorina Fffr gen. nov. Gattung Laevilitorina. Schale klein, länglich eiförmig, ganz schwach verkalkt, chitinig, von bräunlicher Farbe. Nabel entweder verdeckt nur als Furche neben der Columelle Avahrnehmbar, oder als ungekielte, nicht von einem Callusrand umzogene Grube neben der Columelle ausgebildet, an deren oberem Teile gelagert. Columelle nach olien l)reiter werdend, über den Nabel oder dessen Stelle etwas zurück geschlagen, nach oben meist weit auf die Mündiingswand hinauf reichend, die dem entsprechend meist sehr schmal ist. Skulptur schwach ausgeprägt. Schalenhaut dünn, glatt, mit der Schale meist innig verbunden, des- halb gemeiniglich nicht als l)esondere Lamelle bcmerkliar. Laevililoriiia ('.ali^"iii(»sa Oould. (Taf. 1, Fig. 8 a — d.) — Litorina Laeviiitoriua cabginosa Gould, Wilkes Explor. Exped. 185^, p. 198, fig. 240. — '^'^'»s'""^'»- Hydrobia caliginosa E. A. Smith, Thilos. Transact. Vol. 1B8, p. 173, pl. IX, flg. 8. — V. Martcns 1. c. p. 02. — Die vorliegende Form von Süd-Georgien entspricht im allgemeinen der 6'o»^Z'schen Art, wie sie Smiili von neuem beschriel)en hat. Die große Anzahl der verschiedenen Stücke und die darin sich offenbarende Variationsfähigkeit der Art er- fordert jedoch ein nochmaliges Eingehen auf die einzelnen Charaktere. Schale eiförmig, konisch-eiftirmig, bis getürmt eiftirmig; chitinig, nur im Innern der Mündung und auf der Columelle nimmt mau spärliche Kalkscbichten wahr; braun, dunkel Kastanien-farbig, braunrot, gelbbraun oder schwarzl)raun. Eine besondere Schalenhaut ist nicht weiter wahrzunehmen. Auf der Schale findet sich eine feine, dichte, nicht regelmäßige, den Wachstumslinien entsprechende Längsstreifung; außerdem, bei einigen Stücken ganz regelmäßig, bei andern weniger, auf der oberen Hälfte der Windung ein etwas weitläufiges System schwach erhabener Spiralstriche. Gewöhnlich ist ein deutlicher Nabelritz vorhanden; bei einigen bedeckt indeß die Columelle den Nabelritz völlig, während letzterer andrerseits das Aussehen einer schmal -halbmondförmigen Grube annehmen kann. Die Spira ist mehr weniger erhaben, resp. stumpf- kegelförmig. Umgänge sind 4 — 4'/i, nie 5, wie Smith es von seinen Stücken angiebt. Sie sind convex. jedoch in verschiedenem Grade, durch die Naht bald ganz schwach, bald recht stark zusammen gezogen. Die Naht ist je nach der Erhalienheit des Gewindes verschieden schräg; bei solchen mit 6 82 Eiliiard v. Mnrti^ns mid (iooig IMoffer, MoHuskoii von Sürl-Goorgien ganzen stumpfem Gewinde ist sie fast liorizontal, hei anderen mit hohem Gewinde dagegen selir schräge. Der letzte Umgang ist stets stark erweitert, bei den kurzgewundenen jedoch viel stärker. Die Mündung ist stumj^f eiförmig, unten l)reiter als o])en , außen viel stärker gewölht als innen. Die Mündung nimmt "/ii bis -/:! der Schalen- länge ein; sie ist stets fast oder geradezu um die Hälften länger als breit. Der Auüenrand setzt sich von der letzten Windung gewöhnlich im rechten Wiidcel ab; zuweilen ist der Mündungswinkel jedocli ein stumpfer. Die Columelle ist bei einigen ganz grade, bei andern concav; sie wird nach oIxmi breiter und reicht stets außerordentlich weit über die Mündungswand hinweg gegen den Mündungswinkel zu. Sie ist umgeschlagen und entweder ganz angepreßt oder unten mehr weniger frei hochstehend, weiß, bräunlichweiß, violettweiß oder braunviolett. Über die schmale Mündungswand zieht sich ein in verschiedenem Grade dick aufliegender Callus; nie ist er (wie es SmUh von seinen Stücken l)eschreibt) dünn zu nennen; er schließt stets mit einem deutlichen, etwas verdickten Eande nach der Grube der letzteren ab. Dieser Kand ist verschieden dick, bei älteren Stücken mehr ausgeprägt, als bei jüngeren; bei einigen Exemplaren ist er so stark, daß man von einem Peristoma continuum reden nmß. Die Mündung hat stets einen etwas umgeschlagenen , weicheren Hand. Das ganze Peristom ist mit ununterbrochenen, dunkelbraunen, bei keinem Stück fehlenden Pandstrich umzogen. Das Innere der Mündung zeigt einen schwachen, perlmuttrig glänzenden, weißlichen Überzug. Der Deckel ist, der Mündung der Schale entsprechend, ungefähr eiförmig mit oberer Spitze; der Außenrand ist stark gebogen, der Innen- rand fast gerade abgeschnitten. Der Nucleus liegt am Ende des untersten Viertels der Deckellänge, der Innenkante do]ipelt so nah, als der Außenkante. Der Deckel hat zwei Windungen. Die Naht zeigt sich als eine spiral laufende Verdickung, die schließlich dem Außenrand des Deckels parallel verläuft und a.uf dem letzten Teil des Deckels verschwindet. Auf der ersten Windung des Deckels sitzt dieser Ver- dickung eine häutige C'hitin-Crista auf, welche einer besseren Be- festigung des Deckels dienen mag. Die Spiralskulptur ist außer- ordentlich fein und sauber über den ganzen Deckel, in der Peripherie schwächer, verbreitet. Die Radialskulptur beginnt erst auf dem vierten \'iertel der ersten Windung, ist aber dann als ein System scharfer, etwas entfernt stehender, schwach gebogener Streifen neben der äußern Naht jeder Windung deutlich zu erkennen; l)is zur inneren Naht reichen nur wenige, auf der ersten Hälfte der zweiten Windung stellend^, fnltig erscheinende Streifen. Eduard V. MartL'us und Geurg Pfeffer, ISIolluskeu von Siid-GeorgicD. 83 Die Art kommt in großer Häufigkeit auf Macrocystis-Blättern vor. Die Schnecke bat eine ganz außerordentlich große Variations- Fähigkeit; deshalb ist auch auf eine starke Anpassuugs-Fähigkeit und infolge dessen auf eine große Verbreitung zu schließen. Es ist somit die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, daß die vorliegende Art mit derjenigen, welche Gould vom Feuerland, und andererseits mit der, die Smith von Kerguelensland beschrieben hat, zu identifizieren ist. Herr G. Schaclco hat die Radula zweier Stücke untersucht und beschreibt sie folgendermaßen: Die Radula des ersten Stückes hat eine Länge von 5 mm, eine Breite von 0,158 mm und 124 Querreihen. Die Basalplatte der Mittelplatte (Taf. 3, Fig. 10 a) ist fast viereckig, an den Seiten etwas eingebogen, nicht den Zahnhaken überragend. Fest auf der Basalplatte auflagernd erhebt sich, in zwei kleine Lappen auslaufend, am unteren Ende der Basalplatte eine derbe, hohe Lamelle, welche als Stützpfeiler dient für den am oberen Rande der Basalplatte sich scharf, fast rechtwinklig umbiegenden Zahnhaken. Die Schneide desselben wird von fünf Zähnen gebildet, von denen der mittelste der größte ist. Da der Zahidiaken sich rechtwinklig von der Basalplatte erhebt, so erscheint der eigentliche Nagel oder Spitze des Hakens etwas verkürzt und sehr stumpf. Breite der Basalplatte unten 0,0;27, oben 0,02; Einschnürung der Stützlamelle am Hals 0,012; Breite des großen Mittelzahnhakens 0,14; sichtbare Länge des Hakens 0,005; eigentliche Länge 0,014; Länge der seit- lichen Lamellenlappen 0,005, Breite derselben 0,0OH mm. Die Zwischenplatte (Taf. 8, Fig. 10 b) bildet eine große, beinahe rechteckige Basalplatte, welche durch zwei, fast parallel laufende, leistenartige Verdickungen, die ebenfalls parallel laufen mit dem Vorder- und Hinter-Rande der Platte, durchzogen wird. Eine dritte Verdickung verbindet beide Leisten und läuft parallel der Median- linie. Am Ende der frei auslaufenden Leisten wird zwischen ihnen eine tiefe Bucht gebildet, so daß die Basalplatte nach der Außenseite hin zwei stark hervorragende Lappen oder Spitzen bildet. Bei der vorderen Leiste erhebt sich der Hals des Hakens mit der Schneide. Diese wird von sechs Zähnen gebildet. Der Medianlinie der Zunge zu gelegen, beünden sich drei kleine Haken, dann folgt der große Haupt- haken und schließlich zwei kleine Haken, von denen der letzte kaum entwickelt ist. Breite am Vorderrande 0,038, am untern Ende der Basalplatte 0,022; Breite des Haupthakens 0,011; Länge des- selben 0,0135; Breite und Länge der kleinen Nebenhaken 0,005; 84 Eduard v. Marteus uud Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Lauge der guuzeu Platte am Yordcrrande 0,07; Breite derselben am Unterrande 0,044 mm. Die innere Seitenplatte (Taf. o, Fig. 10, c, c') verbreitert sich vom llintcrrande nach der Schneide zu allmählich. Die Schneide wird von vier Zahnhaken gebildet, von denen der dritte der größte ist. Länge der Platte 0,070; obere P)reite an der Schneide 0,033, untere Breite 0,021; Breite des Ilaupthakens 0,019, Länge 0,021 mm. Die lang gestreckte äußere Seitenplatte (Taf. o, Fig. lOd) wird durch zwei gabelförmige Leisten sowol unten wie oben verstärkt. Die Schneide hat neun spitze Zähne. Länge der ganzen Platte U,üb4 ; Breite der Schneide 0,04; Breite der Basalplatte unten 0,022; Breite der kleinen Zahnhäkchen 0,004, Länge 0,009 mm. Die Mittelplatte eines zweiten Stückes weicht von derjenigen des ersten dadurch ab, daß sie schlanker gebaut und enger am llalshaken eingeschnürt ist, daß sie an der Schneide nur drei Zähne besitzt, von denen der Mittclzahn lang, schmal und spitz ausgebildet ist, daß schließlich der untere, seitliche Lappen der Basalplatte noch einen kleinen, kürzeren und schmaleren Nebenlappen zeigt. Breite der Basalplatte unten 0,027, oben au der Schneide 0,010; Einschnürung am Halshaken 0,011; Länge der Mittelplatte 0,033; Breite der ganzen Schneide 0,017; Breite des großen Mittelhakens 0,009, Länge des- selben 0,015; Breite der kleineren Nebeuhaken 0,004; Breite des äußeren der seitlichen unteren Basallappeu 0,004, Länge 0,008; Breite des inneren 0,003, Länge 0,005 mm. Die Zwischenplatte (Taf. 3, Fig. 1 1 bj steht, ebenso wie die Seitenplatten in ihrer natürlichen Lagerung stärker aufgerichtet, als bei dem vorher betrachteten Exemplar, so daß in der Aufsicht der Neigungswinkel zur Mittelplatte bei dem zweiten Exemplar spitzer ist als beim ersten. Der llalshaken ist freier entwickelt. Die Schneide wird von nur fünf Zähnen gebildet, zwei kleineu, der Medianlinie der Budula zu liegenden; dem großen Ilaupthaken, der fast ebenso lang wie breit ist; schließlich zwei kleinen Ilaken, von denen der äußere der kleinere, jedoch gut entwickelt ist. Breite der Zwischeniilatte an der Schneide 0,025, am Ende der Basalplatte 0,018; Länge der ganzen Platte 0,007; Breite des Haupthakens 0,013, i^änge 0,012; Breite und Länge des größeren Nebenhakens 0,004 ; Länge der Basalplatte am unteren Rande 0,037 mm. Die Schneide der inneren Seitenjjlatte (Taf. 3, Fig. 11 c, c') wird von fünf Zahnhaken gebildet, die in Fig. 11 c nur teilweise sichtbar sind, während bei c^ die zurückgebogene Platte dieselben deutlich zeigt, sogar noch mit einem schwachen Ansatz eines inneren sechsten. Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Molluskeu von Süd-Georgien. 85 LüDge der Platte 0,069; Breite der ganzen Schneide 0,033; Breite der Platte am Basalende 0,01G; Breite des Hauptliakens 0,016, Länge 0,015 mm. Die äußere Seitenplatte hat nur sieben lange und spitze Zähnchen. Länge der ganzen Platte 0,077; Breite der Schneide 0,033; Breite der Basalplatte unten 0,010; Breite der kleinen Zähnchen 0,003; Länge his zur Spitze 0,007 mm. Laevilitoriua veimsia Pffr. (Taf. 1, Fig. 9 a, b.) — Testa Laevüitorina ovata, subinconspicuc rimata, sat tenuis, olivaceo-cornea, fasciis con- venusta. lluentibus purpureis spiratim trif asciata , cuticula tenuissima, pallida undique vestita, striis incrcmenti irregulariter et tenuiter sculpta; spira obtuse conoidea, apice obtuso; anfractus 4'/2, convexi, sub sutura paululum complanati, sutura profunda secreti; ultituus maximus; apertura *h testae lougitudinis occupans, oblicjua, obtuse ovata; peristoma simplcx, acutum, connexum; margo columelhiris paululum concavus; columella reflexa, appressa, siirsum vix dilatata, plana, perobliqua, perlonga; paries aperturalis augustus , callo nitide-albo tectus. Fauces margaritaceo-ciucreae, fasciis vivide purpureis per- lucentibus. Long. 5,6; lat. -A; diam. maj. 4,6; min. 3,3; apert. long. 3, lat. 2, 1 mm. Schale eiförmig, kaum wahrnehmbar geritzt, ziemlich dünn, olivenbräunlich hornfarben, mit drei purpurfarbigen Spiralbinden, deren oberste beiden, die eine kurz unter der Naht, die andere in der Peripherie des Umganges, breit aus und ineinander fließen, so daß der weitaus größte Teil der letzten Windung von der Purpurfarbe ein- genommen wird; die dritte, hellere und undeutlichere Binde verläuft um die Nabelgegend. Eine ganz schwache helle Schalejihaut bedeckt die ganze Schale. Wachstumsstreifen strichförmig und unregelmässig. Spira stumpf konoidisch, mit stumpfer Si)itze. Umgänge 4r] , convex, unter der Naht etwas abgeplattet; die Naht schneidet sehr tief ein. Der letzte Umgang ist sehr gross in Höhe wie in Breite. Die Mündung nimmt Vt der Schalenhöhe ein , ist schief, sehr stumpf eiförmig. Mundrand dünn, scharf, convex. Der Columellerand ist etwas hohl, die Columelle zurückgebogen, angepresst, nach oben kaum erweitert platt, sehr schief stehend, sehr lang, sodaß die mit einem glänzend weissen Callus belegte Mündungswand ganz schmal ist. Mündung innen perlmuttergrau mit lebhaft durchscheinenden purpurnen Binden. 1 Exemplar. Unter den vielen positiven Merkmalen, welche die vorliegende Art von der nahe verwandten L. caliginosa unterscheidet, ist als be- 80 Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Molluskeu vom Süd-Georgien. sonders bezeiclineiuler Habitus - Charakter das völlige Felileii des schwarzen jMüudungsrandes hinzustellen. Larviiitorina LaevililoriiiJi pygmaea PIfr. (Tuf. 1, Fig. 11.) — T. fortiter iiy-niaca. fossato-uiuhilicata , elongate acuminato-ovata, chitinosa, teniiis, plicis longitudinalibns humilihus levibus subrudibus, vestigiis plicarum spiralium angulosis indistinctis, fusco-brunnea, ciiticula nitidnla con- colore, laevi indnta; anfractusV rotiuidati , sutiira forliter cuarctati, \iltinius turgidus, altus, apertura dimidiam prope testae longitiidinem occupans; apertura ovato-rotuudata, supernc obtuse angulata, peristonia disjunctum, nigricante-limbatum, margine extcruo acuto, coluniellari angusto, subrecto, violascente, superne paullulum dilatato, non rotlexo, parietis aperturalis parvam tantum partcm obtegens, callus sub- inconspicuus. Long. 2 mm. Gehäuse mit einer kräftigen, nicht kantig begrenzten Nabelgrube, verlängert spitz eiförmig, chitinig, dünn, mit ganz niedrigen schwachen, aber groben Längsfalten und ganz schwach, aber bemerkbar auftretenden Spiralkanten und Spirallinien, gesättigt rotbraun, mit ganz schwach glänzender, glatter Schalenhaut von gleicher Farbe. Umgänge gerundet, ihre Anzahl wegen Mangelhaftigkeit der Spitzen nicht festzustellen, durcli die Naht kräftig eingeschnitten, der letzte stark iu Ilijhe und Breite entwickelt. Mündung fast von halber Schaleuhöhe, sehr stumpf eiförmig, au der oberen Mütidungsecke mit stumpfem Winkel. Peristom nicht continuierlich, ringsum schwärzlich gesäumt; Außenrand scharf, Columellarrand violett, schmal, mit dem Innenrand stark nach innen gedreht, nach oben etwas verbreitert, nicht zurüchgeschlagen, iu der Aufsicht von vorn nur weuig über die INIündungswaud reichend; tiefer im Grunde der Mündung zieht sich der Innenrand der Columelle freilich ziemlich weit nach der oberen Mündungsecke zu. Callus ganz schwach, bei einem Stück nicht bemerkbar. Wenige Stücke, auf Macrocystis-Blättern. Herr G. Scliatko hat eine Radula der Art untersucht und giebt davon folgende Beschreibung: Die Radula hat eine Länge von 3,3 und eine Breite von 0,081 m; sie besitzt 130 Querreihen. Die Mittelplatte (Taf. 3, Fig. I'^h) bildet ein längliches, nach oben schmaler werdendes Rechteck, indem sich die Seitenränder nach der Schneide zu zusammenziehen; der Stützpfeiler ist breit und fast (diue Einschnürung beim llalshaken; die Basalhippen stehen in der Kichtung der Längsaxe und divergieren nicht. Die Schneide ist von drei fast gleichen Zähnen gebildet, die Nägel der /ahnhaken nicht Eduard v. Martens und Gcor^ Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 87 erkennbar. Länge der Miltelplatto 0,025. Breite unten 0,0135, oben au der Schneide 0,008; Einschnürung beim Halshaken 0,006; Breite und Länge der Zahnhaken 0,003; Länge und Breite der Basallappen 0,003 mm. Die Zwischenplatte (Taf. 3, Fig. 12 b, b') bildet ein längliches Rechteck, mit fast viereckigem eigentlichem Basalteil, einer stärker ausgebuchteten Seite und schmalen vorspringenden Spitzen. Der In'eite ILüshaken ist kurz. Die Schneide hat drei Zähne, von denen der Außen- und Innenhaken sehr klein, der Mittelhakcn ebenso breit wie lang ist. Breite der Platte an der Schneide 0,010, in der Mitte der Platte 0,02, am unteren Ende der Gabel 0,014; ganze Länge der Platte 0,041; Breite des ILiupthakens 0,011, Länge 0,01; Breite und Länge der Nebenhaken 0,0035; Breite der Basalplatte am unteren Rande 0,020 mm. Die Basalplatte der inneren Seitenplntte (Taf. 3, Fig. 12 c) ist im Verhältnis kurz; die Schneide trägt 3 Zähne, deren mittlerer sehr umfangreich ist. Länge der Platte 0,038 ; obere Breite bei der Schneide 0,018; untere Breite der Basalplatte 0,011; Breite des Haupthakens 0,011, Länge 0,015 mm. Das Basalende der äuOeren Seitenplatte (Taf. 3, Fig. 12 d, d) ist kurz und ])reit, wenig eingeschnürt am Halse, mit breiter Schneide, die neun scharfe Zähne trägt. Ki'anum. Die beiden folgenden Arten weichen in manchen Charakteren von den bisher betrachteten Arten der Gattung Laevilitorina ab, schließen sich jedoch hier besser als irgendwo anders an. Laevilitonna p'ainiiii 7'//r. (Taf. 1, Fig. 10.) — Testa fossato- Laoviiitorina rimata, ovata, tenuis, periostraco luteo, membranaceo, apicc obtuso; ])allido Cornea, longitudinaliter tenuissime (nou nisi sub microscopio conspicue) striolata, lineis nonnullis longo distantibus spiralibus obscurissime cingulata; anfractus 4, convexiusculi, sutura paulum coarctati; ultimus paulum inflatus; apertura ovalis, dimidiam testae longitudinem paulo superans; coluraella libera, recta, angustissima, superne dilatata, reflexa, dimidiam parictis aperturalis partem occupans; callus conspicuus; peristoma interruptum, subtus expansinsculum; fauces corneae. Long. 1,6 mm. Schale mit grubenförmigem Nabelritz, eifr>rmig, dünn, mit häutiger, etwas abblätternder, lehmfarbigen Schalenhaut, mit stumpfem Apex, hell, hornfarben, unter dem Mikroscop sehr fein längsgestreift, von einigen weit von einander abstehenden Spirallinien ganz undeutlich uiiibilicata 88 Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. umzogen. Uingänge 4, etwas convex. durch die Naht mäßig eingezogen. Letzter Umgang etwas aufgebUiht; Mündung oval, von etwas über hal])er Schalenhöhe. Columelle in ilirem freiem Verlaufe grade, sehr schmal, oben verbreitert, zurückgeschlagen, etwa über die lialljc Mündungswand reichend. Callus schwach, aber bemerk1)ar. Peristom unterbrochen, unten etwas ausgebreitet; Mündung innen hornbraun. Von dieser Art liegt nur ein erwachsenes Stück mit an- gebrochenem Mundrande und auCjerdem ein junges, nicht ganz sicher hieher zu roclinendes Stück vor; für die Möglichkeit, daü auch das groTsc Exemplar nicht ausgewachsen und als junges Stück zu einer der oben behandelten Arten zu rechnen sei, ist weder in den morphologischen Merkmalen, noch im Verhältnis der (iröüe zur Windungszahl ein Grund zu finden. Laoviiitorina Laevililoi'iiia inubilicata Pffr. (Taf. 1, Fig. 12.) — Testa ovato-turrita, ampliter fossato-rimata, tenuis, sordide olivaceo- ochracea, cuticula tenuissima, laevi induta; sculptura longitudinalis non conspicua, plica obtuse carinaeformi suturali, altera tonuiore in mediis anfractibus; ajüce obtnsiusculo; anfractus '), convexi, sniuia fortiter coarctati, ultimus altus, niediocriter dihitatns. Apertura "'/'.i testae longitudinis occupans, obtuse ovata, recta; peristoma continuum, niargo externus acutus, columellaris angustissimus, siirsum vix dilatatus, in- trorsum valde conversus, fortiter dextorsum obli(^uus, leviter arcuatus ; fauces pallide fuscae. Long. .S mm. Schale getürmt eiförmig, mit weiter Nal)elgrube, die gegen die letzte Windung zu sich scharf absetzt, dünn, schmutzig oliven-gelbbraun, mit ganz schwachen Andeutungen von bräunlichen S]jirall)ändern, mit der typischen glatten Schalenhaut der Gattung, ohne wahrnehmbare Längsskulptur, dagegen mit einem gürtelförmigen stumpfen Kiel auf der letzten Windung in der Fortsetzung der Naht und einem schwächeren, der auf der Mitte der einzelnen Lhngängc verläuft. Der Apex ist etwas stumpf. Windungen 5, convex, durch die tiefeinschneidende Naht getrennt, die letzte Windung ist zwar hoch, al)er wenig stark in die Breite entwickelt. Mündung von *h Schalenhöhe, grade auf- recht, stumpf eiförmig, diM- obere Winkel etwa ein rechter. Peristom zusammenhängend, der Außenrand scharf, der Columellarrand sehr schmal, in schwachem Bogen oder schräge na.ch rechts aufsteigend, (d)en in der Aufsielit durchaus nicht verbreitert; sieht man jedoch seitlich in die Mündung hinein, so kann man eine, wenn auch schwache Verbreiterung bemerken; der Innenrand des Columellarrandes ist kräftig nach innen gt'drtht. Mündung iniuMi hellbraun. Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 89 Gattung Lacunella Dali Proc. Uuit. Stat. Nat. Mus, VII, p. 344, pl. 2, f. 1 —3. Schale niedergedrückt, Helix-artig, schwach verkalkt, chitinig, genabelt. Mundsaiim nicht continuierlich, scharf; Columelle zum größton Teil frei stehend, umgeschlagen. Deckel chitinig, mit wenigen Windungen; Nucleus stark excentrisch. Radula sehr lang im Ver- hältnis zur Breite, Litoriuen-artig, mit dreispitziger Schneide der Mittel- und Zwischenplatte, mit accessorischem Innenzacken an der ersten und starker Zähnelung an der zweiten Seiteuplatte. Die nachstehend beschriebene Art unterscheidet sich in den Verhältnissen des Nabels und der Cohimelle einigermaßen von der L. rellexa Dali (von den Pribilotf-Inseln und Aleuteu), kann aber immerhin der Gattung Lacunella zugewiesen werden. Lacimella aiitarctica Mrts. (Taf. 2, Fig. 1 a— f.) — Lacuna antarctica Martens, Sitzungsber. Ges. Nat. Fr. 1885, S. 92. — Litorina pumilio Smith, Id. ibid. — Testa subdepresse-globosa, tenuis, chitinosa, ampliter excavato-umbilicata, teuuiter et subirregulariter longitudiualiter striatula, lineis spiralibus undiqueindistincte et subirregulariter tenuissime striata, castaneo-fusca vel fusca, nitidula; spira brevi, obtusa; anfractus 3, sutura sat profunda discreti; ultimus rotundatus, umbilico infundibuli- formi, sat lato, longitudiualiter rugoso-striato; apertura obtuse semi- lunaris vel oblique ovata, superne acutangularis, subtus rotundata, marginibus approximatis, callo tenui juuctis, externo tenui, columellari subrecto, acuto, superne dilatato; fauces splendide fuscae, leviter violascente-albo-margaritacae. Diam. 6,8; alt. G,5; apert. long. 4,9; lat. 3,5 mm. Schale mehr weniger niedergedrückt kuglig, von der allgemeinen Ansicht einer Natica, dünn, chitinig, mit weitem, völlig durchgehendem Nabel versehen, der sich von der Basis des letzten Umganges in einer weit geschwungenen, unten auf den Basalrand der Mündung stoßenden Kante absetzt. Längs- und Spiral-Strichelung ist in feiner, unregelmäßiger Weise ausgebildet. Farbe in allen Schattierungen zwischen dunkel kastanienbraun und hell gelbbraun mit rötlichem Hauch. Schale etwas glänzend, manchmal schwach seidenglänzend, manchmal fettglänzend. Gewinde, wenn auch in verschiedenem Grade, so doch stets niedrig, kuppenförmig. Umgänge 3, durch ziemlich tiefe Naht getrennt, der letzte gerundet. Mündung stumpf halbmondförmig oder schief eiförmig, oben mit Winkel, unten stark gerundet. Außen- und Spiudelrand an der Müudungswand sind durch einen dünnen 7 Gattung Lacunella. Lacunella antarctica. 90 Efluard v. Maitens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Calliis verbunden; der erstere ist dünn, der Columellarrand steigt ziemlich grade auf und ist oben etwas nach rechts (Fig. 1 d), aber auch nach links (Fig. 1 a, b) gewandt; er ist gnnz scharfraiidig und schlügt sich am Nabel etwas herum. Das Innere der Mündung ist ganz besonders glänzend braun, mit einer dünnen, oberflächlichen, violettweißlichen Perlmutterschicht bedeckt. Der Laich von L. antarctica liegt platt auf Tangblättern als ein einschichtiger, flacher, ovaler, etwa 5 mm langer und 2Vi — 4 mm breiter Haufe von 20 — 30 Eikapseln, welche hart an einander gedrängt sind, so daß die innen liegenden von fünf oder sechs graden Linien begrenzt sind, während die am I»ande des Eihaufens liegenden Kapseln gebogene Außenränder haben, die aber, wo sie sich mit ihren Nachbaren berühren, abgeplattet sind. Die Zwischenwände der Eikapseln er- scheinen einfach, vom Habitus erstarrter Gallerte; die Eikapseln selber erscheinen wegen ihres Lihaltes opak gelblichweiß. Die am Rande liegenden Eier messen etwa 1 mm, die inneren sind viel kleiner. In einem Laichhaufen befanden sich zum Ausschlüpfen reife Embryonen von hell rotbrauner Farbe und IV2 Windungen; ferner liegen alle Stadien bis zum erwachsenen Tiere vor. Da v. Martens bei der ersten Bearbeitung nicht die ununterbrochene Reihe zur Ver- fügung stand, so hielt er die ihm vorliegenden jungen Tiere eines bestimmten Stadiums für eine besondere Art und identifizierte sie mit L. (Hydrobia) pumilio Smith; sie ist jedoch bei derselben Windungs- zahl doppelt so groß wie die Smith'sche Art. Ebenso möchte ich auch annehmen, daß die Smith'sche Hydrobia pumilio nicht eine be- sondere Art, sondern eine junge Litorinide ist. Herr G. SdiacJw hat die Radula und den Kiefer eines Stückes untersucht und gibt davon folgende Beschreilning: Die Radula ist 3,2 mm lang, 0,09 mm breit und zeigt 114 Querreiheu. Die sechseckige Mittelplatte (Taf. 3, Fig. 13 a) ist oben an den Seitenecken der Schneide mit kleinen ohrförmigen Vorsprüngen ver- sehen; die Schneide ist ein kurzer, die ganze Breite des Halshakens einnehmender Nagel. Der Halshaken wird oben durch die Stütz- Lamelle mäßig eingeschnürt. Die Basalplatte ist unten schmaler als oben beim Halshakeu. Breite der Platte in der Mitte 0,024, am unteren Ende 0,02, an der Schneide 0,021 ; Länge der Mittelplatte 0,027; Ein- schnürung am Halse der Stützlamelle 0,011; Breite des Nagels 0,014, Länge 0,004; Breite und Länge der Ausläufer der Seitenlamellen unten an der Basalplatte 0,0025 mm. Eduard v. Marteus und Georg Pfefler, Mollusken von Süd-Georgien. 9] Die Zwischeuplatte (Taf. 3, Fig. 13 b, b^) entwickelt einen recht breiten, fast viereckigen Zahnhaken. Die Figur b^ ist von einer ein wenig zurückgebogenen Lage gezeichnet, um die Basal- Verhältnisse deutliclier zu zeigen und erinnert genau an Litorina obtusata. Sie trägt nur drei gut und stark ausgebildete Hakenzcähne an ihrer Schneide. Länge der Platte 0,047; Breite der Schneide 0,026; Breite der Platte an der Basis 0,018; Breite des größeren Hakenzahnes 0,013, Länge 0,008; Breite des nach der Medianen der Zunge zu liegenden kleinen Hakens 0,007, Länge 0,003. Der äußere kleine Zahn ist ziemlich breit ausgezogen und kürzer als der andere. Die innere Seitenplatte (Taf. 3, Fig. 13 c) ist schmal und lang; die im Verhältnis sehr breite Halspartie besitzt an der Schneide vier Zähne, von denen die der Mittellinie der Zunge zugewandten beiden stark entwickelt sind ; dann folgt der große, viereckige Haupt- hakennagel und schließlich ein schwach entwickelter. Länge der Platte 0,045; Breite an der Schneide 0,025, an der Basis 0,009; Breite und Länge des Hauptnagcls 0,015; der erste der inneren Neben- nägel 0,004 breit, 0,00fi lang; der zweite 0,0025 breit, 0,004 lang; der äußere Nebennagel ist sein- klein. Die äußere Seitenplatte zeigt zahlreiche Zähne. Länge 0,043; Breite der Schneide 0,021; Breite der Platte 0,012 mm. Die Zähne nehmen von innen nach außen an Größe ab; der erste größte ist 0,003 breit und 0,002 mm lang; der letzte kleinste 0,0015 mm breit und lang. Voni Kiefer konnten nur einige langstreckige Form - Elemente von ungleicher Gestalt und Größe und unregelmäßiger Gruppierung gewonnen werden. Hydi'obia geoi-giaiia Pffr. (Taf. 2, Fig. 2.) — Testa ovata, apice Hydrobia obtusiusculo, fortiter rimata, griseo-alba, calcarea, sub cuticula griseä, geoi'giaua. tenui, non sculptä verticaliter regulariter tenuiter plicata; anfractus 4lente accrescentes, leviter convexi, suturä leviter coarctati, ultimus altissimus, non inflatus ; apertura latiuscule piriformis, superne subangularis, 'Vt fere testae longitudinis occupans; peristoma simplex, acutum, contiuuum, extrorsum et infra leviter expansum, angulus aperturalis leviter auritus, margo inferior fortius curvatus quam exterior, subtus paululum pro- tractus, columella angustissima, reflexa, subtus subrecta, superne parieti columellari appressa. Long. 2; apert. long. 1 mm. Schale eiförmig mit stumpfer Spitze, stark geritzt, dünn, fein und ziemlich regelmäßig faltig längsgestreift , mit einer graulichen, dünnen, unskulpierten Schalenhaut ganz bedeckt. 4 langsam zunehmende Umgänge von schwacher Convexität, die von der Naht nicht allzu sehr 7* 92 Eduard v. Härtens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. eingeschnürt werden. Der letzte ist sehr hoch, aber nicht aufgeblasen. Mündung dick birnförmig, von etwa Vv der Schalenlänge, oben mit einem rundlichen Winkel. Peristom einfach, scharf, zusammenhängend, nach Muüen und unten etwas erweitert, der obere Winkel etwas geöhrt; der untere Rand stärker gebogen als der äuüere, ein ganz klein wenig nach unten vorgezogen. Columelle sehr schmal, zurückgeschlagen, in ihrem freien Verlauf ziemlich grade und senkrecht, oben über die ganze Columellar-Wand hinweg angepreßt. Long. 2 ; apert. long. 1 mm. Da von der vorliegenden Art nur ein einziges Exemplar ohne Deckel tot gesammelt worden ist, so kann die systematische Stellung nicht endgültig festgestellt werden. Da die Schale ihrem ganzen Habitus nach zu den Rissoiden gehört, so findet sie wegen der Aus- bildung der Cuticula ihren Platz am besten in der Gattung Hydrobia. Rissoa grisea. Rissoa grlsea Mrts. (Taf. 2, Fig. 4.) — v. Martens 1. c. p. 02. — Testa rotundato-conica, sendpellucida, spiratim cingulata, cingulis latioribus, interstitiis striaeformibus, rufescente-grisea, versus aperturam albida, vestigiis cuticulae caducae membrauaceae cinereae magnam partem tecta; anfr. 4 convexi, sutura sat profunda discreti, ultimus rotundatus ; apertura dimidiam partem totius longitudinis occupans, subverticalis, subcircularis , intus vivide aureo- Cornea, peristoma versus alba, peristomate supra prope rectangulari, undique incrassato. Long. 2V4; diam IV2; apert. 1 mm. Schale gerundet -keglig, halb durchsichtig, spiral gereift, die Reifen breit, die Zwischenräume strichförmig, rötlich -grau, nach der Mündung zu weißlich, großenteils mit den Überbleibseln der hinfälligen membranösen grauen Schalenhaut bedeckt; 4 convexe, durch ziemlich tiefe Naht getrennte Umgänge, der letzte gerundet. Mündung von halber Schalenhöhe, ziemlich senkrecht gestellt, von annähernd kreis- förmigem Umriß; dadurch übrigens, daß der Außenrand nach Art der Rissoen stark vorgezogen ist, erscheint die Mündung in der Aufsicht nicht so rund, als sie in Wirklichkeit ist. Sie ist innen glänzend goldig -hornfarben, nach dem Mundrand zu weiß. Derselbe ist überall verdickt und setzt sich oben fast in einem rechten Winkel von der Mündungswand ab. 1 Stück. Rissoa Rissoa georg-iana P//V. (Taf. 2, Fig. 8.) — Testa ovato-conica vel eovgiana. acuminato-ovata, apice obtusiusculo, albida, niteus, glabra vel verticaliter (non uisi sub microscopio conspicue) striolata, periostraco tenui caduco Eduard v. Marteus und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 93 pallide cinereo-stramineo induta, imperforata ; anfractiis 4 — 5, lente accrescentes, leviter convexi. siitura obliqua parum coarctati, lütimiis altus, non inflatus, inferne aliqiiautiim protractus; apertura obliqua, ovalis vel late piriformis, superne angulata, ^li — V9 testae longitudiuis occupans; peristoma simplex, acutum, continuiim, paullulum solutum, medio et infra protractum, subtus paullulum expansum ; margines et exterior et inferior aequaliter et fortiter arcuati; columella libera obliqua, in- ferne latior quam superne, margo columellaris appressus fere rectus vel leviter arcuatus. Operculum corneum Rissoarum typicum, l'/2 an- fractuum, nucleo in Septem longitudinis partium inferiore tertia sito, lateri interiori paullulum approximato , margine interiore leviter et regulariter arcuato. Long. 2,4 — 2,8 mm. Schale konisch oder zugespitzt -eiförmig, mit etwas stumpfer Spitze, weißlich, glänzend, glatt oder mit mikroskopischer, ziemlich enger und unregelmäßiger Längsstrichelung, mit dünner, hinfälliger strohgrauer Schalenhaut, undurchbohrt. Umgänge 4 — 5, langsam wachsend, schwach convex, Naht etwas schief. Der letzte Umgang ist nicht aufgeblasen, unten etwas vorgezogen nach Art der meisten Rissoen. Mündung schief, oval oder l)reit birnförmig, mit einem stumpf gerundeten oder bestimmt eckigen Winkel in der oberen Ecke, "Vt — */» der Schalenhöhe gleichkommend. Peristom einfach, scharf- randig, zusammenhängend, etwas von der Schale losgelöst, in der Mitte des Außenrandes und am Unterrande etwas vorgezogen; an der letzteren Stelle ist die Mündung auch etwas erweitert. Der freie Teil der Columelle ist unten breiter als oben , steigt in verschiedener Schrägheit gegen die Mündungswand auf und geht in Folge dessen ziemlich allmählich (wie es die Abbildung zeigt) oder stumpfwinklig sich absetzend in die Mündungswand über. Wo die Innenwand des Mundsaums sich als angedrückte Lamelle über die Mündungswand legt, ist er in sich grade oder schwach gebogen. Der Deckel ist ein ganz typischer Rissoendeckel von 1 '/a Umgängen, mit dem Nucleus im dritten unteren Siebentel der Länge, etwas mehr nach dem Innenrande zu liegend; sein Innenrand ist leicht und regelmäßig gebogen. Von dieser Art liegen über ein halbes Dutzend Exemplare vor, die im Tang sich vorfanden. Ich glaubte zuerst mehrere Arten vor mir zu haben und die Stelle p. 93 in Prof. v. Härtens vorläutiger Mitteilung zeigt, daß auch dieser die gleiche Meinung gehabt hat; ich bin jedoch nach eingehenderem Studium davon zurückgekommen und möchte nur eine gedrungenere und eine schlankere Form der Art annehmen, die durch Übergänge verbunden sind. 94 Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Gattung Gattung Eatoniella Ball. Eatoiiiella. Bull. Unit. Stat. Nat. Mus. III, 1876, p. 12. — Smith 1. c. p. 174. Schale Rissoen-artig, liocli gewundeu mit uulüig vielen Umgängen, dunkel gefärbt, ohne ausgeprägte Skulptur. Mundsatini nicht verdickt, nicht zusammenhängend ; die breite, i)latte Columelle ist vom oberen INIündungs- Eck durch ein Stück Mündungswand getrennt; nach dem Innern der Mündung zu erstreckt sich eine die Columelle fortsetzende Verdickung bis zur Naht. Deckel mit starkem, vom Nucleus ausgehen- den, rechtwinklig empor stehenden Fortsatz. An der Radula die Schneide der Mittel- und Zwischenplatten mit accessorischen Zahnspitzen, erste Seitenplatte dreispitzig, zweite vielspitzig. Diese im vorigen gekennzeichnete Gattung ist wahrscheinlich Eatoniella Dali; ich habe sie deshalb mit diesem Namen benannt, ohne freilich überzeugt zu sein, dal.i dies dem Sachverhalte durchaus entspricht; vor allen Dingen paüt Schilderung wie Abbildung des von ISmitli als „zusammenhängend" gekennzeichneten Mundsaumes nicht auf die vorliegenden Exemplare. Die Gattung gehört, wie auch schon von anderer Seite bemerkt ist, der Radula und mancher Schaleneigentüm- lichkeiten nach zur Familie der Rissoiden und hier wegen des Fort- satzes am Deckel zur Unterfamilie der Rissoininen ; eine etwas isolierte Stellung in der Gruppe nimmt sie vorläufig dadurch ein, daß die erste Seitenplatte nur drei Zähne hat, während sie sonst nach dem Typus der zweiten Seitenplatte gebildet ist. Eatoniella Eatoiiieilji kergiieleiieiisls E. Ä. SmifJi. (Taf. 3, Fig. 5 a, b.) — kerguelenensis. ^^^^ N. H. XVI (1875) p. 70 — Düll 1. C. — V. MürteUS 1. C. ]). 03. — Testa ovato-conica, solida, nigra, nitescens, longitudinaliter tenuiter et dense striatula, spiraliter (in fauce tantum conspicue) regu- lariter et densissime striata; cuticula tenuissima, iusculpta, decidua, cinerascente vestita; rimata; anfr. 5, convexi, sutura simplici impressa sejuncti; ultimus versus aperturam iufra et extra exi)ansus, apertura subcircularis, superue subaugularis, '/2 fere totius testae longitudinis occupans; peristoma leviter expansum, acutum, regulariter arcuatum; columella totam fere parietem columellarem obtegens, perobliqua, reßexa, sursum angustior, infra latior, deorsum latiuscule effusa, margo columelbie exterior subrectus, cum supero et iufero peristomatis mar- gine angulum formans; callus aperturalis miuimus, tenuis; apertura intus margaritacea, cyaneo-alba. Long. 3 mm; diam maj. 1,8 mm. Schale konisch -eiförmig, fest, glänzend schwarz, dicht und schwach längsgestreift; von der Innenseite der Mündung aus sieht Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken vou Süd-Georgien. 95 man ein sehr regelmäßiges, feines und dichtes System abwechselnd heller und dunkler Struktur-Streifen ; hei ganz wenigen Stücken, deren Embryonal-Windungen völlig erhalten sind, kann man daran eine etAvas körnige Beschaffenheit der Schalen - Oberfläche wahrnehmen. Die Schaleuhaut ist dünn, skulpturlos, hinfällig, fast farblos, so daß die Farbe der Schale als aschgrau hindurch scheint. Meist findet sich eil] ziemlich schmaler Nabelritz, zuweilen erweitert er sich zu einer wirklichen, ziemlich breiten Grube, manchmal verschwindet er fast ganz. Umgänge 5, convex. Naht einfach, eingedrückt. Der letzte Umgang erweitert sich nach der Mündung zu allmählich nach außen wie nach unten (schwächer nach oben), so daß nach diesen Richtungen hin eine Art Umschlag gebildet Avird, der sich jedoch nicht iu wahr- nehmbarem Winkel von der übrigen Windung absetzt. Die Mündung ist im allgemeinen kreisförmig, nach oben stoßen die begrenzenden Linien in einem Winkel zusammen; sie mißt fast die Hälfte der Schaleu- höhe. Der Mundsaum ist in Folge der oben ausgeführten Bildung des letzten Umganges etwas ausgebreitet, scharfrandig, regelmäßig gebogen. Die Columelle schlägt sich zurück und legt sich im Grunde der Mündung über die ganze Mündungswand; vorn läßt sie oben eine kleine P^cke frei, die von einem dünnen, glänzenden Callus bedeckt ist. Die Columelle schließt sich au ihrem unteren Teile der Bildung des Mundraudes an und beteiligt sich etwas an der Lippenbildung; sie steht sehr schief, ist im allgemeinen abgeflacht, unten breiter als oben ; ihr Außenrand ist im allgemeinen gradlinig. Das Innere der Mündnng ist perlmuttrig bläulichweiß, die Columelle etwas reiner weiß. Es fanden sich etwa zAvei Dutzend Stück vor, welche meist von Hydroiden-Wurzeln abgelesen wurden. Herr Schacko hat Kiefer und Zunge der Art untersucht und be- schreibt den Verhalt folgendermaßen: Der Kiefer besteht aus zwei abgerundeten, dreieckigen oder spitz ovalen Platten. Die oberen Teile der Platten sind durchsichtig, und es finden sich daselbst keine Schuppen oder dachziegelförmige Plättchen ; am freien Rande jedoch trägt jede Kieferplatte sieben Reihen derartiger Elemente, deren letzte Reihe nur die halbe Länge der vorliegenden erreicht. Die Reihe enthält etwa je 28 dachziegelartig an einander gereihte kleine Plättchen-Elemente, die letzte Reihe 18. Diese trapezförmigen Plättchen sind an allen vier Ecken etwas abgestutzt oder abgerundet, der Länge nach wenig ge- krümmt und nach der Außenseite zu stark verdickt. Jede Kieferplatte ist 0,87 mm lang und 0,36 mm breit; die größeren Elemente erreichen eine Länge von 0,008 mm und 0,003 mm Breite, die Farbe des Kiefers ist hell schwefelgelb. 96 Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Die Kadula (Tufel 3, Fig. 14) zeigte (18 Reihen, ist 1,5 mm laug und 0,099 mm breit. Die Mittelplatte ist von fast viereckiger Gestalt und nimmt nur wenig nach der Basaljilatte hin /u. Der Hinter- rand der letzteren ist schwach gekrümmt und bihlet einen breiten Lappen; zu jeder Seite findet sich ein tiefer Einschnitt, der die Ecke der Basalplatte als einen besonderen Lappen abtrennt, der jedoch mehr als Zahnvorspriing betrachtet werden kann, während sicli aber- mals nach dem Mittellappen zu ein schwaches Zähnchen abzweigt. — Die Schneide hat 7 Zahnliaken, wovon die beiden äußersten nur schwer zu erkennen sind, da sie zum Teil von dem daneben liegenden größeren Zahn verdeckt werden. Breite der Platte an der Schneide 0,018 mm, au der Basis 0,023; Länge und Breite des Mittellappeus an der Basis 0,007, Länge des grösseren seitlichen Lamellenlappen mit der Zahnbildung 0,009, Breite des Mittelhakeus 0,005, Länge 0,003, der kleine Nebenhaken 0,002 mm breit und etwas länger. — Die Zwischenplatte hat ganz die Form derer von Barleeia rubra; sie bildet einen Rhombus, dessen äußere Hinterecke zu einem nicht gerade langen Stiel aus- gezogen und dessen andere Ecken vollständig abgerundet sind. Die Schneiile hat 5 Zähne, von denen der mittelste der größte und breiteste ist. Länge der Zwischenplatte 0,039, Breite 0,01; Breite der Schneide 0,023; Breite und Länge des großen Zahnhakens 0,005; Breite der kleinen Zahnhaken 0,003, Länge 0,002 mm. — Die innere Seitenplatte ist langgestreckt und schmal, hat 5 große Zähne an der Schneide und zeigt hierdurch, daß sie bestimmt zu Rissoina neigt, während bei Rissoa die Schneide mit einer großen Zahl von Zähnen besetzt ist. Länge der Platte 0,04 mm, Breite 0,07; Länge des großen Zalmhakens 0,013, Breite 0,008 mm; Breite des Nebenhakens 0,005, Länge 0,005 mm. — Die äußere Seitenplatte hat dieselbe Länge wie die innere Seitenplatte, jedoch eine größere Breite und ein schart ausgeprägtes Basalende, und ist am Halse oder da, wo sich die Schneide anfügt, stark eingeschnürt. Die Schneide trägt nur 7 sehr spitze Zähne. Länge der Platte 0,04 mm, Breite 0,009; Breite an der Hals- einschnürung 0,003, Breite der Schneide 0,015 mm. Gattung Gattung Skenella Pffr gen. nov. Rissoininarnm. Skenella. Schale niedergedrückt, genabelt. Peristom einfach, zusammen- hängend. Deckel subspiral mit großem, senkrecht vom Nucleus auf- steigenden Fortsatz. Die neue Gattung, die wegen der Bildung des Deckels ihren Platz in der Nähe von Pissoina und Eatoniella zu linden hat, Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Molluskeu von Süd-Georgi«n. 97 vertritt wegen ihrer Gestalt in der Unterfarailie der Rissoininen die Gattung Skenea, was ich in dem Namen der neuen Gattung habe ausdrücken wollen. Skenella geori^'iaiia Pjfr. (Taf. 2, Fig. G a, b.) — Skenea cf sub- sk.moiia canaliculata E. A. Sm. E. v. Martens 1. c. p. 92. — Testa depresso- ^"-"^sriua. conice discoidea, Lacunarum modo undjilicata, longitudinaliter (uon uisi sub microscopio conspicue) tenuissime et irregulariter plicato-striolata, griseo-fusca; aufractus ?â– >, rotundati, sutura profunda discreti; apertura obtuse semicircularis, margines et exterior et inferior fortissime arcuati, margo columellaris rectus, interne liber, superne anfractui ultimo appressus; columella plana, e.xtrorsum torta; peristoma simplex, acutum, continuum; margo inferior versus columellam ascendens, paulum patulus; apertura intus nitens, vivide cornea. Operculum ovatum, exceutricum, subspiratum, 1 Vj anfractum; nucleus submarginalis, processu semifalciformi, sursuni dilatato, com- presso. Long. 1,49; apert. lat. 0,59 mm. Schale etwa von der Gestalt der Valvata macrostoma, mit niedrigem Gewinde und scheibenförmiger Basis, genabelt, der Nabel von einer schwachen, an die der Gattung Lacuna erinnernden Kante umzogen, unter dem Mikroskop i'ein und unregelmäßig faltig-gestrichelt, graubraun. 3 regelmäüig gerundete Un)gänge. Naht tief. Mündung aufgeblasen, halbkreisförmig. Außen- und Basalrand. sehr stark ge- bogen, Cokimellarrand grade, unten frei, oben der letzten Windung ardiegend. Columelle platt, nach außen gewandt. Mundrand zusammen- hängend, scharf, einfach; der Innenrand da, wo er gegen die Columelle ansteigt, sich etwas nach außen umschlagend. Mündung innen glänzend hornfarbig. Deckel von eiförmigem Umriß, excentrisch, subspiral, mit l'/2 Umgängen. Der Nucleus submarginal, mit einem halbsichel- förmigen, nach oben verbreiterten, zusammengedrückten Fortsatz. Die ganze Schale ist dicht besetzt mit ovalen, in der Mitte durch einen breiten Längsstrich geteilten, ganz Üachen Körperchen, von denen, so lange die Schale feucht ist, nur die Umrisse zu sehen sind; beim Antrocknen der Schale werden sie rein und kalkig weiß. In diesem Zustande machen sie den Eindruck einer von der Bauch- seite gesehenen Cypraea. Dieser als Laich zu bezeichnende Überzug gehört wohl kaum zu einem Mollusk. Cerithium g-eorgiaimm Pffr. (Taf. 2, Fig. 7.) — Testa turrita, cerithium tenuicula, albo - ilavescens, maculis fulvescentibus minutis paucis irre- georgianu gulariter sparsa, cuticula pallide flavida, plicis distautibus longitudinahbus m. 98 Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Geoi'gien. tenuissimis ; spira seiisim acuminata, ajiice obtusiiisculo ; anfractus 7, convexi, siipra decliviter applanatis, tricingulati, cingulo subsutiinili teuiii, dnobus sequeiitibus lortissiinis, sub-applanatis, iiiterstitium subaecpian- tibus; sutiira teiiuissima, parum obliqua; anfractus ultinius basi leviter concavns, q ii ad ricingu latus, interstitiis ciiigula latitudine superantibus, cingulo peripherico lineisque duabus basalibus accedeutibus; apertura piriformis, superne rotundata, infra canaliculata; caualis rectus, curtus, non eniargiuatus. Loug. 5; diam. inaj. 2; apert. long. 1,4 mm. Schale getürmt, von schlanker Cerithium- Gestalt, etwas dünn- schalig, weißgel blich (wegen der Schalenhaut, welche die ganze Schale bedeckt), mit wenig zahlreichen, kleinen rötlichen, zerstreuten l'lecken unregelmäßig gezeichnet. Schalenhaut hellgelblich, mit feinen, entfernt stehenden Längsfalten. Die Spira verjüngt sich allmählich, der Wirbel ist etwas stumpf. Umgänge 7, convex, an der Naht schief abgeplattet, die beiden obersten glatt, die andern mit 3 Spiralreifen versehen, deren oberster, unter der Naht verlaufender sehr dünn ist, während die andern beiden sehr stark., etwas abgeplattet und fast so breit wie der Zwischenraum zwischen ihnen sind. Auf der letzten Windung kommt noch ein in der Fortsetzung der Naht verlaufender Reifen dazu; hier stehen die Reifen in Abständen, die viel breiter sind als die Reifen. Außerdem kommen noch auf der etwas concaven Basis des letzten Umganges zwei schwache, streifenartige Reifen hinzu. Die Mündung ist birnförmig, oben gerundet, unten mit Canal versehen. Canal grade, kurz, nicht ausgerandet. 1 Stück zwischen Hydroiden- Wurzeln ? Liostoniia ? Liosfoiiiia ^eorft'ijiiia Pjfr. (Taf. 2, Fig. 9.) — Testa imper- forata, oblongo- conica, albida, longitudinaliter tenuissime dense et regulariter (non nisi sub microscopio conspicue) striata, cuticula straminea induta; anfractus 5V2, leviter convexi, lente accrescentes, sutura subprofunda; ultimus non inflatus; apertura % longitudinis testae superans, subrecta, ovata, deorsum fortiter producta; columella flexa, iutima pars libera, media pars reflexa, appressa, supera pars in faucem testae reversa, super parietem columellarem instar calli filiformis usque ad suturam continuata; peristoma simplex, acutum, disjunctum, callo inter margines disjunctos omnino deficiente. Operculum subspirale, margine interiore leviter et regulariter arcuato. Long. 2,3 mm. Schale undurchbohrt, länglich-kegelförmig, weißlich; unter dem Mikroskop gesehen sehr fein, dicht und regelmäßig gestreift, mit einer gcorgiHiia. Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 99 dünnen, strohfarbenen Cuticula bekleidet. Die MundöfFnung ist etwas mehr als 7. der Gesamtlänge der Schale, ziemlich grade, eiförmig, nach unten kräftig ausgezogen. Die Columelle zeigt zwei Knickstellen; der unterste Teil, der neben der ausgezogenen Partie der Mündung liegt, ist i'rei, nicht umgeschlagen; der mittlere Teil ist zurück- geschlagen und angepreßt; der oberste Teil wendet sich als faden- förmiger Callus nach innen in den Schlund der Mündung hinein und reicht, schräg über die Mündungswand hinweg verlaufend, bis zur Naht, ein gut Stück vom Munclrande entfernt. Das Peristora ist einfach, scharf, unverbunden , der Callus zwischen den Rändern fehlt. Der Wirbel der Schnecke ist derart angefressen, daß ich nicht zu sagen vermag, ob die Schnecke wirklich in die Familie der Pyrami- delliden gehört. Nimmt man dies jedoch an, so hat sie ihren Platz in der /SVfrsschen Gattung Liostomia (G. 0. Sars, Moll. reg. arct. Norveg. p. 205 ff.) zu finden. Ein Stück, ziemlich schlecht, mit Schlamm und den oben bei Mangelia antartica Pß'r beschriebenen schwarzen Körpern überzogen. Gattung Streptocionella Pffr nov. gen. Gattung Strejitocionella. Schale klein, hochgewunden, mit dünner Schalenhaut. Mund- saum nicht zusammenhängend. Columelle gedreht, etwa nach Art der Gattung Volutaxis (Sfrebel u. Pfeffer, Mexic. Conch. Heft V) gebildet. Um die Nabelgegend herum eine an Lacuna-artige Formen erinnernde Grube. Es wird mir nicht leicht, auf ein einziges Stück hin, dessen Spitze nicht einmal erhalten ist, eine neue Gattung aufzustellen, doch ist die Bildung der Columelle bei der vorliegenden Art eine so eigen- tümliche, daß ich sie keiner mir bekannten Gattung einzureihen vermag. Strepiocioiielhi sing-iiltiris i^r. (Taf. 2, Fig. 8.) — Testa ovato- streptodoneiia turrita, tenuis, parum calcarea, chitinosa, pallide fulvescens, sculptura inconspicua; spira elevata, apice?; anfr. (?) 5 couvexi, sutura pero- bliqua profunda sejuncti, ultimus niagnus, rotundatus, apertura Vs testae longitudinis occupans, quadrato-circularis, marginibus et ex- teriore et inferiore regulariter circularibus, columellari angusto, reflexo, subapplanato, leviter S-formi, paene marginem exteriorem attingente; fossa columellaris jiarum profunda, levissime marginata; peristoma chitinosum, aperturam instar membranae subpatulae circumdans, non continuum. Long. 3,8 mm. Schale etwas getürmt, dünn, schwach kalkig, meist chitinig, gelbbraun, ohne wahrnehmbare Skulptur. Spira hoch. Der Apex ist 100 V. Eduard Mavtens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. von einer Kalkalge überzogen , deshalb ist auch die Zahl der Windungen nicht genau festzustellen. Die Windungen sind convex, durch eine sehr schiefe, scharfe Naht ziemlich stark eingezogen; gegen die Mündung zu schneidet die Naht ganz außerordentlich tief ein. Die letzte Windung ist groß, gerundet. Mündung fast von V^ der (Jesamthöhe der Schale, ungefähr viereckig- kreisförmig, der Außen- und Basahand regelmäßig kreisförmig; die Columelle schmal, etwas zurückgebogen, aber nicht angepreßt, etwas flach, gedreht, schwach S-förmig, fast bis zum oberen Eck des Außenrandes reichend. Die um die Nabelgegend ziehende Grube ist flach, nicht durch eine scharfe Kante begrenzt. Das Peristom ist nicht zusammenhängend; es ist als ein chitiniger, den kalkigen Mund säum überragender, etwas geöffneter, breiter Saum entwickelt, der, immer schmaler werdend, auch am Außenrande dtr Columelle liegt. 1 Stück, tot zwischen Hydroiden- Wurzeln gefunden. Min-garita MargaHta (Plioliniila) e\\mni>n Soiccrby. (Taf. 2, Fig. 10a— d.) — (Photinuia) Qqj^pIj IWiistY. flg. 16 u. 17. — Margarita HiUii Forbes, Proc. Zool. cxpansa. " ° Soc. IcSöO, p. 273, pl. 11, fig. 10. — E. A. Smith 1. c. p. 177. — V. Martens 1. c. p. 03. — Testa late turbinata, subheliciformis, solida, l)alli(le violascente - carnea vel subiridescente-livida vel iridescente- violascente-viridis, laevigata, striis incrementi levissimis, apice sub- globoso, spira obtusa, parva, depressa; anfr. 4— 4' 2 convexiusculi, ad suturam subappressi, infra suturam paullulum applanato-excavati, ultinius maximus, aperturam versus descendens, basi excavata, umbilico obtecto; apertura perobliqua, diagonaliter subelliptica, marginibus callo junctis, externo simplice, regulariter rotuudato, columellari peroblique arcuatim ascendente, incrassato, longitudinalitcr excavato-fossato. Aper- tura intus vivide raargaritaceo-viridis. Operculum dimidiae aperturae longitudinis, corneum, tenue, circidare, subconcentrice dense spirato- liueatum, 10 fere anfractuum, radiatim densissime arcuato-striolatum. Diam. 11, 0; alt. 9,1; apert. diam. 6,1 mm. Schale breit kreiseiförmig, ähnlich der Varietät von Helix (Acavus) haemastoma L. mit etwas an der Naht abgeplatteten Umgängen, fest- schalig. Die Farbe der ganz erhaltenen Schaleuoberfläche ist ein heller Fleischton mit etwas Violett gemischt. Ist von der obersten Schicht, was zumeist zutrifft, etwas abgerieben, und scheinen die lebhaft grün perlmuttrigen lunenschichten durch, so wird die Farbe ein mit mehr weniger Violettrosa gemischtes Grüu, an den allerobersten Windungen eine Art Lasurblau, nämlich ein mit Grün gemischtes sehr volles Himmelblau. Die Schalenoberfläche ist glatt und glänzend, die Wachstumsstreifen sind ganz schwache Striche. Die Spira ist klein Eduard v. Martens uud Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 101 im Verhältnis zur Schale; ihr Winkel liegt zwischen 95 und 100". Umgänge 4 — 4'/2, im Profil etwas convex erscheinend; auf den obersten Windungen ist das Protil schwach, aber regelmäßig, convex, an den ca. 1 '/2 letzten hingegen ist die Oberfläche der Windung an der Naht abgeflacht, sodaß sie sogar ganz schwach concav erscheint; ferner ist der Anstieg der Windung nach der Naht zu etwas stärker, sodaß man von anfractibus subappressis reden kann. Der letzte Umgang ist groß und steigt nach der Mündung zu recht kräftig herab, sodaß vom letzten Teile der vorletzten Windung ein gut Stück des unter der Peripherie liegenden Bereiches sichtbar wird. Die Basis der letzten Windung ist in der Nabelgegend stark ausgehöhlt. Bei jungen Stücken ist der Nabel als eine Grube, später als ein lUtz sichtbar; bei den erwachsenen Stücken ist nur ein Teil des Pdtzes erhalten, der ül)rige Teil ist von der Columelle bedeckt. Die Mündung steht sehr schräg zur Axe, ist, von vorn betrachtet, stumpf elliptisch, mit dem langen Durchmesser im Winkel von 45" zur Axe stehend; von unten be- trachtet ist die Mündung annähernd kreisförmig. Der Außenrand ist scharf, beschreibt einen zunächst flachen, dann stärker gekrümmten Bogen und geht in einem Kreisbogensegment in den Columellarrand über. Dieser steigt in sehr schräger Richtung nach dem Nabel zu an; sein lunenrand ist ein schwach concaver Bogen. Die Columelle ist kräftig verdickt, verbreitert sich nach oben und zeigt eine in ihrer Mittellinie verlaufende mehr weniger ausgeprägte Längsgrube. Der Deckel ist ein ziemlich dünnes, kreisrundes Hornplättchen, im Durchmesser nicht größer als die halbe Mündung, von der Gestalt eines niedrigen chinesischen Hutes. Die Spirahvindungen sind ziemlich eng, in der Anzahl von etwa 10. Zwischen je zwei Spiralstrichen flndet sich ein System von ziemlich dichten, nicht grade regelmäßig ausge- bildeten Streifen vor, welche etwa in der Richtung eines stark ge- krümmten Radius verlaufen. Die Ausbeute enthält ein Dutzend Spiritus-Exemplare und etliche zwanzig am Strande aufgelesene. Patella polaris Homhr. et Jacg. (Taf. 2, Fig. 11 a, b; 12 a — c; pateiia polaris. 13 a, b.) — Ann. d. sc. uat. (3) XVI, 1841, p. 191. — v. Martens 1. c. p. 93. — Testa oblongo-ovata, plus minusve compressa, costis radialibus rotundatis, sat distantibus, perparce nodosis, saepe obsoletis sculpta, margine rotundate crenato, extus plerumque detrita, brunnea, intus nitide aeneo-nigricans, vertice antrorsum inclinato, in Vs — ^h longitudinis sito. Long. 51; lat. 36; alt. 23 mm. „ 48; „ 35; „ 26 „ besonders hoch. „ 59; „ 40; „ 22 „ die längste, ziemlich flach. „ 47; „ 33; „ 14 „ die flachste. 10;2 Eduard v. Miutcns und Geoig Pfeffer, M<)IIusl, Fig. 7.) — v. Martens 1. c. Schraderi. y)\q Gestalt ist iui Ganzen etwas plump. Schnauze groß, stark in die Quere entwickelt, quer halbmondförmig, fast so breit Avie das Vorder- ende des Fußes. In der halben Höhe verläuft der Quere nach eine eingedrückte Furche, in deren Mitte die kleine, dreieckige (mit der Spitze nach unten gerichtete) Mundcitfnung liegt; seitlich und ziemlich Aveit nach hinten reichend ist der untere auf dem Fuße liegende Teil der Schnauze in je eine flügelartige Ausbreitung ausgezogen. Ein Avenig oberhalb dieser Ausbreitung, ganz Avenig hinter dem vorderen Schnauzen -Ende, steht der kräftig entwickelte Tentakel; im contra- hierten Zustande kommt er in der Länge etAva der Höhe der Schnauze gleich und ist ringförmig ziemlich stark gerunzelt. Die Ehinophoren stehen ziemlich dicht hinter der Nackenfalte, sind stark und groß, etAva von der Länge der Schuauzenbreite (ohne die Flügel) und im ganzen Verlaufe riugrunzelig. Der Rücken ist breit, die vorderen zAvei Drittel seiner Länge sind in breitem mittleren Bereich nackt, besonders in den ersten zwei Dritteln der nackten Region; an dieser Stelle rückt ein Papillenpaar etAvas mehr gegen die Medianlinie zu und schnürt dadurch die Region ein. Bei den jüngeren Tieren ist das Yerhältniß nicht festzustellen, vielmehr ist hier die nackte Stelle in annähernd gleichmäßiger Verjüngung über den ganzen Rücken hin entAvickelt. Die Papillen sind lang und stark, in ihrem oberen Drittel sich verjüngend, am hinteren Teile des Tieres nach dem Ende zu stärker kolbig aufgetrieben und dann erst zugespitzt. Die Papillen stehen außerordentlich dicht über die Seiten des Mantels verbreitet; hinten legen sie sich dicht über die ganze Körperfläche, die nahe dem Mantelrande stehenden sind ganz klein. Man kann durchgängig. Avenn auch zum Teil recht scliAvierig, eine Anordnung der Papillen iu schrägen Reihen feststellen, die sich manchmal nahe dem Mantelrande teilen; aber in der Zahl der Reihen soavoI wie in der Anzahl der darin ent- haltenen Papillen lindet sich eine sehr große Variation. Die Formel für die größten aus No. 0973 ist 19 Reihen: 4, 4, C, 8, 5, h, 5 . . . (10 Reihen). In der vorderen Reihe sind die zAvei, in der hinteren die drei äußeren seitlichen Papillen sehr viel kleiner. Für ein kleineres Stück derselben Nummer ist die Formel 10 Reihen; 3, 3, — — , 5, 3 ~, 2 --, 4, 4, 3. 1. Hierbei bedeutet die 3. und 5. Zahl, daß die Reihe oben finfafli ist, sich dann teilt und daß jeder Teilzweig je 2 Papillen Eduard v. Maiiens und Goorg PfeflVr. MollnnlcPii von Süd-Georgien. 1 ] 1 hat. Das große Stück ans Nr. 7534 hat <\ie Formel 0, 7, 8, - 5, 5, 8, 5, 5, 5, 3, 1, 1, 1. Man bemerkt an dieser Formel, verglichen mit der der großen Stücke ans No. G973, daß mehrere von den vor- deren Reihen der ersteren Stücke bei dem letzten zusammengeschoben, dagegen die letzte I'eihe desselben auseinandergezogen ist. Ein Mantel- rand ist nirgends besonders ausgeprägt. Der Päicken setzt sich stark vom Fuße ab, der überall einen breiten freien Rand zeigt und sich vorn auch durch eine starke Furche von den Schnauzenflügeln absetzt. Das Schwanzende des Fußes ist in ziemlicher Länge ('/e der gesamten Fußlänge) frei und auf dem Rücken mit einem in verschiedenem Maße ausgeprägten, bis auf die Schwanzspitze reichenden Mittelkiel versehen. Bei den jüngsten Exemplaren ist das freie Fußende viel geringer entwickelt. 6 Stück, das größte 15 mm, bei tiefer Ebbe gefangen, im Leben orange, im jetzigen Zustande bräunlich-fahl. Aeolis {uitarclica Pß'r. (Taf. 3, Fig. 8.) — Die Form ist im Aeoiis allgemeinen schlank. Schnauze quer elliptisch , von der Breite des Fußes, mit einer Querriune, von der nach unten die senkrecht gestellte Mundspalte abgeht. Seitliche Schuauzenflügel nicht vorhanden. Tentakel und Rhinophoren lang und spitz, von gleicher Länge. Auf den letzteren bemerkt man eine leichte Hingelung. Der Rücken ist schmal. Die Papillen sind ziemlich groß, erreichen jedoch nie '/a der Körperlänge, keulenförmig, mit der größten Dicke in der oberen Hälfte, am Ende etwas plötzlich zugespitzt. Sie stehen vereinzelt, lassen den größten Teil des Rückens und die Seiten völbg frei, so daß sie nur auf der oberen seitlichen Zone des Rückens stehen; ab und zu tritt ein Papillenpaar der Medianlinie des Rückens ziendich nahe, doch sind diese Paare nicht dieselben bei den verschiedenen Stücken. Von aus- gebildeten Papillen zeigen die beiden größeren Exemplare jederseits 10, außerdem noch etliche kleine. Die Formeln sind 1, 2, 2, 2, 2, 1; und 2, 2, 2, 2, 2. Die freien Fußränder sind sehr breit, sie über- ragen, in außerordentlich starken Kontraktionsfurchen zusammengezogen, den Mantelrand um ein gutes Stück, so daß daraus zu schließen ist, daß der Fuß im lebenden Zustande des Tieres einer großen Ausbreitung fähig war. Das Schwanzende ist frei, außerordentlich lang, Va — Vi> der Länge des ganzen Tieres, sehr schlank und spitz zulaufend, auf dem Rücken platt, ohne Kiel. 3 Stück, das größte 6 mm, gefunden auf Macrocystis-Blättern, „Hydroiden abgrasend". Aeolis ^'eorgiaiia Pffr. (Taf. 3, Fig. 9.) ^ Gestalt im allgemeinen Aeoiis ziemlich schlank. Die Schnauze ist quer halbscheibenförmig, die S'^«^ g»'^'^^- 112 Eduard v. Maitens und Georg Pfeffer, Molliiskon von Süd-Georgien. Muiid()fTniing T-förmig, in dem sich erstens der gewöhnlich vorhoinmende quere Spalt, ferner ein von der Mitte des Querspaltes nach unten bis sur Fur?grcnze gehender, scharfer Vertikalspalt voründet. Flügel- artige Ausbreitungen der Schnauzen -Seiten sind nur ganz schwach vorhanden, inden) sich die seitlichen Ecken etwas nach auüen und hinten ausziehen. Tentakel und lUiinophoren etwa von gleicher Knt- wickelung, die Tentakel etwas dicker; sie erreichen etwa '^ der Länge der groBen l'iickenpapillen. Ein sehr großer Teil des liückens ist nackt; bei den nicht allzustark zusammengezogenen Stücken läuft die breite nackte Zone den ganzen Rücken entlang von den Rhinophoren bis zum Schwanz; dann finden sich auf dem zweiten vorderen Körper- viertel überhaupt keine Papillen, so daü das Tier (für den Habitus sehr charakteristisch) in einen vorderen und hinteren papillentragenden und einen nackten mittleren Teil zerfällt. Die Papillen sind als recht groü zu bezeichnen ; die des Rückens sind etwa von halber Körper- länge; nach den Seiten zu werden sie kleiner, doch tritt dies nicht in so ausgeprägtem Maße auf, wie bei den anderen Arten, da meist nur eine Papille der Querreihe als klein zu bezeichnen ist. EtAva ein Dutzend Stücke, welche an Tangwurzeln gefunden wurden, die größten H mm laug. Tritonia Ti'iloiiJa aiilavctlca Pffr. (Taf. 3, Fig. f; a, b.) — Körper im antarctioa. contrahirten Zustande viereckig keilförmig; alle den Körper begrenzenden Flächen, die dorsale, die ventrale und die beiden lateralen, sind platt, so daß der Durchschnitt des Tieres viereckig ist und zwar trapezisch, wobei die dorsale die größere der parallelen Trapezseiten ist. Das Velum ist schmal und verläuft über die ganze dorsale Fläche des Kopfes und die oliere Hälfte der beiden Seitenflächen. Es ist nach den P^nden zu etwas gefingert (etwa 3—4 Lappen), in dem übrigen Bereiche nur gekerbt. Die Fühlerscheiden sind groß, die Fühler selber eingezogen. Die Kiemen sind kleine, verzweigte Bäumchen und stehen auf einer scharfen Kante, welche von der Fühlerscheide, mit der sie zusammenhängt, bis zum Schwanzende verläuft. Die Analöffnung liegt auf der rechten Seite, etwa in der Hälfte der Länge des Tieres, die Genitalöfinung noch im ersten Drittel der Köi'perlänge. Die Dorsalfläche ist in ihrem vorderen Bereiche schwach, im hinteren Drittel sehr stark gerunzelt. Die Farbe des Tieres ist ein helles Braun, seine Länge beträgt tiO, die größte Breite, Avelche gleich hinter dem Kopfe liegt, 6,2 mm. 1 Stück, welches im Lelien gelb war und auf der Kb'iipe gefangen wurde. Eduard v. Martens und fiporg Pfpff(M% MolluskfTi von Süd-Georgif'ii. 113 Lamellibranchia. Lyoiisia arcaetorinis Äirts. (Taf. 4, Fig. 1.) — v. Martens 1. c- p. 94. — Testa albida, obloiiga, radiatim teDiii-costulata, cuticula pallide olivacea in posteriore testae parte forti, in reliqua testa tenui, umboues versus evanida, super testae costulis pilifera iiiduta; antice rostrato-rotundata, postice abrupte subverticaliter trimcata, luargiue dorsali anteriore versus umbones ascendente, posteriore recto, versus extremitatem paullnlum ascendente, margine ventrali convexo, antrorsum subsinuato. Vertices in Vis lougitudinis siti, subacuti, paulum incurvi, applanati. Depressio supero-posterior ampla, fortis, ab inflatione sub- abrupte sejuncta; depressio antica nulla, byssalis levis. Long. 13; alt. 7; diam. 4'/2 mm. Schale weidlich, oblong, radiär mit feinen Eippenstreifen skiilpiert, die etwa um das zehnfache ihrer eigenen Breite von einander entfernt stehen; dicht unter dem Wirbel sind etwa 12 zu zählen, am Rande 59 ; von diesen entstellen jedoch eine Anzahl erst kurz vor dem Rande. Die Cuticula fehlt nur am Wirbel und den angrenzenden Stellen völlig, auf dem vorderen und unteren Teile der Schale liegt sie als ein ganz hell-olivenfarbiges Häutchen, auf dem hinteren Teile der Schale ist sie indessen stärker und dunkler. Auf den Rippen- streifen erhebt sie sich zu kurzen haarzipfelartigeu Fortsätzen, die auf dem hinteren Teile der Schale so stark entwickelt sind, daß die Schalenhaut hier einen filzartigeu Charakter annimmt. Die Schale ist vorn geschnäbelt zugerundet, liinten plötzlich und fast senkrecht ab- geschnitten. Der vordere Dorsalrand steigt gegen die Wirbel zu au; der hintere Dorsalrand ist grade, nach dem Hinterende zu ein wenig ansteigend ; der Ventralrand convex, in der vorderen Hälfte mit einem seichten Sinus versehen. Die Wirbel liegen in 'Vis der Länge, sind etwas spitz, etwas eingekrümmt und auf dem Rücken abgeplattet. Die obere hintere Depression ist anfänglich stark und setzt sich von dem bauchigeren Teile der Schale durch einen stark ausgeprägten Abfall ab, indem eine Kante gebildet Avird, welche von den Wirbeln grades Weges bis zur hinteren unteren Ecke der Schale verläuft. Eine vordere Depression ist nicht ausgebildet, eine solche an der Byssus-Spalte in schwachem Maaße vorhanden. Von L. patagonica Orb. im Umriß und durch die viel zahl- reicheren Rippen unterschieden. 2 Stücke. Saxicava aiifarclica J7//7. (Taf. 4, Fig. 2.) — Archiv f. Naturg. 1845. — V. Martens 1. c. — Testa transversim oblongo-trapezoidalis, subcompressa, ubique excepto margine inferiore medio hians, nitidula, Lamelli- ttrancliia. Lyonsia ai'caeformis. Saxicava antai'ctica. 1 1 4 Eduard v. Marteiis und Georjr PfolTor, Molluskon von Süd-Georgien. alba, cuticula pallido straminea iiuluta, intus uitide alba; coiicentrice rugosa, rugis antice et postice riulioribiis. Kxtremitas autica rotundata, postica subverticaliter rotuiidato- triincata, vertice in ''^,'3 longitudinis sito. Margo suiierior levissinie doclivis, paenc borizontalis, rcctiis, obtnse in niargineni posteriorem subrectuni subverticaleni transiens; niargo anterior rectus, decliviter-curvatini transiens in niarginem in- feriorem borizontalem in media parte levissime sinuatuni, rotundato- rectangulatim in niarginem posteriorem transientem. Vertices subtiimidi, applanati, acuti, incurvati. Depressiones antica minima, postico-dorsalis inconspicua, byssalis lata. Dentes singuli anteriores in utraqiie valvula trigonales erecti. Long. 20; alt. 10,4; lat. 7. Schale von querer langgestreckter Trapezform , im Vergleich zu unserer gemeinen nordischen Art etwas zusammen gedrückt, übernll mit Ausnahme eines mittleren Bereiches des unteren Eandes klaffend, etwas glänzend, weiß, mit hell strohfarbiger Schalenhaut, innen glänzend weiü; mit konzentrischer Runzelung, die auf der Mitte der Schale nicht besonders stark, uach hinten und besonders nach vorii jedoch kräftiger ist. Die vordere Extremität ist gerundet, die hintere in einem fast vertikal stehenden flachen Bogen abgestutzt. Die Wirbel liegen in ^/s der Länge. Der obere Rand fällt nach hinten ganz schwach ab, ist erst horizontal und grade und geht, in stumpfer liundung um- biegend, in den Ilinterrand über, der fast horizontal und fast grad- linig ist. Der Vorderrand ist zunächst den Wirbeln grade, biegt dann in stumpfer, ziemlich weiter Rundung nach dem Unterrande um. Dieser ist horizontal und ist nur an der Stelle der l)yssalen Depression schwach und ganz flach eingezogen; er geht in gerundetem rechten Winkel in den Hinterrand über. Die Wirbel lialien einen ziemlich breiten, abgeflachten Rücken, der sich von der ül)rigen Schale in Breite und Höhe deutlich abhebt; die Wirbelspitzen sind klein und völlig eingebogen , sodaß sie im Profil nicht sichtbar werden. Die vordere Depression ist nur an dem graden Teile des Vorderrandes als eine schmale Ixandzoue entwickelt; die hintere ist wenig ausgeprägt, ajjer genau zu erkennen, insofern ihre Grenze als eine ziemlich bestimmte, vom Wirbel nach dem unteren Teile des Hinterrandes streichende, strichartige Kante ausgeprägt ist. Die dritte Depression, welclie ich hier wie im f(dgenden als byssale bezeichnen will (weil man bei den Byssus-trageuden Äluscheln sieht, daß sie in enger Beziehung zu diesem Verhältnis steht) ist in ziendicher Breite als ein breit dreieckiger, mit der Spitze nach den Wirbeln zu gerichteter Bereich zu erktumen. Li jeder Klni)pe steht ein ziemlich kräftiger, dreieckiger, frei Imch- stehender, schwach zweiteiliger vorderer Schloßzahu. Eduard v. Märten s und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 1|5 Lepton cosliilatiim Mrfs. 1. c. — Testa oblique cordata, sat conipressa, teniiissima, distiiicte radiatim costulata, pelliicida; Vertex subposticus, margo dorsalis iitriiiqiie, at autice magis declivis, veDtralis valfle arcuatus. Pallii margo prominens, tentaciilatiis, antice iitrinque tentaculo nno majore; pes prominens, reptatorius. Long. 3V2; alt. 2V3; diam. P/3 mm; vertices in V« longitudinis siti. Die ausführlichere Beschreibung nebst den Abbildungen wird bei der anatomischen Bearbeitung des Materiales geliefert werden, da die Zartheit der Stücke die äußerste Schonung gebietet. — 2 Stücke, an lebenden Spatangiden gesammelt. Lepton costulatum. Gattung Cyamium Philippi. Es mag hier vor der Beschreibung der einzelnen Arten ange- führt werden, daß es bei der Gattung Cyamium unmöglich ist, nach einem oder wenigen Exemplaren die Bildung der Schloßzähne fest- zustellen. Die Variation ist eine sehr weitgehende; erst wenn man eine größere Anzahl von Stücken einer Art neben einander liegen hat, erkennt man den Typus. Cyamium imifaiis PJfr. (Taf. 4, Fig. 5 a, b.) — Testa oblongo- ovata, oblique inflata, minime niteus, albida, sui)ra et postice castaneo- fusco tincta, plicis concentricis subregulariter plicata, cuticula decidua stramiuea ad margines extus et intus induta. Valvulae intus nitida albae, superne castaneo-brunneae. Vertices prope antici, subinflati, incurvi. Extremitas antica paene uulla, obtuse rotundata. Margo dorsalis posterior subrectus, horizontalis, postice aliquantulum ascendens, tunc levissime declivis; margo posterior subverticalis, sub- truncate in dorsalem et ventralem transiens; margo anterior fortissime declivis, subverticalis, levissime convexus, rotundato- rectangulatim in marginem ventralem leviter convexum transiens. Valvulae ab umbonibus versus angulum postero- inferiorem iutiatae, reliqua pars versus margines applanata, depressione byssali interdum conspicua. Ligamentum exteruum longum, internum in fovea longa angusta fortiter oxcavata, inde ab umbonibus leviter ascendente situm ; dentibus cardinalibus duobus mediocribus, in valvula sinistra posteriore, in valvula recta anteriore majore. Schale länglich -eiförmig, in einer schrägen Zone aufgeblasen, kaum oder garuicht glänzend, weißlich, oben und hinten, meist nur bis zum Maxinmm der Aufblähung, oft aber darüber hinaus, fast über die ganze Länge der Schale hin, rötlich -kastanienbraun ge- färbt; mit concentrischen Falten, die an sich nicht sehr regelmäßig Gattung Cyamium. C'yaniium iiiiitan.s. 1 1 n Plfliiard V. Martens und (Joor«]^ PfefftT, Mollusken von Süd-Georgien. gebildet und wolil nur als Waclistums-Absätze zu betrachten sind, die aber durch ihre Anordnung in ziemlich gleichen Abständen der Schale bei schwacher Vergrößerung eine ziemlich regelmäßig aus- sehende Skulptur verleihen. Die graulich -strohfarbeue Schalenhaut liegt über dem jüngst gebildeteu Teile der Schale, am unteren und hinteren Rande wie bei Modiolarca-Arten ziemlich weit auf die Innen- wand der Schale hinüber reichend. Die K Kappen zeigen iuwendig dieselbe Farbe wie außen, nur reiner; das Weiß ist meist ganz rein, die braune Farbe intensiver und ohne den rötlichen Ton der Außen- fläche. Die Wirbel liegen fast am vorderen Ende der Schale, sind aufgeblasen und eingekrümmt. Der Vorderteil hat bei der endständigeu Stellung der Wirbel kaum eine Längeuausdehnung; er ist stumpf zugerundet. Der Hinterteil ist sehr lang, schmal, mit fast parallelem Dorsal- und Ventralrand, hinten fast abgestutzt zugerundet. Der hintere Dorsalrand ist lang, im ersten Verlauf meist grade und horizontal, sich etwas erhebend und dann abfallend, wo- durch eine merkliche Convexität erzeugt wird. Der Übergang in den Hinterraud geschieht gerundet -stumpfwinklig; der Hinterrand selber ist kurz, convex, und steht etwa senkrecht. Der Übergang iu den Ventralrand geschieht al)gerundet-rechtwinklig. Der Vorderrand läuft mit dem Hinterrand parallel, ist etwas convex oder S - förmig ge- schwungen und geht, etwa rechtwinklig zugerundet, in den Ventral- rand über, der eine leichte Convexität hat, manchmal ahev ziemlich stark gebogen und andrerseits wieder fast grade ist. Von den Wirbeln läuft nach dem hinteren unteren Ende der Schale eine Aufblähung, die nach den Rändern zu sich abflacht; manchmal findet sich gegen den oberen Rand zu eine ganz schmale Depressions-Zone; auch nimmt man in einem mittleren Bereich, der etwa der byssalen Depression bei den Modiolarca-Arten entspricht, manchmal eine sehr breite, aber ganz seichte Depression wahr. Das Vorderende der Muschel ist meist etwas zusamn)en gekniffen. Das äußere Ligament ist lang und kräftig entwickelt und erhebt sich zum Teil als deutlicher AYulst außeu am Scha]enraude. Der erhabene Teil des Ligameutes liegt vom Wirbel etwa um seine eigene Länge entfernt. Das dicke und starke innere Ligament liegt in einer langen, schmalen, sehr tief ausgehöhlten, graden Grube, welche sich von den Wirbeln aus etwas über die Horizontale erhebt. Die Schloßzähne sind nur mäßig, in jeder Klappe zwei, in der linken der hintere, in der rechten der vordere größer. Von dieser Norm finden sich alle lufiglichen Abweichungen; zuweilen ist in der einen Klappe nur 1 Zahn, zuweilen in jeder nur einer aus- gebildet; schließlich findet man in manchen Fällen nur noch Rudimente Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 117 vou Zähnen. Ancli bei dieser Art verschwinden die Zähne im Alter mit der Verdickung des Schloßrandes. Über Mimicry dieser Muschel s. p. 137. Cyamiiim Willii Pffr. (Taf. i, Fig. 3 a— c.) — Testa transverse Cyamium wmii. oblongo-ovata, autice rotundato- trigonalis, postice rotundata, iullata, conceutrice regulariter et contcrtim lirato-striata, sat tenuis, opace alba, periostraco pallide flavo; vcrtices prominuli; margo superior anticus diagonaliter descendens, posticus elongatus, rectus vel leviter convexus; margo inferior regulariter couvexus, ab antico eleganter angulatim abscedens; dentes cardinales utrimque duo, mediocres, approximati, divergentes, in utraque valvula anticus major, curvatus ; ligamentum duplex, externum tenue, paene inconspicuum, internum in fovea longitudinali angusta pone dentes situm. Sinus palliaris nullus. Facies interna alb«. Testa nullibi hiaus. Schale länglich -eiförmig, von eleganter, an Tapes-Arten er- innernder Gestalt, ziemlich bauchig, zienjlich dünn, conceutrisch regel- mäßig und dicht mit rundlich-erhabenen Reifen umzogen; kreideweiß, mit hellgelber Schalenhaut, die meist an den ^Yirbeln fehlt und sich nicht so leicht ablöst, wie bei der folgenden Art. Die Wirbel ragen bei allen Exemplaren etwas, bei jungen dagegen außerordentlich weit vor. Der Vorderrand steigt, sich stark vou den Wirbeln absetzend, diagonal herab und ist zu Anfang etwas concav; an sein meist grades Ende setzt sich bogenförmig — wie bei vielen Veneraceen — der Ventralrand an; diese Bildung ist sehr elegant und außerordentlich charakteristisch. Der Veutralrand ist regelmäßig und kräftig gerundet. Der hintere Dorsalrand hat bei älteren Tieren einen horizontalen Verlauf und ist grade oder schwach convex ; bei jüngeren steigt er dagegen in schwachem, aber regelmäßigen, schönen Bogen nach hinten an, dann wendet er sich, bei jüngeren allmählich, bei älteren etwas plötzlich, nach unten. Der Hinterrand ist etAvas convex und hat eine schwache IJichtung nach hinten. Au der Stelle, wo er in den Ventral- rand übergeht, ist die Bildung etwas wiuklig. Die stärkste Aufblähung der Schale ist eine ganz schmale, vom Wirbel nach der hinteren unteren Ecke verlaufende Region, die den Eindruck einer gerundeten Kante macht. Von da aus flacht sich die Schale, jedoch immer schwach convex bleibend, nach den Rändern zu ab; eine byssale Depression ist in ganz schwachem Maaße vorhanden. Die Cardiual- zähne sind von mittlerer Größe, aber bestimmt, schlank und hoch- stehend ausgebildet; sie stehen dicht neben einander, ein wenig divergierend; der vordere ist in jeder Klappe der größere. Das äußere Ligament ist dünn, kaum wahrzunehmen; das innere liegt in Mosthaffii. 118 Eduanl v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. einer lougitutliualeii schmalen Ilalbiiiine, deren Unterrand nicht besonders weit in den Iluhlraum der Schale hinein ragt. Cyamium ('yaiinuiH Mosthatl'ü Pffr. (Taf. 1, Fig. \ a. b.) — Testa trans- versa oblonga, irregularis, subtortuosa, anticc rotundata, postice rotun- dato-trnncata, snbriiditer concentricc lirato-striata, tenuis, opace alba, pcriostraco pallide grisco-iiavido; vertices proininuli ; margo dorsalis horizontalis , posterior declivis, a dorsali rotundato-obtusangulatini dcscendens; anterior declivis; ventralis leviter curvatus; dentes cardi- nales ntrinique dno, niediocres, approximati, Icvissime divergentes, anterior major; ligamentum duplex, utrumque breve, internum in fovea lougitudinali latiuscula pone dentes situm. Sinus palliaris nullus. Facies interna all)a. Testa nullibi hians. Schale länglich, etwas unregelmäßig ausgebildet, indem sich einige eingedrückte oder verbogene Stellen finden, vorn zugeruudet, hinten etwas abgestutzt, mit dichten conceutrischen erhabenen, in der Stärke etwas ungleichmäßigen Streifen umzogen; dünn, kreideweiß, mit gelbgrauer oder graugelber Schalenhaut, die sich leicht in Fetzen abblättert und gegen die Wirbel zu fehlt. Die Wirbel sind ziemlich klein und ragen hervor, meist ein wenig schwächer, als l)ei der vorigen Art. Der Dorsalrand verläuft horizontal, biegt dann ziemlich plötzlich in den schräg nach hinten gerichteten, die Schale etwas ab- stutzenden Hinterraud um. Der Vorderrand buchtet sich vor den Wirbeln nicht ein, wie es bei der vorhergehenden Art die Regel ist, sondern verläuft grade von den Wirbeln nach vorn und unten, wo er sich in einem zugerundeten rechten Winkel mit dem Yentralrand verbindet. Dieser ist etwas schwächer convex als bei der vorher- gehenden Art. Die Stelle der stärksten Aufblähung liegt, wie bei C. Willii, in der Verbindungslinie der Wirbel mit der hinteren unteren Ecke ; von dieser Linie aus wölbt sich die Schale schwach convex nach dem Unter- und Vorderrand, und flacht sich andrerseits ziemlich platt nach dem Hinter- und Oberrand ab. Eine ])yssale Depression ist bei einigen recht deutlich ausgeprägt. Schloßzähne finden sich in jeder Klappe zwei hohe, die fast neben einander entspringen und etwas divergieren; der vordere ist in beiden Klappen der größere und etwas gekrümmt. Der vordere Zahn der linken Klappe ist stärker, höher und mehr gebogen, als der der rechten Klappe. Das äußere Ligament ist dünn, zwischen den Klappen liegend, kaum hervorragend; das innere liegt, wie bei der vorhergehenden Art, jederseits in einer longitudinaleu, mit ihrem Unterrand in den freien Raum di-r Schale vorspringenden I laibrinne. Ligament und Grube sind wohl ein klein wenig breiter als bei der vorhergehenden Art. Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Molluskeo von Süd-Georgien. 119 Gattung Philippiella Fffr nov. gen. üngulidarum. Schale lundlich - viereckig, sehr ungleichseitig, Idein, farblos; Wirbel am Vorderende des Dorsal randes; außen mit starker, haut- förmiger, über die Peripherie der Schale hinausreichender Cuticula versehen. Ligament randständig, lang und schmal. Weder Cardinal- noch Lateralzähne, höchstens die ganz schwachen Spuren davon. Keine Mantell)ucht. Zwei Muskeleindrücke, der eine in der unteren vorderen Ecke der Schale, der andere in der Mitte des Hinterrandes. Außer den beiden von Süd-Georgien stammenden Arten besitzt das hiesige Museum noch eine solche von der Lemaire-Straße. Philipuiella qiiailrala I^'r. (Taf. 4, Fig. G a, 1).) — Martens 1. c. p. 94, Nr. 32. — Testa sulxpiadrata, tribus augulis rotundatis, quarto (umbonali) subacun)inato, subplana, albida; cuticula straminea, non nisi in ipsis umbonibus evanida , margineni testae late superans. Margo dorsalis rectus, rodundato-rectangulatim in margincm poste- riorem transiens; anterior supra concaviusc(dus, infra convexiusculus, rotundato-rectangulatim in margineni ventralem antice minus postice magis convexum transiens; margo posticus subverticalis. Umbones acuti, antrorsum et sursum prominentes, subinllati. Depressio postica levis, sed conspicua, impressione levissime ab inllatione sejuncta. Long. 4,4; altit. 4,3; crass. 1,9 mm. Schale annähernd quadratisch mit drei zugeruudeten Ecken. Die Dorsalkante verläuft völlig grade und geht dann im Bogen fast rechtwinklig iu den Hinterrand über; der Vorderrand ist in der Nähe des W^irbels etwas concav, wendet sich dann in ganz flachem Bogen nach außen und geht so in den Ventralrand über, welcher sich nach dem Vorderrand zu allmählich, nach dem Hinterrand zu etwas stärker erhebt. Die Wirbel sind spitz und etwas nach oben und vorn vor- springend. Die Schale im allgemeinen ist ziemlich flach, doch zeigen die Wirbel eine Aufblähung. Von diesen verläuft nach der unteren hinteren Ecke der Schale eine ganz schwach ausgeprägte Einpressung; vor derselben ist die Schale deutlich gewölbt, hinter derselben deutlich zusammen gedrückt. Auf den W'irbeln liegen die porzellauweißen Embryonal - Schälchen als länglich -halbovale, mit der graden Kante gegen einander gerichtete, deutlich abgesetzte, flache Buckel auf. Von der Dorsalseite aus betrachtet ist das Ligament kaum zu sehen und verschwindet völlig zAvischen den Klappen. Auf der Vorderseite macht sich unter den Wirbeln eine ganz schwache Asymmetrie bemerkbar, insofern die rechte Klappe eine ganz schwach -couvexe Ausbuchtung, die linke eine dem entsprechende concave Einbuchtung zeigt. Gattung PhilippieUa. PhilippieUa quadrata. 120 Eduard v. INIarteps und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. An der IimenfUiclie der Klappen bemerkt nuui an der Dorsal- und Hinterkante einen stark ausgeprägten, breiten Schalenrand ; die Ventral- und Vorderkante dagegen stoüeu nur n)it dem peripheren Rande der Klappen zusammen. Von den Cardinal- und hinteren Latendzähnen ist keine 8pur vorhanden; von den vorderen Lateral- zähnen dagegen kann man ein ganz schwaehes, Haches Rudiment be- merken ; daher rührt auch die oben beschriebene schwache Asymmetrie der Klappen vorn unterhalb des Wirbels. Die Charaktere des Mantel- randes und der Äluskeleindrücke waren Avegen der außerordentlich mangelhaften Ausprägung recht schwer fest zu stellen ; doch kann der oben bei der Gattuugs- Diagnose gegebene und Taf. 4, Fig. üb dar- gestellte Befand als sicher augesehen werden. Die Schale ist weißlich, vielleicht auch rein weiß (man kann das wegen der Cuticula nicht sehen), von einer glatten, glänzenden, durchscheinenden, häutigen, strohfarbenen Cuticula bedeckt, die nach vorn, hinten und unten die iSchalenklappen weit überragt. 1 Stück. Phiiippiciia Pliilippieila iingiilata Pffr. (Taf. 4, Fig. 7.) — Testa quadrato- unguiata. suborbiculata, apice rostratim projecto, undique ventricosa, alba; cuticula olivacea, versus margines plicata, defoliante, induta; umbouibus late nudis. Margo dorsalis subrectus, arcuatim in marginem posteriorem orbiculatim-convexo transiens; ventralis orbiculatus; anterior sigmoideus, supra concaviusculus, infra convexiusculus. Umbones inflati, peracute rostrati. Depressio postica nulla. Long. 3; alt. 3; crass, 1,7 mm. Schale im allgemeinen kreisförmig, mit hakenförmig vor- springendem Wirbel. Nimmt man zum Vergleich die andere Art hinzu, so bemerkt man freilich, daß auch hier die Grundform der Schale quadratisch ist; nur ist die Zurundung der Ecken stärker, kreisbogenförmig. Der Dorsalrand verläuft ziemlich gradlinig; der Hinterrand fällt nicht rechtwinklig, sondern steil nach hinten ab; der Vorderraud ist stärker gerundet als bei der andern Art und erhebt sich in annähernd gleich starkem Bogen nach der Vorder- und Hinterkante. Die Vorderkante ist unterhalb der Wirbel nach hinten und innen eingezogen, sodaß der W^irbel hakenartig vorspringt; in der Gegend dieser Einziehung klaffen die Schalen, iudem sie zwischen sich eine breit -lanzettliche Ofl'nung lassen. Die Schale ist ziendich bauchig; eine sich besonders kennzeichnende Depression ist nur in einer schmalen Zone unterhalb der Rückenkante bemerkbar. Die Schale ist opak kreideweiß; die Cuticula olivenbraun, nicht durch- Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd;Georgien. 121 scheinend, mit concentrischer, faltiger Runzelung, besonders gegen den Rand zu. 1 Stück. Der Gattung Philippiella angehörig liegt noch ein Stück vor; dies hat jedoch schon bei Lebzeiten außerordentlich gelitten, sodaß es nicht mehr recht zu beschreiben ist. Es hat den Habitus der zuletzt beschriebenen Art, doch klaffen die Schalen nicht unterhalb der Wirbel. Modiolarca subqiiadrata Pffr. (Taf. 4, Fig. 8 a— e, 9.) — Modioiarca Modiolarca exilis A. Adams, Martens 1. c. p. 93. — Testa breviter ^ubuuadiata. trapezoidalis vel subquadrata, inflata marginibus compressis, cuticula cinnamomeo-fusca, verticibus prope extremitatem anticam sitis, cuticula destitutis, violaceo-roseis, facie interna roseo-purpurea; verticibus inflatis, involutis, extremitate antica parva, attenuata, nasuta; postica maxima, ovato-obtusata ; margo dorsalis subhorizontalis, anticus quam maxime declivis, subrectus, paullulum convexus, margo posticus obtu- sissime declivis, antico subparallelus, margo ventralis antice sinuatus; valvulae maximam partem inflatae, maxima inflatione ab umbonibus arcuatim in partem testae inferiorem posticam versa; depressione supero-postica modica, ab inflatione subangulatim sejuncta, depressione antica angustissima, saepe inconspicua, depressione byssali instar fossae leviter compressae curvatim in verticem versa. Schale kurz trapezoidalisch oder annähernd quadratisch, auf- geblasen, von einer dicken, zimmetbraunen Schalenhaut bedeckt bis auf einem ziemlich ausgedehnten Bereich um die Wirbel, der die violett-rosenrote Farbe der Schale zeigt. Eine gleiche, aber lebhaftere und rosigere Farbe haben die Innenseiten der Klappen. Trocknen die Schalen an, so wird das Braun der Schalen düsterer und erhält einen mehr-weniger ausgeprägten Oliventon ; da, wo die Schalenhaut sich nach innen um den Rand der Schale herumlegt, ist sie rein olivenfarbig. Schabt man die Schalenhaut auf der Oberfläche der Schale ab, so erblickt man die glänzende, schwach - fleischfarbig- violettweiße Oberfläche der eigenthchen Schale. Die Wirbel sind aufgebläht und eingerollt, beide Merkmale sind jedoch nicht so aus- geprägt wie bei M. trapezina. Die Wirbel liegen dem Vorderrande der Schale ziemlich nahe, jedoch in verschiedenem Maaße; das steht mit der Entwickelung der Vorder-Extremität in Beziehung; diese ist als recht kurz zu bezeichnen, nasenförmig, auch etwas zusammen- gedrückt. Die Hinter-Extremität ist sehr groß, sehr stumpf-eiförmig, nach den Rändern zu etwas angeschärft. Der Dorsalrand verläuft annähernd horizontal; er steigt selten, wie man es bei M. trapezina 122 Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. häufig findet, von den Wirbeln aus besonders stark nach oben; doch findet sich in diesem Punkte, ebenso wie bei M. trapezina, eine ganz außerordentliche Yariationsweite. Der Vorderrand steigt sehr abschüssig ab; er ist fast gerade, ein ganz wenig couvex; der Winkel des Abfalles ist recht verschieden, insofern dieser bei einigen wenigen fast senkrecht fällt, während er bei andern viel sanfter, als bei M. trapezina, abfallen kann. Der Hinterrand wendet sich ganz plötzlich in sehr stumpfem, etwas abgeschnittenen Bogen nach unten, sodaß der Hinterrand bei den meisten Exemplaren dem Vorderrande annähernd parallel verläuft. Dies ist das allgemeinste und charakteristischste Merkmal der Art. Der Ventralrand ist an der Stelle, wo die Byssus-Spalte liegt, schwach eingezogen; der Rand selber ist in verschiedenem Grade gerundet, nie jedoch sehr stark, manchmal ist er fast gerade. Die Aufblähung der Schale wird, wie bei M. trapezina, von einem Rücken gebildet, der von den Wirbeln im Bogen nach dem hinteren unteren Teil der Schale streicht. Wie bei M. trapezina hat die Schale drei Depressionen, zwei am Rande liegende, nämlich eine oben und hinten, die andere vorn, schließlich eine, welche von der Stelle der Byssus-Spalte nach den Wirbeln zu zieht. Sämtliche Depressionen sind an Umfang und Stärke schwächer ausgebildet als bei M. trapezina. Die obere setzt meist etwas kantig von der Aufblähung ab; die Stelle, wo diese Kante auf den Hinterrand stöTBt, ist garnicht oder ganz schwach eingebuchtet. Die vordere Depression ist ganz schmal, meist im Profil garnicht als solche bemerkbar. Die byssale Depression zeigt sich meist nur als eine schwach gebogene^ auf den Wirbel zuweisende, breit-strichförmig eingepresste Furche; eine mehr flächenförmig entwickelte Depression wie bei M. trapezina, wo die Schale an der besagten Stelle meist auf höchst charakteristische Weise zusammen gekniffen ist, kann nur in seltenen Fällen und in ganz außerordentlich schwachem Maaße beob- achtet werden. In der linken Klappe steht eben vor dem Wirbel ein ziemlich schmaler, dreieckiger, oben etwas stumpfer Zahn; vor ihm liegt eine punktförmige Grube. In der rechten findet sich, dem Zahn der linken entsprechend, eine punktförmige Grube, und davor, dem Schloßrande ganz angepreßt, das Rudiment eines kleinen Zahnes, Bei jungen Stücken ist die Bezahnung viel vollständiger. Es findet sich in der linken Klappe vor dem Zahn eine längere, strichförmige Grube, der in der rechten Klappe ein schmaler, vom Schloßrande durch eine Furche getrennter Zahn entspricht. Diese Art liegt in mehr als 50 erwachsenen und einer großen Anzahl von kleinen Stücken vor; die jungen machen einen schlankeren Eindruck, insofern die Hinter-Extremität stets länglicher eiförmig ist. Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 123 Sie sitzen an Tangblättern, an dieselben und unter sich mit ihrem Byssus festgesponnen, zusammen mit M. faba und M. nigromarginata. "Während die Art im allgemeinen trotz ihrer großen Variations- weite einen ganz einheitlichen Habitus hat, stellt sich dieser eine gut ausgesprochene Varietät gegenüber. Diese scheint auch örtlich von der typischen Form getrennt gewesen zu sein, denn sie wurden seiner Zeit separat von der Expedition eingeliefert. Diese Form (Fig. 9) ist klein, wahrscheinlich nicht ausgewachsen; ich vergleiche sie deshalb mit gleich großen Exemplaren der typischen Form. Sie ist eiförmig- trapezoidal, die Vorder-Extremität mehr rundlich geschwungen, sodaß Vorder- und Hinterrand deutlich divergieren. Die Farbe ist außer- ordentlich viel heller, die Schale selbst hell-rosenrot, die Schalenhaut braungelb oder hellbraun; beim Antrocknen erhält sie einen ganz schwach olivenfarbigen Strich. Wirbel in großem Bereiche nackt. Das Innere ist schrautzig-rosa, die vordere Depression etwas stärker ausgeprägt als bei der typischen Form, die hintere Depression dagegen fast garnicht zu bemerken; die Einziehung des Ventralrandes dagegen und die byssale Depression sind viel stärker als bei der Hauptform; es findet sich nicht nur die oben beschriebene Grube, sondern, wie bei M. trapezina , ein breiter Bereich der Schale hinter der Furche eingedrückt. Modiolarca nigroiiiargluata Pffr. (Taf. 4, Fig. 11.) — Testa Modioiarca ovato-trapezoidalis, tenuis, compressa, pallide rufescente-grisea, nigres- cente marginata, verticibus in quarta parte anteriore sitis, parum inflatis et involutis , extremitate antica parva, rotundato-angulata, trigonalis; postica magna, semi-oblongo-ovata. Margo dorsalis sub- horizontalis, curvatim in marginem inferiorem transiens ; margo anterior declivis, rectus, rotundato-angulatim in marginem inferiorem transiens; margo ventralis leviter curvatus, non sinuatus. Depressiones nee postica nee antica; in regione inter verticem et fissuram byssalem interdum levissima impressio vel Striae filiformes verticem versus evanidae. Schale trapezoidisch-eiförmig, dünn, zusammengedrückt. Farbe hell-rotgrau oder gegen die Ränder hell - rotbraun oder auch ganz rotbraun , der Unterrand oder auch der ganze Rand schwärzlich besäumt. Cuticula beim Antrocknen eine etwas olivengraue Farbe annehmend; der schwärzliche Rand, welcher nur von der Cuticula herrührt, verbleibt auch beim Antrocknen. Nach den Wirbeln zu wird die Cuticula dünner, sodaß die Farbe der Schale einfach durch- scheint. Die dem Wirbel aufsitzende Embryonalschale nebst dem daran stoßenden Teile des Wirbels ist außerordentlich lebhaft gelbbraun gefärbt. Die Wirbel stehen etwa auf der Grenze des ersten und zweiten 124 Eduard v. Maitens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Viertels, sind nicht eigentlich aufgeblasen und wenig eingerollt. Die Vorder - Extremität ist demnach ziemlich kurz, etwa dreieckig mit zugerundetem Winkel von etwa 75 °. Hinter-Extremität groß, ver- längert halb eiförmig. Dorsalrand ungefähr horizontal, nach vorn ein wenig ansteigend, geht dann in ziemlich regelmäßiger Rundung in den Hinterrand und dieser in etwas stärkerem Bogen in den Ventralrand über. Der Vorderrand fällt ziemlich steil ab und ist ziemlich gerade. Der Ventralrand ist nur schwach gebogen und zeigt nahe dem Vorderrande durchaus keinen Sinus; höchstens nähert sich der Contour der Schale an der Stelle, wo die Byssus-Öffnung liegt, mehr einer graden Linie. Eine obere und vordere Depression ist nicht vorhanden; von der byssalen Depression kann man zuweilen geringe Spuren feststellen, entweder als einen ganz flachen Eindruck oder als Striche, die von der Byssus-Spalte nach den Wirbeln zu gerichtet sind. Obgleich die Charaktere dieser Art nicht besonders auffälliger Natur sind, so treten sie doch immer alle zugleich auf, sodaß die Feststellung der Art in keinem Falle einer Unsicherheit unterliegt. Die helle, stark mit Grau gemischte Farbe, der dunkle Ivand und der Mangel der Depressionen läßt die Art sogleich erkennen. Die oben beschriebene Varietät von M. subquadrata erscheint als ein Mittelglied zwischen der typischen M. subquadrata und der vorliegenden M. nigromarginata ; in der Form ähneln sich beide fast vollkommen bis auf die Sinus-Bildung des Ventralrandes; auch in der Zusammen- gedrücktheit der Schalen und der Farbe nähern sich beide Muscheln. Mo.iioiarca Modiol.irca fab.i Pffr. (Taf. 4, Fig. 10 a — e.) — Testa ovato- trigonalis, ventricosa, castauea, parum nitens, (assiccata: olivaceo- brunnea) cuticula ejusdem coloris induta; verticibus raro attritis; facies interna nitente-fulva. Extremitas antica rotundato-trigona, postica ovato-atteuuata. Margo superior levissime declivis, leviter curvatus, dein plus minusve abrupte in marginem posteriorem versus; margo posterior ovatim curvatus, itemque in marginem ventralem transiens; margo ventralis curvatus, antice plerumque subrectus, rarissime sub- sinuatus; margo anterior declivis, levissime curvatus. Vertices perin- flati, ampli, planati, incurvi; inflatio totam fere testam occupans. Depressiones antica et postero-superior fortissimae, angustae, superior angulatim ab inflatione sejuncta; depressio byssalis inconspicua. Schale eiförmig - dreieckig , bauchig , kastanienbraun , in ver- schiedenem Maaße, nie jedoch stark, öfters garnicht, glänzend. Die Schalenhaut hat dieselbe Farbe wie die Schale; bei den gut erhaltenen Stücken bedeckt sie die ganze Schale mit Ausnahme der intensiv ral>a. Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 125 kastanienbraun gefärbten Embryonal-Schale ; bei andern ist die Schalenhaut etwas abgerieben; man bemerkt dies jedoch nicht in demselben Maaße, wie bei andern Arten der Gattung, insofern der Unterschied zwischen der Farbe der Schale und der Schalenhaut in feuchtem Zustande kaum vorhanden ist. Trocknen die Schalen an, so mischt sich Grau in das Kastanienbraun, derart, daß bei vielen abgeriebenen Stücken ein unscheinbares Grau die Farbe der ab- geriebenen Stellen ausmacht. Inwendig sind die Klappen glänzend und lebhaft braun, mit Ausnahme des fast weißlichen Randes. Die Vorder -Extremität ist etwas länger entwickelt, als bei den andern Arten der Gattung, doch variiert das etwas ; sie ist rundlich-dreieckig, etwa rechtwinklig - nasenförmig. Die Hinter -Extremität ist ziemlich schlank und etwas zugespitzt -halbeiförmig. Der Dorsalrand bleibt zuerst ungefähr auf der Höhe, die er am Wirbel hat, manchmal steigt er wegen der starken Convexität der Wirbel zuerst etwas an, jedoch beschränkt sich dieser Anstieg nur auf den vordersten Teil des Eandes; darauf wendet sich derselbe, ziemlich grade verlaufend, in schwachem Abfall nach hinten und geht, meistens etwas plötzlich nach unten abbiegend, in den Hinterrand über. Dieser ist gleich- mäßig etwa in einem Kreissegment gebogen und geht in demselben Sinne in den Ventralrand über. Dieser ist in seinem hinteren Ver- laufe etwas stärker gebogen, als vorn, im letzteren Bereiche ist er fast grade, manchmal sogar an der Byssus-Spalte etwas eingebuchtet; das ist aber sehr selten und nur in ganz geringem Grade der Fall; jedenfalls sieht man das nur, wenn man die Befunde anderer Arten genau kennt. Der Vorderrand fällt ziemlich steil ab, jedoch nicht ganz so steil wie bei den andern Arten; er ist fast grade, ganz schwach convex. Die Wirbel sind sehr stark aufgeblasen, umfangreich, abgeplattet, eingebogen. Die Aufblähung erstreckt sich fast über die ganze Schale; auch da, wo die Depressionen vorhanden sind, ist die Convexität der Schalen viel bedeutender, als bei irgend einer Art der Gattung. Bei allen übrigen sind die Klappen gegen den Rand zu etwas geschärft, während sie bei der vorliegenden Art in dem Winkel, welchen die Convexität der ganzen Schale angiebt, zusammen stoßen. Die vordere und obere Depression sind stark ausgeprägt. Die vordere ist besonders stark auf der oberen Hälfte des Vorderrandes; von vorn betrachtet erscheint sie bei fast allen Exemplaren als Lunula, die sogar von einer deutlich eingedrückten Stelle umschrieben sein kann; der Vorderand an dieser Stelle ist der schärfste, der an der ganzen Schale auftritt. Die obere hintere Depression ist sehr schmal, aber außerordentlich deutlich durch einen kräftigen Eindruck abgesetzt. 126 Eduard v. Martens uad Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. Von dieser Impression an flacht sich die Depression nach dem Rande zu nicht etwa ah, sondern sie wulstet sich sogar etwas auf; von hinten gesehen, erscheint die hintere Depression als eine sehr deutlich ausgeprägte und umgrenzte Area. Diese Area erscheint ganz besonders charakteristisch, indem grade in der Impressions-Linie die obersten Schichten der Cuticula beim Antrocknen sich grauweiß färben und die Depressions-Zone sehr stark hervorheben. Eine byssale Depression ist nur in ganz schwachem Maaße festzustellen; sie ist, wie oben schon von der Abflachung des Ventralrandes au dieser Stelle gesagt wurde, nur zu sehen, wenn man den Befund anderer Arten kennt; dagegen ist jene Stelle des Ventralrandes, von unten gesehen, bei vielen Stücken dadurch ausgezeichnet, daß sie, ähnlich wie bei Tellinen, etwas S-förmig verbogen ist. Diese Muschel ist die gewöhnlichste Art Süd-Georgiens und in Hunderten von Exemplaren, auf Tang zusammen mit M. subquadrata und M. nigromarginata sitzend, mitgebracht worden. Sie variiert zwar in der Ausbildung der hinteren Extremität außerordentlich, indem es ziemlich lUnglich-ovale und andrerseits wieder ganz kurze, rundlich- dreieckige Stücke giebt; doch hat die Art so viel positive charak- teristische Eigenschaften, daß, freilich bei sorgfältigem Beschauen, kein Stück mit irgend einer andern Art verwechselt werden kann. Modioiarca Modiolarcji hicolor Mrfs. (Taf. 4, Fig. 12 a— d.) — v. Martens bicoior. ] ^ p go — Testa transverse-oblonga, utratjue extremitatc obtuse rotundata, medio obsolete radiatim striata, albida, dorso et postice plus minusve intense castaneo-colorata; verticibus in V'-* siti; margine superiore anteriore oblique descendente, brevi, posteriore pcrlongo, paulum convexo, margine ventraU rectilineo; facies interna intensius colorata. Schale länglich-eiförmig, bauchig, schwach oder garnicht glänzend, an der Vorder-Extremität stumpf, an der hinteren ziemlich spitz zu- gerundet, in einem mittleren Bereiche der Klappen mit einigen etwas erhabenen, radialen Strichen skulpiert. Die Wachstums-Absätze geben der Schale eine unregelmäßig -concentrische Faltung. Die Farbe der Schale ist weißlich; bei einigen wenigen findet sich diese Färbung bis auf die hell- kastanienbraunen oder braunrötlichen Wirbel und einen oberen hinteren Bereich der Schale; bei den meisten dagegen liegt die Farbe auf dem ganzen Bereich oberhalb der stärksten Aufblähung. Das Innere der Schale ist ebenso gefärbt wie das äußere, nur tritt die weiße Farbe sowol wie die braune hier viel intensiver auf. Die Schalenhaut ist graulich und verliert sich leichter, als bei den andern Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 127 Arten der Gattimg; bei den meisten Exemplaren findet man sie bloß an den zuletzt gebildeten Schalenteilen. Die Wirbel liegen im vor- deren Achtel ; sie sind nach Art der Gattung eingebogen. Der Vorder- rand der Schale steigt steil herab und geht, -winklig gerundet in den fast stets gradlinigen Ventralrand über. Manchmal hat der letztere eine schwache Biegung, sehr selten zeigt er an der Stelle des Byssus- Spaltes eine ganz minimale Einbuchtung. Der hintere Dorsalrand ist sehr lang, im allgemeinen gradlinig, höchstens etwas convex ansteigend, dann wendet er sich nach hinten und unten und geht, ziemlich hart umbiegend, in den Ventralraud über. Die Aufblähung der Schale weicht in etwas von der anderer Gattungs- Genossen ab; die Region der stärksten Aufblähung findet sich bei fast allen Exemplaren nur als eine ziemlich schmale, von den Wirbeln in schwachem Bogen nach dem hinteren unteren Schalenende ziehende Erhöhung. Von hier aus flacht sich die Schale einerseits nach oben, andrerseits nach unten und vorn allmählich ab ; deshalb sind eigentliche Depressionen nur schwach ausgeprägt, doch bemerkt man immerhin zuweilen eine hintere obere Depression; noch häufiger, aber ziemlich schwach und breit flächenförmig entwickelt, eine byssale. Das Ligament ist sehr lang und liegt in einer, seiner Länge entsprechend über den ganzen Dorsal- rand reichendeo, wirklicheD, spaltförmigen (auf jeder Klappe als Halb- spalt entwickelten) Ligamentgrube. Fast unter der ganzen Länge derselben ist ein starker Schloßrand ausgebildet, welcher bis an den Vorderrand der Schale reicht. Die Zahnbildung ist die variabelste der Gattung; fast an jedem Stück ist irgend ein Teil des Schlosses schwächer oder stärker entwickelt, als bei andern; ältere Stücke verlieren, wie bei den andern Arten, die Zähne; nimmt man den Befund einer Anzahl mittelgroßer Stücke als Norm au, so ist die Regel: Ein stark -zwei- teiliger Zahn in der linken Klappe und ein einfacher in der rechten Klappe. Die Art kommt zusammen mit Cyamium imitans an Schwämmen vor und ist von demselben äußerlich kaum zu unterscheiden; das einzig sichere, unterscheidende Merkmal sind die radiären Streifen auf der Schale der M. bicolor; diese sind freilich nicht bei allen Stücken zu erkennen, besonders nicht, wenn die Schale feucht ist. Andere Merkmale sind, daß der Dorsal- und Ventralrand bei M. bicolor grader und wagerechter, die Vorder-Extremität länger und spitzer, daß die concentrische Faltung der Schale unregelmäßiger ist und die Farbe meist nur von oben bis zur stärksten Bauchigkeit der Schale reicht. Modiolarca trapeziua Lam. (Taf. 4, Fig. 13.) — v. Martens 1. c. Modioiarca p. 93. — Sehr viele Stücke, auf den Blättern von Macrocystis ange- trapeziua. heftet; einige sehr groß, bis 37 mm lang, 27 hoch und 18,5 dick. 128 Eduard v. Martena und Georg Pfoffor, Mollusken von Süd-Georgien. Nuüuhi Nuciiln miiinsciila Pffr. (Taf. 4, Fig. 15.) — Testa cuneata, antice nmiuscuia. subabrupte trimcata, postice rotiuidato-tnincata, sublaevis, iiicrenieuti tan tum plicis irregularibus tenuibus, cuticula laevi, viridi- lutea, non iiitente; verticibiis iu V4 loDgitudinis sitis , siibproniiiieiitibus; iiiargo anticus rectus, fortiter declivis, rotvmdato-rectaiigulatim in inaiginem ventralem fortiter couvexinn transiens; margo dorsalis ventrali sub- parallelus ; extremitas postica regulariter rotundata. Long. 2,2; altit. 1,9 mm. Schale von keilförmigem Umriß, vorn ganz steil abgestutzt, hinten zugerundet-abgestutzt; fast glatt, nur mit ganz unregelmäßigen schwachen Wachstums-Absätzen versehen, mit glatter, grünlich-lehm- farbiger, nicht glänzender Schalenhaut. Die Wirbel liegen in '/i der Länge und ragen etwas hervor; die Einzelheiten derselben sind an dem einzigen, stark angefressenen Exemplar nicht fest zu stellen. Der Vorderrand ist grade, fällt aber sehr steil ab und geht in zu- gerundetem rechten Winkel in den stark convexen Ventralrand über ; der Dorsalrand ist dem Ventralrand etwa parallel; er convergiert nur schwach gegen ihn nach dem Hinterende zu; das Hinterende wird von einem etwa vertical stehenden Bogen gebildet. Leider ist von dieser Art nur 1 stark angefressenes Stück aufgefunden, sodaß die Charakteristik nur in dürftiger Form gegeben werden konnte. Lissaica LissapcH rubi'ofusca E. A. Smith. (Taf. 4, Fig. 14, a — e.) — vubroiusca. ^sWi/^/i, Phil. Trans. Vol. IdS, ]>. 185. — v. Martens 1. c. p. 94. -— Testa formae Modiolarcae trapezinae, transverse trapezoidalis, postice ali(]uantum altior quam antice, antice rotundata, postice subrotundato- subtruncata, iniiata, verticibus in Vo — Vio longitudinis sitis vel sub- terminalibus, plicis confertis coucentricis concinue sculpta, castaneo- purpurea, versus und)ones pallidius fusca vel roseofusca; cuticula submucosa, in media et superiore testa evanida, tenui, grisea vel viridescente-grisea, supra testae plicas coucentricas laminata. Margo anticus leviter concavus, fortissime declivis, rotundato-rectangulatim in marginem ventralem fortiter convexum, antice subsinuatum transiens; margo dorsalis leviter vel fortius ascendens, obtuse-rotundatim in mar- ginem posticum transiens; margo posticus leviter convexus, fortiter declivis, in dimidia parte superiore subincisus, subabrupte in marginem ventralem transiens. Vertices iutlati, plus minusve prominentes, tumidi, incurvi, contigui. Area ligamenti angustissime lanceolata. Depressiones testae duae, altera antica, angusta, pone marginem anticum sita, saepius iuconspicua; altera postero-superior, magna, fortissima, maximam partem impressione sulciformi ab inllatione separata; depressio byssalis inter- Eduard v. Martens und Georg Pfeffer, Mollusken von Süd-Georgien. 129 dum conspicua; rima byssalis longa, angusta. Margo cardinalis leviter arcuatus, in media parte rectiis et edentuliis, autice obscure tridentatus, postice quadridentatus, denticulis posticis multo majoribus, angustis, rectilineis, albidis. Margines testae intus denticulati excepto sinu byssali in margine ventrali et margine posteriore inferiore. Color testae intus vivide brunneo-violaceus vel violaceo-brunneus. Long. 5,6; alt. 4; lat. 3,5. „ d,o *, „ 4; „ 6,0. Schale vom Umriß einer Modiolarca, etwa an M. trapezina erinnernd, quer trapezoidal, hinten ein gut Stück höher als vorn; vorn gerundet, hinten in schwachem Bogen etwas abgestutzt, bauchig aufgeblasen. Die Wirbel stehen etwa am Ende des ersten Sechstels oder Zehntels der Schale, manchmal stehen sie auch am Vordereude oder ragen sogar über das Profil der gesamten übrigen Schale hinaus. Die Schale ist von sauberen concentrischen Furchen umzogen, purpurn- kastanienfarbig, nach den Wirbeln zu hellgclbbraun-rot oder rosig- gelbbraun. Die Schalenhaut hat die Consistenz eines schleimigen Überzugs, ist um die Eänder herum stark, zuweilen sehr stark aus- gebildet, läßt aber den mittleren, aufgeblaseneu Teil und die Wirbel frei; über den concentrischen Falten der Schale erhebt sie sich zu zarten, in die Höhe stehenden niedrigen Falten. Der Vorderrand steigt stark abschüssig, zuweilen rechtwinklig, herab und geht in zu- gerundetem rechten Winkel in den stark convexen, an der Byssus- spalte etwas eingezogenen Ventralrand über. Der Dorsalrand steigt nach hinten schwach oder stark auf und geht dann in sehr stumpfer Biegung in den Hinterrand über; dieser giebt der Schale im allgemeinen eine etwas schräge Abstutzung; die Schrägheit ist indessen sehr ver- schieden, manchmal weicht sie von der Vertikalen wenig ab; ebenso die Convexität, wenn auch immer schwach, so doch in verschiedenstem Maaße ausgebildet. Da der Hinterrand ziemlich grade auf den stark gebogenen Ventralrand stößt, so vollzieht sich der Übergang beider etwas plötzlich. Am Ende seines oberen Drittels zeigt der Hinterrand eine einschnittartige Einziehung, welche der Grenze der hinteren oberen Depression gegen den aufgeblÃ